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Autor Thema: Antipsychiatrie  (Gelesen 1366 mal)

RatioTrap

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #15 am: 11. Januar 2019, 17:29:09 »
@perisec
Wie Menschen aus  (jugend-)psychiatrischen Anstalten fliehen oder weglaufen, überlass ich deiner Recherche und Fantasie,
dass sie es tun, ist aber ein Fakt, sonst müssten sie nicht in einer "geschlossenen Einrichtung" "aufbewahrt" werden.
Aber: Szasz hat zum Beispiel mit der Scientology Anwält*innen organisiert, die Richter*innen veranlassten Menschen zu entlassen.
(Wenn Du mit dem Teufel tanzt, benutzt Du nicht den Teufel,...). Die Marginalisierung und Diffamierung, Geldknappheit der Antipsychiatrie die Hilfe erschwerte, hat dieses Bündnis imho erleichtert.

@Sauropode
Antipsychiatrie ist ein Begriff. Der sich historisch entwickelt hat, und neben der absoluten Kritik an Psychiatrie als "totale Institution",
existieren etliche Strömungen innerhalb dieser Schule. Viele dieser Ideen und Antipsychiater*innen haben sich tatsächlich innerhalb der Psychiatrie, aus Patient*innen und Ärzt*innen gebildet und haben eine deutliche Rückwirkung auf die Entwicklung der Psychiatrie gehabt. Soteria, betreute Wohngruppen, Trialog zwischen Psychiatrie-Arbeiter*innen, Familie des Betroffenen und Betroffener selbst.

Der Begriff dient als Oberkategorie zur Zusammenfassung von radikalen Ideen, gemeinschaftlicher Praxis und verschiedenen existierenden Projekten und Vereinen, die in unterschiedlichem Maße Psychiatrie kritisieren und (nicht oder aber auch) mit ihr zusammen arbeiten.

So wie unter dem Begriff Tierschutz, manchmal auch Gruppen entstehen die messihaft Tiere sammeln bis Tierschutzaspekte gar nicht berücksichtigt werden können, so sammeln sich unter dem Begriff Antipsychiatrie auch verschiedene Gruppen und Auslegungen, die mit der Idee nur noch sehr entfernt verbunden sind und manchmal gar nicht.

Das kann auch dazu führen, dass wie bei Szasz jemand als Antipsychiater angesehen wird, der  weder von Lehmann noch von ihm selbst -wenn auch aus unterschiedlichen Motiven- als Antipsychiater anerkannt wird. Andere Leute behaupten das Gegenteil.
Das hat auch etwas mit Wissenschaftspolitik zu tun, ähnlich wie der Begriff SJW oder Darwinist.

Auch die Zuschreibung als Neo-Marxistisch, die in den Quellen gemacht wird, macht deutlich das es in dem Bereich auf allen Seiten eine deutlich gereizte "Kampfstimmung" gibt. N-M dient hier als abwertendes politisches Argument ad Personam statt gegen die Sache und wurde von einem Pathopsychologen geprägt, also ein getroffener Hund.
N-M ist ein populistischer Kampfbegriff genauso wie Antipsychiatrie ein Kampfbegriff, gegen eine esoterische, hermetische Psychiatrie, die einen Raum außerhalb der Gesellschaft aufbaut, ist.

Deshalb kann Scientology den auch so gut benutzen, nur unredlich, um Vertrauen zu zerstören und verunsicherte, ehemalige Psychiatrieinsassinn*en abzugreifen. Was auch funktioniert, weil die Nachsorge nach der Psychiatrie oft nicht so prickelnd ist und Menschen schlechte Erfahrungen in der Psychiatrie machen. Auch wenn das nur ein Promille sein mag, kenne da leider keine
Statistiken.

Um diese "Aufladung" des Begriffs zu mindern und die historische Dimension mit reinzubringen, kam deshalb der Begriff "neue Antipsychiatrie" imho auf.

RatioTrap

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #16 am: 11. Januar 2019, 17:45:12 »
kennst Du den Namen "Baghdad Bob"?

Chapeau, den kannte ich nicht bewusst, willst Du nahelegen es gäbe Parallelen.

Der Bote sagt nichts über die Botschaft aus, naja, jedenfalls selten alles.


