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Autor Thema: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)  (Gelesen 4994 mal)

Gernot66

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Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« am: 27. Februar 2018, 17:32:50 »
Vorab.
a) Mir war der existierende Thread "sind Freikirchen gefährlich?" zu alt um noch etwas dazu zu schreiben.
b) Als "Ex" bin ich mit dem "Gummizeugs" was dabei herauskam nicht zufrieden.

Klar ich bin ein "ex" und ähnlich einem ex-Alkoholiker oder ex-Junkie ist es ein rotes Tuch für mich.
Dieses "man kann es nicht Pauschalisieren" passt mir nicht.
Ich pauschalisiere es.

Von aussen betrachtet mag es ja sein dass es "Liberale" freikirchen gibt, dass ist aber nur von aussen betrachtet so.
Die Gesellschaft misst den Grad der Spinnerei an gesellschaftlich auffälligen Merkmalen, welche viele Freikirchen und deren Mitglieder nicht haben.
Sind die deswegen Liberal?
Ich denke nicht, denn bloss weil es jemandem gut geht heisst das noch lange nichts.

Würde einer meinen Werdegang bloss daran Messen müsste er zu dem Schluss kommen mir ging es als Freikirchler besser.
Ich hatte einen guten Job, ich brauchte sehr wenig Geld und war vorbildlicher Steuerzahler, ich lebte gesund.
Heute bin ich Randständiger beziehe meinen Unterhalt vom Sozialamt und lebe total ungesund.

Was hat mich dazu gebracht der Freikirche und Gott den Rücken zuzukehren?
Man verlangt von einem bestimmten Punkt an alles hinter sich zu lassen und das ist bei allen gleich, Verwandschaft falls sie nicht auch mitmachen, Ehepartner sofern man schon verehelicht ist falls dieser nicht mitmacht, man muss sogar seinen Eltern den Rücken zukehren.
Diese Konsequenzen stellt man natürlich nicht von Anfang an und man befiehlt es nicht sondern stellt es als logische Konsequenz des Glaubens dar. Das heisst durch das Brainwashing ist man selbst der Auffassung das es nötig ist, niemand muss einem das befehlen.

Die einzige Familie welche man haben darf ist jene der Glaubensschwestern und Brüder.
Tatsächlich bereitete es mir keinerlei Mühe meinen Eltern vors Schienbein zu treten und ich denke wie gut man es auch immer hatte Zuhause das fällt nur wenigen Jugendlichen wirklich schwer. Jugendliche um die gehts schliesslich.

Der Bruch kam eigentlich erst als man von mir verlangte zu akzeptieren dass die Physik Lüge ist.
Alles was heute von irgendwelchen Idioten verzapft wird was man so kennt, Kreationismus, flache Erde usw.
Plötzlich sollte ich akzeptieren dass die Sonne sich um die Erde dreht, um es auf einen Punkt zu bringen.
Nicht bloss Philosophisch sondern wirklich.

Ich denke anfangs war ich sogar noch bereit dazu (es ist ca. 35 Jahre her), aber je mehr ich davon verleugnen sollte (wie gesagt niemand zwingt dich, du hast das Gefühl du tust es aus freiem Willen) umso mehr ging es für mich nicht mehr auf.
Irgendeine Stimme im Hinterkopf protestierte "das kann nicht sein", unablässig.
Was schlussendlich dazu führte dass es mir sprichwörtlich wie Schuppen von den Augen fiel.
"Ich bin auf dem Holzweg und habe eine Lüge gelebt".
Wenn man einmal damit angefangen hat (egal was) ist es schwierig sich das selbst einzugestehen, ich denke das ist der schwierigste Schritt dabei.

Und ich Wette mit euch um meine plastik Aorta, wie Liberal sie sich nach aussen geben mögen die Methode des Brainwashings ist bei allen gleich.
Ich selbst habe noch nichts anderes erlebt und wo ich zurzeit Wohne hat es "Röcklisekten" en masse.
Ich sehe immer wieder egal von welchem Verein wie ihre Denkensart ist und wie sie es unter das Volk bringen.

