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Autor Thema: Gute Kommentare  (Gelesen 28868 mal)

cohen

  • Gast
Gute Kommentare
« am: 08. Juni 2009, 17:05:41 »
Hier möchte ich die Gelegenheit geben, gute Kommentare aus Diskussionen zu sammeln. Viele sind zu schade, irgendwo in der Mitte einer Kommentarschlacht versteckt zu sein.
Bitte missbraucht diesen Thread nicht zum Quasseln.
Zitat
Schau-ma-amoi· 08.06.09 · 09:28 Uhr

„Als interessierter Laie verfolge ich diese endlose Diskussion schon länger und muss gestehen, dass für mich die Situation sehr verwirrend und unbefriedigend ist.“

In diesem Fall bringt das Verfolgen von „Diskussionen“ nichts, ich rate zum Kauf von Büchern über die Grundlagen der Physik und der Chemie bzw. zum Studieren von den durchaus zahlreichen seriösen, wissenschaftlichen Links zu diesem Thema:
http://www.homoeopathie-arzneimittel.de/media/homoeopathie.pdf
http://www.heise.de/tr/Homoeopathika-sind-Placebos--/artikel/110778/0/0
http://www.gwup.org/component/content/article/332-fragen-und-antworten-zur-homoeopathie
und viele mehr.
Erst im zweiten Schritt ist es sinnvoll, sich durch Fragen an Diskussionen zu beteiligen.

„Wirkt die Homöopathie nun oder tut sie es nicht?“

Sie müssen konkreter fragen. Wogegen soll sie wirken? Fragen Sie Homöopathen, ob sie durch homöopathische Mittel etwa

* eine Tumorerkrankung heilen;
* einen durch einen Unfall abgetrennten Arm wieder annähen;
* einen kariösen Zahn in Ordnung bringen;
Zahn- und andere Schmerzen beseitigen oder zumindest unterdrücken;
* die Folgen einer Lähmung aufgrund eines Gehirnschlages beseitigen;
* ob sie damit einen Herzanfall beseitigen;
* ob sie damit das einem Kind fehlende Insulin (Diabetes 1) ersetzen;
* ob sie Alzheimer, Multiple Sklerose, einen Bandscheibenvorfall, eine Lebensmittelvergiftung heilen können ...
oder kurz: fragen Sie den Homöopathen, welche Krankheiten er denn behauptet, heilen zu können?!

Macht Sie Ihre Frage nicht stutzig, wenn Sie doch wissen, dass die Spezialisierung in der Medizin Internisten, Kardiologen, Urologen, Orthopäden, Nephrologen, Neurologen, Psychiater, Pädiater, Gynäkologen, Dermatologen, Hämatologen usw. hervorbringt, weil man heute das gesamte Gebiet niemals allein überschauen kann, der Homöopath, dies aber sehr wohl für sich in Anspruch nimmt?

Fragen Sie ihn, in welchen wissenschaftlichen Publikationen man diese behaupteten Erfolge der Homöopathie auch nachlesen kann. Als kritischer Geist hinterfragen Sie beim Kauf eines Autos, eines Computers, einer Waschmaschine doch auch die Slogans der Werbung, warum nicht auch die der Alternativler?

„Klar, in Wirklichkeit kann nur eins von beiden stimmen, aber was?“

Mit Verlaub, aber das ist eine dumme Frage.
Homöopathie wurde zu Napoleons Zeiten erfunden. Die Medizin zu dieser Zeit befand sich, sagen wir mal, nicht mal in einem pubertären Zustand. Die großen Fortschritte in der Biologie und der Chemie fanden erst danach statt. So wusste man anno dazumal nichts über die krankmachende Wirkung der Bakterien, geschweige denn etwas von Viren. Nicht mal die für heute selbstverständliche Tatsache, dass der Mensch aus Zellen besteht, war damals bekannt. In der Biologie rätselte man noch nicht mal richtig über die Evolution.
http://www.med-serv.de/medizin-Motto-5-1.html

Der Erfinder der Homöopathie schrieb seine „Erkenntnisse“ in diesem kuriosen Paragraphenwerk nieder:
http://www.homeoint.org/books4/organon/index.htm

Diese Ideen haben bis heute – aus der Sicht der Homöopathen – Gültigkeit. Homöopathen hinterfragen das Lehrgebilde nicht, versuchen auch nicht, Fehler zu finden, sondern beten das nach, was ihnen ihr Lehrmeister anno dazumal vorgeschrieben hat.

Fragen Sie den Florian Freistetter, wie der Stand der Astronomie zur Zeiten Napoleons war und wie die Astronomen die Sache heute sehen. Fragen Sie ihn auch, wie es dazu gekommen ist, dass die heutige Sicht eine andere ist. Fragen Sie also, was Wissenschaft ist.
Fragen Sie einen Piloten, wie das mit der Fliegerei vor 200 Jahren war.
Fragen Sie einen Handyhersteller, wie denn der Napoleon mit seinen Damen die amourösen SMS versendet hat.
Fragen Sie einen Fotografen, wie das mit dem Fotografieren so vor 200 Jahren ausgesehen hat ...
All das gibt es nur, weil die Forscher ihr – und damit - unser Wissen ständig erweitern, was auch nur dadurch möglich ist, dass man die Erkenntnisse der Väter in Frage stellt, korrigiert oder aufhebt.

Alle haben das gemacht, nur die Homöopathen nicht.

Die einzig legitime Frage bei der Homöopathie ist folgende:

Wie kann es sein, dass ein derart anachronistische Ansicht der Welt noch heute Bestand hat? Wie verrückt sind wir?


„Aber für Menschen wie mich ist es aus Mangel an Kompetenz und Zeit einfach unmöglich nachzuvollziehen, wer von beiden die Wahrheit sagt (auch wenn dies über Quellenangaben für einen Fachmann möglich ist). In diesem Sinne (und nicht im religiösen) ist es momentan für mich Glaubenssache und das ist unbefriedigend.“


Sie haben zumindest so viel Zeit, in einem wissenschaftlichen Blog zu lesen und zu schreiben. Wer klüger werden will, hat dies selbst in seiner Hand. Quellen und Procedere siehe oben.
Ich nehme mir schließlich auch die Zeit, Ihnen zu antworten. Und denken Sie, ich hab mehr davon als Sie?

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/06/gesunde-krank-machen-pseudomedizin-im-standard.php#comment40586

hic fuit

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #1 am: 22. Juni 2009, 16:14:37 »
Aus http://blog.dignitatis.com/wordpress/?p=557#comments
Zitat
#  sapere Says:
Juni 6th, 2009 at 16:41

Hier mal ein paar private Freizeitbeschäftigungen im Namen des Glaubens an übernatürliche Männer (”Götter”):

Religiös bedingter Terrorismus und Bürgerkrieg (heute z.B. 11. September, Irak, Afghanistan, Israel, Nordirland, Kosovo, Tschetschenien, Sri Lanka, Pakistan, Nigeria, Saudi-Arabien, Jemen; früher z.B. : Hugenottenkrieg, Achtzigjähriger Krieg, Englischer Bürgerkrieg, Dreißigjähriger Krieg usw.), Inquisition; Hexenverfolgung; Judenpogrome; Massenvernichtung von Ureinwohnern; Kreuzzüge; Sekten; Gehirnwäsche; Frauendiskriminierung; Mißbrauch von Abhängigen; Exorzismus; Ermordung von Abtreibungsärzten; gewaltsame Missionierung; Quacksalberei; Diskriminierung Anders- oder Nichtgläubiger; Einschränkung von Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit; Antiwissenschaftlichkeit; Psychische Störungen durch Glaube an angeborene Sünden, Hölle und ewige Verdammnis, Engel und Geister; Gesundheitsschäden durch Mangelernährung, religiös bedingte Diäten, Verweigerung medizinischer Betreuung, Selbstverstümmelung und angebliche Geist- oder Wunderheilung; Schwulenhass, Steinigung; Beschneidung der Geschlechtsteile männlicher und weiblicher Kinder; Massenselbstmorde; Giftgasattentate; Staatliche Indoktrination; Feudalismus, Bestrafung von “Gotteslästerung”, “Sakrilegen” und “Blasphemie” und die massive Einflussnahme religiöser Fundamentalisten in Staat und Gesellschaft

EsoTypo

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #2 am: 24. Juni 2009, 04:15:14 »
Aus: http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/blog/2009/05/26/alternativmedizin-ist-luxus/comment-page-9/#comment-74294
Begrenzungsfaktor
18.06.2009 um 21:57

@heubauch
Ein wahres Wort. Aber ich denke Sie wissen ja wie die Argumentation verläuft wenn man sich auf die seriöse Wissenschaft beruft. Sofort kommt normalerweise etwa diese Auswahl von Argumenten:

1. Man muss nicht immer alles genau wissen wollen
2. Man muss nicht immer alles beweisen können
3. Die heutige Physik oder Chemie kann das Phänomen gar nicht erfassen
4. Man muss nicht immer alles messen
5. Die Physik ignoriert das “Feinstoffliche“ (was auch immer das sein mag)
Und das vielleicht bekloppteste Argument von allen:
6. Man muss nicht immer alles erklären wollen, Hauptsache es funktioniert

Betreffend Argument 3 habe ich mich mal mit einem Typen auf eine Diskussion eingelassen. Er wollte mir einen “Tachyonchip“ verkaufen, welcher den Benzinverbrauch meines Autos angeblich halbieren sollte. Man muss den Chip einfach auf den Tank des Autos kleben, fertig. Der Chip neutralisiert übrigens auch Handystrahlen – nur aufs Handy kleben, fertig. Toll oder?
Ich frage nach welchem Prinzip denn der Chip funktionieren würde. Sofort kam ein Redeschwall über Tachyonen, Schwingungen, Wellen Blablablabla… und am Ende die Bemerkung, dass die heutige Physik das Phänomen gar nicht erfassen könne. Ich konterte mit dem Einwand, dass er ja aber diesen Chip baut und dazu müsse er ja irgendwas zusammensetzten nach einem Prinzip, damit der Chip am Ende die gewünschte Wirkung hat. Er sagte er habe eine Maschine gebaut die den Chip herstellt. Ich fragte was die Maschine denn machen würde. Die Antwort war dass die heutige Physik das noch gar nicht erklären könne. So ging es munter weiter im Kreis.
Solche und ähnliche Gespräche enden meisten auf die folgenden Arten:

1. Ich bin doof weil ich immer alles messen, erklären, beweisen oder wissen will
2. Ich bin doof weil ich die absurde Argumentationslinie nicht akzeptiere
3. Ich bin doof weil ich ein Spielverderber bin
4. Naturwissenschaftler sind per Definition doof

Es läuft immer nach diesem Schema. Als Naturwissenschaftler habe ich per se verspielt und wehe dem der etwas in der Öffentlichkeit gegen einen Salzkristall neben dem PC Monitor sagt – der wird danach von sämtlichen Sekretärinnen im Büro geschnitten. Dabei war mein Einwand ja nur, dass die Rosen-Quarze früher auf Röhrenbildschirmen gelegen haben. Dort haben sie angeblich die schädliche Strahlung absorbiert. Heute stehen die Rosen-Quarze neben den TFT Monitoren, und obwohl diese nach einem völlig anderen Prinzip funktionieren, absorbieren die Quarze immer noch die schädliche Strahlung. Und meine Katzen liegen im Übrigen nicht, wie ich immer vermutet habe, gerne an Orten wo es warm ist, nein sie liegen an Orten wo sich Erdstrahlen kreuzen. Jeder Mensch weiß das heute, das Katzen die schlechten Strahlen absorbieren. Man stellt sich ganz zu Recht die Frage: “Wer kann noch hoffen, aus diesem Meer der Irrtums aufzutauchen“? Ein breiter Teil der Bevölkerung befindet sich geradewegs auf dem Weg zurück in Mittelalter…

EsoTypo

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #3 am: 25. Juni 2009, 02:44:47 »
Aus: http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2009/06/diskussionsthread-homoopathieakupunktur.php#comment39693

Ronny· 03.06.09 · 09:22 Uhr

Fassen wir einmal kurz zusammen:

1) Hömöopathie (HÖ) basiert auf einer Hypothese (Annahme) der Heilung durch Gleiches und einem nicht nachvollziehbaren Selbstversuch eines mittlerweile 200 jahre alten Menschen.

2) Diese Basis wurde und wird NIE in Frage gestellt und nachgeprüft wie in anderen medizinischen Bereichen.

3) Laut Robert ist jede Behandlung sehr persönlich auf den Kunden abgestimmt, d.h. jeder neue Mensch bräuchte eigentlich eine neue Behandlung. Wie geht das ? Oder gibt es doch nachvollziehbare Regeln ? Oder wird einfach nur rumprobiert ?

4) Die ganze Hypothese basiert auf Erlebnisberichten und Überlieferungen so ähnlich wie UFO Sichtungen und Religion

5) Die Hypothese bricht viele gefundene Gesetz der Physik, Chemie und Medizin anstatt sie wie sonst zu erweitern (wie z.B: bei Newton & Einstein)

6) Die Arznei hat laut Definition keine chemischen Wirkstoffe, sondern muss nicht nachweisbare Schwingungen und Gedächtnisse zu Hilfe nehmen

7) Die Hypothese versagt bei Tests oder zeigt nur eine schwache Wirkung die sie eigentlich sinnlos macht.

8) Die HÖ öffnet Betrug Tür und Tor, da niemand das Produkt einer Qualitätskontrolle unterziehen kann. Es gibt ja keine messbaren Wirkstoffe.

9) Die Gewinne der Erzeugerfirma sind exorbitant, da nur minimale 'Forschung' notwendig ist und die Rohstoffe etwa 1-3% des Preises des Produkts ausmachen

10) Die scheinbare Wirksamkeit der HÖ ist wissenschaftlich mit dem Placeboeffekt erklärbar.

11) Verschmutzungen bei der Herstellung der Mittel die stark mitverdünnt werden haben scheinbar KEINEN Effekt.

12) Folgt man den Regeln der Homöopathie müsste das Wasser jedes Baches oder Flusses ein immens starkes Homöopathikum sein. Selbst Alkohol oder Zucker hat am Verarbeitungsweg viele Möglichkeiten Spuren von HÖ-Mitteln bzw. Schwingungen derselben aufzunehmen, d.h. jeder Schluck Bier gleicht der Einnahme von 1000 verschiedenen hochdosierten Medikamenten.

13) Die Einnahme einer Überdosis von Globulis erzeugt keinen Effekt, weder einen postiven noch einen negativen. Ein Selbstversuch mit Schlafmittel steht aus Mangel eines Homöopathikums noch aus. Folgt aber bald.

Also meiner Meinung nach muss man als Homöopathiebenutzer schon sehr tapfer und (gut)gläubig sein :)

cohen

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #4 am: 25. Juni 2009, 20:14:41 »
Eine Klatsche für Friedrich:
Zitat
Christian W· 25.06.09 · 11:55 Uhr

Herr Friedrich, Sie machen dieselben Fehler immer und immer wieder:

Der zentrale Begriff Ihres Artikels "Überzeugung" wird ohne jede Erklärung oder Definition eingeführt und als integraler Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens diskutiert. Dabei wird nicht einmal deutlich, ob Sie von Ihrem Überzeugungsbegriff sprechen oder von einem aus der Wissenschaft. Falls ein "wissenschaftlicher Überzeugungsbegriff" gemeint sein sollte, ist wieder einmal der gesamte Blog-Eintrag komplett für die Mülltonne, da es in der Wissenschaft wie schon so oft geschrieben um Daten, Vermutungen/Annahmen, (Hypo-)Thesen, Sätze, Gesetze und Theorien geht, von denen man (nicht nur forschende Wissenschaftler) gerne jeweils überzeugt sein kann oder nicht, ohne dass das irgendeinen Einfluss auf sie hätte. Die Wissenschaft ist doch gerade die Methode, von persönlicher oder kollektiver Überzeugung unabhängig zu untersuchen, ob irgendetwas richtig oder falsch sein könnte.
Desweiteren wird auf jeden Bezug, jede Quelle und jeden sonstigen Hinweis darauf verzichtet, dass der Artikel etwas anderem als Ihrem persönlichen Geist entsprungen sein könnte. Gerade wenn man über die wissenschaftliche Wahrheitsfindung schreibt, entbehrt das nicht einer gewissen Ironie.
Aus diesen Gründen wäre bereits rein methodisch (aus falschen oder schlechten Thesen können wohl kaum valide Sythesen resultieren) kein belastbarer Erkenntnisgewinn zu erwarten und folgerichtig erscheinen auch wieder eine ganze Reihe fragwürdiger bis klar falsche Schlüsse:

    "Eine Überzeugung, die man für wahr hält, darf nicht mit anderen Überzeugungen, die man ebenfalls für wahr hält, in Widerspruch stehen. Das heißt natürlich nicht, dass man zwingend die neu gewonnene Überzeugung für falsch halten muss, wenn jemand zeigt, dass sie bisherigen, als wahr angesehenen Überzeugungen widerspricht."


Doch, genau das bedeutet es. Es sei denn, Sie reden nicht von Wissenschaft.

    "Und wenn eine neu gewonnene Hypothese mit bisherigen Überzeugungen nicht im Widerspruch steht, dann hat sie schon einmal eine große Hürde auf dem Weg, als wahr angesehen zu werden, übersprungen."

Nö, das ist die Mindestanforderung. Eine große Hürde wäre bspw. etwas zu erklären, was die bisherigen Theorien nicht erklären können.