Peiresc

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #17 am: 11. Januar 2019, 18:15:53 »
Auch die Zuschreibung als Neo-Marxistisch, die in den Quellen gemacht wird, macht deutlich das es in dem Bereich auf allen Seiten eine deutlich gereizte "Kampfstimmung" gibt. N-M dient hier als abwertendes politisches Argument ad Personam statt gegen die Sache und wurde von einem Pathopsychologen geprägt, also ein getroffener Hund.

1) Och, im Zweifelsfall ist niemand Antipsychiater, auch Basaglia nicht:
Zitat
Er [Basaglia - P.] lehnte in späteren Veröffentlichungen im übrigen den Begriff "Antipsychiater" für sich ab.

2) Neo-Marxistisch
Zitat
Basaglia begriff die Aufgabe des Psychiaters politisch. Er sah den Geisteskranken im Kontext eines gesellschaftlichen Systems, das durch die Widersprüche von Unterdrückern und Unterdrückten gekennzeichnet sei. Psychiatrie ist demnach keine neutrale Wissenschaft, sondern eine Institution der Gewalt, die der Erhaltung einer festgesetzten Norm und nicht den Patienten dient.
[...]
Seine Gedanken sind maßgeblich von Marx, der Frankfurter Schule, Fromm und der außerparlamentarischen maoistischen Linken in Europa beeinflußt worden (146).

[Rechlin T, J Vliegen: Die Psychiatrie in der Kritik: Die antipsychiatrische Szene und ihre Bedeutung für die klinische Psychiatrie heute (1995), S. 28, S. 33]
Zitat
In the meantime, the Italian antipsychiatry movement hooked up with the political Left to form a large political party, “Democratic Psychiatry” (Psichiatria Democratica) that explained diagnosis and confinement of psychiatric patients in terms of the Marxist theory of class. For his efforts, Basaglia became a virtual idol of antipsychiatric forces across Europe.

[Edward Shorter: A Historical Dictionary of Psychiatry (2005), S. 25]

3) Es gibt keine "Pathopsychologen" (das ist nicht neomarxistisch, sondern neologistisch).

Belbo

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #18 am: 11. Januar 2019, 20:04:47 »
Jedenfalls ist die "Szene" recht dubios. Bald 20 Jahre alt.

http://www.psychex.ch/

Ob es da immer um den Patienten oder mehr um so eine Art "Einer flog übers Kuckucksnest"- Ideologie geht?

Eine interessante Diskussion, auch mit dem Vorsitzenden obiger Organisation, einem Roger Borges,  im schweizer Fernsehen.

https://www.srf.ch/sendungen/club/unter-zwang-in-die-psychiatrie

What Skyway promises is not realizable, what Skyway can realize is not saleable.

Peiresc

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #19 am: 11. Januar 2019, 20:10:41 »
Jedenfalls ist die "Szene" recht dubios.

http://www.psychex.ch/


Die reden wenigstens gleich mal Klartext:
Zitat
Spenden bitte dem Verein PSYCHEXODUS überweisen, welcher PSYCHEX finanziert

Verein PSYCHEXODUS, 8000 Zürich, PC-Konto xxx
Banküberweisung: Postfinance, 3030 Bern, IBAN: xxx   BIC/SWIFT: POFICHBEXXX

. Auch Legate sind willkommen.
(meine Hervorhebung).

Typee

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #20 am: 11. Januar 2019, 20:19:03 »
"Legate", damit ihr nicht nachgooglen müsst, sind Vermächtnisse. Auch in der Schweiz nennt man die Dinger so. Ein Vermächtnis macht den Begünstigten nicht zum Erben, sondern räumt ihm nur einen Anspruch gegen den Nachlass in Höhe des Vermächtnisses ein.

Schon etwas gruselig, wohin die die Hände aufhalten.
Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

Belbo

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #21 am: 11. Januar 2019, 20:28:36 »
Jedenfalls ist die "Szene" recht dubios.

http://www.psychex.ch/


Die reden wenigstens gleich mal Klartext:
Zitat
Spenden bitte dem Verein PSYCHEXODUS überweisen, welcher PSYCHEX finanziert

Verein PSYCHEXODUS, 8000 Zürich, PC-Konto xxx
Banküberweisung: Postfinance, 3030 Bern, IBAN: xxx   BIC/SWIFT: POFICHBEXXX

. Auch Legate sind willkommen.
(meine Hervorhebung).