Wenn es eine Quelle für den abstrusen Quatsch von flache Erde (usw.) gibt dann sind es die "Röcklisekten".
Einen "ex" muss man da nicht fragen (oder eben doch).

Und jetzt soll einer behaupten man müsse da differenzieren und das sei nicht so schlimm.
Ihr seht ja nicht in die Köpfe hinein.

Was sie mit ihrer "Jugendarbeit" anrichten, sei es von aussen betrachtet noch so gut, ist nichts als einen Dämon (schlechten Gedanken) zu gebären und heranzuziehen.

Besser mitten in der Scheisse leben als ein Freikirchler zu sein.

Nun, ich bin ein "ex" und ja es ist ein rotes Tuch für mich, ihr dürft anderer Meinung sein, in dieser Beziehung bin ich ein "Extremist".
"Wer mit Versprechungen nach Authorität verlangt ist sicherlich nicht geeignet dazu. Wie gescheit er auch immer erscheinen mag" Näppis Ueli, "der arme Mann aus dem Tockenburg"

Gernot66

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #1 am: 27. Februar 2018, 17:46:43 »
Ach ja, Gespräche habe ich hin und wieder, ich kann ganz moderat sein und einfach zuhören.

"Aber weisst du das spielt doch gar keine Rolle in Gottes Welt ob es eine Scheibe oder Kugel ist, Gott ist trotzdem Allmächtig".

Wenn man wie ein Schafhirt vor 2000 Jahren leben will dann spielt es keine Rolle.
Interessanterweise leben sie aber nicht wie Schafhirten vor 2000 Jahren, sondern profitieren von den selben Annehmlichkeiten wie wir.
Ts, die haben das schönere Haus, das schnellere Automobil (ich hab gar keins), den neueren Computer.
Schafhirten, ts.
"Wer mit Versprechungen nach Authorität verlangt ist sicherlich nicht geeignet dazu. Wie gescheit er auch immer erscheinen mag" Näppis Ueli, "der arme Mann aus dem Tockenburg"

ajki

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #2 am: 27. Februar 2018, 21:37:36 »
...bin ich mit dem "Gummizeugs" was dabei herauskam nicht zufrieden...

Weil mal wieder Links fehlen.... :/

Der Bezugsthread war wohl der aus 2015, es gab in den Jahren auch andere mit breiterem/engerem Bezug. Auch der 2015er riss nur an und versandete dann ziemlich.

Es gibt einen Wiki-Eintrag "Evangelikalismus" (was sich mit "Freikirchen" thematisch überschneidet, möglicherweise aber nicht deckt). Eventuell bezieht sich die Kritik bzw. die Positionierung des Postenden auch auf diesen Wiki-Eintrag.

Der Wiki-Artikel gehört zur Kategorie "Religiöser Fundamentalismus", was zwar für Teile der evangelikalen / freikirchlichen Bewegung stimmen mag, für andere Teile (den kleineren? den größeren?) nicht.

Darüberhinaus findet sich freikirchliche Zugehörigkeit (verschiedener Ebenen) bei diversen Einzelartikeln - z.B. Karl Pilsl, Jella Wojacek, Vladimir Muntyan, "Wort und Geist" usw. usf. Die Kategorisierung der Einzel-Artikel ist nicht ganz "einheitlich", meist sind sie als "Sektenführer" oder "Neureligiöse Bewegung/Sekte" gelistet.