    "Immer wieder das gleiche Experiment wiederholen und immer wieder das gleiche Ergebnis erhalten verbessert nicht die Sicherheit, dass die zugrunde liegende Theorie wahr ist"

Doch, das tut es sehr wohl. Nicht notwendigerweise, nicht hinreichend und schon gar nicht endgültig, aber eine Erhöhung der Sicherheit wird zum Beispiel erreicht, wenn ich eine Münze nicht nur einmal, sondern 5 mal oder 1.000 mal werfe.
Wieso eigentlich jetzt plötzlich Theorie? Vorher ging es immer nur um die "Überzeugungen"...

    "Dass ein Wissenschaftler dann irgendwann den Satz, der zuerst eine vage Hypothese war, für eine sichere Wahrheit hält, ist natürlich eine Entscheidung, die er entweder subjektiv für sich allein oder gemeinsam mit Kollegen trifft."

Möglich. Jeder Wissenschaftler ist ja meist auch eine Person und Personen haben stets auch Überzeugungen. Bei der Frage, ob etwas wahr ist oder nicht, wird aber nicht entschieden, sondern gemessen, experimentiert, gesammelt, belegt, widerlegt, gerechnet und all das getan, worauf Sie verzichten: wissenschaftlich gearbeitet. Über wissenschaftliche Wahrheiten und Irrtümer wird nie entschieden oder abgestimmt.

usw. usf.
___

Fazit: unscharfe, nicht erklärte Begriffe; keinerlei Quellenangaben; ergo null Substanz hinter sämtlichen Behauptungen und Schlüssen


Ich befürchte, sogar geisteswissenschaftlichen Ansprüchen würde der Text in keiner Weise genügen und nicht einmal einen Schein in einem Grundstudiums-Seminar erbringen. Natürlich ist niemand gezwungen, in seinem persönlichen Blog irgendwelchen Ansprüchen zu genügen, aber wenn man bei den Scienceblogs über wissenschaftliches Arbeiten schreibt und dabei weniger methodische Sorgfalt an den Tag legt als selbst ein Großteil der Kommentatoren, braucht man sich nicht wundern, wenn seine Legitimation dazu fortlaufend in Zweifel gezogen wird.
http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2009/06/die-schwierigkeit-zu-wissen.php#comment44001

cohen

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #5 am: 30. Juni 2009, 14:05:12 »
Der gefällt mir auch. Es geht um Religion:

Zitat
Ronny· 30.06.09 · 11:39 Uhr

Das ist die übliche Vorgehensweise:
1) Ich mach dir Angst
2) Ich biete eine Lösung/Hilfe
3) Ich kassiere

Findet man überall auf der Welt sei es bei Religion, Werbung, Untergangspropheten, Pharmaindustrie usw.
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/06/der-hollische-klimawandel-und-ein-bilderratsel.php#comment44684

Graf Zahl

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #6 am: 03. September 2009, 11:41:39 »
http://scienceblogs.com/pharyngula/2009/09/i_get_email_41.php#comment-1898885

Zitat
I first encountered the "What if you're wrong?/Pascal's wager" nugget while an undergraduate at the University of Kentucky when confronted by a recruiter from Campus Crusade for Christ. Having misspent much of my youth skipping from Catholic high school to go to Keeneland and Churchill Downs, I gave my opinion of Pascal's wager to him from a handicappers perspective.

It's as if every world religion has a horse (i.e. god) in a race. Each religion is a first time owner and has never raced a horse before, but that's OK because each owner is guided by advice and strategy from his omniscient talking horse. There are no independently verified and published past prefomances of the horses in an equivalent of the Daily Racing Form - just self published hype in esoteric scriptures. The race is a very long and the winner takes all. The losers and their backers are tormented and tortured for all eternity after the race. The wagers can only be Win bets, there is no Place, Show or exotic (e.g perfecta, trifexta, quinella, etc.) wagering. The bets aren't placed with the track in a pari mutuel pool, they are placed with the owners of the horses. And the wagers aren't just one time bets. Each owner specifies how much the wager costs and requires you to continually add to your bet through tithing, demands on your time and prayers to the horse for the rest of your life. Some owners even control the diets of their bettors. All of the owners promise tremendous payoffs and they brag about previous bettors who have won big, but they can't verify this.

The most hyped horse in this race is the one (actually some say it has the power of three horses) owned by the Christians, which is a quarrelsome consortium of owners that can't agree on the jockey or the strategy of the race. These contentious owners can't even agree on the price of the bet or the payoff. There is a young horse owned by the Muslims, who are very demanding and cruel to their backers. They are specially intolerant of any criticism of their jockey, Mohammed. Another young horse is owned by the Mormons, who say their horse is a clone of the horse owned by the Christians. They also say if I win, I can become a horse in a future race. There is an old horse in the race owned by another consortium known as the Jews. To complicate the handicapping, this horse sired the colts owned by the Christians and the Muslims and possibly the one owned by the Mormons. Some owners such as the Hindus, Vikings, Ancient Greeks and Ancient Romans have many horses in the race, but these owners (except the Hindus) have few bettors. There is a whole field of other horses owned by eclectic groups such as the Scientologists, Zoroastrians, Bahais, Sikhs, Rastafarians, etc. All these owners have extremely strange betting schemes and also very few backers. There are a few fillies in the race , but they have all scratched except the one owned by the Wiccans. There is even a horse owned by the Buddhists, but they admit upon further questioning they really don't have horse in the race at all and if I win, I can bet again after being reincarnated.

Oh! and I forgot the most important part, most owners say they will not pay (but rather punish for all eternity) any backer who strays from the demanding betting scheme or who are disingenuous and only feigning his/her support.

There is no way I would ever place a bet in this race. Even if an amateurish handicapper who fails to see that there is no race and the horses are imaginary, would see this wagering sytem is unregulated and corrupt. All owners just keep the obscenely large purses extorted from thier bettors.

Pascal's wager is a childish analogy and fundamantalists that use it as a recruiting tool are fools. Do they not realize it distills their belief and god down to a poorly analyzed probability?

Graf Zahl

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #7 am: 03. September 2009, 11:47:28 »
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/04/geschaftemachen-mit-der-panik-homoopathische-medikamente-gegen-schweinegrippe.php#comment54228

Zitat
@elena

Das Organon ist eine 200 Jahre alte Schwarte, die höchstens historischen Wert hat.

1. Es wurde von einem „Wissenschaftler“ in einer Zeit geschrieben, in der eine Medizin existierte, die mit der heutigen wissenschaftlichen Medizin so gut wie nichts zu tun hatte; und deren Untauglichkeit so offensichtlich war, dass alles, aber wirklich alles, was anders war, zwangsläufig eine wenigstens gleichwertige, mithin auch bessere Alternative darstellte.
Und selbst, wenn diese, wie bei Hahnemann, nur darin bestand, durch hochverdünnte (wirkstofffreie) Arzneien den Patienten nicht mehr schon allein durch die Therapie mit Quecksilber, Arsen u.ä. umzubringen.

2. Hahnemann hatte keine Ahnung von Mikrobiologie, von Genetik oder Zytologie, von Chemie, von Physik, überhaupt von fast allem, was der modernen Medizin zu ihren enormen Erfolge verhalf.
Zu Hahnemanns Zeiten war die Wahrscheinlichkeit für ein Kind, das Erwachsenenalter zu erreichen, etwa 1:2, die durchschnittliche Lebenserwartung lag irgendwo zwischen 35 – und 45 Jahren. Das änderte sich erst deutlich, als erfolgreiche Therapien gegen die Infektionskrankheiten gefunden wurden. 50 Jahre nach Hahneman.
Dazu addieren sich die Techniken der Pharamazie, effektive Wirkstoffe zu entwickeln,
die Techniken der Physik, mit denen präzisere Diagnosen möglich wurden, und eine Chirurgie, die nicht mehr an der Sepsis scheiterte. Alles jenseits von Hahnemann Wirken.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass der große Meister Samuel – ausgerüstet mit dem naturwissenschaftlichen und medizinischem Wissen der Gegenwart - sich voller Empörung gegen die Quacksalberei der Homöpathie ausgesprochen hätte.

3. Die Homöopathie ist tot. Richtig gelebt hat sie nie. Und hätten nicht ein paar abgedrehte Spinner und einige beratungsresistente Esoteriker in den 1980er Jahren das vergammelte Pferd wieder ausgegraben, um es dem mystisch verblödeten, nein, verblindeten Gegenwartsmenschen als stolzes Roß vorzuführen, hätten wir nicht solche unnötigen Problem, dass in Deutschland wegen Impfverweigerung wieder Masernepidemien ausbrechen.

Deshalb, Elena, versuchens Sie´s mal mit Nachdenken, mit ein wenig kritischer Vernunft.
Nehmen Sie sich mal ein gutes Lehrbuch der Medizin, beispielweise das „Lexikon der Infektionskrankheiten“ von Darai, Handermann, Hinz u. Sonntag, erschienen im Springer-Verlag, und vergleichen Sie mal Hahnemanns Thesen mit denen der Wissenschaftsmedizin.
Beschäftigen Sie sich einfach mal damit, wie der Mensch funktioniert, und nicht, wie man sich vor 200 Jahre dachte, wie er möglicherweise funktionieren würde.

