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Chomsky der Friedensengel

Begonnen von Peiresc, 03. Mai 2022, 12:14:30

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sailor

Ähm, in Kaliningrad stehen keine ICBM, die haben nämlich auch eine Minimalreichweite... In Kaliningrad wird mit Iskander und Kalibr gerechnet.

Zu Chomsky: Das Strohmannargument ist die Sache mit dem Geld. Nur weil man in den USA Probleme hat soll man kein Geld an andere Länder geben? Die 5 Mrd, die an unterschiedlichster Entwicklungshilfe in die Ukraine aus den USA seit den 90igern geflossen sind, können in den USA gar nix bewirken... und ausserdem dienten sie auch zur Abrüstung der Ukraine (Zerlegung/entsorgung strategischer Systeme). Die Antwort darauf ist genauso strohhaltig (zum Glück kommt Chomsky nicht mit Maske^^): Es wird Ursache und Wirkung vertauscht, Putins Handlungen führen zu seiner Dämonisierung. Es gab vorher keine Dämonisierung, die Putin zu irgendwas getrieben hat. Und mit Dämonisierung kennt sich auch die sog. Linke und Chomsky selbst sehr gut aus^^

Bachblüte

Zitat von: sailor am 04. Mai 2022, 11:38:56Ähm, in Kaliningrad stehen keine ICBM, die haben nämlich auch eine Minimalreichweite... In Kaliningrad wird mit Iskander und Kalibr gerechnet.

Ok, danke!

Daten aus WP:

Iskander: Reichweite max. 500 km, Geschwindigkeit 2,1 km/s (fällt aus, das kommt nicht bis nach London).

Kalibr: Offenbar kann nur 3M14 und 3M14T/S nuklear bestückt werden. Fluggeschwindigkeit max. Mach 0,8 = 0,27 km/s, Reichweite > 1500 km.

Mit der Kalibr wären es dann etwa 1 h 26 min bis nach London, auch wieder ohne Startphase, die aber bei einer so langen Flugzeit nicht besonders ins Gewicht fallen dürfte.


Wieso haben die ICBM eine minimale Reichweite?


sailor

Ballistische Flugbahn und "Minimalbrenndauer" der Stufen... man könnte sie natürlich genau senkrecht schiessen oder mit Vorhalt wegen der Erdrotation. Aber das ist witzlos. Die erste Stufe für den Booster muss zumindest teilweise abbrennen, damit die Rakete überhaupt Schub bekommt.

Ein weiterer Grund, warum in Kaliningrad keine ICBM stehen ist die Verwundbarkeit der Raketen in der Boosterphase. Dort sind sie relativ langsam und manövrieren nicht. Mit Aegis in Polen oder Norwegen plus SM-3 könnte man die Raketen relativ einfach bekämpfen. Deswegen strebt Russland bei der R-28 eine möglichst kurze Boosterphase an... und die westlichsten Abschussplätze der Russen sind auf Höhe Moskau.

Ausserdem ist Kaliningrad sehr überschaubar und von allen Seiten einsehbar. ICBM dieser Größe würden sofort aufgeklärt werden und die Reaktionszeit zur Bekämpfung mit Boden-Bodenrakten wäre noch kürzer... oder die pöse Nato schickt ihre Geister los, die kleine Päckchen dranpappen...

Die Bilder aus dem russischen TV sind erstens gelogen (weil physikalisch schon schwer) und zweitens strategisch falsch. Drittens ignoriert der nuke porn die Antwort von Briten und Franzosen. Genau für solche "Überraschungen" hat man Zweitschlagskapazitäten, die Vanguard und die triomphant... die kommen auch bis Moskau.

Max P

Und was ist mit diesem Untergang -von-Atlantis-der-Britischen-Inseln-Szenario? Ist das rein von der Machbarkeit her realistisch oder auch nur eine feuchte Rachephantasie?

sailor

Tsunamis mit Atombomben auslösen ist möglich, aber bestimmt nicht mit 500m Höhe^^ Da wirds Nerds geben, welche die Wirkung im Verhältnis zur Sprengkraft beschreiben können.

