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Hoaxilla und GWUP

Postings reflect the private opinion of posters and are not official positions of Psiram - Foreneinträge sind private Meinungen der Forenmitglieder und entsprechen nicht unbedingt der Auffassung von Psiram

Begonnen von Daggi, 08. Februar 2023, 13:41:31

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Schwuppdiwupp

Passend dazu: Es ist ebenfalls auffällig, dass die Anzahl der Schüler, die vorgeblich an einer Lern-Rechtschreib-Schwäche (LRS) massiv zugenommen hat.

Das Thema ist bereits in den Medien angekommen:


Damit wird auch klar, was der Antrieb für das renitente Verhalten bestimmter Eltern. Die Diagnose und oder faul bringt halt keinen für die Notengebung vorteilhaften Nachteilsausgleich beziehungsweise im Falle von Autismus Prozente bei für eine Schwerbehinderung.
Ach, was weiß denn ich ...

HAL9000

Zitat von: Schwuppdiwupp am 11. Februar 2023, 19:51:18Passend dazu: ...
Wirklich? LRS bedeutet übrigens Lese-Rechtschreib-Schwäche.
Dyskalkulie und Dyslexie lassen sich gut diagnostizieren. Es kann schon sein, dass es da auch das
eine oder andere Gefälligkeitsgutachten gibt. Aber ich kenne Betroffene und das ist alles andere
als lustig. Die sind verzweifelt, weil sie trotz aller Bemühungen nur so mit Ach und Krach oder
gar nicht mitkommen.
Zum Glück macht sich das Video nicht darüber lustig, sondern nur über die schlicht Faulen und die
helikopternden Eltern, die das nicht wahrhaben wollen.

Schwuppdiwupp

Zitat von: HAL9000 am 12. Februar 2023, 11:09:30LRS bedeutet übrigens Lese-Rechtschreib-Schwäche.
Stimmt.

Es drängt sich bei mir der subjektive Eindruck auf, dass "Gefälligkeitsgutachten" zunehmen. Dass echte Dyskalkulie und Dyslexie ein ernsthaftes und belastendes Problem darstellen, habe ich schon selbst beobachtet.

Da meine ich eine Parallele zu Störungen im autistischen Spektrum zu erkennen. Wenn die Kriterien zum Nachweis dieser neurolgischen Phänomn aufgeweicht werden, kann man nahezu jedes Fehlverhalten in der Schule mit einer "autistischen Störung" rechtfertigen. Das ist für "besorgte Eltern" viel bequemer als die eigenen Erziehung kritisch zu hinterfragen.
Ach, was weiß denn ich ...

Peiresc

Mal ein update zum Autismus im Erwachsenenalter.

https://www.aerzteblatt.de/archiv/229695/Autismus-Spektrum-Stoerungen-im-Erwachsenenalter

Autismus-Selbstdiagnosen (und manche Diagnosen in freier Wildbahn) sollten zunächst immer mit einer gewissen Reserve aufgenommen werden, s. Abschnitt "Diagnostik".

eLender

Zitat von: zimtspinne am 11. Februar 2023, 15:28:22und hier haben wir auch schon den Buck Angel der Neuro-Diversität
Möglicherweise, aber so stelle ich mir eigentlich keinen Autisten vor (was an meiner beschränken Phantasie Sichtweise liegen könnte). Er spricht viele Dinge an, die man anderswo auch hört. Ich habe mal einen (nicht selbst betroffenen) Auskenner gefunden:

ZitatSeit den 1980er Jahren verzeichnen epidemiologische Studien weltweit eine deutliche Zunahme von Autismus-Spektrum-Störungen, für die aktuell eine Prävalenz von 0,9-1,1 Prozent angenommen wird (AWMF-S3-Leitlinie). Positiv liegt dem zugrunde, dass – während früher ausschließlich schwere Verlaufsformen diagnostiziert wurden – die ,,dimensionale" Betrachtung autistischer Störungen auch leichtere Formen einschließt und dass allgemein die Sensitivität bei Eltern und einschlägigen Berufsgruppen (z.B. Erzieher*- und Lehrer*innen) gegenüber möglichen autistischen Verhaltensweisen gewachsen ist. Außerdem haben (von ,,Rain Man" bis zu ,,Big Bang Theory" und ,,Dr. House") neben zahlreichen sachlichen Dokumentationen inzwischen mehr als 50 Filme und Serien und auch die Öffentlichkeitsarbeit von Selbsthilfe- und Betroffenengruppen dazu beigetragen, eine breitere Öffentlichkeit und ein überwiegend positives Bild autistischer Störungen zu erschaffen.