Vielleicht sollte man anhand des vorhandenen Materials hier mal prüfen, ob da irgendwas fehlt / nicht stimmig ist / sonstwas nicht in Ordnung ist.
every time you make a typo, the errorists win

Rosenzweig

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #3 am: 04. April 2018, 19:41:26 »
Für Gernot 66. Schöner Gruß :) von Rosenzweig.

https://www.youtube.com/watch?v=kAIpRRZvnJg

ajki

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #4 am: 17. Mai 2018, 12:23:43 »
Zur Ansicht, die sogenannten "Freikirchen" seien eine Gefahr, vor allem eine "ansteigende":

Es gibt einen lokal orientierten neueren Reportage-Artikel in einem Publikumsblatt, der einiges auf diesem Feld etwas ausleuchtet und in etwa auch eine anwachsende Gefährdungsmöglichkeit konstatiert. Dabei wird vor allem unter dem Aspekt der Beeinflussung von eher jungen, "modisch" orientierten Menschen beschrieben, wie man sich eine "hippe" moderne "Freikirche" vorzustellen hat - was sich anscheinend durchaus massiv von dem unterscheidet, was etliche Leute vielleicht mal in den USA der 70er oder 80er selber erlebt haben (mit Grausen). Der Artikel strotzt nur so von zitierbaren interessanten Nebendetails - deshalb bringt es nichts, wenn man hier einzelne teaser-Zitate anbringt. Zum Verständnis und Nachvollzug, warum man das anscheinend in der Mitte Europas wohl doch im Auge behalten sollte, ist der Artikel auf jeden Fall sehr gut geeignet.

Was steckt hinter dem Hype um Evangelikale Freikirchen?
Zitat
Immer mehr junge Menschen fühlen sich dort wohl. Zu Besuch bei einer „Celebration“ in München.
Von Tami Holderried, 15.5.2018, jetzt.de (sz-Verlag)
every time you make a typo, the errorists win

Rubinstein

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #5 am: 24. August 2020, 20:32:05 »
Auch ich bin Insider und beobachte als solcher, dass die Diskussion immer wieder aus dem Ruder läuft. Auch der Wiki Eintrag wird dem Thema nicht gerecht. Hier einige Gründe:

- Es gibt nicht "Die Freikirche". Freikirche ist ein Sammelbegriff - wir reden hier über extrem unterschiedliche Gruppierungen, Strömungen und Personen. Der Versuch dieses Spektrum in einem Artikel zu erschlagen kann nur scheitern. Anders als die großen Kirchen unterliegen die Freikirchen keiner Kontrolle oder Zensur - einen Papst gibt es nicht und Pastoren nur selten. Auch einen theologischen Leitfaden sucht man vergebens. Selbst in einer scheinbar homogenen freikirchlichen Gruppe trifft man auf sehr gegensätzliche Ansichten.

- Freikirchen unterliegen einem stetigen Wandel. Schon der Generationswechsel kann eine Gruppe vollständig verändern. Anders als es extern wahrgenommen wird gibt es einen lebendigen Diskurs (z.B. hat ein homosexueller Freund von mir aus einer extrem konservativen Freikirche ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben welches zur Zeit diskutiert wird.)

- Freikirchen sind Opfer von Betrügern und Spinnern wie alle anderen. Insbesondere die Problematik aller Religionen, die mangelnde Gotteserfahrung, wird geschickt genutzt um Geld zu machen. Die Heilungsgottesdienste nach dem Vorbild der USA sind nur ein Beispiel.

- Freikirchen leisten teilweise hervorragende Arbeit. Ich habe viele richtig üble Sachen in Freikirchen gesehen und erlebt aber ich habe auch viel außerordentliches gesehen. Wer das verschweigt muss sich den Vorwurf der Einseitigkeit gefallen lassen.

- Der atheistische Diskurs leidet (sehr flach ausgedrückt) an einer mangelnden Selbsteinschätzung. Nehmen wir mal das Thema "Kein Sex vor der Ehe" - egal wie man dazu steht, schaut man sich unsere Kinder an, die mit 12 schon alle Pornos dieser Welt gesehen haben, ist die Alternative eben auch nicht so prickelnd. Oder schauen wir mal auf das Thema Evolution - wenn jemand sagt "die Evolution ist eine unumstößliche Tatsache". Dann verlässt eben auch er den Boden der Wissenschaft und macht genau das was er "den Religiösen" vorwirft, einen Absolutheitsanspruch. Hier braucht es Diskussion und nicht nur ein "Die sind eben doof wie ein Stück Brot".

