Neuigkeiten:

Wiki * German blog * Problems? Please contact info at psiram dot com

Main Menu

Energiewende - es bleibt schwierig

Postings reflect the private opinion of posters and are not official positions of Psiram - Foreneinträge sind private Meinungen der Forenmitglieder und entsprechen nicht unbedingt der Auffassung von Psiram

Begonnen von zwingenberger, 09. Oktober 2012, 09:29:37

« vorheriges - nächstes »

Scipio 2.0

Hier bräuchte man mal einen Experten für Landwirtschaft.

PeterPan

Nichts neues unter der Sonne wenn ich es mir recht überlege. Meine Eltern und Großeltern arbeiten auch Asche und Kohlereste in Kompost ein. Ich sage mal spontan das auch die Verwertungsindustrie "Pflanzenkohl"-Reste zu nutzen weiß (Abfallwirtschaft in meiner Region verkauft Erde aus Bio-/Restmüll). sailor hat auch schon alles dazu geschrieben was notwendig ist. Es klingt nach einer Werbepauschale für Demeter (Demeter-Bauer) der mit einer ganz anderen Gülle/Erde arbeitet die gefühlt mehr kann.

Einbuddeln von Pflanzen (Bäumen) ist auch nur alter Wein zur Kohlenstoff(C)–Sequestrierung. Ob es nun zur Humus-Bildung dient oder in einen Minenstollen landet ist unerheblich.

Es scheint auch nicht ganz neu zu sein. Aus den Kommentaren gibt es einen Artikel auf Novo-Argumente über Terra Preta.
https://www.novo-argumente.com/artikel/terra_preta_ein_gruener_mythos
ZitatBiokohle und die Terra-Preta-Technologie müssen die Nährstoff- und Schadstoffregelungen der Düngemittelverordnung erfüllen und auch bei beschränkten Gaben gemäß Düngeverordnung angewendet werden können.

https://de.wikipedia.org/wiki/Asche
ZitatHolzasche aus der Verbrennung von naturbelassenem, also nicht chemisch behandeltem Holz kann als Dünger in Landwirtschaft und Gartenbau verwendet werden. ...

Holzasche aus unbehandeltem Holz ist auch als Zusatz beim Kompostieren geeignet.

Sauropode

https://www.psiram.com/de/index.php/Terra_Preta

Übrigens mische ich für meine Tomatenpflanzen die Erde selber an, weil das gekaufte Zeuch grottig ist. Ich nehme auch Holzkohlereste vom Grillen dazu, klein zerstoßen, Keramikgranulat, Pferdeäppel, Lehm und Sand. Habe mir das von der Idee mit der Terra Preta abgeguckt. Für den experimentierfreudigen Pflanzenfreund ist das ganz okay, aber als Lösung für Menschheitsprobleme eher nicht geeignet.

sailor

Im Großen Maßstab könnte man mal experiementieren, ob so ein Gemisch zum Rückhalt von Gülle geeignet ist. Da gibts ja das Nitratproblem und mit einer Speichermöglichkeit/langsamen Abgabe kann man da vieleicht was machen...

Die Kohle allein ist kein Bringer, wichtig für die wahre Terra Preta sind die Fäkalien und Zerfallsprodukte aus "Müll", die sich dort anreichern. Da kann es wiederrum sein, dass man ein CO2 Problem aus der Zersetzung bekommt... Echt widerliches Zeug dieses Kohlendioxid, sollte gesetzlich verboten werden.

sailor

Auch wenn ich Springerpresse nicht wirklich mag gibt es hier einen Artikel über Schweden, deren CO2-Steuer und CO2-Reduzierung:

https://www.welt.de/wirtschaft/article200517278/Klimaschutz-Warum-Schwedens-CO2-Steuer-kein-Vorbild-sein-kann.html

Richtig verwerflich: Das Biospritwunder wird über massive Palmölimporte gestützt. Und letztendlich sind auch Biokraftstoffe nicht "neutral", nur wird es immer rausgerechnet, weil pflanzliche Kohlenstoffe "neuer" sind als fossile. In der Atmosphäre landen alle gleich^^

celsus

Zitat von: sailor am 19. September 2019, 11:19:34auch Biokraftstoffe nicht "neutral", nur wird es immer rausgerechnet, weil pflanzliche Kohlenstoffe "neuer" sind als fossile. In der Atmosphäre landen alle gleich^^

