Neuigkeiten:

Wiki * German blog * Problems? Please contact info at psiram dot com

Main Menu

Von Medizin und Pseudomedizin

Postings reflect the private opinion of posters and are not official positions of Psiram - Foreneinträge sind private Meinungen der Forenmitglieder und entsprechen nicht unbedingt der Auffassung von Psiram

Begonnen von rincewind, 26. November 2008, 21:41:42

« vorheriges - nächstes »

rincewind

(Ein kleiner Auszug - wer den Autor errät, bekommt einen Preis ;-))

(Klehr kommt auch vor)
--------------------------------------------------------------------------


Einleitung

In den vergangenen Jahren hat die Auseinandersetzung zwischen der wissenschaftlich basierten Medizin und den alternativen Heilmethoden wieder an Intensität gewonnen. Dafür gibt es einige Gründe. Erstmalig hat der Gesetzgeber bestimmten alternativen Heilmethoden den Status von Besonderen Therapierichtungen zuerkannt und diese - Homöopathie, Anthroposophie und Phytotherapie - wenigstens im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung sozusagen hoffähig gemacht. Weiterhin ist die Zahl der aktuellen Alternativmethoden heute sehr viel größer als noch vor etwa fünf Jahren - man denke an die Bach-Blütentherapie, die zwar um 1930 erfunden wurde, bei uns aber erst jetzt durch die energischen Werbemethoden der Vertreiber Eingang in fast jede Apotheke gefunden hat. Schließlich trifft man zunehmend auf Versuche, die Zielgruppe der Alternativmethoden zu vergrößern; war früher die Behandlung chronischer Leiden die Domäne der Alternativmethoden, drängen sie jetzt in die Behandlung der Akutfälle, ja sogar der medizinischen Notfälle.

Der Gesetzgeber ist für seine Entscheidung kritisiert worden, er hat sie nicht zurückgenommen, sondern in einem weiteren Gesetz noch verschärft durch den sogenannten Binnenkonsens. Dieser wird gemeinhin so interpretiert, daß die Alternativ-Therapeuten selbst darüber entscheiden, ob die von ihnen propagierte Methode wirksam ist.

Allgemein anerkannt und unbestritten ist, daß es im Bereich der Diagnostik und Behandlung von Krankheiten zwei konkurrierende Systeme gibt, konkurrierend wenigstens um die Gunst des Kranken. Mit der Benennung tut man sich schwer, es existiert eine Vielzahl mehr oder weniger umständlicher Bezeichnungen: Orthomedizin und Paramedizin, Medizin und alternative Medizin, Medizin und Komplementärmedizin, wissenschaftlich geprüfte Methoden im Gegensatz zu wissenschaftlich ungeprüften Methoden.

Um diese Umständlichkeiten zu vermeiden, benutze ich die Bezeichner Medizin und Pseudomedizin. Die Bezeichner sollen vorerst völlig wertfrei sein und lediglich aus Gründen der Praktikabilität benutzt werden. Ziel dieser Untersuchung ist schließlich, das Wesen beider Bereiche darzustellen und die entscheidenden Unterschiede zwischen beiden aufzufinden. Erst danach ist das Werturteil zulässig. Mit der gleichen Intention verwende ich die Oberbegriffe Wissenschaft und Pseudowissenschaft, in gleicher Weise auch Ableitungen (u.a. Pseudomediziner, Pseudowissenschaftler, Pseudosystem, Pseudotheorie).


Wissenschaft und Pseudowissenschaft,
Medizin und Pseudomedizin

Die Argument beider Seiten lassen sich auf die Kernfrage reduzieren: Müssen pseudowissenschaftliche Systeme die Regeln der Wissenschaft befolgen? Das nämlich behauptet die Seite der Wissenschaft, und sie behauptet damit einen universellen Anspruch. Die Gegner sind davon nicht beeindruckt. Sie wollen ja gerade keine Wissenschaft sein, sie besitzen ihr eigenes System, das gleichberechtigt neben dem System der Wissenschaft stehen soll. Ihr System hat eigene Regeln, die sich mit denen der Wissenschaft keineswegs decken müssen. So entstehen zwei Möglichkeiten:
1. Beide Systeme bestehen gleichberechtigt nebeneinander. Jedes System hat seine eigenen Regeln.
2. Es gibt ein übergreifendes System derart, daß die Regeln des übergreifenden Systems für die daraus abgeleiteten Untersysteme gelten.
Wir müssen jetzt nur herausfinden, welche der beiden Möglichkeiten zutrifft.

