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Autor Thema: Gunter Sachs und seine Astrologieforschung  (Gelesen 3141 mal)

buzzti

  • Gast
Gunter Sachs und seine Astrologieforschung
« am: 09. Mai 2011, 03:12:38 »
Hi zusammen  :grins2:

Zum Tod von Gunter Sachs ist mir auf Wikipedia folgendes aufgefallen:

Zitat
"Statistische Astrologieforschung

Gemeinsam mit einem Team von Mathematikern und Statistikern überprüfte Sachs 1994 die Aussagen der Sonnenzeichen-Astrologie, die von R. H. Naylor 1930 eingeführt wurde. Zwar gab es bereits zuvor Untersuchungen wie die des Mars-Effektes von Michel Gauquelin, das Neuartige an Sachs’ Forschung waren jedoch die großen Datenmengen, auf deren Grundlage er seine Auswertungen durchführen konnte.

Er gründete 1995 das Institut zur empirischen und mathematischen Untersuchung des möglichen Wahrheitsgehaltes der Astrologie in Bezug auf das Verhalten von Menschen und deren Anlagen (IMWA).

In statistischen Untersuchungen mit über 20 Millionen schweizerischen, englischen, deutschen und französischen Daten, die 1997 in dem Band Die Akte Astrologie veröffentlicht wurden, konnten dem Buch zufolge signifikante Zusammenhänge zwischen den sogenannten Sonnenzeichen und verschiedenen Verhaltensweisen festgestellt werden, etwa bei Eheschließung, Berufswahl, Verkehrsverhalten oder Neigung zum Suizid. Das Buch enthält weiterhin einen Anhang mit den Ergebnissen einer von Sachs beim Institut für Demoskopie Allensbach in Auftrag gegebenen Studie zum Thema Tierkreiszeichen mit einem Vorwort von Elisabeth Noelle-Neumann. Das Buch stand 21 Wochen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste, wurde in England für den Astrological Research Award nominiert. 1998 erschien das Buch in englischer, im Jahr 2000 in französischer Sprache.

Kritik

Der Statistiker Herbert Basler‚ damaliger Direktor am Institut für Angewandte Mathematik und Statistik der Universität Würzburg, übte 1998 Kritik an Sachs’ Untersuchung. Basler würdigte allerdings, dass Sachs das Verdienst zukommt, „in einer breiten Öffentlichkeit die Einsicht verbreitet zu haben, dass astrologische Hypothesen, ebenso wie andere wissenschaftliche Aussagen, empirisch überprüfbar sind – mit den Methoden der Mathematischen Statistik als Hilfsmittel.“

Ebenfalls im Jahr 1998 hatten Jürgen Chlumsky und Manfred Ehling vom Statistischen Bundesamt in einer privaten im Auftrag von Sachs erstellten Expertise ihm eine saubere Methodik sowie eine korrekte Interpretation seiner Ergebnisse bescheinigt („Nach den Analysen von Gunter Sachs ist anzunehmen, dass mit den Sternzeichen zusammenhängende Merkmale einen Einfluss auf den Menschen ausüben, der nicht nur durch den Zufall erklärbar ist.“).

Eine Analyse von Sachs’ Daten aus dem Jahre 2003 kommt zu dem Ergebnis, dass seine Analysen und Ergebnisse fehlerhaft seien und daher als wissenschaftliches Material keinen Nutzen besäßen (“Its analyses and results are not useable as scientific material.”).

Der Astrologe Peter Niehenke bezeichnete Sachs’ Arbeit wegen der seiner Meinung nach aus den statistischen Ergebnissen gezogenen unzulässigen Schlussfolgerungen als „statistisch interessant, aber astrologisch irrelevant.“

Eine im März 2011 veröffentlichte Stellungnahme der Statistiker Katharina Schüller und Walter Krämer kommt zu dem Schluss, dass die handwerklich-methodischen Fehler, die Basler den Auswertungen von Gunter Sachs nachsagt, nicht vorhanden seien."

