Psiram Forum

Deutsch => Allgemeine Diskussionen => Thema gestartet von: mossmann am 12. Dezember 2014, 13:15:53

Titel: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: mossmann am 12. Dezember 2014, 13:15:53
Sehr interessant:

http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/ikw/news/2014/12_Synchronisation_Nachricht_Werbung

im Bereich der Medizinseiten von Zeitschriften ist das übrigens ein Abgrund ... ich arbeite in dem Metier und kann euch sagen, es ist schlimmer, als so mancher glauben mag ...
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: pelacani am 12. Dezember 2014, 15:03:11
im Bereich der Medizinseiten von Zeitschriften ist das übrigens ein Abgrund ... ich arbeite in dem Metier und kann euch sagen, es ist schlimmer, als so mancher glauben mag ...

Ich bin erschreckt, geradezu verstört. Ich glaube natürlich unbesehen, dass alles noch viel schlimmer ist, als ich es glauben würde. Aber mehr Information würde mich noch mehr beeindrucken.  ;)

Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: Gethen am 12. Dezember 2014, 16:02:16
im Bereich der Medizinseiten von Zeitschriften ist das übrigens ein Abgrund ... ich arbeite in dem Metier und kann euch sagen, es ist schlimmer, als so mancher glauben mag ...

Ich bin erschreckt, geradezu verstört. Ich glaube natürlich unbesehen, dass alles noch viel schlimmer ist, als ich es glauben würde. Aber mehr Information würde mich noch mehr beeindrucken.  ;)

So im Kontext betrachtet - dafür mußt du wahrscheinlich mit Barem wedeln. :grins

Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: ajki am 15. Dezember 2014, 12:47:49
Nach Durchsicht und Beobachtung erster Reaktionen sehe ich heute einen ersten verlinkten kritischen Kurzbeitrag bei "Bildblog". Schon der Titel spricht meinem eigenen Ersteindruck komplett aus der "Seele" ;-)

Studie für extrem faule "Medienkritiker" (https://plus.google.com/107223467325602754395/posts/j47A8kHM34N)

Ich könnte mir vorstellen, dass der OP genau das meinte, als er schrub, da wäre noch viel mehr drin.

*Eine* ziemlich bekannte und asbachuralte Klamotte wäre gewesen und hätte in einer "fleißigen" Studie auch betrachtet werden können, was bei irgendeiner Gadget-Markteinführung bei den Gazetten passiert. Beispiel: dieser iPhone5000-Quatsch (oder 170000...). In vielen Blättchen kamen um den Verkaufsstart herum *erstaunlich* viele Artikelchen - bei der sz-online z.B. sieben oder acht innerhalb von vier Tagen (drei im print). Theoretisch gar nicht sooooo abwegig wegen allgemeinem tatsächlichen Hype und dümmlichen Vorbestellungen 8 Jahre vorher und Schlangestehen von vollvertrottelten Hipstern etc. - es *gibt* eine berichtenswerte gesellschaftliche Reaktion auf "Apple"-Produkte, "Apple"-Konferenzen, "Apple"-Mythen, "Apple"-Grabstätten, "Apple"-Heilige ...

Aber warum so viele Artikel und in so kurzer Zeit und so viele komplett inhaltsfreie und so wenig unkritische (außer Rückgriffen auf schale Witzchen) und warum waren die online-Artikel alle nur von deutlichem Redaktionsjungvolk? Die erste und einfachste Frage und diejenige, die in allen solchen Fällen seit ewig an Verlage, Redaktionen und Journalisten gestellt wurde in solchen Zusammenhängen und zu stellen wäre ist simpel: "Was habt ihr von der Firma Apple alles bekommen zum 'Testen' des Geräts? Welche Bedingungen gelten für die Testprodukte und sonstigen 'Test'-Rahmen? Welcher Journalist, welcher Redaktionsteil, welcher Verlagsteil hat im Zeitraum was genau mit der Herstellerfirma zu tun gehabt?"

All' solche ziemlich naheliegenden Fragen wurden schon oft an Auto-, Motorrad-, Mode-, Touristik-...Zeitschriften mit relativ vorhersehbaren Ergebnissen gestellt. Natürlich gab es auch schon vor Jahrzehnten so etwas wie eine Forderung danach, ein Journalist "müsse" bei einem Produktartikel auch in der Beispalte offenlegen, was er an Goodies im Rahmen der "Recherche" "mitgenommen" hat - oder die Redaktion müssen das (z.B. im Bereich "Impressum" oder so) tun.

Bislang alles eher mit geringem Erfolg...

