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Autor Thema: scobel  (Gelesen 3852 mal)

Wolleren

  • Gast
scobel
« am: 05. Februar 2012, 15:11:00 »
Im Thread zur "Universität Google" sind zwei Beiträge, in denen
a) darauf hingewiesen wird, dass Medienkompetenz (Trennung von guter und schlechter Information - und nun auch innerhalb der guten Information) immer wichtiger wird, und
b) vermerkt wird, dass Menschen "mit einem gewissen Maß an Bildung" leichter auf Scharlatanerie und Verschwörungstheorien hereinfallen.
http://forum.psiram.com/index.php?topic=7958.msg88339#msg88339
http://forum.psiram.com/index.php?topic=7958.msg88330#msg88330

Dazu passt die Sendung "scobel" auf 3sat. http://www.3sat.de und http://www.3sat.de/delta/ .
"scobel" präsentiert teilweise fundierte Information und Meinung, und das ist auch schon das einzig Gute, was mir zu der Sendung einfällt. In diesem Infotainmentgebräu findet sich nämlich richtig viel Informationsmüll und dumme Verschwörungspropaganda (immer ist eine xy-Industrie der schwarze Mann); man muss die Sendung ganz wach sehen, sonst geht man als Salonpseudofolkloreempörter da raus, wie nämlich Scobel selbst da hinein geht.

Das ist die Art Fernsehen "mit einem gewissen Maß an Bildung", das immer wieder feuilletonistische Dümmlichkeit produziert, anstatt Fakten in Fakten-Zusammenhängen statt in Meinungskontexten zu präsentieren. Die Einspieler sind wirklich richtig übel, Bild und Ton sind zusammen reine Propaganda. Wie man aufgrund dieser immer und ausnahmslos tendenziösen Schnipsel eine Diskussion überhaupt beginnen kann, anstatt aufzustehen und die Runde zu verlassen, ist ein Rätsel, das nur so erklärt werden kann, dass Gert Scobel nur solche Leute einlädt, die keinesfalls einen Konflikt offen austragen würden. Plasbergs Regividermskandal hat bei der scobel-Redaktion keinerlei Spuren hinterlassen: immer feste druff, immer skandalisieren, Fakten braucht es immer nur oberflächlich. Eine juristische Sicht der Dinge ist bspw. nie und nimmer Thema, da wird immer nur gerechtet, gerechtisiert sollte man sagen.

Seit langem bekannt ist, dass scobel dem sattsam bekannten Dr. Gerald Hüther immer wieder eine Plattform für dessen Pseudowissenschaft und abseitige gesellschaftliche Interpretationen neurologischer Forschung gibt. Am letzten Donnerstag nun äußerte nun Gert Scobel als legitimer Schleimscheißerbe des Pastors Fliege, dass "wir" ja alle konsumieren müssten, damit es "der Industrie" gut ginge, und dass deshalb "die Industrie" seit langem Produkte "mit Sollbruchstellen" herstellt, die "möglichst schnell kaputt" gingen. Gespannt wartete ich auf ein Beispiel, dass dieses Argument belegen würde. Es kam - wie ich erwartet hatte - nichts.
Das ist genau dieser Informationsdreck, auf den Leute reinfallen sollen, die das vorgeblich bildungsnahe 3sat gucken.

rant off. Hat diese Sendung nun aufgrund nachhaltiger Verbreitung von Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaft einen Platz im Esowatch-Wiki verdient , oder nicht?

HorstHuber

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Re: scobel
« Antwort #1 am: 05. Februar 2012, 21:14:09 »
Scobel ist halt die doku soap für den "Bildungsbürger"
The intelligence of the creature known as a crowd, is the square root of the number of people in it. (Terry Pratchett)

eLender

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Re: scobel
« Antwort #2 am: 26. Januar 2013, 20:43:10 »
Sehe ich mittlerweile ähnlich kritisch. Hieß ja früher Delta. Das Problem ist, dass meist technische und naturwissenschaftliche Themen meist von Kulturwissenschaftlern besprochen werden. Und da ist Kulturpessimismus Pflicht. Sorry für die Verallgemeinerung, aber der Unterton (böse Amerikaner, böse Wirtschaft, wir werden alle nur benutzt und manipuliert...) findet sich fast durchweg in den Kulturprogrammen der Öff. Rechtl. (wer sich mal eine volle Sendung Kulturzeit gegeben hat, weiß was gemeint ist). Scobel versucht ja meist, auch mindesten einen (Quoten)-Naturwissenschaftler an den Tisch zu holen.

