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Autor Thema: Gresser & Jordan - Gutachterstudie  (Gelesen 2244 mal)

sweeper

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Gresser & Jordan - Gutachterstudie
« am: 03. Mai 2014, 21:40:27 »
Futter für Pelacani:

"Wie unabhängig sind Gutachter?"
Der Text von Gresser/Jordan ist jetzt im Beck-Verlag erschienen:

http://www.ursula-gresser.de/publikationen.html
Zitat
Wie unabhängig sind Gutachter? Ergebnisse einer Befragung unter 548 medizinischen und psychologischen Sachverständigen in Bayern 2013

Jordan B, Gresser U (2014)
Der Sachverständige 4/2014 vom 08.04.2014, S. 71-83
Verlag C.H. Beck München

Die Zahl der in den letzten Jahren öffentlich gewordenen Justizfehler, für jedermann nachzulesen, wie z.B. im DER SPIEGEL 33/2011 vom 15.08.2011 über den Fall von Horst Arnold, die sich zum Teil zu Justizskandalen auswuchsen, hat das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat erschüttert. Oft wurde weder den Opfern angemessen Gerechtigkeit zuteil, noch wurden die Ursachen der Justizfehler den deutschen Gesetzbüchern entsprechend rechtsstaatlich gewürdigt. In solchem Kontext öffentlich gewordene Fälle sind zum Beispiel die von Gustl Ferdinand Mollath, Ulvi Kulac, Horst Arnold, Jörg Kachelmann oder der des Vaters aus Memmingen, wobei jeder Fall eine ganz eigene Geschichte ist. Es wäre für die Wirksamkeit des Rechtsstaates wichtig, Fehler zuzugeben und Falschbeschuldigungen gemäß § 164 StGB bzw. § 239 StGB  zur Rechenschaft zu ziehen. So wurde beispielsweise im Falle von Horst Arnold die gerichtlich festgestellte Falschbeschuldigerin Heidi K. wegen der „Freiheitsberaubung in mittelbarer Täterschaft“ verurteilt, nicht aber wegen der Falschbeschuldigung – diese war bei Beginn der Ermittlungen verjährt. Auch im Fall des sieben Jahre lang unschuldig inhaftierten Vaters aus Memmingen wurde die Falschbeschuldigung wegen Verjährung nicht geahndet.

Verjährung ohne Klärung bahnt sich im Fall von Jörg Kachelmann an. Hier wurde wohl noch nicht einmal mit den Ermittlungen wegen des Verdachtes auf Falschbeschuldigung begonnen – die im Raum stehende Falschbeschuldigung wird wohl im Mai 2014 verjähren, die mittelbare Freiheitsberaubung wohl im Juli 2015. Und dies, obwohl das LG Mannheim mit Entscheidung vom 17.10.2013 festgestellt hat, dass die Herrn Kachelmann beschuldigende Frau Claudia D. keinen Unterlassungsanspruch hat, wenn Herr Kachelmann sie öffentlich als „Falschbeschuldigerin“ bezeichnet, da bereits die Strafkammer des LG Mannheim festgestellt habe, dass Frau D. „nachweislich [...] falsche Angaben gemacht“ habe.

Es geschehen Fehler, aber es fehlt offensichtlich an der Analyse und Beseitigung der Fehlerursachen. Man vermisst eine angemessene Fehlerkultur.

Eine zentrale und nicht selten auch mitursächliche Rolle bei den bekannt gewordenen Fehlurteilen des Rechtssystems spielen medizinische und psychologische Gutachten.

„Der Gutachter muß ein unabhängiges Beweismittel sein und bleiben [und] [...] darf von keiner der am Strafprozeß beteiligten Personen abhängig sein oder werden“. Doch gerade bei diesem von Rasch als „das heißeste Problem in der ganzen Gutachtenerstattung“ bezeichneten Prozess der Sachverständigenbeauftragung spielen in der öffentlichen Diskussion immer wieder Hinweise auf mögliche Einflussnahme der Gerichte auf die von ihnen bestellten Gerichtsgutachter eine Rolle.