§ . Die Forderung der Nachprüfbarkeit. Seit alters her hat der Mensch versucht, die ihn umgebende Welt zu beschreiben. Das nicht offensichtliche Dilemma dabei war, daß der Mensch vom Standpunkt eines unabhängigen Beobachters aus eine Welt beschreiben will, deren Teil er doch gleichzeitig ist. Die Sätze, deren Summe das Theoriengebäude bildet, sollten wahr sein, nur dann sind sie für alle Menschen verbindlich.

Die Aufgabe wäre einfacher, wenn der Mensch so konstruiert wäre, daß er immer und unter allen Umständen nur die Wahrheit sagen kann. Dem ist aber nicht so. ,,Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" bleibt eben nur ein dichterischer Imperativ.

Die Erfindung der Negation in der Sprache ermöglicht es uns, zu jedem bestehenden Satz auch seine Negation zu bilden: Er ist hier und Er ist nicht hier. Ist der einer der beiden Sätze wahr, kann der jeweils andere nicht wahr sein.

Handel und Gewerbe haben daraus schon in der frühen Menschheits-geschichte die Konsequenz gezogen, daß es besser ist, das Angebot eines Geschäftspartners (die Wahrheit eines Satzes) nachzuprüfen, bevor man sich auf den Handel einläßt. Wer zwei Ochsen gegen ein Pferd tauschen will, tut gut daran, das Da sein des Pferdes nachzuprüfen.

Da der Mensch in allen Lebensbereichen die Unwahrheit (einen falschen Satz) behaupten kann, da es auch keine Möglichkeit gibt, den Menschen zu zwingen, die Wahrheit zu sagen, ist die Forderung der Nachprüfbarkeit eine gesamtgesellschaftliche Forderung, entstanden als Erkenntnis und Lehre aus der Menschheitsgeschichte. Sie ist eine ethische Forderung und damit eine Grundvoraussetzung unseres gesamten gesellschaftlichen Lebens. Sie ist nicht ein Naturgesetz, sondern eine Übereinkunft, ein frei gewähltes Prinzip, frei gewählt von denen, die die Gesellschaft bilden.

Zweifellos kann man sagen, daß schon in der frühen Menschheitsgeschichte die Forderung der Nachprüfbarkeit befolgt wurde, wenngleich sie nicht ausdrücklich formuliert war. Die Formulierung erfolgt eigentlich erst am Beginn der Moderne mit der Erfindung des Experiments. Das ist vielleicht der Grund, daß auch heute noch die Forderung der Nachprüfbarkeit spontan auf die Wissenschaft bzw in erweitertem Sinn auf die Naturbeschreibung bezogen wird und daß ihre gesamtgesellschaftliche Bedeutung nur wenigen bewußt ist.

Die Neuzeit beginnt mit der Entdeckung des Experiments. Einzelne mußten erst damit beginnen, Experimente zu ersinnen und durchzuführen und die Ergebnisse brieflich anderen Experimentatoren mitteilen. Nur so konnte erfahren werden, daß definierte Experimente wiederholbar sind und daß korrekt durchgeführte Wiederholungen identische Ergebnisse liefern. Nur so konnte sich auch der Gedanke herauskristallisieren, daß die Nachprüfbarkeit nicht nur im Alltagsleben, sondern auch bei der Erforschung der Natur von fundamentaler Bedeutung ist.

Es war ja keineswegs ausgemacht, daß das Nachprüfen von Versuchen möglich ist, daß das gleiche Experiment zu anderer Zeit und an anderem Ort (sensu stricto unter gleichen Bedingungen) das gleiche Ergebnis liefert, aber eine unermeßliche Fülle von Versuchen hat gezeigt, daß es so ist.