Kann man jetzt mögen oder nicht. Was aber gar nicht geht, ist mir in einer der letzten Sendungen aufgefallen. Thema: Verschwörungstheorien, Gäste Andreas von Bülow, Daniele Ganser und Thomas Grüter. Schon ein starkes Stück, überhaupt zwei Verschwörungsideologen auf einmal gegen einen Skeptiker zu positionieren. Nein, er hat auch noch in die selbe Kerbe geschlagen wie die "Truther" und den Skeptiker wie einen Trottel aussehen lassen. Wer sich die Show nochmal ansehen mag:

http://www.youtube.com/watch?v=_KdqX5ebeuM

Apropos: Mir ist aufgefallen, dass es im Wiki noch keinen Eintrag zu Daniele Ganser gibt. Ich mach mal einen Vorschlag.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Bloedmann

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Re: scobel
« Antwort #3 am: 26. Januar 2013, 22:53:23 »
Kann man jetzt mögen oder nicht. Was aber gar nicht geht, ist mir in einer der letzten Sendungen aufgefallen. Thema: Verschwörungstheorien, Gäste Andreas von Bülow, Daniele Ganser und Thomas Grüter. Schon ein starkes Stück, überhaupt zwei Verschwörungsideologen auf einmal gegen einen Skeptiker zu positionieren. Nein, er hat auch noch in die selbe Kerbe geschlagen wie die "Truther" und den Skeptiker wie einen Trottel aussehen lassen. Wer sich die Show nochmal ansehen mag:

http://www.youtube.com/watch?v=_KdqX5ebeuM

Apropos: Mir ist aufgefallen, dass es im Wiki noch keinen Eintrag zu Daniele Ganser gibt. Ich mach mal einen Vorschlag.

Ach kuck mal an, wen man dort in der Vorschlagsliste findet:
http://www.youtube.com/watch?v=chaBszmgfVU
Zitat
KenFM im Gespräch mit: Dr. Daniele Ganser über NATO-Geheimarmeen und Griechenland
KenFM2008KenFM2008· 432 Videos
Es gibt so viele Dinge im Leben, die wichtiger sind als Geld… aber sie kosten so viel! Groucho Marx

gesine2

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Re: scobel
« Antwort #4 am: 27. Januar 2013, 00:29:38 »
War bzw ist der threadstartende post eigentlich ernst gemeint oder ein unter poe fallender Gag?

Hab mir jetzt -anläßlich eLenders thread-hochwuppenden Kommentars die Sendung vom 2.2.2012 zum zweiten Mal angesehen (ist alles noch in der Mediathek) - und wie auch erinnert, nach Lesen des threads allerdings etwas angezweifelt (Erinnerungen, besonders grob wertende, sind unsicher) ist die Sendung ein einziges Fanal zur Änderung nicht nur unseres Umganges mit Resourcen, sondern insbesondere des zugrunde liegenden sozialen und ökonomischen Systems.

Eindeutig
Zitat
äußerte nun Gert Scobel als legitimer Schleimscheißerbe des Pastors Fliege, dass "wir" ja alle konsumieren müssten, damit es "der Industrie" gut ginge
nicht, dies wird nur als krass verdeutlichendes Beispiel der widerrationalen Folgerungen aus dem Aktuellen, zu Ändernden gebracht.

