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Autor Thema: Parapsychologischen Beratungsstelle: was ist davon zu halten?  (Gelesen 2294 mal)

T-M

  • Gast
Im Laufe der Zeit bin ich ein paar mal über http://www.parapsychologische-beratungsstelle.de/ gestolpert.

Ich weiß nicht, ob ich gut genug gesucht habe, aber ich kann dazu im Forum nichts finden, und im Wiki wird im Artikel "Parapsychologie" gerade mal erwähnt, dass es diese Einrichtung gibt, aber nicht, was davon zu halten ist und ob sie in irgend einer Weise seriös ist oder nicht.

Einerseits wird sie anscheinend hochoffiziell vom Land Baden-Württemberg gefördert (was leider heutzutage auch nciht merh allzuviel heißen muss), aber andererseits ist das ganze Thema "Parapsychologie" natürlich ziemlich komisch. Nicht richtig eso-mäßig komisch, sondern irgendwie ganz anders komsich. (Para-komisch sozusagen.)

Natürlich darf man auch in eher abwegige Richtungen forschen (schon allein, weil man sonst ja nciht rausfinden kann, dass sie abwegig sind), aber gleich eine Beratungsstelle, also eine Art Hilfsangebot an Betroffene (wovon auch immer), daraus zu machen ist schon etwas anderes, denke ich.

Auch über Walter von Lucadou, den Leiter der Einrichtung, gibt es hier keinen Artikel, und der in der Wikipedia gibt nicht viel her.

Da mir das ganze wie gesagt komisch vorkommt, würde es mich freuen, wenn jemand wietere Informationen dazu hätte.

andy

  • Gast
Re: Parapsychologischen Beratungsstelle: was ist davon zu halten?
« Antwort #1 am: 16. Juli 2010, 07:00:10 »
Das kommt dir mit Recht komisch vor.

Zitat
Übrig bleibt ein Volk von Karma-, Schicksals- und Vorsehungsgläubigen
http://www.trend.infopartisan.net/trd0400/t330400.html

Ungefähr in der Mitte des Interviews geht es um die Esoterikszene in Freiburg.

42

  • Gast
Re: Parapsychologischen Beratungsstelle: was ist davon zu halten?
« Antwort #2 am: 16. Juli 2010, 07:00:43 »
Hallo T-M,

nach meinem Eindruck bewegt Walter von Lucadou sich buchstäblich "im Grenzbereich".
Im Wikipedia-Artikel  steht "Seit 1981 im Vorstand der Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie (WGFP)". Das klingt eigentlich eindeutig.

Aber eine Buchbeschreibung bei Amazon weist darauf hin, dass er nicht völlig unkritisch ist:
http://www.amazon.de/Geister-Menschen-steckt-okkulten-Erlebnissen/dp/3451045621

Zitat
Während sich die meisten Wissenschaftler dagegen sträuben, diesen paranormalen Phänomenen nachzugehen, um ihren Ruf als ernstzunehmende Forscher nicht zu gefährden, hat Lucadou das Gefährliche am Thema "Okkultismus" erkannt, nämlich daß er unkontrolliert immer weiter auf destruktive Weise wuchert, wenn man dem Kind keinen Namen gibt. Betroffene brauchen unbedingt echte Hilfe und müssen mit ihren seltsamen Erahrungen ernstgenommen werden. Deshalb gründete Dr. rer. nat. Dr. phil. Walter von Lucadou 1989 eine psychologische Beratungs- und Informationsstelle in Freiburg, an die sich Betroffene wenden können, und veröffentlichte zusammen mit seinem Mitarbeiter Manfred Poser dieses Buch, das mystische Erlebnisse aufklärt und psychologisch hinterfragt.