Wenn man sich da durchgoogelt sind sie dann alle gleich wieder da, die youtubekanäle von Frau Christidis, der Väterbewegung, diverse Reichsbürger...... Mollath natürlich....., ich halte den Psiramartikel desshalb wirklich für wichtig, dem was sich da als Antipsychiatriebewegung bezeichnet  geht es aus meiner Sicht nämlich meist nicht um die Patienten und deren Gesundung sondern um ein eher verschwörungstheoretisches Weltbild das durch unreflektiertes Psychiatriebashing verteidigt werden muss.
What Skyway promises is not realizable, what Skyway can realize is not saleable.

Peiresc

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #22 am: 12. Januar 2019, 00:16:22 »
kennst Du den Namen "Baghdad Bob"?

Chapeau, den kannte ich nicht bewusst, willst Du nahelegen es gäbe Parallelen.

Nein, wie kommst Du denn darauf:grins

RatioTrap

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #23 am: 12. Januar 2019, 03:58:40 »

@ psirec

Danke für die Microagression, das ist sehr nah an einem Double-Bind, wenn es vllt. nur als
liebe sarkastische Neckerei gemeint ist,... ich finde den Austausch auch anstrengend, aber wichtig s.u.
Und ein bisschen Spaß ist immer dabei.

@ Thema

Es gibt keinen Eintrag für Katholizismus,  und die sind auch dubios und treiben organisiert
Legate ein. Zweierlei Maße? Wie hieß der Bau-Bischof?

Es ist übrigens ein ziemliches Derailing, was da einige Betreiben die weder die Quellen verfolgen,
und nicht gegen meine Argumentation sprechen oder darauf Bezug nehmen.

Sonst wäre aufgefallen das patho-psychologisch ein Terminus ist, den der Verfasser des neo-marxistisch,
selbst für seine Arbeiten benutzt. Neo-Marxistisch ist übrigens ganz offensichtlich ein NEOlogismus  und ein Kampfbegriff oder nicht?
Getroffener Hund weil Pathos Krankheit Psychologe Psychiatriebefürworter aus eigenem Interesse schon.
Neo-Marxistisch, deshalb weil er auf der Sachebene Gefahr liefe eristrisch aber vor Allem rhetorisch untergebuttert zu werden.

Und ich habe auch nicht abgestritten, das es Beziehungen zwischen verschiedenen linken, emanzipatorischen
Ideen und Gruppen und Patientenkollektiven gab und gibt. Das neo-marxistisch bezieht sich aber eher auf Fromm, der Marx in seiner
Auffassung von Historischer Selbstbedingtheit reproduziert und sonst eher breiten Kanon an Bezugswuellen hatte. Marxistische also
kader-gruppen Kommunismus hat zu den Ideen höchstens so stark gehört, wie anarchistische oder syndikalistische, aber eher viel weniger.

Du kannst dich mal mit der Psychiatriegeschichte in der Sowjet Union auseinandersetzen. Oder Du bleibst hier bei der dt..

Übrigens habe ich immer wieder darauf hingewiesen, dass es mir nicht darum geht Antipsychiatrie zu entfernen,
oder nicht kritisch zu betrachten, sondern im Artikel klar zwischen Scientology und (sozialistischen) Patientenkollektiven
zu unterscheiden, weil das zwei Gruppen sind die sich kennen und Spinnefeind sind. Evtl. auch bloß wegen den
Aktionen von Esowatch. Aber eher schon ideologisch und durch den teilweise gleichen "Markt".

Der Bundesverband Psychiatrie-Betroffener hält den Dialog mit der AP jedenfalls  aufrecht.

Ich habe also mitgeschnitten:

Patientenverfügung muss dargestellt werden

Ärztebashing (vorallem da wo es ins Hate-Crime geht bzw. schizoide Vergleiche mit Mord und NS gezogen werden)
(obwohl sowas ja symptom psychischer Krankheit sein soll)

Ein Medi-Disclaimer, das eine psychiatrische Behandlung eine medizinische Versorgung ist, die nicht ohne Rücksprache
mit behandelnden Ärzt*innen abgesetzt werden sollte. (Das Bedürfnis haben viele "Patienten" deshalb machen sie es auch)

Die Verknüpfungen die es zwischen Scientology und SozPatKols gab

Und das im Minimum CCHR und KackVP noch heute U-Bote sind und es weitere geben könnte.

