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Gender Studies

Begonnen von RächerDerVerderbten, 02. Januar 2019, 17:13:58

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Sauropode

Zitat von: RächerDerVerderbten am 02. Januar 2019, 21:35:29

Aber gut, was halten den meine Mitforisten für die eigentlichen Ziele von Gender Mainstreaming und Gender Studies? Auch spekulativ.

Hm, keine Ahnung. Ich hielt es für eine Art Modeerscheinung. Ein übergeordnetes Ziel war nicht in meinem Radar. Aber ich habe das Thema auch nicht so verfolgt, mich nervt es eher und will damit möglichst wenig belästigt werden. Kann sein, dass meine Haltung falsch ist.

RächerDerVerderbten

Ich hab mich einfach irgendwann gewundert, daß diese Glaubensgemeinschaft durch die Institutionen marschiert, wien heißer Draht durch Butter. Trotz der ganzen Widersprüchlichkeit ihrer Aussagen, der ganzen Kritik, die ja entgegen ihrem Mantra von den pöhsen Rechten nachweislich aus allen politischen Lagern, aus dem Wissenschaftsbetrieb, ja sogar ihren eigenen Zielgruppen kommt.

Novo Argumente hat eine ganz gute Sammlung von Artikeln zum Thema, da hat auch mal einer versucht zu ergründen, warum GS staatlich gefördert wird und quasi widerstandslos überall andocken kann, vielleicht find ich den Artikel heut Abend noch.
If the only thing keeping a person decent is the expectation of divine reward, brother, that person is a piece of shit. Rusty Cohle

Fool

Ich halte Gender Mainstreaming und Gender Studies für ausgemachten Bullshit und die von RdV dargestellten angeblichen Ziele der vermuteten genderistischen Bewegung für typisch rechtspopulistische Angstmacherei bzw. Übertreibung.

Peiresc

Zitat von: Fool am 02. Januar 2019, 22:06:22
Ich halte Gender Mainstreaming und Gender Studies für ausgemachten Bullshit und die von RdV dargestellten angeblichen Ziele der vermuteten genderistischen Bewegung für typisch rechtspopulistische Angstmacherei bzw. Übertreibung.

In diese Richtung geht auch meine Vermutung. Ich halte Gendern für ungefährlich. Mich beunruhigen andere Tendenzen in der Gesellschaft mehr, weshalb ich von meinen 24h/d nix für Gender-Kram abzweigen kann.  :'(

sailor

Abschlusserklärung mit angehängten Vorschlägen füllen keine Regale, die Zusammenfassung/Erklärung sind keine 3 DINA4 Seiten.

Gender Mainstreaming ist die logische Konsequenz von industrieller Revolution und den daraus resultierenden Veränderungen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich. Dazu kommt die Verfügbarkeit staatlicher und privater Dienstleistungen, welche alle zusammen die "traditionelle Familie" als arbeitsteilige Erwerbsgemeinschaft obsolet macht. Körperliche Arbeit ist heute schon nicht mehr primäre Quelle gesellschaftlichen Wohlstandes und wird zukünftig weiter in Nischen abgedrängt. Eine Vielzahl heutiger Berufe und Tätigkeiten in der "Ersten und Zweiten Welt" ist unabhängig von geschlechtsspezifischen Merkmalen. Damit wandelt sich der altertümliche Zwang zur Familie zu einer freiwilligen Entscheidung... gleiches gilt für die Beteiligung an gesellschaftlichen Leben und politischer Macht. Es gibt in einer postindustriellen Gesellschaft keine objektiven Gründe gegen Gender Mainstreaming, wobei dieser Begriff auch immer mangelhaft interpretiert wird: GM geht in beide Richtungen, auch Männer dürfen aus ihren "Rollenberufen" ausbrechen... siehe auch männliche Erzieher, Pfleger etcpp. GM soll Möglichkeiten eröffnen, nicht erzwingen, was aus rechten/VT-Kreisen anders ausgelegt wird. Darüber hinaus geht es bei der Kritik an Gender diesen vornehmlich männlichen Kreisen immer um den Verlust vermeintlicher Vormacht. Zum einen um die direkte Vormacht ggü Frauen, zum anderen um Deutungshoheit über Rollen und Verhalten.

