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Autor Thema: Das große Sterben  (Gelesen 8322 mal)

Sauropode

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Re: Das große Sterben
« Antwort #60 am: 24. Mai 2018, 19:15:32 »
Zitat
keine Fliegen in der Wohnun

Die können auch nicht bei Dir sein, die sind ja schon in meiner Biotonne.  ;D
Die schlimmste Idee ist die einer besseren Welt.

Groucho, Du fehlst!

Tezcatlipoca

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Re: Das große Sterben
« Antwort #61 am: 24. Mai 2018, 19:40:34 »
Zitat
keine Fliegen in der Wohnun

Die können auch nicht bei Dir sein, die sind ja schon in meiner Biotonne.  ;D
  :laugh:
Mail mir ein paar davon. Ohne Fliegen ist es echt langweilig.  ::)
Ist doch wirklich spannend, zu versuchen, die Exemplare, die auf dem Monitor rumspazieren, mit dem Mauszeiger, aufzuscheuchen. ;D
Gruß, T.


Nichts, was ein Mensch sich auszudenken in der Lage ist, kann so unwahrscheinlich, unlogisch oder hirnrissig sein, als dass es nicht doch ein anderer Mensch für bare Münze halten und diese vermeintliche Wahrheit notfalls mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen wird.

ZKLP

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Re: Das große Sterben
« Antwort #62 am: 24. Mai 2018, 20:53:17 »
Im Grundsatz geht es um ein Diskussionspapier einer Expertengruppe der Leopoldina namens:

Der stumme Frühling – Zur Notwendigkeit eines umweltverträglichen Pflanzenschutzes (2018) [Seite der Leopoldina zur Veröffentlichung]

Der Vollständigkeit halber die Stellungnahme der Agrarmafia:
https://www.iva.de/newsroom/pressemitteilungen/denkanstoesse-fuer-den-pflanzenschutz

Sauropode

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Re: Das große Sterben
« Antwort #63 am: 25. Mai 2018, 01:04:26 »
Bauer Willi hat sehr schön seine eigene Betrachtung zu diesem Thema dargelegt. Die Veränderungen der Landschafts- und Nutzungsstrukturen im Umfeld des untersuchten Naturschutzzgebietes erklären meiner Meinung nach sehr gut die Abnahme der Insekten in dem besagten Gebiet: https://www.bauerwilli.com/warum-weniger-insekten-in-orbroich/

Und das dürfte nicht nur dort das Problem sein. In Verbindung mit zu viel „Ordentlichkeit“, also so etwas wie fehlenden Misthaufen, gammeligem, alten Holz, offenen Sandflächen, verunkrauteten und ungemähten Flächen dürfte das Phänomen des Insektensterbens auch ohne die bösen Gifte zu einem großen Teil zu erklären sein.

Ich durfte heute mal nach langer Zeit wieder so einen Zeitgenossen in meinem Garten beobachten: http://www.insektenbox.de/kaefer/geweic.htm
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Tezcatlipoca

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Re: Das große Sterben
« Antwort #64 am: 02. Juni 2018, 21:57:39 »
Zitat
keine Fliegen in der Wohnun

Die können auch nicht bei Dir sein, die sind ja schon in meiner Biotonne.  ;D
Eine ist hier angekommen.
Wir haben heute morgen zusammen gefrühstückt.  :angel:
Gruß, T.


Nichts, was ein Mensch sich auszudenken in der Lage ist, kann so unwahrscheinlich, unlogisch oder hirnrissig sein, als dass es nicht doch ein anderer Mensch für bare Münze halten und diese vermeintliche Wahrheit notfalls mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen wird.