Schauen wir etwas genauer hin unterliegen freikirchliche Gruppen schlicht den gleichen Regeln wie alle anderen Gruppen. Einen Artikel über "Die Friedensbewegung" oder "die Atheisten" würde ähnlich scheitern. Auch in diesen Gruppen gibt es Menschen die an der Klimaforschung arbeiten während andere mit Klangschalen durch die Gegend laufen und Angst vor Chemtrails haben. Wenn es eine Linie zwischen wahr und falsch gibt, verläuft diese eben nicht an den Grenzen einzelner Gruppen sondern mitten durch sie hindurch.

Peiresc

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #6 am: 24. August 2020, 21:42:38 »
Hallo Rubinstein, ich habe vorab mal die eine oder andere Verständnisfrage.
Auch der Wiki Eintrag wird dem Thema nicht gerecht. Hier einige Gründe:

- Es gibt nicht "Die Freikirche". Freikirche ist ein Sammelbegriff - Der Evangelikalismus ist keine einheitliche Bewegung

Aber, ups, was muss ich im Wiki-Beitrag vorn lesen:
Zitat
Der Evangelikalismus ist keine einheitliche Bewegung, es handelt sich vielmehr um eine Strömung
https://www.psiram.com/de/index.php/Evangelikalismus
Oder meinst Du einen anderen Wiki-Beitrag?  :gruebel

- Freikirchen leisten teilweise hervorragende Arbeit. Ich habe viele richtig üble Sachen in Freikirchen gesehen und erlebt aber ich habe auch viel außerordentliches gesehen. Wer das verschweigt muss sich den Vorwurf der Einseitigkeit gefallen lassen.
Da wäre eine zitierfähige Quelle interessant.

- Der atheistische Diskurs leidet (sehr flach ausgedrückt) an einer mangelnden Selbsteinschätzung. Nehmen wir mal das Thema "Kein Sex vor der Ehe" - egal wie man dazu steht, schaut man sich unsere Kinder an, die mit 12 schon alle Pornos dieser Welt gesehen haben, ist die Alternative eben auch nicht so prickelnd. Oder schauen wir mal auf das Thema Evolution - wenn jemand sagt "die Evolution ist eine unumstößliche Tatsache". Dann verlässt eben auch er den Boden der Wissenschaft und macht genau das was er "den Religiösen" vorwirft, einen Absolutheitsanspruch. Hier braucht es Diskussion und nicht nur ein "Die sind eben doof wie ein Stück Brot".
Das sollten wir noch einen Moment zurückstellen, bevor wir das aufdröseln.  8)

Schwuppdiwupp

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #7 am: 24. August 2020, 23:33:02 »
Oder schauen wir mal auf das Thema Evolution - wenn jemand sagt "die Evolution ist eine unumstößliche Tatsache". Dann verlässt eben auch er den Boden der Wissenschaft und macht genau das was er "den Religiösen" vorwirft, einen Absolutheitsanspruch. Hier braucht es Diskussion ...

Äh ...  :gruebel ... Nö!  :police:

Es sei denn, du hättest eine Theorie - also eine wissenschaftlich falsifizierbare Aussage -, die die Fragen der Entwicklung der Artenvielfalt besser erklären könnte.
Um es vorweg zu nehmen: Die wirst du nicht haben und ein Schöpfer, der für alles und jedes und nichts als Grund herangezogen werden kann, ist weder verifizier- noch falsifizierbar.