Neben begrüßenswerten Effekten (Abbau von Vorurteilen; Ausbau von Hilfs- und Unterstützungsangeboten; Offenheit einiger Firmen, Menschen aus dem Autismus-Spektrum zu beschäftigen usw.) bedingt diese Entwicklung aber auch, dass manche Menschen – selbst wenn diese im Rahmen einer sorgfältigen Diagnostik ausgeschlossen wurde – ausschließlich eine Autismus-Spektrum-Störung als Erklärung ihrer psychosozialen Probleme akzeptieren können: ,,Seit Jahren versuche ich, die Diagnose ,,Autismus" zu bekommen...bitte geben Sie sie mir.." – kein anderes psychiatrisches Störungsbild wurde jemals bei Psychiater*innen von Erwachsenen als ,,Wunschdiagnose" eingefordert und es kommt leider in der Praxis immer wieder vor, dass nach einer lediglich oberflächlichen Diagnostik (z.B. mit ,,Screening"- Instrumenten wie den AQ- und EQ-Fragebögen nach Baron-Cohen, deren ,,Autismus-Verdacht" sich bei gründlicher Diagnostik bei weniger als 70 Prozent der Untersuchten bestätigt) diese ,,Wunschdiagnose" auch vergeben wird.
https://www.autismusspektrum.info/post/wunschdiagnose-bzw-modediagnose-autismus-bei-erwachsenen

(Peires Link wird genauer sein, aber auch sehr fachlich ::) )

Die "Modediagnose" kommt mir bekannt vor. Daran kann  ich mich auch noch erinnern, plötzlich dachte jeder (der nicht so 100%ig mit der Welt zurecht kam), er wäre Aspi oder mehr. Es gab (gibts bestimmt immer noch) auch Online-Tests. Habe ich auch gemacht und hatte eine recht hohe Punktzahl :o . Der Anstieg wird zum großen Teil ein soziales Phänomen sein, so wie es von vielen Fachleuten auch eingeschätzt wird (und von diversen Neurodiversen abgelehnt wird). Das ist eine deutliche Parallele zu dem Anstieg bei Geschlechtsdysphorie.

Man sollte dabei auch immer im Hinterkopf haben, dass bestimmte Diagnose auch (ganz nüchtern betrachtet) auch "Vorteile" haben können: https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnchhausen-Syndrom

Das Schlimme an den Ausweitungen (und Aufweichungen) ist, dass die tatsächlich Betroffenen (aufgrund der allgemeinen Ressourcenknappheit) öfter mal leer ausgehen. Und dass die, die keine Stimme haben, von denen, die keine wirkliche Hilfe brauchen, vereinnahmt werden. Immer diese Parallelen...
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Peiresc

Der Text ist sicherlich nicht unflott, aber
Zitat von: eLender am 12. Februar 2023, 23:19:17
Zitatkein anderes psychiatrisches Störungsbild wurde jemals bei Psychiater*innen von Erwachsenen als ,,Wunschdiagnose" eingefordert
diese Aussage darf man nicht wörtlich nehmen.



eLender

Nochmal zurück zu ABA und der Gwup. Ich hatte oben ja die Seite mit dem "Positionspapier verlinkt, da sind auch die Artikel vom "Skeptiker"" zu finden. Die sollte man sich unbedingt auch mal durchlesen (ist nicht sooo viel). Da wird von fachlich und sachlich hoch kompetenter Seite (nicht mal von C. Bördlein selbst) genau auf die "Argumentation" im Positionspapier eingegangen.

Das ist beinahe ein Ping Pong-Spiel, bei dem die Skeptiker aber die weitaus besseren (weil viel gründlicher belegt) Karten (oder Schläger) haben. Stuart Vyse erklärt auch ziemlich genau, woher die Verwirrung um ABA kommt. Wer behauptet, es wäre eine Pseudowissenschaft (das ist an sich schon Quack: es ist ein therapeutischer Ansatz, der auf einer wissenschaftlich gut begründeten Theorie (des Lernens) beruht), der liegt schon fachlich daneben.