Ach ja, die Kindersterblichkeit liegt heute in Deutschland etwa zwischen 3-5 Kinder von 1000, in Indien, der derzeitigen Hochburg der Homöopathie, liegt sie bei etwa 70-80 Kinder je 1000, das sind konkret etwa 2,2 Millionen Kinder pro Jahr.
Diese Kinder sterben vornehmlich an Infektionserkrankungen, für die die Homöopathie keine Therapiemöglichkeiten bietet. Aber sie sterben auch an mangelhafter medizinischer Grundversorgung und an Unterernährung.

Haben Sie mal daran gedacht, die Kosten für eine völlig überflüssige homöopathische Anamnese ihres Schnupfens nicht ihrem Heilpraktiker in den Rachen zu schmeißen, sondern das Geld auf ein Spendenkonto zu überweisen ?

Pianoman

Graf Zahl

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #8 am: 16. September 2009, 19:30:13 »
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/09/wieviele-menschen-sind-gerade-im-weltraum.php#comment56372
Zitat
...

Author Profile Page Florian Freistetter· 14.09.09 · 22:54 Uhr

@Proisel: Das "Wegen der Raumfahrt sterben in Afrika die Kinder"-Argument ist leider genauso weit verbreitet wie dumm. Und seltsamerweise hört man es immer nur dann, wenn es um Raumfahrt bzw. Wissenschaft geht. Nie sagt jemand: "In Afrika verhungern die Kinder aber Bayern München gibt Millionen für nen neuen Fußballspieler aus" oder "In Afrika sterben die Kinder aber Stefan Raab verschenkt einfach so 500000 Euro im Fernsehen". Wissenschaft ist nicht teuer!. In so ziemlichen allen anderen Bereichen wird deutlich mehr Geld ausgegeben und verschwendet. Aber bei der Wissenschaft meckern alle und beschweren sich. Und von diesen Nörglern scheint niemand zu begreifen, dass nur Forschung (und dazu gehört vor allem Grundlagenforschung und eben auch Raumfahrt) die Möglichkeiten eröffnen kann, die großen Probleme der Welt dauerhaft und vernünftig zu lösen. Oder meinst du, es reicht einfach, ein paar Mille nach Afrika zu schicken und alles wird gut?

Graf Zahl

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #9 am: 21. Oktober 2009, 01:56:50 »
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/10/homoopathiestudium-in-magdeburg-alles-nicht-so-schlimm-leider-nicht.php#comment61559

Zitat
Bundesratte· 20.10.09 · 19:37 Uhr

Jürgen 20.10.09 · 13:35 Uhr:
>Wenn Du, was schon wieder nur von theoretischem Wert ist, zwei unbekannte
>Hochpotenzen unterscheiden möchtest, müsstest Du sie an Gesunden testen.

Äh,... wie diagnostizieren Homöopathen Gesundheit?

Verlassen sie sich da etwa doch auf den Allgemeinmediziner?

Oder kann es die eigene "Anamnese" richten?
Schauen wir mal nach, hier der Anamnese- Bogen eines HPs:
http://www.homoeopathie-heilpraktiker.de/Bilder/homoeopathischer-Fragebogen-Anamnesebogen.pdf

Auszug:

"(...)
8. Die folgenden Fragen dienen dazu, Beschwerden, die nicht zur Hauptbeschwerde gehören
zu erfassen:
9. Leiden Sie oder haben Sie einmal unter Kopfschmerzen oder anderen Beschwerden im
Kopfbereich gelitten?
10. Bestehen oder bestanden Augenbeschwerden?
11. Bestehen oder bestanden häufig Schwindelgefühle?
12. Leiden oder litten Sie unter häufiger Müdigkeit?
13. Haben Sie schon einmal unter Ohrenschmerzen gelitten, oder leiden Sie unter
Ohrenschmerzen?
14. Bestehen oder bestanden Beschwerden im Nasenbereich?
14. Gab es einmal, oder gibt es Probleme mit den Nebenhöhlen?
16. Sind im Mundraum Beschwerden aufgetreten (Zungenbelag, Herpes, Zähne und
Zahnfleischerkrankungen...)?
17. Gab es oder gibt es Probleme mit den Mandeln?
18. Bestehen oder bestanden Beschwerden im Rachenraum?
19. Sind Schilddrüsenbeschwerden bekannt?
20. Sind Lymphknoten bzw. Drüsen geschwollen?
Lokalisation?
21. Haben oder hatten Sie Herzprobleme?
22. Besteht, oder bestand ein niedriger oder erhöhter Blutdruck? (Bitte Wert angeben wenn
bekannt.)
23. Bestehen oder bestanden Lungenbeschwerden?
24. Gab oder gibt es Beschwerden mit den Bronchien?
25. Hatten oder haben Sie Probleme mit dem Magen oder dem Darm?
26. Leiden Sie unter Hämorrhoiden, oder haben Sie darunter einmal gelitten?
27. Bestehen oder bestanden Probleme mit der Leber oder der Galle?
28. Sind Ihnen einmal Besonderheiten bezüglich der Beschaffenheit Ihrer Ausscheidungen
aufgefallen (Stuhl, Harn, Schweiß)?(...)

Ich brech an der Stelle mal ab. Gibt es jemanden, der ausnahmslos alle Fragen mit einem "Nö." oder "Nie gehabt." beantworten kann? Nie Besonderheiten gehabt? "Bestehen oder bestanden", "haben oder hatten", "gab oder gibt" machen es natürlich vollkommen unmöglich als "gesund" klassifiziert zu werden. Selbst nach der "Binnenlogik" (autsch!) sind, wenn der Gesunde nicht absolut gesund ist, die Arzneimittelbilder aller Wahrscheinlichkeit nach Schrott.

Also, verehrte Zuckerschluckis: Woran erkennt ein Homöopath einen Gesunden?

Graf Zahl

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #10 am: 21. November 2010, 01:28:13 »
http://forum.psiram.com/index.php?topic=4993.msg57228#msg57228
Zitat
"Skeptiker" ist so ein hässliches Wort. Ich bezeichne mich lieber als Alternativesoteriker, weil ich Ansichten vertrete, die die dogmatische Schulesoterik nicht wahrhaben will.

Graf Zahl

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #11 am: 23. November 2010, 20:51:21 »
http://www.krebsforum-lazarus.ch/board2-allgemeines-forum/29-peter-zeller-weitere-gemeinsamkeiten-pseudomedizinischer-systeme/

Zitat
Peter Zeller: Weitere Gemeinsamkeiten pseudomedizinischer Systeme

------------------------------------------------------------------------------------
From: Peter Zeller <drzel...@t-online.de>
Subject: Zeller über Pseudomedizin
Date: 1999/12/19
Message-ID: <385C82F2.8D15AF05@t-online.de>
Newsgroups: de.alt.naturheilkunde

3. Teil: Weitere Gemeinsamkeiten pseudomedizinischer Systeme

Analysiert man eine größere Zahl pseudomedizinischer Systeme, kommen unweigerlich Gemeinsamkeiten zum Vorschein, die bei der Analyse des Einzelfalles nicht deutlich werden.

§ 55. Simplizität.

Das Pseudoverfahren ist in aller Regel eine ganz einfache Methode, die die Komplexität biologischer Systeme, die Komplexität der modernen Krankheitslehre schlicht ignoriert. Wenn Popp die Steuerung des Organismus durch Biophotonen postuliert, dann ‘vergißt’ er dabei die riesige Anzahl tatsächlich vorhandener ganz unterschiedlich konstruierter Steuerungsprozesse im biologischen System.
Das Postulat allein genügt nicht, er muß zeigen, daß über elektromagnetische Wellen eine Steuerung und nicht nur eine Beeinflussung biochemischer Reaktionsabläufe tatsächlich stattfindet.
Gleiches gilt für die kritiklose Anwendung von Magnetfeldtherapien. Die nicht gesicherte Verkürzung der Knochenheilung um ein paar Tage rechtfertigt weder Aufwand noch Kosten, schon gar nicht in einer Krankenversorgung, die am Kostendruck zugrunde zu gehen droht.


§ 56. Einfachheit der Theorie.