Habe keinen Artikel zu Gunter Sachs oder dessen Astrologieforschung bei euch gefunden. Deshalb würde mich eure Meinung darüber interessieren.

lg, buzzti

mossmann

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  • Beiträge: 682
Re: Gunter Sachs und seine Astrologieforschung
« Antwort #1 am: 09. Mai 2011, 11:26:48 »
da gäbe es eine Menge Promis zu listen  :(
Offizieller Sprecher des gemäßigten Flügels der Psiram-Jugend

Belbo zwei

  • Gast
Re: Gunter Sachs und seine Astrologieforschung
« Antwort #2 am: 09. Mai 2011, 11:37:33 »
Astrologie ist Blödsinn, auch wenn Günther Sachs daran glaubt. Das trag ich ihm aber weniger nach als dass die Bardot sich für ihn und nicht für mich......

Graumagier

  • Gast
Re: Gunter Sachs und seine Astrologieforschung
« Antwort #3 am: 09. Mai 2011, 11:52:25 »
Deshalb würde mich eure Meinung darüber interessieren.
Die Kurzvariante: Wenn man lange genug in gewaltigen Datenmengen herumstochert findet man immer etwas das "statistisch signifikant" ist (lt. p-Wert zumindest).

Warze

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  • "Mein Name ist Bond. HEINZ Bond."
Re: Gunter Sachs und seine Astrologieforschung
« Antwort #4 am: 09. Mai 2011, 12:09:11 »
Von mir aus kann der Kaiser von Konstantinopel an Astrologie glauben, das kümmert mich nicht. Der Papst glaubt ja auch an Religion, obwohl das Hirngespinste sind.
"One thing's sure: Inspector Clay is dead- murdered- and somebody's responsible!"

Graf Zahl

  • Gast
Re: Gunter Sachs und seine Astrologieforschung
« Antwort #5 am: 09. Mai 2011, 13:48:20 »
http://www.gwup.org/infos/nachrichten/939-die-sterne-luegen-doch
Zitat
Die Sterne lügen doch

Wissenschaftler schließen die „Akte Astrologie“. Kein Beweis für einen Einfluss der Himmelskörper auf menschliches Verhalten.

07.12.2009 (GWUP) - Es bleibt dabei: Die Astrologie findet bei wissenschaftlich orientierten Forschern keine Bestätigung. Auch die aufsehenerregende „Akte Astrologie“ des Alt-Playboys Gunter Sachs kann endgültig geschlossen werden. Zwei Statistiker der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP) haben etliche der in „Akte Astrologie“ beschriebenen Studien mit eigenen Datensätzen nachgerechnet. Ergebnis: ein paar schwache Effekte. Aber kein Beleg für einen Einfluss der Sterne auf Partner- und Berufswahl, Scheidungen oder Todesursachen.

In Europa nimmt die Zahl der Störche seit Jahrzehnten ab – ebenso sind die Geburtenzahlen rückläufig. Ist dies ein Beleg dafür, dass der Storch die Babys bringt? Gewiss nicht. Und ebenso wenig leben „Fische“-Geborene gefährlicher als andere Menschen, wie eine „Unfallstatistik nach Sternzeichen“ einer österreichischen Versicherungsgesellschaft nahelegt. In Wahrheit gibt es einfach nur besonders viele Menschen mit diesem Sternzeichen. Und so kann man in großen Datenmengen scheinbar sehr merkwürdige Effekte entdecken.

„Der Zusammenhang kann also völlig bedeutunglos sein“, erklären die Wiener Psychologen Ivo Ponocny und Elisabeth Ponocny-Seliger. „Oder auch ganz andere Ursachen haben.“ Welche, darauf kamen die beiden Statistik-Experten, als sie mit finanzieller Förderung der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ aktuelle Daten der amtlichen Bevölkerungsstatistik Österreichs auswerteten. Ziel der Untersuchung war es unter anderem, den Bestseller „Die Akte Astrologie“ von Gunter Sachs auf den Prüfstand der Wissenschaft zu stellen.

„Schützen“ und „Widder“ werden Landwirte …

Der Industriellenerbe, Fotograf und Mathematiker hatte vor zwölf Jahren behauptet, „den wissenschaftlichen Nachweis eines Zusammenhangs zwischen den Sternzeichen und dem menschlichen Verhalten“ erbracht zu haben. Die GWUP-Mitglieder Ivo Ponocny (MODUL Universität Wien) und Elisabeth Ponocny-Seliger (Sigmund Freud Privatuniversität Wien) konnten nun feststellen, dass es in der Bevölkerungsstatistik zwar durchaus einige schwache „Geburtsagseffekte“ gibt – jedoch wenig Veranlassung dazu besteht, diese als Beleg für die Richtigkeit der Astrologie anzusehen.