§ . Die Gleichförmigkeit oder Beständigkeit oder Kontinuität der Welt. Wir wissen nun, daß die Nachprüfbarkeit gegeben ist, aber weshalb gibt es sie überhaupt und was ist ihre Voraussetzung? Die Voraussetzung der Nachprüfbarkeit ist die Gleichförmigkeit oder Kontinuität der Welt. Darunter verstehen wir, daß die elementaren, also nicht-ableitbaren Größen in der Natur ihren Wert behalten und nicht willkürlich ständig ändern.

Die Prüfbarkeit ist ohne die Gleichförmigkeit durchaus gegeben, hat sie also nicht zur Voraussetzung. Wir könnten ein Experiment durchführen und würden ein Ergebnis erhalten, wir könnten also das Verhalten der Natur prüfen. Aber ohne die Gleichförmigkeit würde das gleiche Experiment bei der Nachprüfung ein anderes Ergebnis liefern. Die Beschreibung der Welt, wie sie bis heute durch die Wissenschaften erfolgt ist, wäre so unmöglich.

Die Gleichförmigkeit ist eine elementare Eigenschaft der Welt, sie ist ein grundlegendes Phänomen und kann weder abgeleitet noch begründet werden.

Zusammenfassung: Die Gleichförmigkeit oder Beständigkeit oder Kontinuität der Welt ist ein grundlegendes, das ist kommentarlos feststellbares, registrierbares, nicht begründbares, hinzunehmendes Phänomen dieser Welt. Sie ist die Voraussetzung der Nachprüfbarkeit. Die Nachprüfbarkeit ist die Voraussetzung einer in der Zeit konstanten, in der Aussage konsistenten Naturbeschreibung.

Formale Darstellung der Gleichförmigkeit:   A = const

§ . Die interindividuelle Gleichförmigkeit oder Kontinuität. Es ist gelegentlich behauptet worden, daß Ergebnisse von Experimenten nicht allein vom Experiment, sondern auch von der Person des Experimentators abhängen. Wäre dies so, dann wäre
1. entweder die Schaffung einer einheitlichen Weltbeschreibung nicht möglich, wir hätten so viele Weltbeschreibungen, wie es Experimentatoren gibt;
2. oder die Experimentatoren wären ihrer Natur nach derart gleichbeschaffen, daß ihr Einfluß auf das Experiment gleichartig ist, wodurch dann das Wechseln  des Experimentators bedeutungslos würde.

Unsere Lebenserfahrung spricht gegen die erste Annahme. Die Ergebnisse von Experimenten sind von der Person des Experimentators unabhängig. Die interindividuelle Kontinuität besteht darin, daß ein Experiment, das von einem Menschen durchgeführt wurde, prinzipiell auch von einem anderen Menschen durchgeführt werden kann. Wenn ein Mensch sich eine Fähigkeit aneignet, hat er gleichzeitig bewiesen, daß der Mensch sich diese Fähigkeit aneignen kann. Wenn ein Mensch lernt, über einen See zu schwimmen, können wir beruhigt annehmen, daß auch andere Menschen diese Fähigkeit erlernen können.

Die Gegebenheit der interindividuellen Kontinuität löst ein bekanntes philosophisches Problem, das dadurch entsteht, daß der Mensch einerseits als Subjekt die externe Welt betrachtet, andererseits Teil dieser Welt ist: Das betrachtende Subjekt ist gleichzeitig betrachtetes Objekt, ein scheinbarer Widerspruch, der sich dadurch löst, daß wir einen anderen Menschen und seine Einbindung in die Welt  an unserer Statt betrachten. Die Gegebenheit der interindividuellen Kontinuität stellt sicher, daß unsere Wahrnehmungen den seinen entsprächen, so wir an seiner Stelle wären. Wäre dies nicht so, dann hätten die entoptischen Phänomene nicht entdeckt werden können.

Entoptische Phänomene sind Phänomene, die im Auge des Betrachters, also im Wahrnehmungsapparat selbst, entstehen. Damit sind sie zunächst einmal eine rein subjektive Angelegenheit, ihre Objektivierung ist nicht möglich. Sie sind eine subjektive Erfahrung. Erst durch die Mitteilung anderer, die die gleiche Erfahrung machen, durch die interindividuelle Kontinuität also, wird die subjektive Erfahrung zum objektiven Phänomen, das in einem weiteren Schritt durch seine physikalische Erklärbarkeit schließlich als Phänomen bestätigt wird. Wir sehen dabei, daß die interindividuelle Kontinuität selbst nur durch das Vorhandensein eines einigermaßen präzisen Kommunikationsmittels entdeckt werden kann und dessen auch zu seiner Ausformung bedarf.