Wie gefällt Euch denn was ich bisher erarbeitet habe, der geschichtliche Überblick und der Anfang der Kritik?

Arbeitet hier eigentlich wer im psychiatrischen Umfeld oder ist anders Betroffen, oder woher kommt die skeptische Pose,
aus einer übernommen Haltung oder aus skeptischer Analyse.

Immerhin werden hier Bilder und Klarnamen veröffentlicht, was ich nicht per se schlecht finde, aber eine ernsthafte
Prüfung sollte in solchen Fällen stattfinden. Und Kein "Du hast dir aber ein neues Wort ausgedacht" als Ablenkung.
Was kommt als nächstes Rechtschreibfehler? Sarkastische Biographie Einwürfe ob meines Stils. Bleibt doch bei
der Sache und lasst uns den Artikel gemeinsam kritisch überarbeiten.

Bin ich eigentlich der Troll oder wer? Nicht löschen/kick/bann, ich bin doch produktiv, oder sowas ähnliches.
Bin nicht an Diskordianismus interessiert, sondern einer sachgerechten Prüfung. Mein Stil hat aber Trollige Elemente,
dafür gibts noch keine Pillen und so schlimm is es doch auch nicht. Kein oder an dieser Stelle ;)

Der Großteil des Inhalts (abgesehen von dem der sich auf Scientology bezieht)stützt sich auf Sachverhalte die vor
über 13 Jahren recherchiert sind. Die Stellungnahme die Herr Lehmann dazu schon vor Jahren abgegeben hat, ist
weder editorial eingearbeitet worden, noch ist sie überhaupt erwähnt. Und darin erscheint er eher nicht wie einer aus
der Männerrechtsbewegung sondern wie einer aus der Männerbewegung und eher als ein Anti-Imp als ein Reichsdeutscher.

Das wird schon so einer von den Spinnern sein, ist keine skeptische Argumentation.

Dann sagt lieber der Text den du bisher eingereicht hast, ist absoluter Müll / braucht Format/Quelle/
ist da und da zu unkritisch, hier fließt subtil Meinung ein oder was Ihr per ratio auszusetzen habt.

geruhsame Nacht Euch
RatioTrap

RatioTrap

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #24 am: 12. Januar 2019, 04:09:04 »
Jedenfalls ist die "Szene" recht dubios.

http://www.psychex.ch/


Die reden wenigstens gleich mal Klartext:
Zitat
Spenden bitte dem Verein PSYCHEXODUS überweisen, welcher PSYCHEX finanziert

Verein PSYCHEXODUS, 8000 Zürich, PC-Konto xxx
Banküberweisung: Postfinance, 3030 Bern, IBAN: xxx   BIC/SWIFT: POFICHBEXXX

. Auch Legate sind willkommen.
(meine Hervorhebung).

Ich hab die Seite jetzt nicht groß geprüft, du aber auch nicht.
Aber besonders aufdringlich finde ich das nicht.
Wie soll sich der Verein sonst finanzieren? So wie Lehmann mit Bundesmitteln?

Bevor Du Daten verbreitest solltest Du imho, deine Quellen kennen.
Sonst wirst Du wohl einer der Faktoren zur Reproduzierbarkeits-Krise.

 

Peiresc

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #25 am: 12. Januar 2019, 13:43:59 »
Wie Du auch an meinem Kommentar sehen kannst, machen die Leute -in dem Fall ich- viel
zu häufig den Fehler Internet Seiten einfach zu kopieren.
An dieser Stelle ist jede ernsthafte Diskussion schon zu Ende. Das ist ein absolutes no-go. Alles Weitere kann dann nur noch Geschwafel sein; kenntlich auch daran, dass Du so gut wie nie eine Quelle für Deine „Erkenntnisse“ nachlesbar präsentierst (bibliographisch brauchbare Quellenangabe oder Link).

Deswegen sind alle meine Erwiderungen nur noch spielerisch. Ich entschuldige mich … na, eigentlich nicht  ;).