(edit: ich hatte immer gedacht, die Zeitungen hätten sich auch wie das TV bereiterklären können, irgendwo oben unter dem Zeitungsnamen so etwas als Dauerbanner zu installieren wie: "Diese Zeitung wurde unterstützt durch Produktplatzierungen" - das wäre doch a. nicht falsch wg. sowieso Werbung noch und nöcher im Blatt und b. ein Anfang...; aber selbst dieses Zugeständnis scheint noch nicht leistbar ;-) )
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: mossmann am 17. Dezember 2014, 16:30:24
Jetzt sag ich mal ganz frech: Der Torsten hat keine Ahnung oder stellt sich dumm.

Ich arbeite seit sechs Jahren bei einem der größten Deutschen Medienkonzerne mit dutzend Titeln und hohen Verkaufsauflagen.

Unter der Hand oder auch ganz offen laufen u.a. folgende Deals:

- Anzeigenschaltung nur bei Erwähnung des Produktnamens - bei Artikeln zu Erkältungsbeschwerden wird dann im Text eingebaut: "...bei Erkältung haben sich Kamillen-Extrakte bewährt (z.B. Produkt xyz, Apotheke) ..."
- Anzeigenschaltung zwar ohne Produktnennung (weil unauffälliger), aber das zum Produkt passende Thema muss in der Ausgabe behandelt werden.
- Pressereisen / Produkte gibt es nur, wenn man zustimmt, über das Produkt zu berichten.
- Anzeigenkunde gibt vor, welches Thema im Heft nicht behandelt werden darf. Die Anzeige wird nur geschaltet, wenn ein dem Produkt kritisches / abträgliches Thema nicht im selben Heft erscheint.
- Besuch von Marketing-Agenturen, die neue Produkte ihrer Kunden vorstellen - druckbare Texte werden gleich mitgeliefert, es gibt meist zahlreiche Geschenke.

Hier übrigens ein gutes Beispiel:

http://www.bildblog.de/search/first+class/



Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: pelacani am 17. Dezember 2014, 19:12:34
Hier übrigens ein gutes Beispiel:
http://www.bildblog.de/search/first+class/

Durchaus kurzweilig zu lesen. Am Schluss:
Zitat
Der Text rief aber dann doch nicht die Humorpolizei, sondern nur den Deutschen Presserat auf den Plan. Der stellte fest, dass der Autor den Namen der Fluglinie „nicht weniger als 14 Mal“ nannte, die Bilder „PR-Fotos der Fluggesellschaft“ waren und der Autor seine „ausschließlich positiven Erfahrungen so schwärmerisch“ darstellte, „dass die Grenze zur Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 des Kodex deutlich überschritten wurde“.

Der Presserat sprach eine Rüge aus.

Erinnert mich an einen Slogan, der sich meiner Kinderseele eingebrannt hatte: „Ein Mann sollte in seinem Leben einmal einen Zwölfzylinder gefahren haben!“
 
Zwei Fragen: 1. jibbet einen Leser, der was anderes vermutet hat? 2. Wieso Schleichwerbung?
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: ajki am 17. Dezember 2014, 19:41:35
Der Torsten hat keine Ahnung oder stellt sich dumm.

Versteh' ich nicht ganz. Der Autor der Kurzkritik bestätigt doch Deinen eigenen Satz weiter oben:

Zitat
und kann euch sagen, es ist schlimmer, als so mancher glauben mag ...

Er wirft der Studie "Faulheit" vor, weil die Methodik nicht genügend Nachweis liefert. Und er ist offensichtlich mit Dir der Meinung, dass man sehr wohl Nachweise und Belege liefern hätte können. In harter Form.
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: Groucho am 17. Dezember 2014, 21:12:27
Also, wieso bekommen wir eigentlich nie so Angebote? Ich finde ja z.B. unsere Artikel über Tantra, Chakrenmassage und so gehören überarbeitet. Man sollte sich vor Ort einen aktuellen Eindruck verschaffen, wie sehr Wohlbefinden und feinstoffliche Glücksströme tatsächlich fließen. 
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: Bloedmann am 18. Dezember 2014, 10:49:32
Also, wieso bekommen wir eigentlich nie so Angebote? Ich finde ja z.B. unsere Artikel über Tantra, Chakrenmassage und so gehören überarbeitet. Man sollte sich vor Ort einen aktuellen Eindruck verschaffen, wie sehr Wohlbefinden und feinstoffliche Glücksströme tatsächlich fließen. 
Nun ich denke da läßt sich mit dem Budget für 2015 bestimmt Dein nächster Jahresurlaub in Bad Belzig (http://www.psiram.com/ge/index.php/ZEGG) organisieren. Kost und Logis dürften sich ja bei dem DDR Ambiente in Grenzen (ha ha) halten. :grins2:

Hier die FAQ (http://www.ilka-stoedtner.de/tantra-fragen/) zum Selberfummeln.