„Schütze“- und „Widder“-Geborene beispielsweise ergreifen überdurchschnittlich häufig den Beruf des Landwirts. Die Sterne? Oder nicht doch einfach die Eltern? Eher wirkt sich hier wohl aus, dass viele Eltern dieser Landwirte selbst Landwirt sind und offenbar eine Geburtenplanung praktizieren, welche den Zeitpunkt der Niederkunft in die Wintermonate verlegt.

Ähnliches lässt sich beim Thema Bildungsabschlüsse beobachten: Menschen mit dem Sternzeichen „Krebs“ oder „Jungfrau“ werden auffallend seltener Akademiker als andere. Dieses Phänomen lässt sich plausibel durch das jüngere Einschulungsalter erklären. Da die Schule in der Regel im Spätsommer beginnt, werden „Krebs“- und „Jungfrau“-Geborene „gerade noch so“ eingeschult, was einen Entwicklungsnachteil gegenüber ihren älteren Klassenkameraden bedeutet.

… „Jungfrauen“ und „Steinböcke“ Fußballer

Auch Sportvereine kennen solche „Geburtstagseffekte“. So hatte Sachs in seiner „Akte Astrologie“ geschrieben, dass unter den Sternzeichen „Jungfrau“ und „Steinbock“ mehr Fußballspieler zur Welt kommen. Das ist richtig – und lediglich den traditionellen Stichtagen für die Einteilung in Altersklassen geschuldet. Denn relativ ältere Kinder zeigen in derselben Altersklasse tendenziell stärkere Leistungen als die jüngeren. Und setzten sich daher leichter durch und bleiben dieser Sportart länger treu als weniger erfolgreiche Spieler.

Viele weitere Beobachtungen in „Die Akte Astrologie“, wie etwa zu Selbstmorden, Eheschließungen oder Scheidungen, konnten Ivo Ponocny und Elisabeth Ponocny-Seliger indes gar nicht bestätigen. Und wenn, dann waren diese – wie auch schon bei Sachs– „für ernst zu nehmende Aussagen über einzelne Personen viel zu schwach“.

Das Fazit der beiden Wissenschaftler: „Weil Sternzeichen und Geburtstage aneinander gekoppelt sind, kann ein Geburtstagseffekt leicht als astrologischer Effekt erscheinen. Aber uns liegen mehr als deutliche Hinweise vor, dass wir es dabei mit einem recht irdischen Phänomen zu tun haben.“

Die Studie „Akte Astrologie Österreich“ von Ivo Ponocny und Elisabeth Ponocny-Seliger ist erschienen in der Zeitschrift Skeptiker 4/2009 der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP).

gwup

Wolleren

  • Gast
Re: Gunter Sachs und seine Astrologieforschung
« Antwort #6 am: 10. Mai 2011, 00:19:05 »
Nun ja, mir ist jede Stellungnahme von Schüller und Krämer wertvoller als irgendein fishing-for-significance-Vorwurf der gwup.

Wir begrüßen, dass Dr. Basler auf theoretisch auftretende Probleme und daraus möglicherweise folgende Fehlinterpretationen der Ergebnisse hinweist. Was allerdings als theoretisches Problem denkbar ist, muss in der Praxis noch lange nicht eintreffen. Diejenigen Punkte, die Dr. Basler an den Auswertungen von Gunter Sachs kritisiert, bleiben ohne Einfluss auf das Endergebnis, selbst wenn sie in Einzelfällen diskutiert werden können. Um handwerklich-methodische Fehler handelt es sich jedoch aus unserer Sicht an keiner Stelle.

Ganz im Gegenteil sind in der Quelle dem Dr. Basler ziemlich üble handwerkliche Fehler nachgewiesen worden: Sein Taschenrechner beherrschte wohl den chi²-Test, aber nicht den von Yates, so'n Pech aber auch.

In den weiteren Ausführungen der gwup wird m.E. auf Ergebnisse Bezug (Geburtstagseffekte) genommen, die Wiseman bereits in Quirkology publiziert hatte, und das sind gute Argumente, entwerten aber nicht das Vorgehen Sachs'. Man darf lediglich Sachs' Ergebnisse nicht dahingehend interpretieren, als wären sie ein Beweis für die Richtigkeit der Astrologie. Sie sind nicht einmal ein "Hinweis", das muss man dem Gunter Sachs als Grabbeigabe leider hinzulegen.