Wenn du unbedingt an das Wirken eines (oder auch mehrerer) Götter glauben willst - bitte, tu das. Aber es braucht darüber gewiss keine Diskussion mehr, die phantastiliardenmal schon geführt wurde. Die braucht es allenfalls noch in Bibelkreisen. Aber das Ergebnis dieser "Diskussion" ist nur allzu sehr vorhersehbar.
Ach, was weiß denn ich ...

Rubinstein

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #8 am: 25. August 2020, 03:21:51 »
Zitat
Wenn du unbedingt an das Wirken eines (oder auch mehrerer) Götter glauben willst - bitte, tu das. Aber es braucht darüber gewiss keine Diskussion mehr, die phantastiliardenmal schon geführt wurde. Die braucht es allenfalls noch in Bibelkreisen. Aber das Ergebnis dieser "Diskussion" ist nur allzu sehr vorhersehbar.

Es geht hier nicht um den Versuch die gleiche Diskussion mit gleichem Publikum zu wiederholen, das ist in der Tat sinnlos. Das Publikum ändert sich aber naturgemäß z.B. durch Neuzugänge oder Veränderung der Einstellung. Auch die Diskussion verändert sich z.B. durch neue Erkenntnisse. Eine fortgesetzte Diskussion ist daher durchaus begründet und in der Wissenschaft allgemein anerkannt. In Bibelkreisen hat man damit auch kein Problem. Bereits die Aussage "das Ergebnis ist vorhersehbar" ist in gewisser Hinsicht absolut - Falsifizierbarkeit wird ausgeschlossen. Damit tun wir genau das was wir den Freikirchen vorwerfen. 

Zitat
Aber, ups, was muss ich im Wiki-Beitrag vorn lesen
Ich beziehe mich auf die ersten beiden Sätze des Wikis:
"Der Evangelikalismus ist keine einheitliche Bewegung, es handelt sich vielmehr um eine Strömung. Allen gemeinsam sind folgenden Merkmale"

"Allen gemeinsam" lässt hier ein verzerrtes Bild entstehen. Zwar wird das teilweise im Folgenden wieder abgeschwächt (überwiegend, teilweise), auf einen betroffenen Leser könnte dies jedoch einseitig wirken (so etwas habe ich bei uns noch nicht gesehen). Etwas mehr Differenzierung bringt möglicherweise mehr Glaubwürdigkeit. Vergleiche hierzu den Artikel bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Freikirche

Zitat
Da wäre eine zitierfähige Quelle interessant.

Zu den "üble Sachen in Freikirchen" sind Quellen naturgemäß sehr schwierig. Prinzipiell finde ich diese im Artikel aber gut behandelt.

Eine zitierfähige Quelle zu "hervorragender Arbeit" (z.B.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heilsarmee) ist wegen der großen Landschaft der Freikirchen und der geschichtlichen Einordnung der Gruppierungen nur bedingt aussagekräftig. Statistiken zu dem Thema sind mir zumindest nicht bekannt. Gleichzeitig sind mir nur wenige Freikirchliche-Gruppierungen bekannt die nicht zumindest karitative Ansätze haben. Für eine Erwähnung als Merkmal sollte es reichen. Einige Gruppen, wie die erwähnte Heilsarmee, haben einen karitativ/missionarischen Schwerpunkt. Wie diese Kombination als Haupt- Motivation zu bewerten ist, ist schwer zu sagen zumal man den Zusammenhang naturgemäß nicht vollständig vermeiden kann.






Peiresc

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #9 am: 25. August 2020, 09:38:56 »
"Allen gemeinsam" lässt hier ein verzerrtes Bild entstehen.
Das Lemma hat aber den Titel „Evangelikalismus“ und nicht „Freikirchen“. Ich finde schon, dass es einigermaßen treffend behandelt ist. Eine alle befriedigende Darstellung scheint mir a priori ein frommer [ups] Wunsch und unmöglich zu sein.