Lieblingsargument der Holzofenbesitzer. Sie heizen ja CO2-neutral, weil wenn das Holz nicht verbrannt wird, verfault es halt und setzt trotzdem CO2 frei.
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

Peiresc

Zitat von: sailor am 19. September 2019, 11:19:34
Richtig verwerflich: Das Biospritwunder wird über massive Palmölimporte gestützt. Und letztendlich sind auch Biokraftstoffe nicht "neutral", nur wird es immer rausgerechnet, weil pflanzliche Kohlenstoffe "neuer" sind als fossile. In der Atmosphäre landen alle gleich^^

Leben wird immer lebensgefährlich bleiben. Aber ich dachte bisher: das CO2 aus Bio-Zeugs wurde von den Pflanzen kurz vorher der Atmosphäre entnommen, während fossile Brennstoffe gespeichertes CO2 freisetzen, das bereits vor hunderten Millionen Jahren eingelagert wurde, als die Atmosphäre insgesamt noch deutlich mehr CO2-Gehalt hatte. Insofern sollte die Bilanz aktuell nicht gleich sein.

Schwuppdiwupp

Das ist auch so. Aber leider hat es dennoch (massive) Nachteile, wenn landwirtschaftlich genutzte Flächen für eine wie auch immer geartete Biospritproduktion verbraucht werden.
Ach, was weiß denn ich ...

Scipio 2.0

Zitat von: Schwuppdiwupp am 19. September 2019, 19:41:26
Das ist auch so. Aber leider hat es dennoch (massive) Nachteile, wenn landwirtschaftlich genutzte Flächen für eine wie auch immer geartete Biospritproduktion verbraucht werden.

Dieser Fakt kehrt in der Diskussion immer unter!

Peiresc

Zitat von: Scipio 2.0 am 19. September 2019, 21:42:34
Zitat von: Schwuppdiwupp am 19. September 2019, 19:41:26
Das ist auch so. Aber leider hat es dennoch (massive) Nachteile, wenn landwirtschaftlich genutzte Flächen für eine wie auch immer geartete Biospritproduktion verbraucht werden.

Dieser Fakt kehrt in der Diskussion immer unter!
?

PeterPan

Zitat von: Schwuppdiwupp am 19. September 2019, 19:41:26
Das ist auch so. Aber leider hat es dennoch (massive) Nachteile, wenn landwirtschaftlich genutzte Flächen für eine wie auch immer geartete Biospritproduktion verbraucht werden.

Um ehrlich zu sein, ich kaufe dieses Argument nie ganz. Der Erdölverbrauch steigt stattdessen und die Bauern steigen auf ein andere Cash-Crops (Avocado, Kaffee, Kakao) um die wieder nach Schweden gelangen. In Deutschland würde ohne Biogas der Bauer wahrscheinlich Nahrungsmittel (Cash-Crop in DE?) produzieren, aber die Minderproduktion von Energie (Strom, Biosprit) würde durch Kohle und Erdöl ersetzt werden. Das bedeutet aber noch nicht das diese Nahrungsmittel ärmeren Menschen helfen. Erst wenn der Preis fällt ist es leistbar.

Es ist einfach so das die "westliche" Welt in der Lage ist Ressourcen an sich zu binden. Erst überschüssige Nahrungsmittel und Energie kommt armen Menschen zugute, aber wenn du als Staat Kaufkraft besitzt dann hast du die Möglichkeit mehr vom Welt-BIP zu erhalten und damit auch mehr Ressourcen. Noch als weiteres Beispiel, wenn Menschen den Überschuss nicht nutzen werden es andere Tier- und Pflanzenarten (Natur).


Wir leben in einer energiearmen Welt mit unendlichen Bedürfnissen. Es wäre interessant zu wissen inwieweit wir ohne fossile Brennstoffe andere Energienutzung aufbauen und den Verbrauch im Vergleich zu heute.


PS.
Ich finde diesen langen Artikel gar nicht so schlecht. Zeigt ein Status Quo und die Probleme von Energie auf.

Mountains and Molehills: Achievements and Distractions on the Road to De-Carbonization
http://vaclavsmil.com/wp-content/uploads/2019/03/JPM.2019.pdf

Sauropode

Zitatandere Energienutzung

Erstmal war die Nutzung fossiler Energieträger eine Entlastung der Wälder, denn vorher wurde zum großen Teil Holz genutzt (Und Waltran. Die Waljagd hörte nicht nur auf, weil die Tiere immer seltener wurden, sondern weil es eine billige Alternative gab - Erdöl).