Dann werde ich auch mal in die VT-Sendung hineinschauen, die ist eh noch auf der Warteliste -- doch für heute werde ich langsam aber sicher ziemlich bettreif.
_____________________
ne schöne jrooß, gesine2

Wolleren

  • Gast
Re: scobel
« Antwort #5 am: 27. Januar 2013, 18:24:38 »
...ist die Sendung ein einziges Fanal zur Änderung nicht nur unseres Umganges mit Resourcen, sondern insbesondere des zugrunde liegenden sozialen und ökonomischen Systems.
Das kann man gut machen, und man kann es schlecht machen. Die zu Grunde liegenden Fakten wurden immer nur behauptet. Dabei gibt es inzwischen gute Dokumentationen dazu, z.B. zum Einbau billiger und wenig strapazierbarer oder nicht wechselbarer Teile, bspw. bei Druckern. Und wurde überhaupt irgendeine Zahl genannt, z.B. zum Anteil von Wegwerfprodukten, zum Anteil qualitativ minderwertiger Teile? Wurden Ressourcenkonflikte dargestellt: das billige Lamm aus Neuseeland gegen 50 Bauern, die mit ihren Treckern den Wochenmarkt beliefern? Wurden Vorschläge gemacht, wie man solche Konflikte lösen kann?

Eindeutig
Zitat
äußerte nun Gert Scobel als legitimer Schleimscheißerbe des Pastors Fliege, dass "wir" ja alle konsumieren müssten, damit es "der Industrie" gut ginge
nicht, dies wird nur als krass verdeutlichendes Beispiel der widerrationalen Folgerungen aus dem Aktuellen, zu Ändernden gebracht.
Erinnere ich mich nun falsch oder nicht? (Du hast Recht, wertende Erinnerungen neigen dazu falsch zu sein. Die Einteilung in "wir" und "die Industrie", gab es die etwa nicht?).

Kritik am Ressourcenverbrauch ist ja völlig richtig: Man könnte dann ja darstellen, wie BRD und EU politische Maßnahmen zum Thema ergreifen. Oder es nicht tun. Wie die Historie dieser Maßnahmen und Entscheidungen aussieht. Welche Entscheidungen dringend zu fällen sind. Was das alles mit den Zuschauern der Sendung zu tun hat. Was das alles mit den Teilnehmern in der Sendung zu tun hat. Welche Autos sie so fahren, einen Wolga von Manufactum vielleicht?

Stattdessen ein Fanal zur Änderung "des zugrunde liegenden sozialen und ökonomischen Systems". Ganz genau. Hervorragende Zusammenfassung. Mehr war die Sendung nicht. Und das ist zu wenig.
Das rituelle Sichgefallen in Systemkritik kritisiere ich als pastorale Schleimscheißerei. Es geht nicht immer um alles.

Dr. Ici Wenn

  • Gast
Re: scobel
« Antwort #6 am: 27. Januar 2013, 18:29:21 »
Das rituelle Sichgefallen in Systemkritik kritisiere ich als pastorale Schleimscheißerei. Es geht nicht immer um alles.

Wunderschön gesagt.  :grins2:

F. A. Mesmer

  • Gast
Re: scobel
« Antwort #7 am: 24. Februar 2014, 01:50:03 »
scobel: Yoga [1/4] (Sendung vom 21.03.2013 auf 3sat)

schon die anmoderation zur yoga-sendung mit der trias standardmediziner - homöopathie - schulmedizin wäre eine kurze erwähnung im wiki wert.
ebenso die auswahl der gäste - nur yoga-fans, keine gegenmeinung, nix. ausgewogener wissenschaftsjournalismus eben  $)





Wolleren

  • Gast
Re: scobel
« Antwort #8 am: 26. September 2014, 00:19:11 »
Was soll man sagen?!: scobel war heute vorbildlich zum Thema  "Was ist Zeit?"

Man muss ja nicht mit den Gedanken unter http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/178727/index.html oder gar dem dort geübten "Wir"-Stil übereinstimmen, um trotzdem die Sendung gelungen zu finden.

Es ist nicht einfach, das Thema in einer anspruchsvollen Sendung interessant darzustellen.  Heute war das Expertenformat wirklich ein Gewinn, und Gerd Scobels Fragen zeigten mehr Wissen als dass sie versuchten, die Antwort zu lenken.
Nach dieser Sendung braucht er nicht mehr ins wiki. Jetzt nur keinen Rückfall, bitte.