Und wer Vertreter der analytischen Verhaltensanalyse pauschal als Quacksalber (oder schlimmer: Rechtsextreme) bezeichnet, der hat den Boden der wissenschaftlichen Auseinandersetzung längst verlassen. Die GWUP sollte das wirklich aufarbeiten und klar machen, dass der Vorwurf der "Unwissenschaftlichkeit" selbst unwissenschaftlich ist. Das haben sie allerdings auch schon gemacht, mit den Artikeln im Skeptiker.

(Das werden sie sicherlich tun, aber intern und ohne gleich in die Öffentlichkeit zu gehen, so wie es die Aktivisten machen. Ja, das sind Aktivisten, die klären das nicht sachlich, sondern versuchen über Entrüstungsstürme die Debatte für sich zu entscheiden.)

Stuart Vyse:
ZitatDie weitaus wichtigere Erklärung für die Angriffe auf ABA geht zurück auf eine neuere soziale Bewegung auf dem Gebiet Autismus. Früher betraf die Diagnose Autismus in erster Linie Menschen mit schweren kognitiven und verhaltensbezogenen Defiziten. Sie zeigten häufig Probleme in der Kommunikation, und viele waren nicht in der Lage, ein selbständiges Leben zu führen. Die 2013 erschienene Ausgabe des Handbuchs Diagnostic and Statistical Manual der American Psychiatric Association (APA) hat jedoch schwerste Formen von Autismus mit dem weitaus milderen Asperger-Syndrom unter einer gemeinsamen Bezeichnung,Autismus-Spektrum-Störungen (ASD), zusammengefasst.

Kinder und Erwachsene, die nicht sprachen, inkontinent waren und den Kopf wiederholt an harten Gegenständen stießen, erhielten mit einem Mal die gleiche Diagnose wie hochfunktionale Autistinnen und Autisten, bei denen man zuvor das Asperger-Syndrom diagnostiziert hatte. Die APA unterschied drei Autismus-Stufen, die von ,,Unterstützung erforderlich" bis ,,sehr umfangreiche Unterstützung erforderlich" reichten (American Psychiatric Association 2013, 52), doch für alle galt die Bezeichnung ,,autistisch".

Über die Implikationen des Konzeptes Autismus-Spektrum habe ich ausführlich in der Zeitschrift Skeptical Inquirer (Vyse 2022) geschrieben. Eine Gruppe von Menschen am milderen
Ende des Spektrums hat vor einiger Zeit die Bezeichnung ,,autistisch" angenommen und sich zu einer Social-Justice-Bewegung zusammengeschlossen. Bedeutendster organisatorischer Akteur ist der Zusammenschluss Autistic Self-Advocacy Network (ASAN). Auf seiner Website erkennt ASAN Autismus als Behinderung an, behauptet aber, dass Autismus nicht beseitigt oder gelindert werden müsse. Vielmehr sieht sich ASAN als Teil der Behindertenbewegung (disability rights movement), die sich für die Akzeptanz von Menschen engagiert, die anders sind – das Prinzip der Neurodiversität –, und dafür, dass Menschen mit Autismus die benötigte Unterstützung erhalten. Ihr Motto ,,Nichts über
uns ohne uns" drückt die Forderung aus, autistische Menschen in politische Entscheidungen einzubeziehen, die sie betreffen. Vieles hiervon macht einen bewundernswerten Eindruck und findet breite Zustimmung, jedoch stößt man auch auf repressive Ansichten, die über keinerlei Evidenzbasierung verfügen....

Stuart Vyse war langjähriger Professor für Psychologie am Connecticut College. Er arbeitet als Redakteur für die Zeitschrift Skeptical Inquirer, für die er die Kolumne ,,Behavior & Belief" schreibt. In deutscher Sprache erschien sein Buch "Die Psychologie des Aberglaubens. Schwarze Kater und Maskottchen" (Springer 2014),

Ein echter Fachmann, nicht nur für das Thema ABA, sondern auch dafür, wie Verschwörungsideologie funktioniert. Genau wie Bördlein. Beide werden aber übelst als durch Eigeninteressen getriebene Scharlatane verunglimpft. Wer so etwas tut, sollte schleunigst in "Die Basis" eintreten, da finden sich viele Gleichgesinnte.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

eLender

Zitat von: Peiresc am 12. Februar 2023, 23:28:05diese Aussage darf man nicht wörtlich nehmen.
Das glaube ich dir sofort.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

RPGNo1

Zitat von: eLender am 12. Februar 2023, 23:45:44Über die Implikationen des Konzeptes Autismus-Spektrum habe ich ausführlich in der Zeitschrift Skeptical Inquirer (Vyse 2022) geschrieben. Eine Gruppe von Menschen am milderen Ende des Spektrums hat vor einiger Zeit die Bezeichnung ,,autistisch" angenommen und sich zu einer Social-Justice-Bewegung zusammengeschlossen.