Ein (Skeptiker) Paar aus der Bekanntschaft, welches seine Brötchen u.a. in der Medizinjournalistikbranche Bereich öffentlich rechtliches TV verdient, würde Mossmanns Beobachtungen übrigens voll und ganz bestätigen. Da ist es wohl nicht besser, eher noch schlimmer. Also wenn die erstmal in Fahrt kommen...
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: MrSpock am 18. Dezember 2014, 12:02:37
Als rauskam, dass Siemens im großen Stil nachgeholfen hat, Aufträge zu bekommen, war das Echo in den Medien besonders groß. Auch die Lustreisen der Ergo-Versicherung wurden durch die Medien öffentlich gegeißelt. So wie ich das jetzt verstanden habe, machen die Medien nichts anderes.
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: mossmann am 18. Dezember 2014, 12:39:10
Nachtrag:

- Pressereisen / Produkte gibt es nur, wenn man zustimmt, über das Produkt zu berichten.

Das gilt übrigens nur für hochpreisige Produkte.

Mit Billigkram wie Cremes, Globuli, Vitaminzeugs etc werden wir wöchentlich regelrecht zugemüllt - ungefragt, natürlich :-)
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: sumo am 18. Dezember 2014, 13:18:36
Anfang der neunziger Jahre konnte ich sowas anekdotisch beobachten, und zwar bei Zeitschriften, die damals das Mountainbike zum Thema hatten. Besonders gute Wertungen bei den allgegenwärtigen Tests erhielten die Fahrradmarken, die auch bei Inseraten in den Zeitschriften sehr häufig vertreten waren, desgleichen bei Tests von Versendern.
Das wurde und wird auch von Zeit zu Zeit in Mountainbikeforen thematisiert, allerdings waren und sind das immer Vermutungen gewesen.
Die Studie der TU Dresden halte ich aus diesem Grunde für begründet.
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: MrSpock am 18. Dezember 2014, 13:37:42

Mit Billigkram wie Cremes, Globuli, Vitaminzeugs etc werden wir wöchentlich regelrecht zugemüllt - ungefragt, natürlich :-)

Und die werden dann von Dir auf ebay vertickt... ;)
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: mossmann am 18. Dezember 2014, 14:00:00
Habs versucht, aber mühsam.

 ::)

Aber so einige der Kosmetikartikel bei Ebay sind bestimmt solche "Pharma-Promos" ...

Apropopos: Falls jemand Wärmepflaster oder Rheumasalben braucht: Habe ne Kiste davon hier rumstehen ... plus jede Menge Dr. Bankhofer Kram  :muel
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: MrSpock am 18. Dezember 2014, 16:38:03
Ich finde ja die Schals von Prof. Bankhofer sehr chick! 8)
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: mossmann am 18. Dezember 2014, 19:51:52
Hab ich keine, tut mir leid ...  :(
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: MrSpock am 18. Dezember 2014, 20:00:03
Zurück zum Thema: Das Schlimme ist, dass es bei der sog. Fachpresse genauso ist. Egal, welche Fachzeitschriften welcher Branche auch immer man nimmt. Redaktionelle Beiträge, Interviews, Berichte über neue Technologien etc. werden nur geschrieben, wenn man entsprechend Anzeigen schaltet. Der Inhalt zählt nicht.
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: Groucho am 18. Dezember 2014, 20:04:00
http://de.wikipedia.org/wiki/Propagandamodell#Die_.E2.80.9EFilter.E2.80.9C (http://de.wikipedia.org/wiki/Propagandamodell#Die_.E2.80.9EFilter.E2.80.9C)

 :grins2:
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: MrSpock am 18. Dezember 2014, 20:07:43
Das Ergebnis heißt dann "Huffington Post". #)
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: Bloedmann am 18. Dezember 2014, 23:39:41
Oder Motorwelt. ;) ;D
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: mossmann am 19. Dezember 2014, 13:19:25
Zurück zum Thema: Das Schlimme ist, dass es bei der sog. Fachpresse genauso ist. Egal, welche Fachzeitschriften welcher Branche auch immer man nimmt. Redaktionelle Beiträge, Interviews, Berichte über neue Technologien etc. werden nur geschrieben, wenn man entsprechend Anzeigen schaltet. Der Inhalt zählt nicht.

nicht zu vergessen Musikzeitschriften.