Anhand von mehreren Fallbeispielen, die zu Beginn immer unheimlich und unlösbar scheinen, am Schluß jedoch meistens geklärt werden können, dokumentieren die Autoren den Weg, wie man sich unglaublichen Geschichten gegenüber behauptet, geben wertvolle Hinweise zum Umgang mit paranormalen Phänomenen und beleuchten die Grenzen wissenschaftlicher Beweisführung. Irrationale Begebenheiten, wie z.B. Gegenstände, die sich "wie von Geisterhand" bewegen, finden hier verblüffende physikalische Erklärungen, die so manche Spukgeschichte, die kursiert, entmystifizieren. Dagegen gibt es natürlich auch Vorkommnisse, die sich jeder Offenlegung entziehen, so daß man hier nur lernen kann, den Umgang mit dem Unbekannten zu akzeptieren und vielleicht erst später neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Die Parapsychologie -- oft als eine Form von Okkultismus mißverstanden -- stellt im wissenschaftlichen Sinn und im Sinne Lucadous eine Methode zur Aufklärung von übersinnlichen Phänomenen dar und arbeitet mit einem Modell, das aus zwei Hauptsätzen besteht: erstens ergeben sich Psi-Phänomene immer aus nicht kausalen oder nicht sichtbaren Zusammenhängen und zweitens lassen sie sich weder überzeugend digitalisieren (Tonband oder Videoaufnahmen), noch gezielt oder geplant einsetzen. Sie geschehen einfach oder sie geschehen nicht, und sie machen nie klare Aussagen über Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Demnach sollte man Spiritisten, die Gegenteiliges behaupten, mit Mißtrauen begegnen.

"Es gibt mehr Ding´ im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt, Horatio." zitieren die Autoren am Anfang Shakespeare. Auch wenn manche Phänomene ungeklärt bleiben müssen (was nicht heißt, daß man nicht auch mit ungeklärten Dingen gut leben kann), gehen die Autoren davon aus, daß die meisten Erscheinungen keine vom Menschen unabhängigen Entitäten sind, sondern selbst von ihnen erzeugt werden. Deshalb kann man sagen:

Geister sind eben auch nur Menschen. --Daphne Großmann


Kurzbeschreibung
Wer 'geisterhafte Erscheinungen' hat, neigt dazu, sich an teure Hellseher und Paragnosten zu wenden. Oft genug aber sind diese Geister eben auch nur Menschen, haben also mit der Persönlichkeitsstruktur des Betreffenden zu tun oder andere 'natürliche' Ursachen. Die Autoren geben klärende Hilfestellung für den Umgang mit 'paranormalen Erlebnissen'. Ein lebendiger, lebensnaher Ratgeber der Parapsychologie.

Er scheint also wissenschaftlich problemlos erklärbare Phänomene auszusieben und bei den anderen festzustellen, dass man sie (noch) nicht erklären kann, mit dem Anliegen, eben solche Erklärungen zu liefern und Menschen wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen, die glauben, etwas "paranormales" erlebt zu haben.

Ob er dabei wirklich konsequent genug ist, bleibt die Frage.
Falls Du eine Stunde Zeit hast und Nina Hagens aufdringliches Gezicke erträgst, kannst Du Dir selbst einen Eindruck von ihm machen. Du kannst hier die Sendung "menschen bei maischberger" herunterladen, in der Frau Maischberger am 30.10.2007 in 3Sat eine Talkshow über Ufos machte. Zu Gast waren Ufogläubige, Joachim Bublath (der die Sendung entnervt vorzeitig verlässt) und eben auch Walter von Lucadou. Ab Minute 17 äußert er sich und streitet sich bis dieser geht mit Bublath. Bublath stuft ihn als unseriös ein, weil Lucadou Einzelbeobachtungen zu ernst nähme, aussagt, 6% aller Ufobeobachtungen blieben ungeklärt und sich nicht endgültig festlegen will, ob es Ufobesuche und Entführungen durch Außerirdische gibt oder nicht. Nach einigem Drängen sagt er aber, dass er sie für unwahrscheinlich hält.

pünktchen

  • Gast
Re: Parapsychologischen Beratungsstelle: was ist davon zu halten?
« Antwort #3 am: 16. Juli 2010, 16:23:04 »
ich denke, er will seine forschungsobjekte nicht vergraulen.

T-M

  • Gast
Re: Parapsychologischen Beratungsstelle: was ist davon zu halten?
« Antwort #4 am: 17. Juli 2010, 07:43:01 »
Danke für die Antworten, insbesondere für die ausführliche Antwort von 42.

Nachdem ich nun mehr über ihn weiß, merke ich, dass ich nun noch weniger weiß, wie ich ihn einordnen soll.

Die Buchbeschreibung lässt vermuten, dass er durchaus kritisch vorgeht und versucht, mögliche Erklärungen für die Phänomene zu finden, was in den meisten Fällen wohl erfolgreich ist, aber auch offen zugibt, dass es ihm manchmal nciht gelingt. Das scheint für mich ein ziemlich wissenschaftlicher Ansatz zu sein.