Ich habe ein Déjà-vu. Der Fall Prof. Bördlein klingt beinahe identisch. Er veröffentlich einen Artikel zur Behandlungsmethode ABA im Skeptiker. Eine Gruppe von Menschen (Betroffene am milderen Ende des Spektrums, nichtbetroffene Sympathisanten und Aktivisten der kritischen Theorie) attackiert Bördlein deswegen. Als i-Tüpfelchen kommt dann noch der Vorwurf einer Mitgliedschaft in einer "rechtsextremen" Vereinigung hinzu.

zimtspinne

Zitat von: RPGNo1 am 13. Februar 2023, 07:28:20Ich habe ein Déjà-vu.

Ich hatte eins beim Anblick des Regenbogen-Emblems in deinem verlinkten wiki-Eintrag.
Wäre ich nicht schon abgehärtet, hätte mich der Blitz getroffen - so bizarr ist die Parallele. Und das verkitschte Regenbogending. Dabei mochte ich Regenbögen mal echt gerne. Auch die symbolischen waren in Ordnung (wenn ich auch nicht so ein rieisger Fan von Regenbogenbrücken bin, mir fehlt das Faible für Spiritualität).

Bezügl. ABA kann ich mich nicht positiionieren, da mir das Fachwissen fehlt in Bezug auf Autismus und wie genau das dort mit welchen Zielstellungen unter welchen Voraussetzungen zum Einsatz kommt.
Es scheint nicht bei jedem Patienten jedes Alters, jeder Autismusausprägung (und als Monotherapie?) geeignet.

Ich hatte auf einer Seite, die ich noch verlinke zum Therapieangebot und  Behandlungsoptionen quergelesen und dort kristallisierte sich ein Mix aus verschiedenen Therapien als sinnvoll raus, ABER:

immer enthalten sind auch Teile des ABA-Ansatzes. So wie ich ihn verstehe (noch nicht ganz). Das gilt auch für die hochfunktionellen Autisten.
Erlernen und trainieren von Verhaltensweisen, mit denen sie Schwierigkeiten haben. Augenkontakt, bestimmte Gesprächsabläufe und -floskeln, die situative Kontrolle ihrer Selbstberuhigungsmethodenroutinen.

In Bewerbungsgesprächen beispielsweise (auch  mit Gleichstellungsbeauftragten am Tisch eine Herausforderung), in alltagswichtigen sonstigen Situationen und die Rede war auch davon, dass autistisch-typische Verhaltensweisen auf bestimmte Räume  und Teile ihres Lebens verteilt werden bzw dort ausgelebt werden, wo sie kompatibel sind.

Dabei handelt es sich nicht nur um Verhalten, das Anstarren zur Folge hat, sondern auch aggressive und sonstige Verhaltensweisen, die wiederholt zu Gruppenausschluss führen.

Das ist nicht vereinbar mit dem sozialen Modell von Behinderung, welches von Aktivsten angestrebt wird.
Deren Forderungen beinhalten, Autisten sollen immer sie selbst sein dürfen und die nichtautistische Welt habe das vollumfänglich zu akzeptieren und sich dran zu gewöhnen.
Umsetzbarkeit in der Realität, auch und gerade im Interesse der Autisten und deren Teilhabe am sozialen Leben? Fehlanzeige.

Die Wortführer gehen dabei wohl von sich selbst und ihren Situationen aus.

Reality is transphobic.

zimtspinne

Zitat von: eLender am 12. Februar 2023, 23:19:17Möglicherweise, aber so stelle ich mir eigentlich keinen Autisten vor (was an meiner beschränken Phantasie Sichtweise liegen könnte).

Naja, das ist offenbar einer der Hochfunktionalen, die zudem noch intensiv und jahrelang an sich gearbeitet haben und die über den Tellerrand ihrer Autismusweltsicht hinausblicken (wollen).
Der erwähnt ja anfangs, Diagnosestellung erfolgte mehrfach an verschiedenen Instituten - da gehe ich mal von wahrheitsgemäßen Angaben aus, da ich keine Motive für Lügen erkenne. Das wäre ja dann ein ganzes jahrelanges Lügengebäude und das durchzuziehen und in sich stimmig zu halten für die paar klicks in seiner kleinen Nische... hm, zuviel Aufwand für zuwenig Geld, Ruhm und Besondersheit.  ;)
Denke aber, so meintest du das auch nicht.. ?