Gender ist für mich im akademischen Bereich leider oft ne wissenschaftliche Nullnummer, die Professuren wären anders eventuell besser verwendet. Gesamtgesellschaftlich ist "Gender" die konsequente Folge der Entwicklung. Die männlichen Herausstellungsmerkmale haben ihre Bedeutung verloren, damit entfällt die bisherige Grundlage einer Hierarchie...

sailor

Der Marsch durch die Unis ist leicht erklärt: Es ist verdammt einfach, mit ner B3-Professur "Frauenverstehen" zu heucheln, anstatt strukturell was bei Besetzungen zu drehen... Da kann man immer sagen: wir gendern und sind ganz tolle Frauenförderer... das kostet ein paar Stellen und ein paar Seiten Papier für Frauenförderpläne, die keine Sau mehr anschaut nach dem Erlass. Symbolpolitik und die rechten fallen drauf rein :D

Sauropode

Ich würde aber den Gender-Kram nicht mit Gleichberechtigung in einen Topf werfen wollen.

RächerDerVerderbten

Zitat von: Fool am 02. Januar 2019, 22:06:22
Ich halte (...) die von RdV dargestellten angeblichen Ziele der vermuteten genderistischen Bewegung für typisch rechtspopulistische Angstmacherei bzw. Übertreibung.

Der Vorwurf des Rechtspopulismus musste natürlich kommen ::), ich wiederhole, die Dame, die diese Worte schrub, ist Katholikin, Historikerin, Journalistin, und war 1995 in Peking dabei. Das ist es, was wir bisher sicher wissen.

Die Gender- Idee wird nun mal unlogischerweise überwiegend von radikalen Feministinnen befeuert, und da werden noch ganz andere Ideen ausgebrütet, Abschaffung des Wahlrechts für Männer, unterschiedliche Rechtssprechung für Männer und Frauen, Definitionsmacht für Frauen https://de.wikipedia.org/wiki/Definitionsmacht_(sexualisierte_Gewalt) ).

Die angeführten 5 Fernziele können natürlich komplett O`Learys Phantasie entsprungen sein, aber was ist denn konkret an denen so unwahrscheinlich (wenn man sie denn als Fernziele von radikalen Feministinnen betrachtet)?
If the only thing keeping a person decent is the expectation of divine reward, brother, that person is a piece of shit. Rusty Cohle

Sauropode

Zumal Angstmacherei keineswegs eine Spezialität von Rechtspopulisten ist.  ::)

Naja, ich wiederhole mich. Was Sailor meinte, ist die mehr als berechtigte Forderung nach Gleichberechtigung und als solche IHMO klar abzugrenzen von dem radikalen Genderunsinn. Es gibt leider in jeder Überzeugung radikale Auswüchse, rechts, links, grün, gender usw.

RächerDerVerderbten

Zitat von: sailor am 02. Januar 2019, 22:12:40


Gender Mainstreaming ist die logische Konsequenz von industrieller Revolution und den daraus resultierenden Veränderungen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich. Dazu kommt die Verfügbarkeit staatlicher und privater Dienstleistungen, welche alle zusammen die "traditionelle Familie" als arbeitsteilige Erwerbsgemeinschaft obsolet macht. Körperliche Arbeit ist heute schon nicht mehr primäre Quelle gesellschaftlichen Wohlstandes und wird zukünftig weiter in Nischen abgedrängt. Eine Vielzahl heutiger Berufe und Tätigkeiten in der "Ersten und Zweiten Welt" ist unabhängig von geschlechtsspezifischen Merkmalen. Damit wandelt sich der altertümliche Zwang zur Familie zu einer freiwilligen Entscheidung... gleiches gilt für die Beteiligung an gesellschaftlichen Leben und politischer Macht.

Weiß ich alles selber, aber wozu dann diese massive top down- Politik, wenn man gelassen die Entwicklung abwarten kann?

Zitat
Es gibt in einer postindustriellen Gesellschaft keine objektiven Gründe gegen Gender Mainstreaming, wobei dieser Begriff auch immer mangelhaft interpretiert wird

Er ist meines Wissens überhaupt nicht definiert, nirgends (es gibt nicht mal eine sinnvolle Übersetzung), scharfe Zungen lästern deswegen über ein "moving target", das für die Durchsetzung von allem Möglichen herhalten soll.

