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Medikinet für Erwachsene zugelassen

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Begonnen von cohen, 18. April 2011, 16:14:39

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cohen

ZitatADHS
Medikinet für Erwachsene zugelassen

Berlin  -  Erwachsene Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) müssen künftig nicht mehr off-label mit Methylphenidat therapiert werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat dem Hersteller Medice jetzt die Zulassung für das Präparat ,,Medikinet adult" erteilt. Das Produkt ist zur Behandlung einer seit Kindesalter fortbestehenden ADHS ab 18 Jahren indiziert, wenn andere therapeutische Maßnahmen nicht ausreichen.

Bei mehr als der Hälfte der ADHS-Patienten persitiert die Krankheit nach Angaben von Medice bis ins Erwachsenenalter, dies entspreche rund 250.000 erwachsenen ADHS-Patienten. Alle derzeit erhältlichen Methylphenidat-haltigen Arzneimittel sind aber nur bei Kindern und Jugendlichen zugelassen. Der Einsatz bei Patienten ab 18 Jahren konnte damit bislang nur off-label erfolgen. Die Krankenkassen mussten die Behandlung außerhalb der Zulassung nicht bezahlen.

Medice will ,,Medikinet adult" im Sommer auf den Markt bringen. Mit der Zulassung sichert sich der Konzern einen Marktvorteil. Denn alle anderen Methylphenidat-haltigen Arzneimittel sind nach wie vor nur bei Kindern und Jugendlichen indiziert. Der Pharmakonzern Janssen-Cilag, der im vergangene Jahr eine Untersuchung zum Einsatz von ADHS-Medikamenten bei Erwachsene in Auftrag gegeben hatte, plant nach Angaben einer Sprecherin derzeit keine Zulassungserweiterung für Concerta.
http://www.apotheke-adhoc.de/Nachrichten/Wissenschaft%20und%20Forschung/14796.html

Antitainment

Mal ne kleine OT-Frage:
Mir ist das gesamte Ideal-Prozedere beim Verschreiben von Methylphenidat bekannt, aber es scheint problemlos innerhalb einer handelsüblichen Untersuchung wieder absetzbar zu sein, zumindest ist dies in mehreren Fällen meine persönliche Erfahrung nach geschehen, natürlich auf Anraten der Eltern/Betreuer/Pädagogen.
Macht es Sinn bei Kindern/Jugendlichen die Medikamentation einfach abzusetzen, bzw. "verheilt" ADS/ADHS, mal von irgendwelchem psychischen Kompensierungsverhalten/Resilienz abgesehen?
(Meines Wissens ist das ja nicht heilbar, aber diverse Fach- und Nichtfachleute haben mich schon mehrfach versucht eines Besseren zu belehren, aber ich habe fleißig den ungläubigen Thomas gemimt)
Zahlen, Statistiken ... das ist alles total Sarrazin! Ihr müsst richtig fühlen! FÜHLEN! Darum geht es.

rincewind

Es ist freilich absetzbar. Mit unabsehbaren Folgen  ;D

Was sicher (inoffiziell) vorkommt ist, dass man es ausprobiert. Wer nicht betroffen ist, hat davon auch keine gewünschte paradoxe Wirkung.
Aber dazu haben wir Fachleute hier, die sicher näheres sagen können.

Antitainment

Oller Scherzkeks  ;)

Ich mach es mal ein wenig konkreter:
Klient hat zwei Diagnosen von zwei verschiedenen KJPs bekommen. Beide diagnostizieren eindeutig ADHS und das deckt sich mit den Aussagen der Lehrerschaft, meinen Beobachtungen und den Beobachtungen der Sorgeberechtigten.
Trotz fleißigem Aufklären über Komorbidität, Spätfolgen, Verweis auf Bundesärztekammer etc. pp. von meiner Seite hab ich allerdings ein paar beratungsresistente Kollegen (Ritalin ist schlecht und Nebenwirkungen blablub), die das Absetzen durchdrücken konnten - Man muss nur lange genug suchen, dann findet man auch einen Doc der das absetzt, einfach ein wenig die Aussagen frisieren und gut ist.
So weit so schlecht, da das Ganze auf Kosten des minderjährigen Klienten geht, der ganz andere Sorgen hat - Daher meine Frage, gibt's irgendwelche Kriterien oder kann man testweise einfach mit ärztlicher Erlaubnis mal absetzen, wenn einem danach ist - oder ist es evtl. sogar sinnvoll einfach mal abzusetzen um zu schauen was passiert; besteht ja auch die Möglichkeit, dass ich mich auf dem Holzweg befinde?
Zahlen, Statistiken ... das ist alles total Sarrazin! Ihr müsst richtig fühlen! FÜHLEN! Darum geht es.

