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Ivo Sasek

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Begonnen von Groucho, 08. August 2014, 19:59:37

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Jaegg

Sasek und seine OCG sind heute auf der Titelseite deOstschweizer Zeitung "Tagblatt", als erster Teil einer Serie
Mal sehen, was sich daraus ergibt.

Ausserrhoder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Sektenführer Sasek

30.10.2026, 05.00 Uhr

Ein erfolgreiches Verfahren wäre in der Schweiz ein einmaliger Coup gegen eine radikale Glaubensgemeinschaft. Die Behörden untersuchen, ob die Organische Christus Generation in Walzenhausen ihre Mitglieder ausbeutet.

ZitatEs wäre ein Novum in der Schweiz. Noch nie ist es einer Schweizer Strafuntersuchungsbehörde gelungen, einer Sekte erfolgreich ein Abhängigkeitsverhältnis und eine Ausbeutung ihrer Mitglieder nachzuweisen. Wie Recherchen dieser Zeitung zeigen, gehen die Ausserrhoder Ermittler nun diesem mutmasslichen Offizialdelikt nach. Im Zentrum der Untersuchung stehen der Appenzeller Sektenführer Ivo Sasek und seine Frau.
Ivo Sasek ist das Oberhaupt der Organischen Christus Generation (OCG). Vor 42 Jahren hat sich der gelernte Automechaniker im Appenzeller Vorderland niedergelassen. Sasek sieht sich selbst als Propheten. Und das Dorf Walzenhausen ist für viele Menschen zum Wallfahrtsort geworden.
Die OCG zählt laut Schätzungen von Beobachtern zwischen 1000 und 2000 Mitglieder. Sie stammen mehrheitlich aus dem deutschsprachigen Raum. Die deutsche Fachstelle Sekten-Info NRW beschreibt die OCG als besonders extreme und abgeschottete Gemeinschaft. Die Sekte selbst betrachtet sich laut Sekten- und Weltanschauungsexperte Hugo Stamm als «Organismus», der dazu auserkoren sei, nach der «nahenden Apokalypse» an der Spitze der Menschheit zu stehen.

Mehrere Aussteigerinnen und Aussteiger sowie Insider haben Kenntnis vom laufenden Verfahren. Sie sprechen von einer «riesigen Untersuchung» mit dutzenden Einvernahmen von jetzigen und ehemaligen OCG-Mitgliedern.

Auf Anfrage bestätigt die Ausserrhoder Staatsanwaltschaft, dass Untersuchungen gegen Ivo Sasek und seine Frau wegen gewerbsmässigen Wuchers und Verstosses gegen das AHV-Gesetz laufen. Die Behörde untersucht also, ob die Saseks ihre OCG-Mitglieder systematisch ausgebeutet haben, um sich selbst finanziell zu bereichern. Die Staatsanwaltschaft kann aufgrund des hängigen Verfahrens keine weitere Auskunft erteilen. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Was die OCG gefährlich macht
Die Organische Christus Generation aus Walzenhausen war schon mehrfach in den Schlagzeilen. Aussteiger treten immer wieder an die Öffentlichkeit. Sie berichten von Verschwörungstheorien, von Züchtigung, Abschottung, Radikalisierung, und von Kontaktabbrüchen innerhalb der Familien.
Der deutsche Theologe und Sektenbeobachter Harald Lamprecht schreibt in einer Publikation über die OCG von «radikaler Unterordnung», die von den Mitgliedern erwartet wird. Die Visionen eines harmonischen Familienlebens ohne Konflikte sollen die Anhänger unter anderem mit «der Aufgabe des eigenen kritischen Denkens» erreichen. Innerhalb der Sekte nennt man diese Selbstaufgabe «Organismusfähigkeit».
Mitglieder arbeiten, verdienen aber nichts
Im Kern der Untersuchungen der Staatsanwaltschaft stehen laut Insidern Betroffene, die im sogenannten Vollzeitdienst der Sekte stehen und keinen Lohn beziehen. Diese Leute leben und arbeiten in Liegenschaften der Familie Sasek, die mehrere Gebäude in der Region besitzt.
Ruth Tuschewski wuchs in der OCG auf und stieg mit 16 Jahren aus der Sekte aus. Ihr zufolge haben Leute im Vollzeitdienst «Pseudoarbeitsverträge», die vor allem mündlich vereinbart werden. «Sie arbeiten weit über die Grenzen des gesetzlich Zulässigen hinaus», sagt sie im Gespräch. «Einen Lohn erhalten sie aber nicht.»
Nebst der finanziellen Abhängigkeit sollen die Betroffenen einem hohen sozialen Druck ausgesetzt sein. Seit 2019 gilt in der OCG das sogenannte «Aussatzgesetz», das Familienangehörigen den Kontakt zu Aussteigerinnen und Kritikern massiv erschwert. Eltern werden vor die Wahl gestellt: ihre Aussteiger-Kinder zu verstossen oder selbst aus der Sekte ausgeschlossen zu werden. Laut Tuschewski trauen sich viele Mitglieder nicht, auszusteigen, weil sie die Isolation von Familie und Freunden fürchten.
Ein Insider erzählt, die Sekte kenne keine Skrupel bei der Durchsetzung dieser Aussatzgesetze. Mehrere Mitglieder hätten unter dem Druck derart gelitten, dass sie krank wurden. Somit herrsche in der Sekte sowohl finanziell als auch sozial ein enormes Abhängigkeitsverhältnis. Könne die Staatsanwaltschaft dieses nachweisen, seien die Bedingungen für eine Anklage wegen gewerbsmässigen Wuchers, also der Ausbeutung von Menschen in einer Zwangslage, gegeben.
Sollte die Staatsanwaltschaft den Wucher nicht nachweisen können, wäre gemäss Insider zumindest eine Verurteilung wegen Nötigung möglich. Das Problem sei, dass dieser mutmassliche Tatbestand wegen der umfassenden Ermittlungen zu verjähren drohe.