Reality is transphobic.

eLender

Zitat von: zimtspinne am 13. Februar 2023, 14:56:24Deren Forderungen beinhalten, Autisten sollen immer sie selbst sein dürfen und die nichtautistische Welt habe das vollumfänglich zu akzeptieren und sich dran zu gewöhnen.
Umsetzbarkeit in der Realität, auch und gerade im Interesse der Autisten und deren Teilhabe am sozialen Leben? Fehlanzeige.

Die Wortführer gehen dabei wohl von sich selbst und ihren Situationen aus.
Genau das! Es sind absolut lebensferne, utopistische Vorstellungen, die "Gesellschaft" oder die "Umwelt" müsse sich an die Abweichungen anpassen. Dabei geht es um Menschen, die z.T. alleine nicht lebensfähig sind (das ist keine Übertreibung und wird vom Umfeld der Betroffenen auch so dargestellt), und die brauchen jede Hilfe, die möglich ist.

Das Zynische dabei: wäre man konsequent und würde auf die Aktivistenspinner hören, dann müßte man auch stark autistische Menschen in Ruhe lassen (>untherapiert). Das könnte für manche den Tod bedeuten. Aber der Aktivist weiß ja auch, dass seine Vorstellungen und Forderungen lebensfern sind, und nie in der Praxis umzusetzen sind. Deshalb kann er ja so absurde Forderungen stellen, deren Untauglichkeit niemals an der Realität scheitern kann.

Zitat von: zimtspinne am 13. Februar 2023, 15:10:14Denke aber, so meintest du das auch nicht.. ?
Wenn der nicht wippend in der Ecke sitzt und gelegentlich mit dem Kopf an die Wand schlägt, ist der für mich nicht autistisch authentisch ::)  (ok, der war jetzt wirklich unsensibel und platt :-[ )

Ernsthaft: ich habe mal nach ihm gegurgelt und sehr wenig gefunden. Natürlich könnte er authentisch sein, aber man (oder wenigstens ich) sollte das zumindest mal abchecken, es gibt so viele Blender im Web. Aber: das was er sagt, sagen auch seriöse Fachleute, daher wird er keinen Murks erzählen (ich habe ja mal abcheckmäßig einen Fachmann zitiert). Ob seine eigene Story stimmt, kann ich erst mal nicht falsifizieren, es ist aber gut, wenn man das auch etwas populärer thematisiert. Zur Not auch als Insta-Story mit Gepose ::)


Wollte ich nur mal gesagt haben!

eLender

Zitat von: RPGNo1 am 13. Februar 2023, 07:28:20Ich habe ein Déjà-vu. Der Fall Prof. Bördlein klingt beinahe identisch. Er veröffentlich einen Artikel zur Behandlungsmethode ABA im Skeptiker.
Ich habe sogar mehrere Déjà-wüüs. Es steht nach wie vor der Vorwurf im Raum, ABA wäre eine Pseudowissenschaft ohne Nutzen und die Vertreter der Methode wären Scharlatane. Genau das sind die Positionen der "Kritiker" (Krapzillas und Konsorten). Auch das, was zimmtsinne sagt, rechtfertigt so einen Vorwurf niemals. Natürlich gibt es auch berechtige Kritik um ABA (weil das zwar ein eng gefasster Begriff ist, er aber nicht von jedem so verwendet wird). Auf all das wurde im Skeptiker schon hingewiesen und ausgeleuchtet; es ist ein Kernthema für Menschen, die rationales und wissenschaftliches Denken verteidigen (wollen).

Ich kann es nicht anders sagen: die "Kritiker" argumentieren auf Bhakdi-Level. "Imfungen" sind wirkungslos und schädlich, und die Krankheit ist nur von interessierten Kreisen erfunden. Wer das so darstellt, hat unter (echten) Skeptikern nichts verloren. Die Querlappen sehen sich ja auch als "Skeptiker" :-\
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Juliette

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/autismus-krankheit-besonderheit-1.5750499

In der SZ ist ein Artikel zu dem Thema (hinter paywall). Es geht nicht nur um ABA, auch um diskriminierende Sprache. Was in die Augen springt: Bei allen Fachleuten, die zitiert werden, wird dazugeschrieben, ob sie selbst Autisten sind oder nicht.