Auch die Diskussion verändert sich z.B. durch neue Erkenntnisse. Eine fortgesetzte Diskussion ist daher durchaus begründet und in der Wissenschaft allgemein anerkannt.
Der Satz ist im Allgemeinen genauso richtig wie er im Konkreten falsch ist. Der Energieerhaltungssatz ist nicht mehr grundsätzlich wissenschaftlich diskussionsfähig. Das Gleiche gilt für die Evolution. Natürlich ist dieses oder jenes Detail für Interpretationen offen – nur nicht für theistische.

BTW, wie passen eigentlich „kein Sex vor der Ehe“, „alle Pornos kennen mit 12 Jahren“ und „Evolution“ zusammen? Rational gar nicht, irrational aber schon. Gerade ist mir ein alter Aufsatz wieder in die Hände gefallen:
Zitat
The evil tree [der Evolution, nach Mt 7, 18] vividly displays two important ideas. First, the fundamental religious objection to the theory of evolution is not scientific but moral. Evolutionary theory must be opposed because it leads to rampant immorality, on both the personal and political scales. Second, the basic cause of this immorality is atheism. Evolutionary theory bears corrupt fruit because it is rooted in denial of the existence of God.

Elizabeth Anderson: If God Is Dead, Is Everything Permitted?

Rubinstein

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #10 am: 25. August 2020, 13:20:32 »
Zitat
Das Lemma hat aber den Titel „Evangelikalismus“ und nicht „Freikirchen“. Ich finde schon, dass es einigermaßen treffend behandelt ist. Eine alle befriedigende Darstellung scheint mir a priori ein frommer [ups] Wunsch und unmöglich zu sein.

Du hat recht. Hier liegt tatsächlich ein Fehler meinerseits vor. Ich schlage allerdings vor den Punkt "Parteien, Organisationen" zu prüfen. Die wenigsten Organisationen sind mir hier im Detail bekannt, aber mir fällt z.B. die "Deutsche Evangelische Allianz" auf. Meines Wissens ist das ein Dachverband. Zwar gibt es auch hier "Evangelismus", den Verband aber grundsätzlich dieser Strömung zuzuordnen halte ich für schwierig.

Als weiterer, methodischer Fehler meinerseits, fällt mir in diesem Zusammenhang auf, dass meine Kritik sich auf zwei sehr unterschiedliche Beiträge bezieht. Auf den Thread und auf den Wiki. Auf den Thread trifft meine Kritik eher zu als auf das Wiki (wie oben beschrieben).

Zitat
BTW, wie passen eigentlich "kein Sex vor der Ehe", "alle Pornos kennen mit 12 Jahren" und "Evolution" zusammen? Rational gar nicht, irrational aber schon.

Es handelt sich hier um zwei Beispiele zur Frage des eigenen Standpunktes. Dieser wird immer wieder überschätzt. Hierzu ein weiteres Beispiel was evtl. weniger "Aufregungspotential" bietet weil es uns nicht so betrifft: Als Jugendlicher habe ich die Kampagnen gegen Drogenmissbrauch mitbekommen. Die Argumentation ging, flach ausgedrückt, so: Nimm Drogen, dann wirst du abhängig und stirbst mit 30. Tatsächlich machen aber nicht alle Drogen abhängig und sterben tut man auch nicht sofort. Außerdem kam dieses Argument wenig überzeugend von einer Generation die säuft, raucht und mit Atombomben spielt. Die Anti-Drogen-Kampagne blieb wirkungslos weil sie zum einen unsachlich war und zum anderen keine Alternative hatte. Es ist schwer jemand von der Wirkungslosigkeit von Homöopathie zu überzeugen wenn man selbst nur Akupunktur im Portfolio hat. Machen wir den gleichen Fehler?

