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Für den ehrlichen Fußball! Oder lieber doch nicht?

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Begonnen von Typee, 17. Februar 2024, 18:25:41

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Typee

Wir erleben die Saison der großen Fanrevolte - der Tennisball bestimmt das Bewusstsein auf den Rängen (besser als der Stein, wie wir's noch auf den Wänden der Lokuskabinen der Uni lasen). Das Volk verlangt die Bewahrung des wahren Fußballgeistes, des ehrlichen Balltretens, der Elf-Freunde-Gemeinschaft.

Wirklich? Ich bin mir - auch hier - nicht sicher, ob das Volk das wirklich mit allen Konsequenzen so will, was es behauptet. Die Anzeichen sehen eher nicht danach aus. Der Tennisballregen ergießt sich ja nicht aus Verärgerung über die fußballerische Magerkost über die Amateurplätze tief im Westen, sondern über die Profiarenen. Bei den tapferen Amateuren würde sich über die drei oder vier Bälle, die da mangels weiterreichender Masse an Zuschauern zustande kämen, niemand aufregen. Da gibt's ganz andere Probleme, mit gefährlich körperverletzten Schiedsrichtern, Handgemengen unter Beteiligung fast aller Zuschauer und so weiter.

Nehmen wir mal als Beispiel so einen Traditionsverein im Westen, sagen wir Westfalia Herne. Den habe ich nur ausgesucht, weil er nicht weit von Dortmund entfernt spielt. Zur Zeit bespielt er die Westfalenliga 2, im Regelfall abwechselnd mit der Oberliga Westfalen. Dort gibt es ehrliche, handfeste Fußballkost, mit Herz und Leidenschaft. Für mehr als mittlere Amateurklassen reicht der dargebotene Sport nicht aus. Und jetzt kommt das Phänomen: der Besucherschnitt lag in der Saison 22/23 bei genau 2581 pro Spiel. 1200 weniger als in der Saison davor, und rund 5000 weniger als vor zehn Jahren. Nicht, dass es an Platz für mehr mangelte, Westfalia verfügt über ein Stadion mit einer Kapazität von 32.000 Plätzen.

Aber anscheinend will's kaum jemand sehen; und Herne ist mit über 150.000 Einwohnern keine Kleinstadt. Dafür ist der Sigmal Iduna Park in Dortmund praktisch an jedem Spieltag des BvB proppenvoll, obwohl's ein Schweinegeld kostet, auch nur den billigsten Platz zu ergattern. Da kann etwas nicht stimmen mit der Sehnsucht nach dem handfesten Leidenschaftsfußball für lau.

Wenn ich den Volksaufstand richtig interpretiere, müsste das Ziel anscheinend darin bestehen, Klassefußball, der die Massen anzieht, mit Oberliga-Wirtschafterei dargeboten zu bekommen. Ich behaupte mal, da geht ein Bruch mitten hindurch.
The universe is under NO obligation to make sense to us
(Neil deGrasse Tyson)

eLender

Fuß..was? Da kann ich definitiv nicht mitreden, da ich allerhöchstens für das Zweiradfahren zu begeistern bin (und da auch nur selektiv, der Radsportkalender wird immer voller..). Ich habe das überhaupt nur mitbekommen, weil man plötzlich Banner mit trivialen Selbstverständlichkeiten als höchst problematisch wertet. Ansonsten nehme ich das als hochgradig kommerzialisierte Form einer Leibesübung wahr. Erinnert mich an: "ich will meinen alten Verein zurück!" (wo man das Bier noch für umme bekam).
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Typee

Zitat von: eLender am 17. Februar 2024, 21:46:20Fuß..was? Da kann ich definitiv nicht mitreden, da ich allerhöchstens für das Zweiradfahren zu begeistern bin (und da auch nur selektiv, der Radsportkalender wird immer voller..). Ich habe das überhaupt nur mitbekommen, weil man plötzlich Banner mit trivialen Selbstverständlichkeiten als höchst problematisch wertet. Ansonsten nehme ich das als hochgradig kommerzialisierte Form einer Leibesübung wahr. Erinnert mich an: "ich will meinen alten Verein zurück!" (wo man das Bier noch für umme bekam).

Also komm schon, als sei im Velosport nichts kommerzialisiert. Da heißen die Teams gleich nach ihren Sponsoren. Bora und Hansgrohe kann man ja wenigstens noch einer Branche gemeinsam zurechnen, aber wenn für französische Baumärkte, belgische Fensterrahmenbauer, italienische Möbeldesigner und deutsche Haarwasserhersteller  gleichzeitig auf denselben Leibchen Reklame geschoben wird, von allen weiteren Bannern abgesehen, dann ist das nochmal eine Liga drüber.

Ich habe für meinen eigenen Spaß am Fietsen nie Teamklamotten getragen - aus guten Gründen. Zu oft habe ich andere Freizeitfahrer mit stolzer Brust die Fähnchen von Profiteams tragen sehen, die ein paar Monate später im Dopingsumpf untergingen, dumm gelaufen halt. Allenfalls das Material, das ich fahre oder trage, wird namentlich vorgezeigt. Das sind dann Sachen, von denen ich selbst, im Gegensatz zu Fensterrahmen aus Belgien,  überzeugt bin.
The universe is under NO obligation to make sense to us
(Neil deGrasse Tyson)

eLender

Zitat von: Typee am 18. Februar 2024, 10:23:59Also komm schon, als sei im Velosport nichts kommerzialisiert.
Aber hallo, das ist ja seit jeher eine rollende Werbekarawane sondergleichen, die würden sich auch noch Aufkleber ins Gesicht bappen, wenns erlaubt wäre. Finde ich auch grenzwertig und die Entwicklung ist ätzend. Schaue mir das alles nur unregelmäßig an und wenn möglich, bei Eurosport. Man wird permanent gedrängt, sich eine App oder ein Abo zuzulegen, damit man bloß nichts verpasst und auch noch die uninteressantesten Details serviert zu bekommen. Ist mir alles zu viel, aber langsam kommt man kaum noch drum herum (es wird immer weniger gesendet, alles nur noch live via App).

Aber gut, das ist ein Riesenzirkus und der verschlingt eine Menge Ressourcen (nicht nur Knete, auch Material und Energie) und braucht Unmengen an Kapital. Hätte ich ein Gewissen, würde ich mir das nicht mehr ansehen :angel:
Wollte ich nur mal gesagt haben!