Um einen Anhaltspunkt dafür zu erhalten, ob es Einflussnahmen auf Gutachter bei von einem Gericht in Auftrag gegebenen Gutachten gibt, und was die Gutachter selbst dazu sagen, wurde eine Befragung unter Gutachtern durchgeführt.
Hier geht es zum Artikel:
http://beck-online.beck.de/default.aspx?sec=ICAgIGJlY2szNGFjOGI0ODYwZDQ0MTlhfh20ZRgEGjZwmeL1nIp1eqhbIbkuvsxV%2bU1dkCzw0itJ%2byka38wPbvegTavjdZ56IcBXDDigurpz26qP%2bEQs8g7RHchvo8ZGQWKqa9SKZwBRw%2fNy9yIKXEpaISKl4bFf
Wir bedanken uns hierfür beim C.H. Beck Verlag.
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Terry Pratchett

sweeper

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Re: Gresser & Jordan - Gutachterstudie
« Antwort #1 am: 03. Mai 2014, 21:44:52 »
Zitat
Ursula Gresser ‏@UrsulaGresser2 30. Apr.

@livemartin Über das Gutachtenwesen gab es bislang keine wissenschaftlichen Daten, obwohl es den Rechtsstaat entscheidend mitbestimmt.
Zitat
Martin Schönfeldt ‏@livemartin 30. Apr.

@UrsulaGresser2 ja die Arbeit ist ganz wichtig. Wenn man nur noch eine entlarvende Arbeit zur Qualität von Begutachtungen machen könnte.

Immer schön, wenn die Tendenz einer Studie schon vorgegeben ist - sehr wissenschaftlich!  :teufel
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pelacani

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Re: Gresser & Jordan - Gutachterstudie
« Antwort #2 am: 03. Mai 2014, 21:55:22 »
Damit bin ich doch schon durch, sweeper.
Hätte ich jetzt nicht gedacht, dass sie derart detailliert und umfassend vorgegangen sind. Aber so wie in diesem Interview, in den Kurzmeldungen und in der bisherigen Längstfassung der Arbeit bleibt vollständig im Dunkeln, was denn nun eigentlich gemeint ist mit „Tendenzsignalen“.
[Die Hervorhebung ist nachträglich.] Ist kurz; aber mehr zu dieser Veröffentlichung zu sagen würde den Leser langweilen.

sweeper

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Re: Gresser & Jordan - Gutachterstudie
« Antwort #3 am: 03. Mai 2014, 21:58:08 »
Damit bin ich doch schon durch, sweeper.
Hätte ich jetzt nicht gedacht, dass sie derart detailliert und umfassend vorgegangen sind. Aber so wie in diesem Interview, in den Kurzmeldungen und in der bisherigen Längstfassung der Arbeit bleibt vollständig im Dunkeln, was denn nun eigentlich gemeint ist mit „Tendenzsignalen“.
[Die Hervorhebung ist nachträglich.] Ist kurz; aber mehr zu dieser Veröffentlichung zu sagen würde den Leser langweilen.

Das soll jetzt aber der Volltext sein bei Beck - allerdings habe ich den Link noch nicht aufgerufen.
Du musst ihn wohl von Hand eingeben, denn Beck-online mag die Verlinkung von Psiram aus wohl nicht.

Ich verstehe aber, dass du dir das nicht noch mal antun willst - mich nervt diese Frau mit ihren Suggestivstudien schon ohne Ende.
Die Twittermeldung fand ich noch spannender - da kommt bestimmt noch was nach.
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pelacani

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Re: Gresser & Jordan - Gutachterstudie
« Antwort #4 am: 03. Mai 2014, 22:09:58 »

Das soll jetzt aber der Volltext sein bei Beck - allerdings habe ich den Link noch nicht aufgerufen.
Du musst ihn wohl von Hand eingeben, denn Beck-online mag die Verlinkung von Psiram aus wohl nicht.

Ich verstehe aber, dass du dir das nicht noch mal antun willst - mich nervt diese Frau mit ihren Suggestivstudien schon ohne Ende.
Die Twittermeldung fand ich noch spannender - da kommt bestimmt noch was nach.