Ein Album von Universal-Records etc. wird bei entsprechender Anzeige NIE verrissen ...
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: Belbo am 19. Dezember 2014, 17:22:43
Zurück zum Thema: Das Schlimme ist, dass es bei der sog. Fachpresse genauso ist. Egal, welche Fachzeitschriften welcher Branche auch immer man nimmt. Redaktionelle Beiträge, Interviews, Berichte über neue Technologien etc. werden nur geschrieben, wenn man entsprechend Anzeigen schaltet. Der Inhalt zählt nicht.

nicht zu vergessen Musikzeitschriften.

Ein Album von Universal-Records etc. wird bei entsprechender Anzeige NIE verrissen ...

"Wir planen da eine Sonderbeilage über Architektur in Ihrer Region und stellen da 10 Büros vor die....... Anzeige schalten"
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: ajki am 06. März 2015, 13:13:20
Nur so zur Dokumentation, weil heute der Bildblog (http://www.bildblog.de/63318/roaming-edathy-wieselspecht/) einen beachtenswerten Beitrag von topfvollgold (http://www.topfvollgold.de/?p=18023) featured:

Interview mit B. Kartheuser, der neben anderen an einer 2013-Studie zu käuflichem "Journalismus" mitgewirkt hat und darüber im netzwerk recherche e.V. berichtetete (http://bisher.netzwerkrecherche.de/Presse/15072013-Gefallen-an-Gefaelligkeiten-Vorstellung-einer-Kurzstudie-zu-Journalismus-und-Korruption/) (dort auch links zur Kurzstudie).

Zitat
[tvg:] Herr Kartheuser, Sie schreiben in Ihrer Studie “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing”, dass sich Redaktionen zunehmend die Inhalte von Werbekunden diktieren lassen: “Perfektioniert und systematisiert hat dieses Modell anscheinend die WAZ-Women-Group der Funke-Mediengruppe (ehemals WAZ Mediengruppe).” Was meinen Sie damit?

[Kartheuser:] Wie ich herausgefunden habe, hat die Funke Women Group ein Modell perfektioniert, wonach sie in ihren Zeitschriften redaktionelle Texte beispielsweise zu Gesundheitsthemen veröffentlicht und auf Produkte hinweist, die helfen sollen. Praktischerweise werden eben jene empfohlenen Produkte dann einige Seiten weiter großflächig vom Hersteller per Anzeige beworben. Im Text steht dann etwa: “Die können sie auch rezeptfrei in der Apotheke kaufen, zum Beispiel von …” — und dann kommt immer der Werbepartner. Das tritt so häufig auf, dass es kein Zufall mehr zu sein scheint. ...

Die Veröffentlichung Ihrer Ergebnisse ist inzwischen knapp anderthalb Jahre her. Wie sieht es denn heute aus?

Es hat sich nichts Grundlegendes getan. Das Geschäftsmodell funktioniert. ... Ich habe mir gestern noch einmal den Spaß gemacht und “Die Aktuelle” sowie die “Frau im Spiegel” gekauft und nachgeschaut, wie es in diesen Blättern derzeit aussieht. Es funktioniert heute immer noch genauso. Das ist einfach das bestehende Geschäftsmodell, es gibt keinen, der dem Verlag das wirklich verbieten will oder kann. Das scheint ja lukrativ zu sein, also betreiben sie es weiter.

Gab es in den aktuellen Ausgaben einen akuten Fall oder eine Auffälligkeit?

Ja, mehrfach. In der aktuellen Ausgabe von “Die Aktuelle” geht es an einer Stelle zum Beispiel um das Thema Reizdarm und immer wieder auftretende Bauchkrämpfe. Dort steht dann etwa, dass ein Bakterienstamm entdeckt wurde, der diesen Mangel ausgleichen kann. Durch Einnahme von “XY” — hier kommt jetzt der Produktname — zum Beispiel “werden die klassischen Reizdarmsymptome gelindert”. Einige Seiten vorher finde ich dann eine ganzseitige Werbung für genau dieses Produkt. Ein anderes Beispiel sind diverse Schmerzmittel. Das zieht sich von vorne bis hinten durchs Heft. Ich kann auf Anhieb jetzt, ohne das systematisch ausgewertet zu haben, viermal genau dieses Vorgehen entdecken. ...

