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Autor Thema: Vince Ebert  (Gelesen 1472 mal)

Dr. Ici Wenn

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Vince Ebert
« am: 28. Juli 2012, 17:36:55 »
Mal wieder ein guter Artikel bei der Achse von Vince Ebert, auch lesbar für Achse-Hasser:

Zitat
Angeblich geht am 21. Dezember 2012 die Welt unter. Das würde der FDP so passen. Seit es menschliches Leben gibt, ist die drohende Apokalypse ein Dauerbrenner. Dabei vergessen wir, dass eine Vielzahl von Katastrophen unser Leben überhaupt erst ermöglicht hat. Ohne eine Supernova-Explosion gäbe es keine chemischen Elemente, aus denen wir alle bestehen. Wir alle sind das Abfallprodukt eines sterbenden Sterns! Und wer sich „Willkommen bei Carmen Nebel“ anschaut, bekommt ein vages Gefühl dafür.

weiter hier:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/apokalypse_wow/

Nogro

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Re: Vince Ebert
« Antwort #1 am: 28. Juli 2012, 20:11:30 »
Zitat
Bedingt durch zwei Weltkriege explodierte die medizinische Forschung: Penicillin, Chirurgie und Impfmittel.
Stimmt das wirklich?
Es genügt nicht, keine Ahnung zu haben. Man muss auch dagegen sein (Hermann Hinsch)

Gethen

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Re: Vince Ebert
« Antwort #2 am: 28. Juli 2012, 21:21:14 »
Zitat
Bedingt durch zwei Weltkriege explodierte die medizinische Forschung: Penicillin, Chirurgie und Impfmittel.
Stimmt das wirklich?

Für Personen mit einem entsprechenden Verständnis von Geschichte stimmt das selbstverständlich - da gibt es ohne Krieg halt keinen Fortschritt. Warum aber muß derartiger, pseudowissenschaftlich gewürzter Quark auch noch als lesbar apostrophiert werden?


Binky

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Re: Vince Ebert
« Antwort #3 am: 28. Juli 2012, 21:41:22 »
Zitat
Bedingt durch zwei Weltkriege explodierte die medizinische Forschung: Penicillin, Chirurgie und Impfmittel.
Stimmt das wirklich?


Zumindest sind einige technische Innovationen der militärischen Forschung zu verdanken, ob uns das nun paßt oder nicht.....

Dr. Ici Wenn

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Re: Vince Ebert
« Antwort #4 am: 28. Juli 2012, 21:53:11 »
Zitat
Bedingt durch zwei Weltkriege explodierte die medizinische Forschung: Penicillin, Chirurgie und Impfmittel.
Stimmt das wirklich?

Da musst Du Gethen fragen. Ich bin jemand, der Wörter nur buchstabieren kann und nur über rudimentäres Geschichtswissen verfügt. Bin also völlig überfordert.

Binky

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Re: Vince Ebert
« Antwort #5 am: 28. Juli 2012, 22:19:14 »
Zum Penicilin:

Zitat
Flemings Veröffentlichungen fanden zunächst bei Kollegen kaum Beachtung. Erst im Zweiten Weltkrieg erzielte das Penicillin den Durchbruch. Dabei spielte eine Rolle, dass die Sulfonamide, von denen ein Wirkstoff unter dem Handelsnamen Prontosil® das erste praktisch eingesetzte Antibiotikum war, in Deutschland hergestellt und von deutschen Firmen patentiert waren, sodass sie für die Kriegsgegner nach Kriegsausbruch nicht mehr in der gleichen Weise verfügbar waren. Erst in der weiteren Forschung stellten sich die Vorzüge des Penicillin G gegenüber dieser Wirkstoffklasse heraus. Die Deutschen setzten jedoch bis Kriegsende weiterhin auf Sulfonamide.
1939 interessierten sich Howard Walter Florey und Ernst Boris Chain für das Penicillin. Norman Heatley gelang es, Penicillin aus der Kulturflüssigkeit, in der man die Schimmelpilze züchtete, zu extrahieren und zu reinigen. Am 24. August 1940 fand ein Tierversuch an 50 Ratten statt, die mit einer tödlichen Dosis Streptokokken infiziert wurden. Die Hälfte von ihnen erhielt Penicillin, und nur eine aus dieser Gruppe starb. Die Ratten, die kein Penicillin erhielten, starben alle innerhalb weniger Stunden. Dieses Tierexperiment stellte überraschend die kraftvolle Wirkung des Penicillins heraus, die bei diesem aggressiven Bakterienstamm nicht erwartet wurde.
Am 12. Februar 1941 wurde der erste Patient mit dem gewonnenen Penicillin behandelt. Es handelte sich um einen 43-jährigen Londoner Polizisten, der sich beim Rasieren geschnitten und durch Infektion der Wunde eine Blutvergiftung erlitten hatte. Nach fünf Tagen Behandlung war das Fieber verschwunden. Die Penicillinvorräte waren jedoch aufgebraucht und die Behandlung musste abgebrochen werden. Der Mann verstarb einen Monat später. Dies stellte retrospektiv die Notwendigkeit heraus, dass Antibiotika grundsätzlich länger eingenommen werden müssen, als die sichtbaren Beschwerden andauern. Ein vorzeitiger Abbruch birgt immer das Risiko eines Krankheitsrückfalls, auch heute oftmals nur behandelbar durch Einsatz alternativer Antibiotika.
Erst als Florey und Heatley in die USA flogen, um dort für Penicillin zu werben, wurde das allgemeine Interesse an Penicillin geweckt, besonders beim amerikanischen Militär. Zunächst suchte man nach einem Pilzstamm, der mehr Penicillin produziert. Dazu sammelte die amerikanische Luftwaffe Bodenproben von möglichst vielen Flugplätzen weltweit. Der ergiebigste Stamm, Penicillium chrysogenum, wurde jedoch auf einer verschimmelten Melone vor dem Forschungsinstitut entdeckt

http://de.wikipedia.org/wiki/Penicilline#Entwicklung_bis_zum_Durchbruch_in_der_medizinischen_Praxis

@Gethen, bitte erst lesen, bevor Du lostrittst, wenn es angebracht ist......




Gethen

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Re: Vince Ebert
« Antwort #6 am: 29. Juli 2012, 01:16:52 »

@Gethen, bitte erst lesen, bevor Du lostrittst, wenn es angebracht ist......

Ich lese im Auszug des Wikipedia-Artikels:

Zitat
Flemings Veröffentlichungen fanden zunächst bei Kollegen kaum Beachtung. Erst im Zweiten Weltkrieg erzielte das Penicillin den Durchbruch.

Im achgut-Teil dagegen heißt die Aussage:

Zitat
Bedingt durch zwei Weltkriege explodierte die medizinische Forschung: Penicillin, Chirurgie und Impfmittel.

Das sind zwei ganz offensichtlich sehr unterschiedliche Paar Schuhe, von denen jeweils die Rede ist. Der Penicillin-Artikel bei Wikipedia stellt dar, daß Penicillin vor dem Krieg erforscht wurde, aber erst nach Ausbruch des Krieges Beachtung fand. Wikipedia zufolge scheint ja auch gar nicht mehr so lange am Penicillin geforscht worden zu sein, sondern das Medikament wurde recht schnell angewendet.

Medizinische Forschung kostet nun allerdings auch Geld - ob dieses zu Zeiten des Ersten und Zweiten WK so üppig in die Forschung geflossen ist, um diese "explodieren" lassen zu können, wage ich zu bezweifeln. Ebenfalls debattabel ist die Einordnung von Fortschritten in der Chirurgie und bei Impfmitteln (unterstellt, Achgut führe diese Beispiele zu Recht an - Belege sehen wir ja nicht) als "Explosion" des medizinischen Fortschritts.
Daß es in Kriegszeiten aufgrund des hohen Aufkommens von Verwundeten z.B. zu praktischen Fortschritten bei chirurgischen Techniken kommen kann, ist erklärlich. Allerdings nicht im Rahmen von Forschungsprojekten, sondern aus bitterer Notwendigkeit. Solche Verhältnisse mit dem Etikett "medizinische Forschung" aufwertend einzuordnen, legt beim Autor mindestens ein sehr zynisches Verständnis der Welt und der Geschichte bloß.