Die Gegebenheit der interindividuellen Gleichförmigkeit oder Kontinuität ist eine elementare Eigenschaft des biologischenSystems Mensch, sie ist ein grundlegendes Phänomen und kann weder abgeleitet noch begründet werden.

Fomale Darstellung der interindividuellen Gleichförmigkeit:

Die Anwendung des  Operators Op1 (Wahrnehmungsapparat der Person P1) auf das Objekt A führt zur Wahrnehmung A* der Person P1:
Op1(A) A*(P1)
Op2(A) A*(P2)

Aus A*(P1) = A*(P2) folgt Op1 = Op2 oder allgemein Opi = Opk für i  k.

Opi = Opk ist die fomale Darstellung der interindividuellen Gleichförmigkeit.

§ . Versuch der Herleitung der interindividuellen Gleichförmigkeit. Wir sind davon ausgegangen, daß die interindividuellen Gleichförmigkeit nicht ableitbar ist, also ein Axiom darstellt. Beginnt man andererseits mit der einstweiligen Annahme, daß die Menschen cum grano salis gleichartig konstruiert sind [K(Pi) = K(Pk)], daß sie also über gleichartig konstruierte Wahrnehmungsapparate verfügen [Opi = Opk], dann folgt daraus, daß die Transformationen identisch sind:

K(Pi) = K(Pk)  Opi = Opk  A*(Pi) = A*(Pk)

Danach ist zu fragen, ob die Gleichartigkeit der Konstruktion nun das neue Axiom darstellt oder ob diese beweisbar ist, wofür es Hinweise gibt.

§ . Stellung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft zur Forderung  der Nachprüfbarkeit. Mit der Forderung  der Nachprüfbarkeit haben Wissenschaft und moderne Medizin keine Probleme, die neuerliche Forderung nach einer Evidenz-basierten Medizin rückt die Bedeutung der Nachprüfung lediglich in den Vordergrund. Anders sieht es bei den Pseudowissenschaften aus. Homöopathen leugnen sie für die Homöopathie: Die feinstoffliche Wirkung der Homöopathie sei prinzipiell nicht nachweisbar. Eine Begründung wird nicht gegeben.

Andere Pseudowissenschaftler bestreiten die Nachprüfbarkeit nicht, behindern sie aber oder machen sie schlicht unmöglich. KLEHR, der Erfinder der sog. Autologen Zytokin-Therapie, einer angeblichen Krebstherapie, weigert sich, die Zusammensetzung der für 2.000 Mark vertriebenen Ampullen anzugeben oder die angeblich vorhandenen Behandlungsdaten einsehen zu lassen. Das hindert ihn nicht, öffentlich einen Erfolg von über 90% zu propagieren (Club 2). Eine Untersuchung des Ampulleninhalts im Heidelberger Krebsforschungszentrum ergab destilliertes Wasser. Der Erfinder von CH 23, angeblich ebenfalls ein Krebsmedikament, will den Wirkstoff aus Patentgründen nicht angeben. Der Vertreiber von AF 2, ein weiteres angebliches Krebsmittel, beruft sich ebenfalls auf Patentgründe, verschweigt aber, daß er das Herstellungsverfahren einer öffentlich zugänglichen Diplomarbeit der Chemiefachschule Nürtingen entnommen hat.

Diese wenigen Beispiele zeigen schon, daß in der real existierenden Pseudomedizin andere Sitten herrschen als in der seriösen Medizin. Offensichtlich steht der Vertrieb im Vordergrund, das Geschäft mit dem Krebskranken - von der Verantwortung für den Kranken ist nichts zu sehen, im Gegenteil, skrupellos werden nutzlose Pseudotherapien verkauft, deren Herkunft verschleiert wird, damit der wohlfeile Betrug nicht ans Tageslicht kommt.


Deceptor

also, soweit ich weiss gibt es nur einen Autor zur Pseudomedizin: den Herrn W. Richtig ?

rincewind


Kinderarzt