ZitatEinigen Autismusforschern zufolge greift das Fachgebiet jedoch immer noch zu oft auf Begriffe mit negativen Konnotationen zurück. So verwenden viele Wissenschaftler zusätzlich zu den Begriffen "Symptom" und "Störung" den Begriff "komorbid" und nicht den neutraleren Begriff "gleichzeitig auftretend", um Bedingungen zu beschreiben, die häufig mit Autismus einhergehen. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage unter 195 Autismusforschern enthielten 60 Prozent der Antworten Ansichten über autistische Menschen, die die Studienautoren als entmenschlichend, objektifizierend oder stigmatisierend einstuften. Einige Antworten beschrieben Autisten als "von der Außenwelt abgeschottet" oder "völlig ausdruckslos und anscheinend ohne Emotionen", so die Studie eines Teams um Monique Botha in Frontiers in Psychology vom November 2022. "Schlimmer als ich dachte war, wie drastisch viele der Inhalte waren, was zeigt, dass ein großer Teil der Teilnehmer die Dinge, die sie sagten, überhaupt nicht als problematisch ansahen", sagt Botha, Psychologin an der University of Stirling.

Diskriminierende Sprache und die ihr zugrunde liegende Denkweise wirkten sich auch auf das Studiendesign aus, sagt Botha, selbst autistisch. In Studien, in denen Autismus-Behandlungen getestet werden, erfassen die Forscher beispielsweise nur selten unerwünschte Reaktionen wie körperliche Schäden oder psychische Belastungen. Dies ergab eine Studie aus dem Jahr 2021 unter der Leitung von Kristen Bottema-Beutel, die am Boston College zu Sonderpädagogik forscht. Dieses Versäumnis deute darauf hin, dass viele Forscher autistische Menschen als weniger menschlich ansehen, sagt Botha.

Gleichzeitig argumentieren andere, dass das Verbot bestimmter Begriffe den wissenschaftlichen Prozess hemmt. "Wenn man Wörter wie 'herausforderndes Verhalten', 'schwere Störung', 'Symptome' oder 'komorbide Störung' nicht verwenden darf, wie soll man diese Dinge dann untersuchen?", fragt Alison Singer, Präsidentin der Autism Science Foundation, die diese Bedenken in einem Kommentar in der Zeitschrift Autism Research vom Dezember 2022 darlegte. Singer und ihre drei Mitautoren befürchten, dass die Verwendung neutraler Begriffe wie "Merkmale" oder "Eigenschaften" anstelle von "Symptomen" die Erfahrungen autistischer Menschen herunterspielt, die wie Singers Tochter erhebliche Kommunikationsschwierigkeiten, geistige Behinderungen oder kritische gesundheitliche Probleme haben. Es "trivialisiert die Schwere des Autismus", sagt Singer, die selbst nicht autistisch ist. Botha, Bottema-Beutel und 61 weitere Forscher, Kliniker und Anwälte haben einen Leserbrief eingereicht, in dem sie Singers Kommentar widersprechen.

Ich kenne mich mit Autismus nicht aus, aber was im Skeptiker steht, dass man hochfunktionelle und wirklich schwerst behinderte Autisten seit einigen Jahren unter einem Krankheitsbild zusammenfasst, finde ich auch nicht optimal. In den Filmen und Serien, in denen seit vielen Jahren verstärkt Autisten vorkommen, sind das immer die leicht schrägen, aber schlauen Typen. Genauso schlimm, wie die ganzen Filme über die lieben Alzheimeropis.

IM SZ-Artikel hat mich am meisten irritiert, dass bei allen Wissenschaftlerinnen darauf hingewiesen wurde, ob sie selbst Autisten sind. Soll das darauf hindeuten, dass die Herangehensweise an Studien und die gesamte Forschung "besser" ist, wenn man selbst Autist ist?

Scipio 2.0

Ich kann da nur für mich selbst sprechen. Ich nehme mein ADHS als teils erhebliche Einschränkung sprich Störung wahr und ich habe auch kein Problem damit, wenn man das so bezeichnet.

Auch meine Umgebung bekommt häufig genug die Auswirkungen meiner Konzentrationsproblem zu spüren. Wobei das im Rahmen meines Berufes als Planungsingenieur wohl besonders auffällt, da eine recht hohe Genauigkeit bei der Arbeit gefordert wird.