Ein Satz scheint mir dagegen irgendwie widersinnig:

Zitat
erstens ergeben sich Psi-Phänomene immer aus nicht kausalen oder nicht sichtbaren Zusammenhängen und zweitens lassen sie sich weder überzeugend digitalisieren (Tonband oder Videoaufnahmen), noch gezielt oder geplant einsetzen.

Was weder planbar ist noch in einen kausalen Zusammenhang gebracht oder dokumentiert werden kann, ist einer wissenschaftliche Erklärung praktisch per se unzugänglich. das klänge dann eher nach einer Glaubensfrage?  ???

Das Video erscheint mir da schon wesentlich invormativer (vielen Dank für den Link).

Leider musste ich mein Anschauen häufiger eine Pause einlegen, weil ich so viel Nina Hagen einfach nicht am Stück aushielt. Wie alt ist die Frau? 55? Ich habe schon Grundschüler getroffen, mit denen man viel vernünftiger reden konnte. Sie redet (oder eher: labert) lange und ausführlich, aber wenn jemand anderes etwas sagt, hält sie es kaum aus ohne dazwischenzuquängeln. Wenn jemand anderes eine andere Meinung hat, wird sie ausfallend und beleidigend, fühlt sich aber dann selbst beleidigt. Ich weiß nicht, ob sie glaubt, sie wäre lustig; es war aber einfach nur nervend. Kein Wunder dass Bublath abgehauen ist, ich wäre an seiner Stelle schon gegangen, als das mit dem "Aliengeschöpf" kam. (Und sie musste natürlich noch einmal kräftig nachtreten und vor freude fast schon auf und ab springen wie ein Gummiball.) Das einzige, was (unfreiwillig) komisch gewesen wäre, wäre es nicht im Rumgezicke untergegangen, waren ihre äußerst kreativen Schlussfolgerungen im Sinne von: Sie glauben nicht an Gott, also glauben Sie auch nicht an den Teufel, also glauben Sie auch nicht an das Böse, also glauben Sie auch nicht an Aliens!

(Wobei sie sicherlich nicht die einizge ist, die sich nach dem Aufwachen daran erinnert, nach dem einschlafen seltsame Dinge erlebt zu haben. Geht mir gelegentlich auch so. Ich glaube, der Fachbegriff dafür lautet Traum. Ich habe zum Beispiel mal geträumt, ich sei ein Weimaraner. (Aber vielleicht bin ich ja in Wirklichkeit ein Werhund, sozusagen die domestizierte Variante des Werwolfs? Vielleicht brauche ich auch eine Beratungsstelle?)  ;)

Aber um zum Thema zurückzukommen: Es war auf jeden Fall erstmal interessant, die verschiedenen "Varianten" von Esoterikern (im weitesten Sinne) zu sehen: Die intollerante (Ich habe Recht und ihr nicht, also seit ihr böse!) in Form von Nina Hagen, die tollerante (Wir haben einfach alle Recht und sind zufrieden: Meine Meinung ist genau soviel wert, wie deine, auch wenn deine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht und meine mir einfach so eingefallen ist) in Form von Sabrina Fox mit ihren "Engeln" und die pseudowissenschaftliche in Form des "Ufo-Experten" Johannes von Buttlar.

Bublath im Kontrast dazu scheint ein recht vernünftiger Wissenschaftler zu sein.

Nur wie lässt sich Walter von Lucadou da einordnen?

In Teilen würde ich ihm durchaus zustimmen: Wie ich bereits in meinem ersten Post erwähnt habe, finde ich es durchaus zulässig, auch in eher abwegige Richtungen zu forschen. dabei sollte man auch nicht den Fehler machen, sich vorher unumstößlich auf ein Ergebnis, auch wenn es schon absehbar zu sein scheint, festzulgen, sonst kann man das Forschen auch ganz sein lassen.

Was die "Einzelbeobachtungen" angeht, die ja einer der Streitpunkte zwischen Bublath und von Lucardou zu sein scheint, liegt die "Wahrheit" einer Meinung nach "irgendwo in der Mitte": Ich denke nicht, dass solche nicht reproduzierbaren Beobachtungen und Erlebnisse von der Wissenschaft völlig ignoriert werden sollten bzw. mit der Wissenschaft überhaupt ncihts zu tun haben, sondern "daneben" existieren. (Wobei ich nicht weiß, ob Bublath damit nur höfliche ausdrücken wollte, dass er die "Ideen" Nina Hagens für ziemichen Unsinn hielt.) Man kann sie durchaus, wie von von Lucadou angemerkt, als Ansatzpunkt für wissenachafliche Forschung nehmen, und so reproduzierbare Ergebnisse und damit vielelicht auch eine Erklärung dafür zu finden. Allerdings muss ich Bublath zustimmen, dass solche nicht reproduzierbaren Beobachtungen für sich alleine kaum wissenschaftlichen Wert haben und insbesondere weder als Beweis für eine Theorie noch als Widerlegung einer solchen dienen können.