Dein „Textvorschlag“ ist ein einziges Wirrwarr. Er ist in sich widersprüchlich und besteht aus beleglosen, „gefühlten“, Sätzen, die absolut keinen Sinn ergeben, egal wie man sie auch dreht und wendet. Das andere sind Sätze und Satzfragmente, die z. B. aus der WP hineinkopiert worden sind. (Der WP-Artikel ist völlig ungeeignet als repräsentative Darstellung, er ist allenfalls als Ausgangspunkt für eine eigene Recherche brauchbar). Ich will da keinen Punkt herausstellen, weil der Vorschlag ohnehin nicht zu retten ist.

Zu #23.
Zu Deinen Gunsten nehme ich mal an, dass Du Deine Beiträge, nachdem Du sie „verfasst“ hast, nicht nochmal durchgelesen hast. Das ist streckenweise Kraut und Rüben. Ich nehme nur die ersten paar Sätze, um das zu verdeutlichen.
das ist sehr nah an einem Double-Bind
Es ist schon deshalb kein Double-Bind, weil es kein Bind ist.

Es gibt keinen Eintrag für Katholizismus
Wahrscheinlich, weil wir Ordenskutten tragen?

Neo-Marxistisch ist übrigens ganz offensichtlich ein NEOlogismus  und ein Kampfbegriff oder nicht?
Offenbar verbindest Du weder den einen noch den anderen Begriff mit einer klaren Vorstellung von seinem Inhalt. Dabei würden 2 Sekunden Googelei dafür genügen, Dich aufzuklären.
https://de.wikipedia.org/wiki/Neomarxismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Neologismus
Ich kann Dir diese geringe Mühe nicht abnehmen. Neomarxismus ist kein Neologismus, aber „Pathopsychologie“ schon (jedenfalls funktionell).
usw.

PS.
Die Stellungnahme die Herr Lehmann dazu schon vor Jahren abgegeben hat, ist
weder editorial eingearbeitet worden, noch ist sie überhaupt erwähnt.
Was sagt denn der Herr Lehmann in seiner Stellungnahme? Falls Du Deinen eigenen Link meinst, dann das hier:
Zitat
Der Hauptvorwurf dieser bezeichnenderweise anonym betriebenen Website an mich lautet, gegen die medikamentöse Behandlung psychisch Kranker gerichtete Bücher verfasst zu haben (siehe Screenshot unten).
Mehr „Kritik“ hat der Herr Lehmann nicht.

Bei Psiram steht:
Zitat
Lehmann selbst hat mehrere Bücher mit gegen die medikamentöse Behandlung psychisch Kranker gerichteten Inhalten verfasst und im eigenen Verlag herausgegeben[3]:
Und das ist doch wohl absolut korrekt. Was sollte also "editorial eingearbeitet" werden können?  :gruebel

Peiresc

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #26 am: 12. Januar 2019, 13:57:46 »
Wie soll sich der Verein sonst finanzieren?
Das sollte doch klar sein: gar nicht.

Und ich vermute auch zu Deinen Gunsten, dass Du keine Vorstellung davon hast, wie manipulierbar Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung oder in hoher psychischer Bedrängnis sind. Sie können veranlasst werden, gegen ihre ureigensten Interessen handeln. Ganze Industriezweige leben davon (Kaffeefahrten, Telefondrückereien, Wundermittel-Verticker).


RatioTrap

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #27 am: 12. Januar 2019, 22:50:53 »
Einleitend ein paar mehr Zitate aus der etwas ausfühlrichen Antwort Lehmanns auf Heinemann. Die sollen nochmal deutlicher machen welche Position Lehmann, vertritt und welchen er in seinem Verlag u.A. Raum gibt.

"Obskure Psychogruppen versuchen seit vielen Jahren, an Einfluss, Macht und Reichtum zu gewinnen. 1993 machte beispielsweise Urs Ruckstuhl von der Schweizer Psychiatriestiftung Pro mente sana in seinem Artikel "Kopf Bauch Psychoboom" in "Statt Psychiatrie", erschienen im Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag, auf Fehlentwicklungen im Psychotherapiebereich und" mit Kapital- und Machtanhäufung einhergehende Bewegungen wie die Bhagwan- oder Scientology-Sekten" (S. 124) aufmerksam."
Esowhatch hat Lehmann also erst erwähnt als der schon Bücher veröffentlicht hat, deren Argumentationsmustern sich mit denen von Psiram überschneiden.