Diese Zeitung hat Ivo Sasek mit Fragen zur Untersuchung schriftlich konfrontiert. Sein Anwalt schreibt: «Mein Mandant weist sämtliche strafrechtlichen Vorwürfe entschieden zurück.» Für Ivo Sasek gelte die Unschuldsvermutung. Er unterliege wie sämtliche Verfahrensbeteiligten einer staatsanwaltschaftlich verfügten Geheimhaltungspflicht.

Finanziert die Allgemeinheit indirekt die OCG?
Wegen der laufenden Untersuchungen gegen Ivo Sasek und wegen mehrerer Hinweise, dass sich «eine nicht unerhebliche Menge» an Personen im OCG-Vollzeitdienst befindet, kommt ein weiteres Thema zum Vorschein: Es geht um individuelle Verbilligungen von Krankenkassenprämien.

Zwei gut informierte Personen berichten gegenüber dieser Zeitung, was auch schon der Aussteiger-Sohn Simon Sasek vor einigen Jahren gegenüber SRF angetönt hat. Weil mehrere OCG-Mitglieder von Sasek keinen oder nur wenig Lohn beziehen, sollen sie über Jahre hinweg von Prämienverbilligungen profitiert haben. Ein Behördenmitarbeiter berichtet von auffällig vielen Personen aus dem OCG-Umfeld, die Anträge stellen würden. Der Staat habe diese Anträge jeweils genehmigt. Auch diesbezüglich soll eine Untersuchung gelaufen sein.

Kann der Kanton Appenzell Ausserrhoden diese Hinweise bestätigen? Hat die Allgemeinheit über Jahre eine Sekte indirekt mitfinanziert? Das Departement für Gesundheit und Soziales könne sich dazu nicht äussern. «Aufgrund des Amtsgeheimnisses und des Datenschutzes», schreibt es.

Diese Zeitung hat auch Ivo Sasek zu diesem Thema schriftlich um eine Stellungnahme gebeten. Die Fragen liess er unbeantwortet.

«Das wäre ein Pilot-Urteil»
Es ist nicht das erste Mal, dass Sektenführer Ivo Sasek in seinem Leben unter Beobachtung der Behörden steht. Rechtskräftig verurteilt wurde er nie.

Zuletzt in den Fokus geriet Sasek während der Vorermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft München im Jahr 2020. Sie hatte unter anderem den Verdacht der Volksverhetzung, der Bedrohung und der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten geprüft. Doch wie die «Augsburger Allgemeine»  berichtete, hatte die Staatsanwaltschaft später mangels ausreichenden Anfangsverdachts auf die Einleitung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens verzichtet.

Georg Otto Schmid, Sektenexperte der Informationsstelle Relinfo, zeigt sich erstaunt und erfreut über die derzeitigen Ermittlungen der Ausserrhoder Staatsanwaltschaft. «Das wäre ein Pilot-Urteil», sagt er. Dennoch bleibt Schmid skeptisch: «Ich wäre überrascht, wenn die Staatsanwaltschaft Erfolg hat.» Denn sowohl in der Schweiz als auch im Ausland bestehe in solchen Fällen immer die Schwierigkeit, die Zwangslage der Mitglieder solch radikaler Gemeinschaften gerichtsfest nachzuweisen. Pseudoverträge und Erklärungen von Sektenmitgliedern, die angeben, dass sie freiwillig arbeiten, erschweren Ermittlungen.
Die Arbeitsstrukturen wie diejenigen der Mitglieder im Vollzeitdienst seien in kommunitär lebenden Gemeinschaften stark verbreitet, so Schmid. Käme es tatsächlich zu einem Urteil, könnte dies Folgen für viele ähnliche Gemeinschaften haben.

Die Organische Christus Generation könnte auch bei einem Schuldspruch vom Verfahren profitieren. Schmid sagt: «Werbetechnisch wäre das ideal für die OCG.» Für Mitglieder sei das der Beweis, dass sie verfolgt werden. «Das ist Wasser auf ihre Mühlen.»