Wie wir in Teil 2 ausführlich gezeigt haben, bewegt sich der Theoriengehalt der Pseudosysteme zwischen gering und nicht existent. Die Einfachheit der Theorie bedingt zwangsläufig ihre Kürze. Ch 23 heilt Krebs, zwischen Anfangspunkt und Endpunkt der Theorie ist eigentlich nichts. Das meint HUIZINGA, wenn er schreibt: Der Gedanke sucht die Verbindung zwischen zwei Dingen nicht längs der verborgenen Windungen ihres kausalen Zusammenhanges, sondern findet ihn durch ein plötzliches Überspringen, nicht als eine Verkettung von Ursache und Wirkung, sondern von Sinn und Zweck. Ch 23 steht nur symbolisch für ein Medikament, auch wenn es ganz real verkauft wird, und Krebs steht nur symbolisch für die Krebskrankheit. Aber so kann man die Natur nicht beschreiben, die Kausalzusammenhänge sind immer viel verwickelter, weitläufiger, wie man an jeder entwickelten medizinischen Theorie sehen kann. Jede Kurzschlußbeschreibung ignoriert die dazwischenliegenden Phänomene, deren komplexe Zusammensetzung, und ist damit ein Verstoß gegen das Gesetz von SZILARD-BRILLOUIN.
Man unterschätze die Einfachheit nicht, sie ist ein großer Vorteil, denn einfache Systeme sind überschaubar, verständlich, plausibel, dem Patienten leuchten sie ein. Der Patient glaubt beurteilen zu können, was läuft, und er glaubt, mitentscheiden zu können. Durch scheinbar verstandenes aktives Handeln verliert er das bedrohliche Gefühl, der Krankheit ausgeliefert zu sein. Gerade in der Krebstherapie ist das ein ganz bedeutender Aspekt, ein starkes Motiv, das dennoch leicht übersehen wird. Nicht die Wissenschaftlichkeit der modernen Onkologie, sondern die Modalitäten ihrer Ausführung sollten überdacht werden.
Wieso Ärzte derart simple Theorien adoptieren, ist auf Anhieb nicht erklärlich. Ich habe das lange Zeit nicht verstanden. Zufällig traf ich dann eine ältere Ärztin, die gerade eine Veranstaltung der Firma vitOrgan verließ. Sie sagte: Ich wußte gar nicht, daß die Medizin so einfach ist.
Das ist es. Pseudotheorien suggeriereren die Einfachheit der Medizin.
Doch sie ist eben nicht einfach. Sie ist umfangreich, sie ist komplex, jedes Jahr wird sie umfangreicher und komplexer und immer weniger anschaulich. Will der Arzt sein Wissen aktualisieren, dann heißt das ständige, mühsame Arbeit. Manche packen es offenbar nicht. Doch das Behandeln auf der Grundlage eines veralteten Wissens verträgt sich nicht mit dem ärztlichen Selbstverständnis. Sie geraten in einen zunehmend bedrückenden Gewissenskonflikt, das schlechte Gewissen drückt auf die Seele. Dann ist das Überwechseln zur Einfach-Theorie eine Befreiung, eine Erlösung.


§ 57. Nachahmung.

Viele Pseudoverfahren haben einen oder mehrere Vorläufer in der Geschichte. Die Imitate werden mit modernen, hochtrabenden Namen versehen, die die Aktualität der Methode signalisieren sollen. Praktisch ist das allemal. Man muß nichts Neues erfinden, in gewisser Weise ist die Methode schon erprobt, der Vertreiber kann die Gefahren kalkulieren.
Das ist überhaupt ein besonderes Kapitel. Wegen der überaus großen Komplexität des menschlichen Organismus ist dieser schlecht oder gar nicht kalkulierbar, wenn ihm neue Substanzen zugeführt werden; man erlebt sehr schnell unangenehme Überraschungen, wie das ja auch immer wieder in der seriösen Medizin passiert, wo dann ein neues Medikament nach kurzer Zeit vom Markt genommen werden muß. Dabei versucht die seriöse Medizin alles, solche Unerfreulichkeiten zu verhindern, indem neue Wirkstoffe von Zellkulturen über Bakterien, Nagetiere, Katzen, Hunde und Pferde bis hin zu Menschenaffen getestet werden (ausführliche Darstellung: NAGEL in NAGEL/SCHMÄHL, 1984, S. 151f). In der Pseudomedizin gibt es dazu nichts Vergleichbares, meist wird ohne jede Prüfung sofort therapiert.
Diese Situation ist außerordentlich unbefriedigend, aber der Gesetzgeber hat das seine dazu getan, indem er in einem besonderen Zulassungsverfahren die Anforderungen an ein Therapeutikon dann drastisch senkt, wenn es nur als ganzheitlich oder biologisch oder dynamisch-metaphysisch deklariert wird. Manchem Vertreiber ist das noch zuviel - er bringt dann seine Pseudo-Medizin als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt. So wurden Laetrile und Krebiozen zu Laetrile-Diät und Krebiozen-Diät, nur um die Vorschriften der FDA zu umgehen.
Zurück zum Thema: Dem Erfinder kann also nichts Schlimmeres passieren, als daß seine Methode reihenweise Schäden oder sogar Tote produziert. Es ist aber gar nicht so einfach, etwas wirklich Unschädliches zu finden.
Für die Erfinder ist das ein echtes Problem. Deshalb wird oft auf extreme Verdünnungen ausgewichen, jenseits der LOSCHMIDTschen Zahl wie in der Homöopathie, oder es wird gleich destilliertes Wasser verabreicht wie bei Koch oder Klehr, davon erfährt der Patient aber nichts.


§ 58. Die Rolle der Autoritäten.

Beliebt ist das Argumentieren mit Autoritäten. Da wird nicht die Methode bewiesen - die Methode soll deshalb richtig sein, weil eine wissenschaftliche Autorität in irgendeinem Zusammenhang mit dieser Methode steht. So soll Rillings Spektralanalyse des Vollbluts zur Krebskontrolle deshalb richtig sein, weil die Spektralanalyse selbst von KIRCHHOFF und BUNSEN, sicherlich echte Autoritäten, entwickelt wurde. Das polare Krankheitsbild der Anthroposophen soll, so der Anthroposoph Wolff, deshalb richtig sein, weil vor allem Goethe die polare Betrachtungsweise vertreten hat.
Legion sind die falschen Autoritäten: HAHNEMANN für die Homöopathen, Steiner für die Anthroposophen. Der Physiker Capra wird immer dann zitiert, wenn die Ergebnisse der modernen Physik als Beweis der Pseudomedizin dienen sollen. Die Paradigmentheotrie des Physikers Kuhn wurde euphorisch begrüßt; seither sehen sich die Pseudologen als die Vertreter des neuen Paradigmas, der neuen wahren Wissenschaft. Man fragt sich dann schon, weshalb eigentlich das fast 200 Jahre alte Paradigma der Homöopathie jetzt ausgerechnet das neue sein soll. Von Pseudo-Autoritäten wimmelt es geradezu in der Pseudomedizin, so daß wir das Thema nicht weiter ausführen müssen.
Gibt es keine Autorität, dann schafft man eine. So hat nach Schendel der Wiener Physiologe und Ordinarius Durig seinen Diabetes erfolgreich durch Bergwanderungen geheilt, was für Schendel, Regierungsdirektor im niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Verkehr, dann der Beweis dafür ist, daß die schulmedizinische Behandlung mit Insulin einen Letalfaktor darstellt, den Patienten also zu Tode bringt (Biol. Medizin Heft 6 S. 433, 1992). Sicher ist, daß bei einem insulinpflichtigen Diabetes der Patient ohne sein Insulin stirbt. Eine solche Verdrehung der Wahrheit kann nur aus Bösartigkeit entstehen.
Schendel war die treibende Kraft, daß sein Minister das Dokumentationszentrum für Naturheilweisen in Dortmund, eine rundum pseudomedizinische Veranstaltung, mit 4 Millionen Steuergeldern subventioniert hat, zur Förderung der mittelständischen Wirtschaft (Zitat).
Für Rilling ist der geniale Wiener Physiker Kracmar, den allerdings außer Rilling keiner mehr kennt, dessen Steckenpferd die Medizin war, Garant für die Richtigkeit der Biotonometrie bei der Krebskontrolle (Rilling: Alternative Krebsdiagnostik. In: Nagel et al. 1985).
WILHELM ROSER und CARL AUGUST WUNDERLICH gründeten 1842 das Archiv für physiologische Heilkunde. Im Geleitwort schreiben sie: „ ...Während man gleichgültig gegen eine Lehre war, die zum erstenmal Etwas von mathematischer Sicherheit in die Medizin einzuführen versprach, verfehlte man nicht, eine Reihe irrationaler Zeichen auf die Autorität von Griechen und Arabern nachzuschleppen, und neue von gleichem Werth, wenn sie nur durch einen anerkannten Titel des Beobachters sich empfahlen, eilfertigst zu adoptiren. Die Statistik hat in der neuern Zeit das Verdienst erworben, eine gutePartie der einst für „pathognomonisch" erklärten Zeichen in ihrer Nichtigkeit aufzuzeigen, und manche hypothetische Krankheitsursachen: Erkältungen, Wetterveränderungen u.s.w. als ganz unbegründet darzustellen. Sie hat, indem sie den nominellen Autoritäten die gewichtigere Autorität der Zahlen entgegen setzte, gezeigt, wie wenig berechtigt das bisherige Zutrauen auf jene Versicherungen war, und wie selten manche Zeichen bei gewissen Krankheiten wirklich vorkommen, bei denen sie der gute Glauben der alten Zeit nie fehlen ließ." (Nebenbei verweise ich auf die Schönheit der Sprache, die man in modernen wissenschaftlichen Arbeiten so schmerzlich vermißt.)