ZKLP

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Re: Das große Sterben
« Antwort #65 am: 31. Juli 2018, 00:31:30 »
https://www.facebook.com/photo.php?fbid=256412541842055&set=a.107165823433395.1073741827.100024199326563&type=3

Zitat
Protestmail an den Deutschen Bundestag (mail@bundestag.de) wegen Falschauskunft des Bundesumweltministeriums an den Bundestag bezüglich der Wildbienen

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich beziehe mich auf dieses Dokument: http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/077/1807705.pdf
und hier speziell den Satz in der Antwort der Bundesregierung: „Es gibt rund 560 Wildbienen-Arten in Deutschland, die in den Roten Listen (2012) bewertet wurden, davon sind 39 Arten ausgestorben oder verschollen.“ auf die Frage hin:
„1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Situation von Bestäuber-Insekten, vor allem von Wildbienen und Schmetterlingen in Deutschland seit den 1980er Jahren entwickelt?
a) Wie viele heimische Wildbienen- und Schmetterlingsarten sind seit den 1980er Jahren ausgestorben?

Es steht hier ganz deutlich, „Wie viele heimische Wildbienen- und Schmetterlingsarten sind seit den 1980er Jahren ausgestorben?

Laut Roter Liste ist seit den 1980er Jahren genau eine Wildbienenart ausgestorben, und zwar 2001, da wurde die letztmals gesichtet. Das Umweltministerium und das BfN führen zwar sehr oft diese 39 ausgestorbenen Arten an, sagen aber nie, wann sie denn letztmals gesichtet wurden.

Von den „39 ausgestorbenen Wildbienenarten“ ist die früheste schon 1818 ausgestorben (bzw. „Jahr des letzten Nachweises“ - also lebend gesehen)! Von den 39 Arten sind fünf schon vor 1900 ausgestorben, 28 zwischen 1900 und 1960, fünf zwischen 1961 und 1974 und die letzte 2001. Von 1967 bis 2001 wurden neun Wildbienenarten neu entdeckt und weil sie so selten sind, kamen sie gleich in die rote Liste.

Ich bitte darum, diese einen falschen Eindruck erweckende Zahl aus der Welt zu nehmen oder, falls die Rote Liste fehlerhaft sein sollte, die korrekten Daten da einzuspeisen.

Mit freundlichen Grüßen: Georg Keckl

Bild: Auszug aus der Roten Liste:

ZKLP

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Re: Das große Sterben
« Antwort #66 am: 28. Februar 2019, 10:27:11 »
http://www.dlr.de/tt/fluginsekten

Zitat
Die aktuelle Diskussion über einen Rückgang der Fluginsekten sowie Berichte über Effizienzverluste von Windkraftanlagen aufgrund von Verschmutzungen der Rotorblätter mit Insektenresten legen eine Überprüfung beider Phänomene bezüglich eines möglichen Zusammenhangs nahe. Erste Recherchen ergaben, dass ausgewachsene, flugfähige Insekten kurz vor der Eiablage in großen Schwärmen hohe, schnelle Luftströmungen aufsuchen, um sich vom Wind zu entfernten Brutplätzen tragen zu lassen. Die Jahrmillionen alten Pfade, die sie dabei nutzen, werden seit etwa 30 Jahren zunehmend von den Rotoren großer Windkraftanlagen gesäumt, deren Rotorblätter mit Blattspitzengeschwindigkeiten von mehreren hundert Stundenkilometern die Luft durchschneiden, wobei eine bisher unbekannte Menge an Fluginsekten verletzt wird.

Im Rahmen der Studie wurde eine umfangreiche Literaturrecherche durchgeführt, um das Verständnis möglicher Wechselwirkungen von Fluginsekten und Windparks zu vertiefen. Interdisziplinäre Informationen aus Entomologie, Windenergietechnik und Atmosphärenphysik wurden ausgewertet, um erste Erkenntnisse über diese Zusammenhänge zu gewinnen. Weiterhin wurde eine Modellanalyse durchgeführt, um den saisonalen Luftdurchsatz und die durch die Rotoren des deutschen Windparks getragene Menge an Fluginsekten sowie die dabei entstehenden Schäden in erster Näherung zu quantifizieren.

https://www.dlr.de/tt/Portaldata/41/Resources/dokumente/st/FliWip-Final-Report.pdf
Zitat
Model calculation of the amount of insect biomass that traverses wind rotors during operation provides a first estimate of the order of magnitude of 24,000 tons of insects crossing the German wind park throughout the summer season. Based on conservative model assumptions, five percent of the insects flying through a rotor could be actually damaged. The related loss of 1,200 tons per year since more than fifteen years could be relevant for population stability.