Ebenso stimme ich von Lucardou zu, dass es Dinge gibt, die man bisher noch nicht erklären kann (sonst wäre Wissenschaft ja schon "fertig" und man könnte sich jeden weiteren Aufwand sparen), und dass es Dinge gibt, die wir (noch) nciht sicher wissen. Das darf aber mMn keinesfalls als Beweis oder auch nur Hinweis auf die Exitenz von "paranormalen" oder esoterischen Dingen angesehen werden.

Was aber auffällig war, war, dass Walter von Lucadou sowohl für die "Entführungenen" als auch für die "Engel" pschologische Theorien vorbrachte, die recht plausibel klangen, aber er sein möglichstes Tat (er ließ auch ohne Widerworte zu, dass von Buttlar ihn (absichtlich oder nicht) falsch verstand), um nicht zugeben zu müssen, dass die Konsequenz daraus natürlich wäre, dass sich das ganze nur im Kopf der betreffenden Personen abspielt (also vielleicht nicht im fachsprachlich-psychologischen, aber zumindest im flapsig-umgangssprachlichen Sinne nur eingebildet ist). Statt dessen redet er ewig um dem heißen Brei drum rum, selbst als er von Frau Maischberger direkt gefragt wird.

Warum macht er das, statt, wenn er schon eine anscheinend plausible Theorie hat, auch dazu zu stehen (gerne auch mit dem Hinweis, dass es nur eine Theorie ist)?

Einerseits ist es vermutlich wirklich so, wie pünktchen es anmerkte, nämlich, dass er seine "Forschungsobjekte" nicht vergraulen will, denn gerade seine zielgruppe würde es vermutlich vermeiden, zu einer Beratungsstelle zu gehen, dessen Leiter zugegeben hat, dass er vermutet, dass das, was sie erlebt haben, nur "Einbildung" ist.

Andererseits scheint das auch ein Konflikt zwischen "Naturwissenschaftler" und "Psycholge" zu sein: Wenn jemand glaubt, mit Engeln kommunizieren zu können, und damit glücklich ist, ist es aus wissenschaflicher Sicht logisch, darauf hinzuweisen, dass das (freundlich ausgedrückt) ziemlich unwahrscheinlich ist, und dass es geeignetere theorein gibt, diese Empfindungen zu erklären. Aus Sicht eines Pschologen wäre es dagegen wohl, jedenfalls soweit durch diese Vorstellung weder der Person selbst noch anderen Leuten geschadet wird, sinnvoll, zumindest ein Stück weit darauf einzugehen, statt dieses Weltbild unbedingt widerlegen zu wollen und die betroffene Person dadurch vermutlich unglücklich zu machen.

Was von beidem ist denn nun richtig?

Ich vertrete ein wissenschaftliches Weltbild, und bin der Ansicht, dass die Welt ein Recht auf die Wahrheit hat und man daher (der Allgemeinheit gegenüber) auch dann die Wahriet verbreiten sollte, wenn es für den ein oder anderen unangenehm ist. Das soll nicht bedeuten, dass man einer (vielleicht psychisch instabilen) Person direkt ins Gesicht sagen sollte, dass ihr weltbild totaler Humug ist, auch wenn es dass tatsächlich ist. Aber der Allgemeinheit gegenüber sollte man meiner Meinung nach schon die Wahrheit sagen, egal, ob sie unbequem ist.

Um zum Schluss noch einmal zu Walter von Lucadou, um den es hier ja eigentlich geht, zurückzukommen: Er scheint sich, wie von 42 so schön gesagt, "im Grenzbereich" zu bewegen zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft. Doch auf welcher Seite? Wirklich einordnen kann ich ihn trotz aller Gedanken, die ich mir darüber gemacht habe, immer noch nicht. Vielleicht, weil er nicht eingeordnet werden kann, da er in keine Kategorie wirklich passt?

Ich weiß es nicht.

(Nachtrag: Dies hier ist mein 42. Beitrag. Ob das was zu Bedeuten hat?) ;)