Es ist der Text, den ich mit "bisheriger Längstfassung" gemeint habe. Wenn das der Volltext ist, (12 Seiten), dann wäre es endgültig aus mit den medizinischen Promotionen; das würde selbst den allerletzten Frommen vom Glauben abbringen.  ;D

Das eigentlich Spannende ist, wie sie sich mit dieser Datengrundlage durch das Promotionsverfahren schleusen werden. Dass Frau Doktormutter keine Manschetten hat, das wissen wir. Aber wie werden sich die - ogott - Gutachter verhalten? Werden sie ihr eigenes wissenschaftliches oder ihr politisches Ansehen gefährden? Beides gleichzeitig unberührt lassen, das wird wohl kaum möglich sein.  :teufel

sweeper

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Re: Gresser & Jordan - Gutachterstudie
« Antwort #5 am: 03. Mai 2014, 22:17:15 »

Das soll jetzt aber der Volltext sein bei Beck - allerdings habe ich den Link noch nicht aufgerufen.
Du musst ihn wohl von Hand eingeben, denn Beck-online mag die Verlinkung von Psiram aus wohl nicht.

Ich verstehe aber, dass du dir das nicht noch mal antun willst - mich nervt diese Frau mit ihren Suggestivstudien schon ohne Ende.
Die Twittermeldung fand ich noch spannender - da kommt bestimmt noch was nach.

Es ist der Text, den ich mit "bisheriger Längstfassung" gemeint habe. Wenn das der Volltext ist, (12 Seiten), dann wäre es endgültig aus mit den medizinischen Promotionen; das würde selbst den allerletzten Frommen vom Glauben abbringen.  ;D
Schreck, lass nach!
Und dafür solche Jubelchöre  ::) Ich dachte, nun jibbet endlich Butter bei die Fisch...

Zitat
Das eigentlich Spannende ist, wie sie sich mit dieser Datengrundlage durch das Promotionsverfahren schleusen werden. Dass Frau Doktormutter keine Manschetten hat, das wissen wir. Aber wie werden sich die - ogott - Gutachter verhalten? Werden sie ihr eigenes wissenschaftliches oder ihr politisches Ansehen gefährden? Beides gleichzeitig unberührt lassen, das wird wohl kaum möglich sein.  :teufel
In der Tat - das habe ich mich auch gefragt.
Es ist - zumindest an meiner Uni - auch nicht üblich, mit seinen halbseidenen Ergebnissen schon im Vorfeld solche Trommelwirbel zu veranstalten. Aber Bayern ist da vielleicht barocker.

Am schärfsten fand ich ja noch das "Frau Professorin Gresser". Klingt irgendwie so nach "Gnä Frau Hofrat".  :angel:
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Terry Pratchett

smartie

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Re: Gresser & Jordan - Gutachterstudie
« Antwort #6 am: 03. Mai 2014, 23:22:54 »
Wenn das der Volltext ist, (12 Seiten), dann wäre es endgültig aus mit den medizinischen Promotionen; das würde selbst den allerletzten Frommen vom Glauben abbringen.  ;D
Die Diss, die ich neulich zu lesen bekam, war nicht wesentlich länger und enthielt mehr oder weniger gar keine Daten. Da ging es um supraglottische Atemwegshilfen. Geschätzter Zeitbedarf, um das zusammenzutragen: 3 Tage maximal  :o

pelacani

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Re: Gresser & Jordan - Gutachterstudie
« Antwort #7 am: 03. Mai 2014, 23:39:59 »
Wenn das der Volltext ist, (12 Seiten), dann wäre es endgültig aus mit den medizinischen Promotionen; das würde selbst den allerletzten Frommen vom Glauben abbringen.  ;D
Die Diss, die ich neulich zu lesen bekam, war nicht wesentlich länger und enthielt mehr oder weniger gar keine Daten. Da ging es um supraglottische Atemwegshilfen. Geschätzter Zeitbedarf, um das zusammenzutragen: 3 Tage maximal  :o
Dann haben wir ihn ja endlich entdeckt, den wirklichen Skandal im Gutachterwesen. OMG.