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MECFS ist keine erfundene Krankheit

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Begonnen von NeuroMD, 04. Dezember 2023, 22:59:23

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eLender

Zitat von: Harpo am Gestern um 09:50:05Ach so:
Isch sach ja: viele Merkwürdigkeiten. Immerhin räumt man in der Diskussion ein, dass die Geplagten doch eher untypisch sind (sie sind ja auch für ihr Alter und ihr Gewicht recht flott unterwegs). Auch muss man einräumen, dass es nicht klar ist, ob das nun irgendetwas kausal mit der zugrundeliegenden (natürlich rein hypothetischen) somatischen Erkrankung zu tun hat. Vll. haben die einfach deshalb einen höheren Anteil an schnellen Muskelfasern, weil sie sehr schnell auf die Palme zu bringen sind. Und ob das überhaupt so ist, müsste erst durch andere Studien bestätigt werden. Von Verblindung ist auch nichts zu lesen, man wertet auch hier nach Augenschein aus. Und so klar ist der Unterschied auch nicht, es gibt einen großen Überlappungsbereich. Am besten, es versinkt als Unprint wieder in der Gruft.

Oder man macht es wie Mai, die das mal nicht weiter hinterfragt, weil es ja jemanden diskriminieren könnte. Sie hat da wohl einen bedeutenden Philosophen gelesen, der neulich verstarb. En Nachruf auf ihn läßt mich allerdings ratlos zurück. Auszug:

ZitatDenn Habermas' Werk war nie Elfenbeinturm. Seine ,,Politik der Gründe" war ein Gegenentwurf zu genau jener Entwicklung, die Skeptiker seit Jahren beobachten: der Erosion einer Öffentlichkeit, in der Argumente zählen; der Verschiebung vom rationalen Diskurs zur strategischen Kommunikation; der wachsenden Dominanz von Emotion, Empörung und Identität über Prüfung, Evidenz und Verständigung.
https://blog.gwup.net/2026/03/18/gastbeitrag-juergen-habermas-ein-nachruf-aus-skeptischer-perspektive/

Finde den Fehler! Immer wieder erstaunlich, wie Anspruch und Wirklichkeit auseinanderlaufen können. Ist natürlich alles eine Frage der Perspektive.

Popper hatte das anders in Erinnerung:


Nuja, Evidenz scheint wohl auch eine Frage der Moral.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Gefährliche Bohnen

Zitat von: eLender am 17. März 2026, 23:38:07Man hat also eine Gruppe gesunder Probanden für 60 Tage ans Bett gefesselt und geschaut, was sich da im Muskel tut. Und dann hat man das damit verglichen, wie es bei den Geplagten aussieht. Nuja, aber wie kann man dann zu der Schlussfolgerung kommen, dass die Geplagten einen anderen Muskelabbau (der hier natürlich als etwas Pathologisches gedeutet wird) haben, der sich spezifisch durch die Geisterkrankheit erklärt? Das kann man eigentlich nicht aus dem Design ableiten. Die freiwillig Matrazierenden sind eine ganz andere Kohorte (in beinahe allen relevanten Merkmalen, wie Alter, Geschlecht und Gewicht). Dann hat man noch eine "Kontrolle" mit Gesunden, die zwar halbwegs zu den Ermüdeten passt, aber die eben "gesund" ist.

Danke, hab jetzt auch mal reingeschaut. Wenn ich es richtig verstehe, dann haben sie aus den Gruppen der Long-Covidler, der MECFSler und den gesunden, freiwillig 60-Tage-Matrazierten für den Vergleich jeweils 13 nach Alter und Geschlecht gematchte Probanten rausgesucht:

ZitatSince both patient groups had lower daily physical activity levels than healthy controls, we reasoned that healthy participants following bed rest could serve as an alternative control group. We therefore analyzed a subgroup of 13 patients with ME/CFS, 13 patients with long COVID and 13 age- and sex-matched healthy individuals following long-term bed rest (participant characteristics outlined in Table S1).
https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2025.05.02.25326885v1.full

Ich schaffe es leider nicht, Tabelle S1 hier einzufügen, aber ich fasse mal zusammen, was man da erkennen kann:
Die freiwillig Matrazierten haben über 60 Tage keinen einzigen Schritt gemacht, die Long-Covidler und die MECFSler fast 4000 Schritte am Tag* (wie Harpo ja auch schon festgestellt hat). Die freiwillig Matrazierten hatten einen normalen BMI, die MECFSler leichtes Übergewicht. Außerdem war die Symptomdauer (Long Covidler: 500 Tage, MECFSler: 3793 Tage) bzw. die Bettlägerigkeitsdauer (freiwillige Matrazierte: 60 Tage) sehr unterschiedlich.
Schon das liefert m.E. genügend Erklärungsansätze für die Unterschiede, die uns Mai Thi so selbstbewusst präsentiert hat, selbst wenn das in der Form reproduzierbar, peer-reviewed etc. wäre.
(Beispielsweise ist, wenn ich mich nicht irre, ein höherer BMI allein schon mit einem geringeren Anteil an Typ I-Muskelfasern, bzw. dementsprechend höheren relativen Anteil an Typ II-Fasern assoziiert, völlig unabhängig von einer MECFS-Diagnose.)
Im Kern könnte man sagen: sie haben festgestellt, dass über lange Zeit sich etwas unterdurchschnittlich viel bewegende, leicht übergewichtige Menschen einen Anteil an Typ I-Fasern haben, wie er vermutlich für über lange Zeit sich etwas unterdurchschnittlich viel bewegende, leicht übergewichtige Menschen durchaus typisch sein könnte. Man beweise mir das Gegenteil  ;D


*laut diesem Artikel läuft der durchschnittliche Deutsche 5200 Schritt am Tag, Büroangestellte oft nur 1500 Schritte


"Ich muss an dieser Stelle gestehen: Ich mag Karpfen gar nicht." - Groucho
RIP