Bobbele

Zitat von: Antitainment am 18. April 2011, 18:41:14
Daher meine Frage, gibt's irgendwelche Kriterien oder kann man testweise einfach mit ärztlicher Erlaubnis mal absetzen, wenn einem danach ist - oder ist es evtl. sogar sinnvoll einfach mal abzusetzen um zu schauen was passiert; besteht ja auch die Möglichkeit, dass ich mich auf dem Holzweg befinde?


Jeder Fachmann rät zu sog. Auslaßversuchen, d.h. das Medikament wird von Zeit zu Zeit abgesetzt, eben um zu sehen was passiert bzw. ob eine weitere Medikation überhaupt noch notwendig ist.

Bobbele

Zitat von: cohen am 18. April 2011, 16:14:39
ZitatADHS
Medikinet für Erwachsene zugelassen

Berlin  -  Erwachsene Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) müssen künftig nicht mehr off-label mit Methylphenidat therapiert werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat dem Hersteller Medice jetzt die Zulassung für das Präparat ,,Medikinet adult" erteilt. Das Produkt ist zur Behandlung einer seit Kindesalter fortbestehenden ADHS ab 18 Jahren indiziert, wenn andere therapeutische Maßnahmen nicht ausreichen.

Bei mehr als der Hälfte der ADHS-Patienten persitiert die Krankheit nach Angaben von Medice bis ins Erwachsenenalter, dies entspreche rund 250.000 erwachsenen ADHS-Patienten. Alle derzeit erhältlichen Methylphenidat-haltigen Arzneimittel sind aber nur bei Kindern und Jugendlichen zugelassen. Der Einsatz bei Patienten ab 18 Jahren konnte damit bislang nur off-label erfolgen. Die Krankenkassen mussten die Behandlung außerhalb der Zulassung nicht bezahlen.

Medice will ,,Medikinet adult" im Sommer auf den Markt bringen. Mit der Zulassung sichert sich der Konzern einen Marktvorteil. Denn alle anderen Methylphenidat-haltigen Arzneimittel sind nach wie vor nur bei Kindern und Jugendlichen indiziert. Der Pharmakonzern Janssen-Cilag, der im vergangene Jahr eine Untersuchung zum Einsatz von ADHS-Medikamenten bei Erwachsene in Auftrag gegeben hatte, plant nach Angaben einer Sprecherin derzeit keine Zulassungserweiterung für Concerta.
http://www.apotheke-adhoc.de/Nachrichten/Wissenschaft%20und%20Forschung/14796.html

Gute Nachricht übrigens ;-)

rincewind

Zitat von: Antitainment am 18. April 2011, 18:41:14
Daher meine Frage, gibt's irgendwelche Kriterien oder kann man testweise einfach mit ärztlicher Erlaubnis mal absetzen, wenn einem danach ist - oder ist es evtl. sogar sinnvoll einfach mal abzusetzen um zu schauen was passiert; besteht ja auch die Möglichkeit, dass ich mich auf dem Holzweg befinde?

Wie gesagt, bin da nicht wirklich der Fachmann, kenn nur ein paar Fälle. Absetzen geht rein physioligisch auf jeden Fall. M.W. gehört das sogar zur Standard-Behandlung, dass man immer wieder mal Absetzen probiert.
Jedenfalls haben wir hier irgendwo Endlosthreads zum Thema, wenn sie nicht gelöscht wurden.

Jedenfalls, was ich oben etwas flappsig gemeint habe, die Folgen sind insofern unabsehbar, dass dann z.B. das neue Rad innerhalb einer Woche Schrott ist :). Man merkt das, und der betroffene auch. Merkt man nix, wars kein ADHS.

Es ist ja wirklich relativ leicht, das rauszufinden. Wer nicht betroffen wird, wird durch MPH aufgeregter und nicht ruhiger und konzentrationsfähiger. Deswegen ist es ja auch so ein Schwachsinn, hier von "Ruhigstellungsdroge" etc zu reden ...