"1987, als ich noch Mitglied der Irren-Offensive e.V. (Berlin) war"

"Sollten Sie auf einer der von mir betreuten Websites [...] einen Link zu einer Scientology-Organisation oder einer ihrer Publikationen finden, bitte ich Sie um Nachricht"

"    Einleitung

    Konstruieren von Weltbildern und Illusionen: Scientology wird zur Antipsychiatrie · Szasz wird zum Antipsychiater · Peter Lehmann wird zum Kampfgefährten des Rene Talbot

    Unterstellen: "Die Irrenoffensive im Scientologen-Buch von 1987" · "Lehmanns Scientology-Kontakt" · Übersehene Unvereinbarkeitsbeschlüsse zu Kooperationen mit Scientologen

    Auslassen: "Der Begriff ›Das Psychiatrische Testament‹ ist ein Propaganda-Begriff" · "Der Begriff ›Psychiatrisches Testament‹ wird auch vom KVPM und damit von Scientology benutzt" · "Lehmann propagiert das Gegenteil des Trialogs"

    Geraune: "Die Männer hinter Hitler" · "Deshalb war und ist es durchaus von Interesse ..."

    Anmaßen: "Peter Lehmann verschweigt seine Rolle in der Irren-Offensive" · "Ärzte- und Medikamenten-Hasser"

    Andere Heinemann-Geschädigte: Ernsthafte Scientologykritiker · Steuerzahler · Antidiskriminierungsgesetz

Fazit"
Inhaltsverzeichnis der Gegenrede

Alles Lehmann2005 gegenüber Heniemanns Kritik siehe: http://www.antipsychiatrieverlag.de/info/heinemanningo.htm
Ich gehe immernoch davon aus, dass der AP-Artikel stark auf Heinemanns Arbeit beruht.

Jetzt kommen Parts aus dem Psiramartikel:

"Viele Vertreter der Antipsychiatrie versuchen, "die Psychiatrie" mit allen Mitteln zu bekämpfen, allen voran Scientology."
Welche Mittel und Vertreter das sind fänd ich ganz spannend. Auch weil alle Mittel nicht genutzt werden.
"Allen voran" ; Naja Antipsychiatrie an sich gab es vor dem Science Fiction Autor. Und Auditing und antipsychiatrische
Methoden sind zwei, unterschiedliche, beide für sich kritische Ansätze, aber ganz deutlich: 2.

"Scientology-Unterstützers Thomas Szasz."
Das scheint einer sehr verkürzte, von Szasz widersprochene Darstellung zu sein.

"Neben Scientology ist die Irrenoffensive, eine im Jahr 1980 in West-Berlin gegründete Initiative ehemaliger psychiatrischer Patienten, eine führende antipsychiatrische Organisation.[7] Gründungsmitglied dieser Organisation ist der Sozialpädagoge Peter Lehmann, dem auch der Antipsychiatrie-Verlag gehört.

Im letzten Abschnitt wird erstmals eine ordentliche Trennung vorgenommen, während davor ohne Quellenangaben verschiedene
Sachverhalte zusammen geworfen sind und so Methoden und Motivationen von 2 Gruppen unsauber vermischt.

Ich halte die Unterteilung in 1. soz. Patientenkollektive 2. Scientology 3. Verbindungen zwischen beiden 4. Historie von Psiram und PatKol
für sinnvoll, transparenter und aufschlussreicher. Dabei muss auch überhaupt keine positive Betrachtung der soz. Pats erfolgen, obwohl ich das für angemessen halte, wie gesagt hat Psiram eine andere Meinung von Lehmann, als der Staat der ihn mit einem Verdienstorden ausgestattet hat.

Auch zu Deinen Gunsten gehe ich davon aus, dass Du davon ausgehst das Ärzt*innen stets die richtige Diagnose stellen, und so folglich richtig behandeln und es nicht zu Fehlmedikationen kommen kann.