Wenigstens in diesem Szenario trifft der Begriff "Insektensterben" zu.^^

Sauropode

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Re: Das große Sterben
« Antwort #67 am: 28. Februar 2019, 11:34:03 »
Hm, seit wann gibt es das Insektensterben und seit wann großflächige Windparks?

Und im Vergleich dazu, seit wann werden Insektizide in der Landwirtschaft eingesetzt?

Das Problem ist sicher komplex.
Die schlimmste Idee ist die einer besseren Welt.

Groucho, Du fehlst!

Conina

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Re: Das große Sterben
« Antwort #68 am: 01. März 2019, 14:44:47 »
https://schillipaeppa.net/2017/10/23/insektensterben-alles-scheise/
Ein ganzheitlicherer Ansatz, das Thema anzugehen.
(Lichtverschmutzung, Sauberkeit, Flächenversiegelung etc.)

Conina

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Re: Das große Sterben
« Antwort #69 am: 01. März 2019, 14:52:31 »
Ach, die Susanne Günter ist echt gut im Wühlen und Finden. Auch über sie gefunden:

https://ecologyisnotadirtyword.com/2019/02/16/insectageddon-is-a-great-story-but-what-are-the-facts/

Zitat
Insectageddon is a great story. But what are the facts?
February 16, 2019Manu Saunders   

Hype is an ineffective communication strategy, especially when based on limited facts. There are many elements to effective communication – simply raising awareness about a problem is not enough if audiences don’t engage with the facts and participate in developing solutions.

The latest instalment in the Insect Armageddon saga is out. I wasn’t going to write about it. After my previous posts, I didn’t want to sound like a stuck record. But I’ve had a few media requests, some from journalists who found my original blogs. Most journalists I spoke to have been great, and really understand the importance of getting the facts straight. But a few seemed confused when they realised I wasn’t agreeing with the apocalyptic narrative – ‘other scientists are confirming this, so why aren’t you?’...

Sauropode

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Re: Das große Sterben
« Antwort #70 am: 01. März 2019, 23:00:36 »
Es ist natürlich ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet die selbsternannten Umweltschützer eine der größten Naturzerstörungen in der letzten Zeit auf dem Gewissen haben.
Die schlimmste Idee ist die einer besseren Welt.

Groucho, Du fehlst!

Zinkspray

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Re: Das große Sterben
« Antwort #71 am: 02. November 2019, 08:22:41 »
https://www.forstpraxis.de/studie-zum-insektenrueckgang/

Es geht weiter.

Studie hab ih noch nicht gelesen. Aber mal wieder vollmundige Ansagen in der Presse. Die im Leben nnicht stimmen können. Ein drastischee Rückgang der Insektenpopulationen in Deutschland zwischen 2008 und 2017 ist etwas, was hinten und vorne nnicht ins Bild passt. Welche Ursachen sollte es dafür geben. Wie kann man überhaupt in einem so kurzen Zeitraum so einen Trend etablieren, und es glaubt doch hoffentlich niemand, dass es irgendwie normal und nschvollziehbar wäre dass wir jetzt alle 9 Jahre nur mehr 33% so viele Insekten auf offenen Flächen vorfinden wie 9 Jahre früher.

ZKLP

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Re: Das große Sterben
« Antwort #72 am: 02. November 2019, 11:51:47 »
https://www.forstpraxis.de/studie-zum-insektenrueckgang/

Es geht weiter.