Janus

Das ist toll, weil es die Kassen jetzt bezahlen! Für mich ist das Toll.

cohen

Zitat von: Janus am 20. April 2011, 13:03:00
Das ist toll, weil es die Kassen jetzt bezahlen! Für mich ist das Toll.

Genau das ist die gute Nachricht daran.

Warze

Das ist doch alles teurer Unfug! Schaut mal, was ich für ne tolle "Therapie" gefunden habe!  :kotz:
"One thing's sure: Inspector Clay is dead- murdered- and somebody's responsible!"


P.Stibbons

http://www.bfarm.de/DE/BfArM/Presse/mitteil2011/pm02-2011.html
Zitat
Erstellt: 15.04.2011
Aktualisiert: 15.04.2011

Pressemitteilung 02/11

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat am 14.04.2011 erstmals einer Indikationserweiterung auf Erwachsene bei einigen Methylphenidat-haltigen Arzneimitteln zugestimmt. Bisher war die Zulassung wegen unzureichender Studiendaten auf die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen ab 6 Jahren begrenzt. Aufgrund der nun vorliegenden Ergebnisse aus klinischen Studien konnte die Wirksamkeit und Sicherheit einer Anwendung bei Erwachsenen hinreichend belegt werden.

BfArM-Präsident Prof. Dr. Walter Schwerdtfeger erklärte dazu: ,,Die Indikationsausweitung bei Methylphenidat für Erwachsene bedeutet für Patientinnen und Patienten mit ADHS eine ganz wesentliche Ausweitung ihrer Behandlungsmöglichkeiten. Ärztinnen und Ärzte haben jetzt mehr Handlungssicherheit bei der Verordnung, da die Anwendung bei Erwachsenen bisher nur ,,off-label" möglich war."

Die ADHS ist eine psychische Störung mit Symptomen in den Bereichen Unaufmerksamkeit und Überaktivität bzw. Impulsivität. Die Krankheit beginnt im Kindesalter und besteht häufig bis ins Erwachsenenalter fort.

Die Anwendung von Methylphenidat erfolgt stets im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn sich andere therapeutischen Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben. Durch die jetzt erteilte Zulassungserweiterung ist sowohl die Fortführung einer im Kindes- und Jugendalter begonnenen Therapie ins Erwachsenenalter als auch eine Neueinstellung bislang nicht mit Methylphenidat behandelter Erwachsener möglich, wenn die ADHS bereits seit dem Kindesalter bestanden hat.

............

P.Stibbons

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=34426
Zitat
...Die zur Kostenübernahme von Medikinet® adult durch die Gesetzliche Krankenversicherung nötige Änderung der Arzneimittelrichtlinie wurde bereits beim Gemeinsamen Bundesausschuss beantragt. Da bis zu ihrer Umsetzung die Erstattung durch die Krankenkassen nicht selbstverständlich ist, ,,sollten Patienten ihren Anspruch auf Erstattung geltend machen, indem sie einen schriftlichen Erstattungsantrag mit Hinweis auf die vorhandene Zulassung an ihre gesetzliche Krankenkasse richten", riet Dr. Fischer zum Abschluss.

P.Stibbons

Das geht ja nun erstaunlich schnell - Meldung von gestern, 23. Juni:

ZitatMethylphenidat: Auch für Erwachsene verordnungsfähig

Die Krankenkassen müssen in Zukunft auch erwachsenen ADHS-Patienten die Behandlung mit Methylphenidat bezahlen – solange das verordnete Präparat für diese Altergruppe zugelassen ist. Das teilte heute der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) mit, der darüber entscheidet, welche Leistungen die Kassen zahlen. Bis vor Kurzem konnten Ärzte erwachsenen Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) Methylphenidat-haltige Präparate wie Ritalin® nur Off-Label und auf Privatrezept verordnen. Seit April ist jedoch erstmals in Deutschland ein entsprechendes Präparat für Patienten über 18 Jahren zugelassen, Medikinet® adult von Medice. Das Präparat wird voraussichtlich ab dem 1. Juli in Deutschland verfügbar sein.

Nach der Entscheidung zur Verordnungsfähigkeit von Methylphenidat für erwachsene ADHS-Patienten will der GBA nun noch prüfen, ob es wieder Einschränkungen der Erstattungspflicht geben soll. Der GBA-Beschluss tritt erst in Kraft, wenn es keinen Widerspruch gibt und der Text im Bundesanzeiger veröffentlicht ist. (db)

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=38360