Aberaberaber, das große Problem:

Zitat
Das heißt: In Absprache mit der Redaktion? Oder diktieren die Anzeigenverkäufer der Redaktion, was zu tun ist?

Nach meinen Informationen geht die Initiative von der Marketingabteilung aus, die dann an den Werbekunden herantritt und den Redaktionen mehr oder weniger sagt, was sie wie zu bringen hat. So wurde es mir gesagt, ich habe aber keine schriftlichen Belege.
(Hervorhebung hinzugefügt)

(Aktuell gibt es ja auch eine kleine Affäre um den [vermutlich mittlerweile ehemaligen] taz-Heuser, der seine Anfangszeit als Mitarbeiter beim Südddeutschen Verlag in der Marketing-Abteilung öffentlich furchtbar beklagte und sich froh darüber zeigte, mit der taz dann einen tollen Zeitungsarbeitgeber gefunden zu haben, die sich nicht mit solchen dubiosen Mitteln Geld verschafft. Sehr ulkig - ausgerechnet die taz, der hier schon verschiedentlich in schärfstmöglicher Form Auftragsdienste für Dritte nachgewiesen wurden. Aber gut, Herr Heuser wird im Zusammenhang mit anderen Problemen wohl wieder einen neuen Arbeitgeber finden müssen. Dann kann er ja mit einigem zeitlichen Abstand über die taz herziehen.)
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: Groucho am 06. März 2015, 13:48:40
Was soll denn "Die Aktuelle" oder "Frau im Spiegel" mit Journalismus zu tun haben?
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: Patches O Houlihan am 06. März 2015, 16:47:59
du meinst, das sind keine echten Schotten?
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: mossmann am 06. März 2015, 17:00:43
Diese Praxis ist seit Jahrzehnten so. Die Ansage kommt meist vom Resort-Leiter bei der Themenbesprechung:
"In eine der nächsten Ausgaben muss das Thema Nagelpilz kommen, wegen Anzeige."
Aus diesem grunde ist alle 4 Wochen der Nagelpilz in diesen Heften.
Ich berichte von der Front.
 8)
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: ajki am 06. März 2015, 17:48:08
Was soll denn ...

Ein naheliegender Scherz beim Boulevard. Sozusagen ein Reflexscherz. ;-)

Allerdings sollte einem bei genauerem Bedenken das Lachen etwas einfrieren. Die enorme Reichweite des Krawall"journalismus" (Bild, express,....) und der Regenbogenblätter (u.a. inkl. TV-Blättchen!) wird zwar immer zugestanden im Zusammenhang, aber dann eben doch nicht wirklich akzeptiert. Man kann das einfach so sagen: im Vergleich zur Funke Mediengruppe (https://de.wikipedia.org/wiki/Funke_Mediengruppe#Gedruckte_Medien_in_Deutschland), einem grad' mal mittelgroßen Player, sind alle "ernsthaften", "seriösen" usw. Blättchen NICHTS in Bezug auf den Impact.

Und natürlich war hier der Interviewer mit seinem Schwerpunkt interessiert an Regenbogenprodukten. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die tatsächliche Kritik hier das *Verlagswesen* betrifft. Die "echten" journalistischen Redaktionen (die immer so im Vordergrund stehen bei solchen Themen) sind im wahren Verlagsbusiness eine vernachlässigbare Größe (und zudem zukünftig immer mehr ersetzbar durch Drittanbieter-content). Das, was hier exemplarisch an bunten Blättern dargestellt wird, läuft ja in exakt gleichem Maße auch in Gong, Hörzu, Thüringer Volksbote, WAZFAZWELTLEMONDE.... - von den im thread schon angesprochenen Spartenblättchen (special interest Wohnen, Urlaub, Auto, Moped, Hifi...) mal ganz abgesehen.
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: Groucho am 06. März 2015, 18:58:15
NICHTS in Bezug auf den Impact.

Hast natürlich recht. War ein Not-Scherz aus Verzweiflung.
Titel: Re: Gekaufter Journalismus - Studie
Beitrag von: Patches O Houlihan am 07. März 2015, 00:05:33
und dann kommen noch die Freischreiber hinzu, die recht bald anfangen das zu schreiben, was der Redakteur lesen will zu den Themen, die ihn interessieren. Ansonsten gibts kein Zeilengeld sondern Trinkgeld vom Kellnern.
Entsprechend sieht es schnell wie Journallie aus. Die Guten erkaufen sich ihre guten Artikel und Recherchen nicht zuletzt durch ein gutes Standing beim Chef, das eben aus vielen besonders guten Artikeln herrührt, sprich mit diesen erkauft wurde.