Zitat
Der Energieerhaltungssatz ist nicht mehr grundsätzlich wissenschaftlich diskussionsfähig

Das dachte man von den Gesetzen der Mechanik auch. Wenn der Energieerhaltungssatz nicht falsifizierbar ist, wäre er nicht Wissenschaft sondern Religion. Das entspricht in Unsachlichkeit und Alternative dem Vorwurf welcher der Gegenseite gemacht wird.


celsus

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #11 am: 25. August 2020, 13:41:41 »
Das dachte man von den Gesetzen der Mechanik auch. Wenn der Energieerhaltungssatz nicht falsifizierbar ist, wäre er nicht Wissenschaft sondern Religion. Das entspricht in Unsachlichkeit und Alternative dem Vorwurf welcher der Gegenseite gemacht wird.

Es ist in der Wissenschaft durchaus möglich, sich auf ein Ergebnis zu einigen, ohne daraus eine Religion zu machen.
Dieses Ergebnis wird dann nicht jeden Tag neu hinterfragt und diskutiert, sondern man wartet einfach, bis jemand mit einer überzeugenden Widerlegung kommt.
Passiert das nicht, gibt es keinen Anlass, ein Ergebnis anzuzweifeln.

Ich beobachte das öfter, dass irgendwelche Leute behaupten, Wissenschaft sei dogmatisch, weil eben viele bewährte Erkenntnisse als gegeben angesehen werden.
Es scheint schwierig zu sein, der breiten Öffentlichkeit den Unterschied zwischen einem Konsens und einem Dogma zu vermitteln.
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

Peiresc

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #12 am: 25. August 2020, 14:14:26 »
Zitat
Der Energieerhaltungssatz ist nicht mehr grundsätzlich wissenschaftlich diskussionsfähig

Das dachte man von den Gesetzen der Mechanik auch.
Und man denkt es immer noch. Wenn man die Formeln der speziellen Relativitätstheorie auf sehr kleine Geschwindigkeiten (d. h. sehr klein gegenüber der Lichtgeschwindigkeit) anwendet, dann landet man … bei den Formeln der Newtonschen Mechanik.

Wenn der Energieerhaltungssatz nicht falsifizierbar ist, wäre er nicht Wissenschaft sondern Religion.
Er ist nicht falsifizierbar (jedenfalls nicht mit einem einzelnen Experiment) und trotzdem natürlich Wissenschaft. Wenn er falsch wäre, dann müsste sich unsere Auffassung vom Weltall völlig ändern; das würde den Corpus der Naturwissenschaften in seiner Gesamtheit über den Haufen werfen. Es ist übrigens ein Beispiel dafür, dass mit Poppers Induktionsverständnis irgendwas nicht stimmen kann, aber das führt jetzt wohl zu weit weg.

Die Falsifizierung des Energieerhaltungssatzes wäre das Perpetuum mobile. Wer sollte das ernstnehmen.

Was Du mit dem Beispiel der Kampagne gegen Drogen belegen oder illustrieren willst (außer dass sie dich nicht abgehalten hat  ;)), ist mir verschlossen geblieben.


Rubinstein

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Re: Warum Freikirchen gefährlich sind (Insider Ansicht)
« Antwort #14 am: 25. August 2020, 18:26:12 »
Sollte der "Energieerhaltungssatz" je wiederlegt werden dann wohl in einem wiederholbaren Experiment. Also ich fände das Geil - ich würde hier eher den Anfang der Naturwissenschaft sehen als dessen Ende. Schade, dass die Chancen so schlecht stehen ;-)

... wir kommen vom Thema ab.

Beispiele wie das aus Brasilien sind hinsichtlich der Ursache schwer zu bewerten. Geschah der Mord weil oder trotz des freikirchlichen Hintergrundes. Als Tatmotiv wird folgendes angenommen:

"Sie warfen der Pastorin und Politikerin zudem vor, "dass ihr ganzes Bild von Altruismus und Moral nur ein Mittel war, um eine finanzielle und politische Position zu erreichen", wie Kommissar Allan Duarte im Fernsehen sagte."