Aber: "Der amerikanische Psychologe David L. Rosenhan legte durch seine Studien zur Validität und Reproduzierbarkeit psychiatrischer Diagnosen nahe, dass die Diagnosen eher einer willkürlichen „Etikettierung“ von Individuen entsprechen. Im Rosenhan-Experiment ließen sich psychisch gesunde Testpersonen in eine psychiatrische Anstalt einweisen, indem sie Symptome psychischer Erkrankungen (Wahnsymptome) angaben. Obwohl sie danach keine Symptome mehr vorspielten, wurden sie erst nach längerer Zeit entlassen – nicht als „gesund“ oder „geheilt“, sondern lediglich als „symptomfrei“." q:wp

Ich kann mir vorstellen wie manipulierbar "kognitiv Beeinträchtigte" sind, eine selbstbestimmte Entscheidung gegen oder für eine Therapie kann da eigentlich kaum erfolgen. Ich gehe aber auch davon aus das ich und alle ein bisschen kognitiv beeinträchtigt sind
und ich will mir deshalb von niemandem, nicht Scientology, keinem Anti- oder Psychiater meine Mündigkeit absprechen lassen.
Wer kognitiv derart beeinträchtigt ist, dass er*sie animmt ihr "Weltbild" sei mehr als eine Ansammlung von Modellen, sondern gesicherte Erkenntnisse, handelt leichtfertiger, als jemensch der das nicht annimmt. Heroin war jahrelang ein anerkanntes Medikament.

Ein Freund von mir hat sich letztes Jahr selbst eingewiesen, ein Medikament gekriegt das nicht dokumentiert wurde, und ist daraufhin
als drogeninduziert Schizophren behandelt worden, also 6 Wochen volles Programm und jetzt 5 Jahre Medikation. Ziemlich gut gegen Paranoide Zustände wenn Du Dich fragst welcher Deiner Freunde Dir Drogen gegeben hat und am Ende warns die Ärzte...

Sicher kann mensch dann dagegen vorgehen, aber mental bist du dann dazu nicht so in der Lage, weil Du den Kram, der ja bei richtiger Anwendung, hilfreich sein kann, aber auch dann Nebenwirkungen hat und Organschäden verursachen kann, trotzdem in deinem Körper hast und du kannst nicht einfach sagen hach Fehlmedikation und setzt das Zeug dann einfach ab. Da kommt sowhohl für Rechtsstreit als Absetzen ein Patientenkollektiv gerade recht, weil alleine stürzt Dich das schnell in die nächste Krise, der dann evtl. wieder einen Schub auslöst und die Spirale beginnt...   

Da kann mensch dann auch schonmal wütend werden und sich zu Rufen wie Psychiatrie ist Mord durchringen. Oder Gerd Postel der Hochstapel Psychiater, der in Münster Jahrelang ne Anstalt geführt hat. Dessen Mutter hat Selbstmord begangen, kurz nach Beginn der Medikation. Das erhöhter Antrieb einer der Effekte von Antidepressiva ist weiß man, Antrieb und Selbstmordgedanken passen halt nur Semigut zusammen. Da wäre dann ne 24 Stunden Wache schon gut, aber außerhalb der AP bezahlt das niemand.
 

Peiresc

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #28 am: 12. Januar 2019, 23:46:38 »
Einleitend ein paar mehr Zitate […]
Für die Polemik Lehmanns mit Heinemann sehe für uns keine ausreichende Relevanz, weder für unseren Antipsychiatrie-Artikel noch für diese Diskussion hier.

"Viele Vertreter der Antipsychiatrie versuchen, "die Psychiatrie" mit allen Mitteln zu bekämpfen, allen voran Scientology."
Hier geht es um die Aggressivität, nicht um die zeitliche Priorität. Kann so bleiben, meine ich.

Scientology-Unterstützers Thomas Szasz."
Das scheint einer sehr verkürzte, von Szasz widersprochene Darstellung zu sein.
Das es verkürzt ist, ist offenbar richtig. Man könnte es schärfer formulieren:
Zitat
Dr Thomas Szasz is a Member of the Church of Scientology
https://www.bmj.com/rapid-response/2011/10/30/dr-thomas-szasz-member-church-scientology
BMJ 2003;327:1449
(BMJ ist übrigens eine der wichtigsten allgemeinmedizinischen Fachzeitschriften der Welt).