ZitatGM geht in beide Richtungen, auch Männer dürfen aus ihren "Rollenberufen" ausbrechen... siehe auch männliche Erzieher, Pfleger etcpp.

Bekannt, Frauen sollen aus den schlecht bezahlten Erziehungs- und Pflegeberufen raus, Männer rein (funktioniert nur nicht wegen geschlechtsspezifischer Interessen).

ZitatGM soll Möglichkeiten eröffnen, nicht erzwingen, was aus rechten/VT-Kreisen anders ausgelegt wird. Darüber hinaus geht es bei der Kritik an Gender diesen vornehmlich männlichen Kreisen immer um den Verlust vermeintlicher Vormacht. Zum einen um die direkte Vormacht ggü Frauen, zum anderen um Deutungshoheit über Rollen und Verhalten.

Das ist ja ne Klischeeantwort wie von nem Gender- Studenten, wie gesagt, die Kritik kommt aus ALLEN politischen Lagern, von allen Geschlechtern (ja, allen siemundrölfzig), die Legende, sie würden nur von rechten Männern kritisiert werden, wird von ihnen gepflegt wegen des moralischen Kapitals, und natürlich um des Solidarisierungseffektes willen, das nutzt sich aber grade massiv ab (lustigerweise werden sie sogar von der DKP angegangen, aber das sind wahrscheinlich so K- Gruppen- Zickerein ;D ).

Dann häng ich noch ein paar interessante Links zum Thema ran von Leuten, die hoffentlich über jeden Stammtischverdacht erhaben sind.

Vojin Saša Vukadinovi?, Ex- Genderstudent, schwul, in der Emma über GS als ""Sargnägel des Feminismus"
https://www.emma.de/artikel/gender-studies-sargnaegel-des-feminismus-334569

Hannah Wettig, Feministin, über "Debattenkultur in der Szene"
https://www.emma.de/artikel/beissreflexe-das-buch-der-stunde-334567

Alice Schwarzer zankt sich mit Judith Butler und Sabine Hark
https://www.zeit.de/2017/33/gender-studies-judith-butler-emma-rassismus

Harald Martenstein (alt, weiß, männlich, witzig) zu GS
https://www.zeit.de/2013/24/genderforschung-kulturelle-unterschiede

Und hier noch ne ganze Sammlung von Qualitätsartikeln zum Thema, deren Autor_Innen* man nur schwer rechte oder religiös- fundamentalistische Neigungen unterschieben kann.
https://www.novo-argumente.com/thema/gender
If the only thing keeping a person decent is the expectation of divine reward, brother, that person is a piece of shit. Rusty Cohle

RächerDerVerderbten

Zitat von: Sauropode am 02. Januar 2019, 23:23:13
Zumal Angstmacherei keineswegs eine Spezialität von Rechtspopulisten ist.  ::)

Naja, ich wiederhole mich. Was Sailor meinte, ist die mehr als berechtigte Forderung nach Gleichberechtigung und als solche IHMO klar abzugrenzen von dem radikalen Genderunsinn. Es gibt leider in jeder Überzeugung radikale Auswüchse, rechts, links, grün, gender usw.

Sauropode, Du hinkst ja bei dem Thema um JAHRE hinterher. ;D

Ich wär ja froh, wenn in den Leitmedien noch Gleichberechtigungsfeministinnen zu Wort kommen würden, da würden mir vor lauter Nostalgie glatt Tränen der Rührung kommen, aber der Zug steht zur Zeit auf dem Abstellgleis.
Mir fallen spontan auch nur Camille de Paglia und Catherine Deneuve ein, die sich in letzter Zeit kritisch zum Privilegienfeminismus der Überlauten ihrer Geschlechtsgenossinen geäußert haben, sie mussten medial schwer dafür büßen.

Statt "Gleichberechtigung" (steht im Grundgesetz, und bedeutet Chancengleichheit) wird jetzt "Gleichstellung" (wurde von der EU verordnet, und bedeutet Ergebnisgleichheit) angestrebt.