Achgut serviert dem Leser zwei Weltkriege als Antriebsursache der medizinischen Forschung und Auslöser medizinischen Fortschritts. Wohlgemerkt als Faktum. Es handelt sich jedoch um Interpretation der Geschichte aus einem Blickwinkel. Sonderlich redlich ist die Darstellung damit nicht - aber das war offenbar auch nicht beabsichtigt.




Binky

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Re: Vince Ebert
« Antwort #7 am: 29. Juli 2012, 01:31:05 »
jaja....

Schönen Abend noch.


Conina

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Re: Vince Ebert
« Antwort #8 am: 29. Juli 2012, 01:47:47 »
Zitat
In 1897, Edmond Nocard showed that tetanus antitoxin induced passive immunity in humans, and could be used for prophylaxis and treatment. Tetanus toxoid vaccine was developed by P. Descombey in 1924, and was widely used to prevent tetanus induced by battle wounds during World War II.[3]
http://en.wikipedia.org/wiki/Tetanus#History

http://www.cdc.gov/vaccines/pubs/pinkbook/downloads/tetanus.pdf

Zitat
In
1897, Nocard demonstrated the protective effect of passively
transferred antitoxin, and passive immunization in humans
was used for treatment and prophylaxis during World War I.
A method for inactivating tetanus toxin with formaldehyde
was developed by Ramon in the early 1920's which led to
the development of tetanus toxoid by Descombey in 1924. It
was first widely used during World War II.

Man findet bestimmt noch mehr Zeug und die Amis haben die Weltkriege nicht angefangen.


Dr. Ici Wenn

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Re: Vince Ebert
« Antwort #10 am: 29. Juli 2012, 02:39:13 »
Solche Verhältnisse mit dem Etikett "medizinische Forschung" aufwertend einzuordnen, legt beim Autor mindestens ein sehr zynisches Verständnis der Welt und der Geschichte bloß.

Mit der passenden Ideologie kann man auch stets die passende Empörung dazu aufbauen.

(Ich geh mal weiter, Alphabet lernen, deswegen nur so kurz)

Dr. Ici Wenn

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Re: Vince Ebert
« Antwort #11 am: 29. Juli 2012, 02:50:04 »
Zitat
Bedingt durch zwei Weltkriege explodierte die medizinische Forschung: Penicillin, Chirurgie und Impfmittel.
Stimmt das wirklich?

Noch eine ernsthafte Antwort: Ja. Die Pharmaindustie ist nach WKII ziemlich "explodiert", es waren nicht wirklich humane Gründe, die chemische Industrie hat sich davor auch mit ziemlich schlimmen Sachen befasst (Stichwort Haber) und aus dem ganzen Wissen, den Anlagen und danach begrenzten Möglichkeiten ist einiges erwachsen, etwas mit vielen Problemen (Thalidomid), aber auch gigantischem Nutzen.

Elfenstaub

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Re: Vince Ebert
« Antwort #12 am: 29. Juli 2012, 10:35:26 »
Die Pharmaindustie ist nach WKII ziemlich "explodiert", es waren nicht wirklich humane Gründe, die chemische Industrie hat sich davor auch mit ziemlich schlimmen Sachen befasst (Stichwort Haber) und aus dem ganzen Wissen, den Anlagen und danach begrenzten Möglichkeiten ist einiges erwachsen, etwas mit vielen Problemen (Thalidomid), aber auch gigantischem Nutzen.

In "Der König aller Krankheiten" beschreibt Mukherjee wie nach dem Krieg die Strategie des Krieges "übernommen" wurde, indem ein "War on cancer" ausgerufen wurde. Man wollte einfach massiv Geld in die Hand nehmen, massiv forschen und "den Krebs" ähnlich überrennen wie die Deutschen (der Krebs der Welt  ;)). In dem Buch erzählt er auch mindestens eine Geschichte von einem Wissenschaftler, der eigentlich an Chemiewaffen forschen sollte, jedoch Krebsforschung gemacht hat, weil er darin mehr Sinn sah.
2-3 Elfen, luftgetrocknet, mit dem Mörser zerstoßen bis die Konsistenz von Puderzucker erreicht ist: Elfenstaub!

Giftig wie Aspartam, süß wie Dihydroxymonoxid und nicht überdosierbar.