Rosenhan
Die 8 Pseudopatienten waren 7 – 52 Tage stationär, fast alle erhielten die Diagnose „Schizophrenia in Remission“, was fachlich eher korrekt war. Eine breitere Datenbasis für seine weitläufigen Schlussfolgerungen präsentiert Rosenhan nicht. Er schildert Zustände auf den Stationen, die auf somatischen Stationen vermutlich nicht wesentlich anders gewesen sind. Er registriert z. B., dass Chefärzte seltener am Patienten sind als Pfleger – er interpretiert das als einen Ausdruck von „Macht“.

Die Rosenhan-Studie hat eine sehr intensive Debatte auch innerhalb der Psychiatrie ausgelöst. Sie war einer der Gründe, die zur Entwicklung des DSM-III geführt haben.

Ein Freund von mir hat sich letztes Jahr selbst eingewiesen […]
Ich sag’s mal freundlich: der Fall ist nicht hinreichend dokumentiert, um publiziert zu werden.

Gerd Postel
Hatten wir schon ausführlich.
https://forum.psiram.com/index.php?topic=12864.0

RatioTrap

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Re: Antipsychiatrie
« Antwort #29 am: 13. Januar 2019, 01:09:06 »
Allen voran, hatte ich aufgefasst wie führend. war vielleicht irreführend.

zu Gerd Postel:
"Insgesamt: in so gut wie jedem Bereich, mit dem er zu tun hatte und hat, deckt er Defizite auf, indem er sie sich zunutze macht und hinterher die Spötter mittels Spott auf seine Seite zieht. Als menschenfreundlicher Eulenspiegel, der dafür Bewunderung verdient, ist er völlig verkannt – auch wenn er diese Bewunderung kriegt. "

Wolltest Du darauf hinaus, dass ich ihn als menschenfreundlichen Eulenspiegel ins Feld führe? Aber darum gehts nicht.
Oder dass er ein Narzist ist, eine ICD-Störung, und keine*r im geschulten Umfeld merkts?

"Scharlatan unter Scharlatanen" so hat er den Vortrag genannt den er auf einer Heilpraktikertagung gehalten hat.
https://www.youtube.com/watch?v=Jk46Gtcd8eU

"Ich sag’s mal freundlich: der Fall ist nicht hinreichend dokumentiert, um publiziert zu werden."
Dir ist wieder klar, dass die Dokumentation, der zentrale Knackpunkt in der Geschichte ist?
Dann wäre das nicht ganz so freundlich und es wäre diesmal ein Double-Bind par excelance.
Ich persönlich finds ziemlich gemein. kann ja immernoch recht freundlich sein,...

Ich habe auch überlegt ob ich das schreibe, hab ich dann weil ich die Relevanz im Einzelfall deutlich machen wollte, damit
ein Bezug für Euch da ist, um Euch zu motivieren, den Artikel zu verbessern. Die Meinung das der Überarbeitungswürdig ist wurde ja auch von wenigstens einem Psiramler auch so gesehen.

"Die "Heilige Wissenschaft"

Das totalitaristische System umgibt ihr fundamentales Dogma mit einer Aura des Geheiligten, indem es dieses Dogma als höchste sittliche Vorstellung für die Ordnung des menschlichen Daseins ausgibt. Dieses Heilige wird in dem (mehr oder weniger ausdrücklichen) Verbot der Infragestellung der Grundvoraussetzung und in der Verehrung deutlich, die für die Urheber des Wortes, die derzeitigen Träger des Wortes und das Wort selbst erforderlich ist. Während das System somit die üblichen Belange der Logik tranzendiert, erhebt es gleichzeitig einen übertriebenen Anspruch auf unanfechtbare Logik, auf eine absolute "wissenschaftliche Präzision". Somit wird die höchste sittliche Vorstellung zur höchsten Wissenschaft; und wer es wagt, diese zu kritisieren oder sogar unausgesprochene Alternativen zu hegen, wird nicht nur unmoralisch und respektlos, sondern auch "unwissenschaftlich". Auf diese Art bestärken die philosophischen Führer des modernen ideologischen Totalitarismus ihre Autorität, indem sie für sich in Anspruch nehmen, das reiche und angesehene Erbe der Naturwissenschenschaft zu vertreten. "

http://www.agpf.de/lifton22.htm