Die Folgen sind zBsp. daß unterschiedliche Maßstäbe an weibliche und männliche Medizinstudenten angelegt werden (war hier im Forum auch schon Thema), oder daß unsere Justizministerin (hochwahrscheinlich grundgesetzwidrig) eine 50%- Quote für den Bundestag verlangt (alle Parteien zusammen haben wohl nur 30% Frauenanteil). Das läuft natürlich alles auch unter Gendermainstreaming, wobei die Gender- Aktivisten selbst unter Androhung von Folter nicht schlüssig erklären könnten, warum jetzt auf einmal doch wieder das biologische Geschlecht für sie ausschlaggebend ist. :gruebel
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Sauropode

ZitatSauropode, Du hinkst ja bei dem Thema um JAHRE hinterher.

Ich versuche nur, normal zu bleiben.

Eigentlich wäre die Sache mit der Ergebnisgleichheit bzw. der Frauenquoten eine gute Möglichkeit, Karriere zu machen. Ich bewerb mich einfach als Quotenfrau in der Führungsetage großer Konzerne oder politischer Organisationen, bin anwesend, mache keinen Ärger, kleide mich repräsentativ usw. Wirklich was können braucht man ja anscheinend nichts. Das alles natürlich gegen eine gewissen Aufwandsentschädigung.  ;D

Scipio

Es wäre mal ganz interessant zu wissen, wie weit diese "toxischen" Ansichten der Genderstudies in der Feminismusbewegung verbreitet sind. Ich habe da absolut keinen Überblick drüber.

RächerDerVerderbten

Zitat von: Sauropode am 03. Januar 2019, 09:41:35
Ich bewerb mich einfach als Quotenfrau

Pardong, ich hatte ja keine Ahnung...Küss die Hand, gnä´ Frau...laß uns Psiram gemeinsam gender mainstreamen, das Projekt liegt schon viel zu lange in den Händen älterer weisser Herren mit ihren rationalistischen Ansichten. ;D

ZitatEigentlich wäre die Sache mit der Ergebnisgleichheit bzw. der Frauenquoten eine gute Möglichkeit, Karriere zu machen. Ich bewerb mich einfach als Quotenfrau in der Führungsetage großer Konzerne oder politischer Organisationen, bin anwesend, mache keinen Ärger, kleide mich repräsentativ usw. Wirklich was können braucht man ja anscheinend nichts. Das alles natürlich gegen eine gewissen Aufwandsentschädigung.  ;D

Im Ernst: Tritt in die FDP ein, die hat nach der AfD die geringste Frauenquote (22%?).

Ich rechne mit 50%iger Wahrscheinlichkeit damit, daß die Quote für den Bundestag mittelfristig auch gegen das Grundgesetz irgendwie durchgedrückt wird.

Und dann werden die männlichen Parteifunktionäre ihre Mütter, Schwestern, Töchter, Geliebten und Bekannten fragen, ob sie nicht Zeit und Lust hätten. ;D

If the only thing keeping a person decent is the expectation of divine reward, brother, that person is a piece of shit. Rusty Cohle

RächerDerVerderbten

Zitat von: Scipio am 03. Januar 2019, 17:08:49
Es wäre mal ganz interessant zu wissen, wie weit diese "toxischen" Ansichten der Genderstudies in der Feminismusbewegung verbreitet sind.

Was meinst Du mit ""toxischen" Ansichten der Genderstudies" genau? (ich geh davon aus, daß Du Dich auf die Diskussion hier beziehst)

GS sind aus der feministischen "Frauenforschung" hervorgegangen, haben sich dann aber (nach meinem Eindruck) verselbstständigt.
Feministinnen haben ca 150(?) Jahre versucht, ein weibliches Kollektiv zu schmieden. Haben sich mit Lesben, Schwulen, Queers verbündet. Und auf einmal haut eine Fraktion ihnen nach vorne ab, versucht sie zu übertrumpfen, mit der Behauptung, es gäbe gar keine Geschlechter (auch keine Frauen), alles konstruiert. Schwere Kränkung! :schlaeger

Aktuell marschieren die beiden Fraktionen mal getrennt, mal gemeinsam (Streit zwischen Schwarzer und Butler) , wirklich logisch wird das eigentlich nicht aufgearbeitet, solange nur das gemeinsame Feindbild attackiert werden kann.

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