Was den Megatorpedo angeht: Kann man bauen, insbesondere wenn man bereits nukleare Uboote hat. Aber: es wäre eine Wegwerfwaffe, die sehr teuer für den einmaligen Einsatz ist. ICBM aka "Atomraketen" sind deutlich billiger, genauso Bomber oder das Verbringen mit nem zivilen Schiff und Drop der Bombe ins Meer. Mit anderen Worten, das Ding ist eine Lösung auf der Suche nach einem Problem. Militärisch gibts deutlich einfachere Lösungen für das Problem, eine Bombe von A nach B zu bringen... Strategisch ist es egal, ob die Bombe nun über einen Tsunami wirkt oder direkt am Ziel... Technisch ist die Lösung kompliziert, weil man nukleare Antriebe nicht beliebig skalieren kann und gleichzeitig bei der gewünschten Geschwindigkeit per Superkavitation (ja, das Teil soll in einer Gasblase fahren!) ganz neue Probleme (Hitzeabfuhr) bekommt.
Politisch ist das Teil auch nicht besonders nützlich, da es eine reine Erstschlagswaffe, sprich, Offensivwaffe ist. Sowas baut man nur, wenn man jemanden zuerst angreifen und maximal schaden will.

Max P

Zitat von: sailor am 04. Mai 2022, 14:55:27Aber: es wäre eine Wegwerfwaffe, die sehr teuer für den einmaligen Einsatz ist.

Bei einem derart irren Szenario würde finanzielle Erbsenzählerei wohl keine Rolle mehr spielen. Vielleicht ist das ja die Wunderwaffe, die Putin neulich meinte. Er hat ja düster geraunt, sie würden, wenn Russlands Existenz "stragisch bedroht" wäre, etwas einsetzen, das sonst niemand hätte. Oder so ähnlich.

Bachblüte

@Sailor: Danke für Deine Einsichten!

Zitat von: sailor am 04. Mai 2022, 14:55:27Tsunamis mit Atombomben auslösen ist möglich, aber bestimmt nicht mit 500m Höhe

Zündete man so eine Bombe tief unter der Wasseroberfläche weit weg vom Land, würde ich auch meinen, dass es keinen großen Tsunami geben würde.

Die Energie habe ich nicht selbst durchgerechnet. Im Web finden sich diverse Äquivalenzangaben für 100 MT Sprengkraft, die durchaus sehr kräftigen Erdbeben entsprechen. Ich vermute aber, dass geplant wird, gemäß dem Vorbild der Natur, durch Zündung an einem geeigneten Ort einen großen Erdrutsch zu verursachen. Dadurch könnte u.U. ein Vielfaches der ursprünglichen Energie durch Freisetzung von potentieller Energie gewonnen werden. 500 Meter Wellenhöhe ganz lokal irgendwo innerhalb eines kleinen Gebiets halte ich also für nicht ganz ausgeschlossen, global wird es sicher viel weniger sein. Selbst wenn Russland da aber um den Faktor 20 oder 30 übertrieben hat, ist es immer noch eine recht düstere Aussicht.

Hoffentlich behältst Du recht mit Deiner Einschätzung der Unsinnigkeit dieser Drohung.  ???

sailor

Es ist eine Waffe direkt aus einem "Finsterer Bösewicht Plot", ein "Doomsday device" ohne militärischen Nutzen, mit hohen Kosten und mehr als fragwürdiger Zuverlässigkeit. Für die Entwicklungskosten kann man sehr wahrscheinlich mehrere Dutzend ICBM mit Mehrfachsprengköpfen produzieren und über Jahre unterhalten. Die Lenkung einer solchen Waffe ist mehr als fraglich, Ost wie west arbeitet seit Jahrzehnten an lenkbaren Superkavitationsgeschossen... mehr als Prototypen gibts bisher nicht. Die Russen haben mit Shkval einen SuperKavitationstorpedo, der schnell gradeaus läuft. Ein solches Minisub könnte (!) konventionell per Schraube oder Impeller betrieben werden, dann sind aber keine Superkavitationsgeschwindigkeiten drin... vielmehr wirds ab ungefähr 30 km/h laut (weil man Turbopumpen zur Reaktorkühlung braucht). Dazu kommt, dass die Russen so ein Teil von einem normalen Atomuboot aus absetzen wollen... womit klar ist, was gejagt wierden würde...

Für mich ist die Sache "Maskirovka": Man möchte, dass der Gegner nach etwas schaut, was nicht existiert und die Ablenkung für anderes nutzen. Einen entsprechenden Sprengkopf kann man auch deutlich billiger unauffällig dorthin bringen, wo man ihn braucht... entweder durch normale Uboote oder per "Fischer" (die Russen hatten immer viele Fischereischiffe verschiedenster Größen mit verdammt vielen Antennen und komischen Fischereigeschirr^^).