§ 59. Die Breite der Indikation.
Viele Pseudoverfahren sollen gegen alle Krankheiten helfen. Es gilt das MMG, das modifizierte Musketiergesetz „Eines für Alles". Homöopathie und Anthroposophie behandeln grundsätzlich alle Krankheiten und auch noch die, die sie hinzuerfinden.
Und wenn schon nicht alle, dann wenigstens wie bei Abrams die Volkskrankheiten - Rheuma, Syphilis, Tuberkulose - oder wenigstens alle Krebskrankheiten. Der Neuraltherapeut Dosch propagiert 317 Indikationen für die Neuraltherapie.
Aus der Sicht des Vertreibers ist das ja auch ganz sinnvoll. Was nützte es, ein Mittel gegen die Haarzellenleukämie zu erfinden? Da handelte man sich nur Schwierigkeiten ein und würde nichts verdienen. Weltweit gibt es fünf Patienten mit Haarzellenleukämie.


§ 60. Mimikri.

So sehr die Pseudomediziner mit Unterstellungen und Insinuationen die Medizin bekämpfen, so sehr tun sie doch alles, die äußere Erscheinungsform der Medizin bis in die letzte Einzelheit zu kopieren. Sie gründen Vereinigungen und Gesellschaften, Konventikel, wie JASPERS sagt, die sich nur im Namen und nicht im Tun an die seriösen Medizin-Gesellschaften anlehnen, dort ist man unter sich und braucht fremde Kritik nicht zu fürchten, sie gründen ihre Zeitschriften und Verlage, die nur das Genehme veröffentlichen, ihre Fortbildungsveranstaltungen wie die Pseudomedizinische Woche Baden-Baden, wo sie sich öffentlich und werbewirksam darstellen können - so entsteht eine ganze POTEMKINsche Megalopolis mit der Fassade wissenschaftlicher Ehrbarkeit, so entsteht eine heile Welt der Scharlatanerie, aus der der Kritiker tunlichst entfernt wird. Der Heilpraktiker im weißen Kittel, mit dem Stethoskop in der Tasche, ist die Metapher der Sinnlosigkeit.


§ 61. Stiftungen.

Eine besondere Form der Gesellschaftsbildung ist die Gründung einer Stiftung. Sie geschieht immer dann, wenn die Methode eine größere Verbreitung erreicht. Sinn der Stiftungsgründung ist das Hinausschleichen aus der juristischen Verantwortung, denn im Gegensatz zum Einzelnen kann die Siftung schlecht belangt werden, so daß der Gesetzgeber hier eine sinnvolle Aufgabe hätte, die er wie üblich ignorieren wird.


§ 62. Gründung eigener Kliniken.

Die Gründung eigener Kliniken und Institute erfolgt immer dann, wenn die Verbreitung der Methode eine ausreichende finanzielle Basis geschaffen hat.
Beispiele sind Hoxsey in Dallas, Abrams und Koch in Chikago, die Anthroposophen mit der Filderklinik bei Stuttgart und Arlesheim bei Basel, Kisseler im Schwarzwald, Klehr in München und Bad Heilbrunn. Eigene Kliniken haben den angenehmen Nebeneffekt, daß man die Kontrolle durch die Medizin nicht fürchten muß.


§ 63. Die Umkehrung als Methode.

Zu neuen pseudowissenschaflichen Theorien kommt man am einfachsten, wenn man die auf den Kopf gestellte Wissenschaft als neue Theorie ausgibt.
Schon das paracelsische dosis facit venenum beschreibt, wie die Wirkung mit steigender Dosis ansteigt bis zur Giftwirkung. Die Homöopathie übernimmt dann die Isopathie des PARACELSUS, Herz zu Herz und Hirn zu Hirn, das similia similibus; doch die Dosis-Wirkungsbeziehung stellt sie auf den Kopf und behauptet, die Wirkung steige mit der Verdünnung an, erfindet dafür den Term Potenzierung.
In der Wissenschaft nimmt das Auge Strahlen auf, nach Curry, dem Erfinder des Erdstrahlen-Diagonalnetzes, sendet das Auge Strahlen aus.
Von da ist es nicht weit zur Psychophotographie des Ted Serios. Der Gelegenheitsarbeiter machte 1970 von sich reden, weil er nur mit der Kraft der Gedanken unter Verwendung eines Pappröhrchens zur besseren Konzentration Bilder auf die fotographische Platte bannen konnte. Der Schwindel wurde entlarvt; im Pappröhrchen befand sich ein kleines Dia des ‘Psychofotos’ (PROKOP in OEPEN, PROKOP 1986). Vor einigen Monaten brachte das esoterische Periodikum raum&zeit einen Artikel über Psychofotographie mit Serios als triumphalen Beweis gegen eine ignorante Wissenschaft - von der längst erfolgten Entlarvung erfuhr der Leser nichts.


§ 64. Die Verdrehung der Wahrheit.

Die Umkehrung oder Verdrehung der Wahrheit ist allgegenwärtig, sie kommt auf jeder Ebene und in jeder Form vor.

Daß WILLIAM HARVEY die Bedeutung des Blutkreislaufs entdeckt hat, war ein großer Fortschritt für die Medizin. Doch dann kommt Steiner und sagt Es ist ein grobes Mißverständnis der Medizin, daß das Herz eine Pumpe sein soll (Steiner 1921).

Wolff, der medizinische Exeget Steiners, schreibt (a.a.O. 1982, S. 10):
(1) Die Tatsache, daß Entzündung und Krebsbildung etwas miteinander zu tun haben, ist in der Vergangenheit von sehr vielen Seiten konstatiert worden, und zwar so gut wie immer mit dem Ergebnis, daß ein gewisser Antagonismus vorliegt, d. h. daß diese beiden Pole Gegenspieler sind.
(2) So zeigte sich, daß eine Neigung zu Entzündungen bei einer Krebskrankheit etwas Seltenes ist, daß Krebskranke auch eine gewisse Immunität gegen bestimmte Infektionskrankheiten besitzen
(3) und vor allem, daß die wenigen Fälle von Spontanheilung bei Krebs zumeist im Gefolge einer hochfieberhaften Krankheit eintraten.

Jeder dieser Sätze ist falsch.

(1) Seit langem weiß man, nachzulesen in den Lehrbüchern der Pathologie, daß die chronische Entzündung der Haut, der Bronchialschleimhaut, der Magenschleimhaut zur krebsigen Entartung der Zelle führen kann.
Chronische Entzündungsvorgänge in der Leber können das Leberzellkarzinom auslösen. Die chronische Toxineinwirkung auf das Pankreas führt über die chronische Entzündung zum Pankreaskarzinom.
(2) Die Leukämie beim Kinde zeigt häufig eine Entzündung des Halses als Erstmanifestation. Die sog. opportunistischen Infektionen treten bei allen Krebserkrankungen mit Schädigung des Immunsystems auf und sind gerade deshalb als nosologische Gruppe zusammengefaßt worden.
(3a) Spontanheilungen sind überhaupt nicht selten; nach Schätzungen heilen 40% der Tumoren des Magen-Darm-Trakts spontan ab, bei den Tumoren anderer Bereiche liegt der Prozentsatz niedriger; beim bösartigsten Tumor des Menschen, dem malignen Melanom, beträgt die Spontanheilungsrate der Erstmanifestation immerhin noch 4 Prozent, die der Zweitmanifestation noch 1 Prozent!
(3b) Daß Spontanheilungen im Gefolge einer hochfieberhaften Entzündung aufträten, ist eine glatte Erfindung. Wolff variiert hier einen ebensowenig zutreffenden Satz von HAHNEMANN, daß eine Krankheit zuweilen durch das Hinzutreten einer weiteren Krankheit geheilt werde. Es gibt sicherlich Merkwürdigkeiten in der Medizin, aber diese Merkwürdigkeit gibt es nicht.