Studie hab ih noch nicht gelesen. Aber mal wieder vollmundige Ansagen in der Presse. Die im Leben nnicht stimmen können. Ein drastischee Rückgang der Insektenpopulationen in Deutschland zwischen 2008 und 2017 ist etwas, was hinten und vorne nnicht ins Bild passt. Welche Ursachen sollte es dafür geben. Wie kann man überhaupt in einem so kurzen Zeitraum so einen Trend etablieren, und es glaubt doch hoffentlich niemand, dass es irgendwie normal und nschvollziehbar wäre dass wir jetzt alle 9 Jahre nur mehr 33% so viele Insekten auf offenen Flächen vorfinden wie 9 Jahre früher.

Direktlink zur Studie:
https://www.nature.com/articles/s41586-019-1684-3 (Paywall!)

Pressemeldung der TU München:
https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/35768/

Wenn man sich die verfügbaren Grafiken (Höhere Auflösung gibt's nur gegen Bares) anschaut, findet der vermeintliche dramatische Rückgang während des Untersuchungszeitraums 2008 bis 2017 augenscheinlich vor allem im ersten Jahr (2008 auf 2009) statt. Spätestens ab 2010 scheinen die Zahlen gerade im Grünland zu stagnieren:


Irgendwo in den frei verfügbaren Rohdaten gehen die Autoren selbst darauf ein, dass 2008 offenbar ein Ausnahmejahr darstellt. Es wird auch ausführlich erklärt, warum man trotzdem 2008 als Referenzjahr verwendet. Ich habe die Argumentation aber nicht verstanden. In der Pressemeldung oder in den Medienberichten werden solche Unsicherheiten natürlich nicht thematisiert.

An anderer Stelle werden in den frei verfügbaren Add-Ons auch die 20 meistgesammelten Arten aufgelistet und deren Fangzahlen in den Jahren 2008/2009 auf 2016/2017 gegenübergestellt. Im Grünland sind das überwiegend Zwergzikaden-Arten.
Deren Rückgang ist wenig verwunderlich, wenn sich die Messtelle in der Nähe von Ackerland befindet: Zwergzikaden sind sehr mobil und werden als Virusüberträger in Getreidekulturen aktiv mit Insektiziden bekämpft. Wer einmal ein mit dem Verzwergungsvirus durchseuchtes Getreidefeld mit 70% Ertragsausfall gesehen hat, versteht auch die Gründe dafür. Bis ca. 2007 war dafür übrigens ein insektizides Beizmittel auf Neonic-Basis zugelassen; seitdem ist dies nur noch Spritzen möglich, mit dem Risiko einer Abdrift (Verwehung) des Wirkstoffs...

Es gibt noch ein paar andere Punkte, die mir aufgefallen sind, aber das würde den Rahmen sprengen.

Mein Fazit:
Der postulierte Insektenrückgang mag stattfinden. Dafür gibt es genügend Anhaltspunkte. Es ist aber kein so kontinuierlicher Prozess, wie mal wieder suggeriert wird. Es gibt auch erhebliche Unsicherheiten, ob er auch nur annähernd in dem in dieser Studie postulierten Ausmaß stattfindet. Und er muss auch nicht grundsätzlich schlecht sein; die meisten Insekten sind zwar wichtig für irgendwelche Habitate, sind aus menschlicher Sicht aber trotzdem erst mal Schädlinge.

Eine vorzeigbare Kritik ist m.E. nur mit viel Aufwand zu erstellen. Die Zeit habe ich leider nicht.
Außerdem habe ich keine Lust, für die Vollversion dieser Studie zu bezahlen. Da rege ich mich nur noch mehr auf...

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Nachtrag:
Es wurden nur Insekten im Wald und im Grünland gezählt. Die gerne verantwortlich gemachten Pestizide werden vor allem auf Ackerland eingesetzt, selten auch im Wald, aber quasi nie auf Grünland. Die Studie postuliert einen Zusammenhang zwischen Insektenrückgang und Ackerland in der Nähe. Das mag zutreffen. Mit den frei verfügbaren Daten der Studie lässt sich das aber nicht bewerten.