Was wird danach passieren? Ich plädiere ja für Kernkraft und in einigen Ländern wird sie wohl auch verstärkt genutzt werden. Hier wird alles, was energieintensiv ist, abwandern. Die hier bleibenden müssen sich mit einer unsicheren und teuren Versorgung zufrieden geben. Und wenn gesagt wird, man nutze auch Biomasse, dann wird das nicht nur Biogas sein, sondern auch wieder Holz. Also Bäume. Und das stammt dann nicht aus Wäldern, sondern von Holzplantagen. Mit blutet innerlich das Herz, wenn ich daran denke, was das alles für die Natur hier bedeutet; Windräder, Maiswüsten und Energiewälder. Durch die geringe Energiedichte muss man ja in die Fläche gehen.

Was den privaten Verbrauch betrifft, könnte es Reglementierungen geben und Stromsperren mit Nutzungskorridoren. Oder eben teure Energie aus dem Ausland, solange keine Speicher existieren.

Nun geht das aber auch gegen Heizungen. Welche Alternativen gibt es zum Verbrennen zwecks Wärmeerzeugung? Vor der fossilen Ära wurde Holz genutzt. Man mag sich vorstellen, wie das mit einer um das Vielfache gewachsenen Bevölkerung wäre. Ich mag nicht frieren und bin seit einer Erkrankung zudem sehr kälteempfindlich (ja, die warmen Sommer habe ich sehr genossen). Energie ist nunmal DIE Grundlage unserer Gesellschaft.

Ich hoffe, dass ich unrecht habe. Was das ganze sozial bedeutet, ist noch eine ganz andere Sache. Die Ärmsten hier werden frierend in einer dunklen Bude sitzen und können nichtmal wegfahren, weil sie von der Mobilität (auch ein weiterer Aspekt der Energienutzung) ausgeschlossen sind. Kostet ja alles viel Geld.

sailor

Eigentlich ist die ganze "Energiewende" eine Abkehr von der Modernisierung. Bisher wurde jeder technologische Entwicklungsschub durch Energieverdichtung ermöglicht: Wasser- und Windmühlen im späten Mittelalter/frühe Neuzeit, die Dampfmaschine in der (Früh)Industrialisierung, Elektrizität in der Hochindustrialisierung, Kernkraft danach. Und die Technologien brauchen diese Verdichtung, bspw. sind Grundstoff- (Eisen/Stahl, NE-Metalle, nichtmetallische Grundstoffe wie Zement) und chemische Industrie heutzutage auf hohe Energiemengen und -Dichten angewiesen. Auch die Halbleiterindustrie braucht für hochreine Kristalle entsprechend viel Saft. Diese Verdichtung lässt sich sehr schön an der Einheit Pferdestärken zeigen: Wo im Mittelalter ein PS nur für den Adel und reiche Bürger privat erschwinglich war sind es heute 200+.

Das Problem mit den Cash-Crops ist, dass sie immer öfter gerade durch die bioaffine Klientel gehypt werden: Avocado, Gojibeere, Macadamia und andere "Superfruits" erfreuen sich im "linksgrün versifften Millieu" größter Beliebtheit. Daher ist die Diskussion um "Dritte-Welt-Landwirtschaft" ziemlich verlogen. Wenn man eingesteht, dass man den Kram haben will, aber dafür bereit ist, Grundnahrungsmittel zu exportieren (die "wir" in den gemäßigten Klimazonen mit unvergleichlicher Effizienz produzieren können), dann nennt man das Handel. Wenn man aber den Scheiss haben will und gleichzeitig hier den Bauern aufgrund von "Gefühlen" (ohne Ahnung von moderner Agrarwissenschaft) den Krieg erklärt ist das Wahnsinn.

ZKLP

Zitat von: Sauropode am 22. September 2019, 09:43:06
Was den privaten Verbrauch betrifft, könnte es Reglementierungen geben und Stromsperren mit Nutzungskorridoren.

Passend dazu:
"Was passiert, wenn wir unser Leben dem Klimaschutz unterordnen? Eine Vision aus dem Jahr 2024". :o
https://www.capital.de/wirtschaft-politik/was-passiert-wenn-wir-unser-leben-dem-klimaschutz-unterordnen

Schwuppdiwupp

War ja klar, dass die polemisch Panik propagandieren ... ::)
Ach, was weiß denn ich ...