Wenn der Krebs in der Wissenschaft zum Tod führt, dann wird er bei Hamer zum Heilungsprozeß. Die Umkehrung wissenschaftlicher Erkenntnisse ist eine beliebte Methode, zu pseudowissenschaftlichen Theorien zu kommen. Methodisch gesehen ist es die Negation der Beobachtung am Phänomen, geschichtlich gesehen das Beharren auf der Negation als Erkenntnismethode des naiven Weltbilds.
Wenn die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr bildet, wird der Patient krank und stirbt, wenn er das Insulin nicht zugeführt bekommt. Für Schendel ist die Substitutionstherapie (mit Insulin) selbst insofern ein Letalfaktor, als sie den Patienten auf Dauer von der Substitution abhängig macht (Biol. Medizin Heft 6 S. 433, 1992). Das ist falsch. Die Substitution macht nicht abhängig, das fehlende Insulin macht die Substitution notwendig. Aber Schendel kommt es nur darauf an, die beiden Worte Insulintherapie und Letalfaktor in einem Satz zusammenzubringen.
Landsberger: Chemotherapie: eine Geschichte von Leid, Qual und Erfolgsarmut mit zum Teil rücksichtlosem Experimentieren mit Menschen.
Sie hat nur wenige Erfolge zu verbuchen ... Zytostatika haben nur marginale Erfolge (a.a.O.). Wahrheit ist, daß die Hälfte aller Krebserkrankungen geheilt werden kann. Mit Heilung ist dabei nicht, wie immer wieder unterstellt, die 5 Jahres-Heilung gemeint, sondern echte Heilung, also Freiheit von der Krebskrankheit. Landsberger der Facharzt für Rufmord? So wird dem Kranken auch das Vertrauen in die Medizin gestohlen.

Eine ganz andere Form der Verdrehung schildert BLEULER. Eine Zürcher Kauffrau wollte heilerisch tätig werden. Der Magistrat verlangte eine Überprüfung durch die Ärzte des Burghölzli, also des psychiatrischen Krankenhauses des Kantons. Die Ärzte fanden schnell heraus, daß die Kauffrau bar jeden medizinischen Wissens war, meinten aber, sie werde trotz der Abstrusität ihrer Vorstellungen wohl keinen Schaden anrichten.
Tags darauf nagelte die Kauffrau ein Schild an ihre Tür: Von den Ärzten des Burghölzli geprüft.

Graf Zahl

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #12 am: 23. November 2010, 20:52:43 »
http://www.krebsforum-lazarus.ch/board2-allgemeines-forum/29-peter-zeller-weitere-gemeinsamkeiten-pseudomedizinischer-systeme/

Fortsetzung:
Zitat
§ 65. Mangelnde Prinzipientreue.

Mit der Entwicklung der wissenschaftlichen Medizin entstanden immer mehr valide Argumente gegen die Homöopathie. Die Homöopathen sahen sich in einen ständigen Verteidigungskrieg gezwungen, mußten ständig neue Regeln und angebliche Gesetzmäßigkeiten erfinden, um dem Todesstoß durch die Wissenschaft zu entgehen. Eines dieser Dogmen war die Lehre von der feinstofflichen Wirkung der Homöopathie, so feinstofflich, daß sie wissenschaftlich prinzipiell nicht beweisbar sei.
Dann kam Benveniste. In Nature veröffentlichte er einen Artikel über die Degranulation von basophilen Leukozyten, der nahelegte, daß ein Wirkstoffeffekt auch noch bei D200 auftritt. Sofort brach allgemeiner Jubel aus - endlich war die Wirkungsweise der Homöopathie wissenschaftlich bewiesen, von Feinstofflichkeit und prinzipieller Nichtbeweisbarkeit war plötzlich keine Rede mehr.
Dann kam RANDI zu Benveniste, von Nature geschickt, und deckte in wenigen Tagen auf, daß Benveniste seine in fünf Jahren gesammelten Ergebnisse nicht reproduzieren konnte (lesenswerter Aufsatz von RANDI in KÖBBERLING).
Aber jetzt, einige Jahre später, werden wieder die Ergebnisse von Benveniste zitiert, die Aufklärung durch RANDI wird verschwiegen - das ist die Wahrheitsliebe der Pseudologen.


§ 66. Das Leugnen der Beweispflicht.

Wie mit der Wahrheitsliebe ist es auch mit der Beweispflicht, aus der Naturbeschreibung läßt sie sich nicht ableiten, sie ist eine gesamtgesellschaftliche Forderung: Die Beweispflicht liegt beim Behaupter.

Die Pseudologen beklagen heftig das Desinteresse der Wissenschaft an ihren ‘Entdeckungen’, selbst wollen sie sich aber um die Aufdeckung von Wirkmechanismen nicht kümmern. Lieber steigt man sofort in den Vertrieb ein.
Was soll auch Forschung, die nur Geld kostet, nur Zeitverluste einbringt, die am Geldverdienen hindern.

Daß über die biologischen Mittel oft zu wenig kontrollierbare Daten vorliegen, ist auch die Schuld derjenigen, die saubere Erfahrungen nicht zur Kenntnis nehmen, geschweige denn sie einer sauberen Prüfung unterziehen schreibt der Heidelberger Anatom Landsberger im Grußwort zum 6. Arzt-Patienten-Kongreß über Tumornachbehandlung (1990) und will so wie üblich die Beweislast der Schulmedizin unterschieben. Was sind wohl saubere Erfahrungen? Die Untersuchung von NAGEL und SCHMÄHL (1984) zeigt jedenfalls, daß als saubere Erfahrungen immer die gleichen Fehler gemacht werden: Einzelfallbeschreibung, fehlende oder unzureichende Dokumenation, Fehlen prospektiver doppelblinder Studien u. s. f. Ein weiteres kommt hinzu: Kaum macht die Wissenschaft einmal ernst mit der Nachprüfung, wird diese von der Pseudomedizin regelrecht boykottiert und behindert.
Müssen die Pseudologen wirklich einmal beweisen, z. B. vor Gericht, dann beweisen sie eh lieber und auch erfolgreicher mit Zeugenaussagen die Wirksamkeit der Methode. Steht man aber vor Gericht, weil man wegen Nebenwirkungen verklagt wurde, erklärt man im Brustton der Überzeugung, auch der überdurchschnittlich unterbegabte Laie müsse sofort erkennen, daß die ‘Methode’ völlig wirkungslos, also auch nebenwirkungsfrei sei (WIMMER in PROKOP/WIMMER).


§ 67. Die Verschwörungstheorie.

Normalerweise meiden die Pseudologen die diskursive oder argumentative Auseinandersetzung mit der Wissenschaft. Ist sie doch einmal unvermeidlich, dann präsentieren sie als letzten Trumpf die Verschwörungstheorie. Die etablierte Medizin bilde eine einzige Verschwörung gegen die Alternativen.
Die Medizin bekämpfe die Alternativen nur deshalb, weil sie sich das Geschäft mit den Krebskranken nicht wegnehmen lassen wolle. Da werde in Kauf genommen, daß den Kranken die wirksame Alternativtherapie vorenthalten werde. Der Heidelberger Anatom Landsberger treibt es dann bis zum Rufmord, wenn er behauptet, daß bei der Krebserkrankung von Angehörigen nachts die Kliniker an seiner Haustür um die Mistelspritze bettelten: Sie wissen ja, daß wir da nichts haben! (Biol. Krebsabwehr Nr. 25, Februar 1990).
Leute wie Issels werden dann zu Märtyrern. Nach unserer Darstellung im 2. Teil überlassen wir das Urteil dem Leser.


§ 68. Die Vernebelung der Fakten und Begriffe.

Die Homöopathie in Beweisnot erfindet die Feinstofflichkeit, die halt von der Physik nicht erfaßt werden könne. Dabei kann die Physik sogar stofflose Dinge erfassen; das Photon ist so feinstofflich, daß es gar keinen Stoff mehr enthält und kann doch gemessen werden. Popp zieht die Biophotonen aus dem Hut wie der Zauberer das Kaninchen, die Wärmestrahlung als deren Widerlegung findet dann die Putzfrau nach der Vorstellung unter dem sprichwörtlichen Tisch, unter den Popp sie fallen ließ. In der ganzen neueren Pseudomedizin wimmelt es nur so von Begriffen aus der modernen Physik und sogar Quantenphysik. Ubiquitär ist die Verwendung des Energiebegriffs, der selbstverständlich nie in seiner physikalischen Bedeutung auftritt, aber Wissenschaftlichkeit vortäuschen soll. Die Quantentheorie wird ja im gebildeten Bürgertum als substanzgewordene Wissenschaftlichkeit angesehen.
Nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen vor der letzten Jahrhundertwende erfuhr Strahlung durch die Medien eine weite Verbreitung, nicht als physikalischer Begriff, sondern als magisches Wort; eine neue Krankheit entstand, die Strahlenfühligkeit, die Züge einer Massenhysterie annahm, die Strahlenangst. Als nach der Jahrhundertwende die neue Physik entstand, wurden deren Begriffe ganz selbstverständlich in die Pseudowissenschaft übernommen, auch wenn sie nichts anderes als bloße Garnierung waren, die HEISENBERGsche Unschärferelation sollte plötzlich als Erklärung der Homöopathie dienen:
Aufgrund der Unschärferelation nimmt mit der Potenzierung zwar die Lokalisierbarkeit der Arzneisubstanz ab, dafür wachsen aber ihre Impuls- und Energieschärfe ( Popp FA: Deutungsversuche homöopathischer Effekte aus moderner physikalischer Sicht. Allg homöop Ztg 223, 1978).
Als in den 70ern die Kybernetik modern wurde, tauchte deren Vokabular sofort in der Pseudomedizin auf. Wobei man sich schließlich fragt, weshalb denn biologisch-natürliche Verfahren des Vokabulars einer nackt-materialistischen Physik bedürfen.


