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Die deutsche Gesundheitspolitik und Trump

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Begonnen von Peiresc, 22. Juli 2026, 11:11:24

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Peiresc

Zunächst ein paar Bemerkungen zum Kontext. Das deutsche Gesundheitswesen ist (wie alle anderen auf der Welt auch) chronisch unterfinanziert. Gerade beklagen die Kassen, dass die Länder ihren Krankenhausfinanzierungspflichten nicht nachkommen. Verblüfft hat die Merz-Regierung erkannt, dass den Kassen Milliarden fehlen – nachdem Spahn in seiner Zeit als Minister die Kassen gezwungen hatte, ihre Reserven aufzulösen, um die Beiträge stabil zu halten. Die Krankenhausreform Lauterbachs drohte am Widerstand zu ersticken usw usf. An den Schuhsohlen abgelatsche Ideen (Hausarztzwang, Praxisgebühr) wurden kurz ausgemottet. Soeben hat die Regierung zur Zeit der Fußballweltmeisterschaft im Maximaltempo eine Reform durchgedrückt, die die Psychotherapeuten als existenzbedrohend erleben, die Kassen erhalten mehr Macht, die Pharmapreise zu drücken u. a.

Soweit so völlig gewöhnlich: Nun der Anlass des Posts. Trump droht mit Zollerhöhungen, und nichts sitzt ihm lockerer.

ZitatAuslöser des Konflikts ist eine Untersuchung, die die US-Regierung im Juni eingeleitet hat. Die US-Regierung wirft Deutschlands Krankenkassen darin vor, niedrigere Preise für Medikamente zu bezahlen als amerikanische Versicherungen.

Tatsächlich verhandeln die deutschen Krankenkassen Mengenrabatte mit Pharmafirmen aus und bewerten den Zusatznutzen teurer neuer Arzneien. Dies ist in Ländern mit staatlichen Gesundheitssystemen üblich. Trump will jedoch erreichen, dass Deutschlands Patienten und Kassen höhere Preise zahlen, und erhofft sich, dadurch die Preise in den USA senken zu können.

Handelsblatt

Das kann in seiner Gefährlichkeit kaum überschätzt werden, und es wäre falsch, das als eine gewöhnliche Trumpsche Schnapsidee abzutun. Dahinter stecken die Interessen der großen Player. Natürlich stößt es dem Durchschnittsamerikaner sauer auf, dass er für Insulin den 50fachen Preis wie der Europäer zahlt (ich habe das jetzt nicht überprüft, aber die Größenordnung stimmt). Die Konzerne können aber keinen Sinn darin erkennen, den Preis in den USA zu senken – viel besser wäre es, Preiserhöhungen in Europa durchzusetzen, mit der naheliegenden Begründung, dass die Amerikaner den europäischen Markt mit ihrer eigenen Gesundheit subventionieren. Das hat den Augenschein für sich.

Das Geschäftsmodell der Amerikaner allgemein scheint darauf zu beruhen, astronomische Preise von den Zahlungskräftigen einzufordern; um die anderen ist es nicht schade. In Europa lässt sich das aktuell nicht realisieren, aber es gibt ja überhaupt keinen Grund für die Pharmahersteller, diesen Umstand auf Dauer zu akzeptieren. Trump kommt da gerade recht, und er ist eine Wahlkampfspende oder einen Goldpokal wert.

Max P

Ist der deutsche Arzneimittelmarkt denn von US-Unternehmen ähnlich abhängig wie das Internet? Und wenn ja, ließe sich das nicht in halbwegs überschaubarer Zeit ändern oder zumindest abmildern?
Adolf Hitler war der zutreffenden Ansicht, er habe die Demokratie mit ihren eigenen Regeln zur Strecke gebracht.

Peiresc

Zitat von: Max P am 22. Juli 2026, 12:38:50Ist der deutsche Arzneimittelmarkt denn von US-Unternehmen ähnlich abhängig wie das Internet? Und wenn ja, ließe sich das nicht in halbwegs überschaubarer Zeit ändern oder zumindest abmildern?

Einer der wichtigsten Kostentreiber im Gesundheitswesen sind heute die neuen, patentierten Arzneimittel. Es ist keine Seltenheit mehr, dass sie hunderttausende Dollar / Jahr kosten, und zwar für jeden einzelnen Patienten. Kein Gesundheitswesen wird das auf die Dauer stemmen können. Entweder man drückt die Preise oder man kann sie nicht mehr allen zur Verfügung stellen. Das sind die Alternativen.

Das war nicht immer so. Die Firmen, die sie entwickeln, sind vorwiegend amerikanische. Es gibt Länder, in denen patentierte Arzneimittel gar nicht auf den Markt kommen, in Israel z. B.

Aber es ist schwierig, informiert zu bleiben, weil sich die Lage durchaus schnell ändern kann und weil die Beteiligten nicht an Offenheit interessiert sind.

Max P

ZitatLinnemann: ,,Wenn Sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen. Die Leute hätten gesagt: Warum wird der Gesundheitsminister? Was hat er damit zu tun?"
https://x.com/djpr/status/2080647739881164960/video/1 
Adolf Hitler war der zutreffenden Ansicht, er habe die Demokratie mit ihren eigenen Regeln zur Strecke gebracht.

RPGNo1

Zitat von: Max P am 22. Juli 2026, 12:38:50Ist der deutsche Arzneimittelmarkt denn von US-Unternehmen ähnlich abhängig wie das Internet?
Die folgende Liste wird deine Frage zumindest für den Bereich der Innovationen beantworten.

"The 2026 Global Pharmaceutical Innovation & Invention Index

Eli Lilly (USA)
Sanofi (Frankreich)
GSK (UK)
Regeneron (USA)
AstraZeneca (UK)
Roche (Schweiz)
UCB (Belgien)
Johnson & Johnson (USA)
Vertex Pharmaceuticals (USA)
Merck & Co. (USA)

Fünf der innovativsten (und auch größten) Pharmaunternehmen sitzen in den USA. Kein einziges kommt aus Deutschland. Auch aus der Firma, für die ich arbeite, kann ich berichten, dass deutsche Pharmafirmen nur eine untergeordnete Rolle spielen (*). Unsere wichtigsten Kunden kommen aus den USA.

(*) Deswegen schauen Politik, Medien und Öffentlichkeit ja auch so gebannt nach Mainz, zu BioNTech, der von ihr entwickelten mRNA-Technologie.
(At Bhaal Temple)
Karlach: What a pesthole! Can't wait to clear this place out.
Minsc: There will be much trading of threats and insults, no doubt. But Minsc will be ready when it is time for boot to meet butt.
Karlach: You and me both, pal.