§ 69. Die Methode der falschen Etikettierung und das Segeln unter falscher Flagge.

Wenn von Alternativmethoden die Rede ist, hört man auch immer biologisch, natürlich, ganzheitlich. Aber: ein nicht unbeträchtlicher Teil besteht aus der Behandlung mittels Apparaten. Aber auch diese Therapien werden biologisch, natürlich, ganzheitlich genannt.
Wieso?
HAHNEMANN nennt Verdünnen nicht Verdünnen, sondern Potenzieren. Bach bezeichnete seine Nosoden als ‘orale Vakzinen’, also Impfstoffe. Doch seine Nosoden sind keine Impfstoffe, haben damit nichts zu tun. Aber damals wurden die ersten echten Impfstoffe entwickelt, Impfstoffe waren moderne Medizin.


§ 68. Das Heilungsversprechen.

Allen pseudomedizinischen Verfahren gemeinsam ist das völlig unkritische Heilungsversprechen, das fast religiöse Züge annimmt, zum Heilsversprechen wird: Glaube mir, und ich heile Dich, und unausgesprochen bleibt wenn Du zahlst, denn das kostet, sogar viel Geld, aber Deine Gesundheit muß Dir das schließlich wert sein. Jedem wird dieses Versprechen gegeben, auch dem moriturus, in dem der Krebs wuchert, der nach dem Strohhalm greift und auch teuer dafür bezahlt. Nein, sagen die Pseudologen, das ist kein Strohhalm, wir heilen doch gerade die austherapierten Fälle, die die Schulmedizin nicht heilen kann! Nimmt dann die Sache ihren Lauf, wie er nach den Wahrscheinlichkeiten zu erwarten ist, dann wird dem Kranken noch die Schuld dafür in die Schuhe geschoben, denn sein Glaube war eben nicht stark genug, der unverbrüchliche Glaube ist nunmal Voraussetzung dieser besonderen Therapie. Oder schlicht Man hat mich zu spät gerufen.
Jedenfalls, das Versagen der Methode liegt nie an der Methode.
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Dieser Text wurde geschrieben vor 11 Jahren. Er hat nichts von seiner Bedeutung eingebüßt. Im Gegenteil. die heutigen Aktivitäten Kranke parasitierender "Kreise" und "Vereine" folgen genau den Schemata, die Peter Zeller beschrieb.

rincewind

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #13 am: 12. Dezember 2010, 14:15:49 »
http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2010/11/anmerkungen-zur-homoopathie-replik-frass.php?
Dr. E. Berndt· 11.12.10 · 11:56 Uhr

Der Marketingberater Guido Stepken beschreibt vergleicht die Wirksamkeit der Homöopathie so:

... „Die Kopplung einer erfunden Erklärung an sinnlich wahrnehmbares ist typisch für die Mechanismen, wie Glaube aufgebaut wird. Und genau dann, wenn diese in „homöopathischer Behandlung“ sind, „geheilt“ werden, verbinden sie ihre angebliche „Heilung“ kausal mit dem „homöopathischen Heilmittel“, bzw. der „homöopathischen Behandlung“, ein Irrtum, wenn auch kaum ein folgenschwerer. Früher gab es den Ausdruck „gesundbeten“. Jeder der krank war, hat zum „lieben Gott“ gebetet, und – tatsächlich wurde Mensch wieder gesund. Der kausale Zusammenhang war „bewiesen“, weil ja auch „erfahrbar“. Tatsache ist, daß jeder Mensch in den allermeisten Fällen von alleine wieder gesund wird, ohne irgendein Zutun. Es gibt Milliarden Menschen auf der Erde, die fürchterlich alt werden, aber nie auch nur einen Arzt oder Apotheke jemals gesehen haben“ ...

„Als ich wieder einmal spürte, daß meine Kinder Anzeichen einer beginnenden Erkältung zeigten, gab ich ihnen auf Anraten meiner Freundin Globuli, und siehe da, der Schnupfen war diesmal minimal. Schon beim Zahnen haben den Kindern die Globuli so gut geholfen. Wer weiß, was mir nicht alles bei der Geburt passiert wäre, hätte mir die Hebamme nicht Pulsatilla empfohlen.“ Und so weiter und so weiter…

Es liegt in der Natur des Menschen, wo immer es auch nur irgendwie möglich ist, eine Beziehung zwischen der beobachteten oder empfunden Wirkung und einer bestimmten Ursache festzulegen. Unsere Wahrnehmung ist aber nicht auf die Erforschung von wahren Ursachen optimiert, sondern um rasch handeln zu können. Dem zeitlichen Zusammenhang und der Beobachtbarkeit kommt dabei allergrößtes Gewicht zu. Chaos und Zufall sind Eigenschaften, die in unserem Denken keinen Platz haben vor allem dann, wenn es rasch zu handeln galt. Ob mit einer Wahrnehmung oder einer Beobachtung tatsächlich die wirkliche Ursache erfaßt wurde, war nicht wesentlich. Bedeutend für das Überleben war, daß die darauffolgende Reaktion zum Überleben führte.

Dies wurde von den Verhaltensforschern Konrad Lorenz und seinem Schüler Rupert Riedl mit folgendem Beispiel illustriert:

Wenn unsere Vorfahren die hinter dem Gebüsch vorblitzenden schwarzen und gelben Streifen (Wirkung) einem Tiger (Ursache) zuschrieben und sich davonmachten, waren sie gut beraten. Die schnelle Entscheidung, was wohl Ursache der Beobachtung sein könnte, und die daraus folgende Aktion waren lebenserhaltend.
Die diesem Verhalten zugrunde liegende Kausalitätserwartung gehört zu den „angeborenen Lehrmeistern“ (Konrad Lorenz): Die „Hypothese von der Ursache“ enthält die „Erwartung, daß gleiches dieselbe Ursache haben werde. Dies ist zunächst nicht mehr als ein Urteil im voraus. Aber dieses Vorurteil bewährt sich… in einem derartigen Übermaß an Fällen, daß es jedem im Prinzipe andersartigen Urteil oder dem Urteilsverzicht überlegen ist" (Rupert Riedl, 1981).
Angeborene Lehrmeister haben eine Kehrseite: Sie können Denkfallen sein: „Das biologische Wissen enthält ein System vernünftiger Hypothesen, Vorausurteile, die uns im Rahmen dessen, wofür sie selektiert wurden, wie mit höchster Weisheit lenken; uns aber an dessen Grenzen vollkommen und niederträchtig in die Irre führen.“ (Rupert Riedl). Auf die Kausalitätserwartung geht zurück, daß oftmals vorschnell der Pilot, Kapitän oder Lokführer für ein Unglück verantwortlich gemacht wird.

Aus einer einzelnen Beobachtung kann keine Kausalität abgeleitet werden. Und auch mit Statistik allein kann ebenfalls keine Kausalität bewiesen werden. Die Anfänge der wissenschaftlichen Medizin waren geprägt vom mühsamen Weg der Erkenntnis. Aus einzelnen Fallbeispielen wurde die Kausalität abgeleitet. Diese Methode wird Kasuistik genannt. Am Beispiel Witwenbuckel läßt sich zeigen, wie irreführend Kasuistik sein kann. Die in früheren Zeiten immer wieder gemachte Beobachtung, daß Witwen Buckel haben, führte zu der Annahme, daß der Umstand, Witwe zu sein, irgendwie dazu führt, einen Buckel zu bekommen. Und im Namen Witwenbuckel kam diese Annahme auch zum Ausdruck.

Lync

  • Gast
Re: Gute Kommentare
« Antwort #14 am: 20. Januar 2012, 10:16:52 »
Wie würdet ihr hier argumentieren?

Guten Morgen,
die Kritik an alternativen Heilmethoden kommt seit Jahren leider immer aus dem Eck der Chemiebefürworter und-gläubigen, wird meist sogar von großen Pharmafirmen auf dem Umweg über jemand angeblich " Neutralen" gepusht. Und sie liest sich seit Jahren immer gleich.

Man sollte allem mit einer gewissen Kritik gegenüberstehen, aber immer auch daran denken, daß Honöopathie - wenn überhaupt - weit weniger Schaden anrichten kann als leichtfertig angewendete Chemie (wie es leider immer noch viel zu häufig auch bei Menschen vorkommt). Dies gilt allerdings nicht für die Anwendung pflanzlicher Heilstoffe, mit denen muß man sehr wohl Erfahrung haben, aber auch mit ihnen muß der Körper, wenn überhaupt, weit weniger (jaja, die Dosis macht's) entgiftet werden als mit Chemie.
Das Optimum ist ein guter TA, der, so es die Diagnose zuläßt, es zuerst mit alternativer Medizin vrsucht und erst im Notfall zur Chemie greift.