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Hirschhausen Nachfragefaden

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Begonnen von Belbo, 13. August 2017, 12:35:25

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Belbo

Da ich gerade mit Erkenntnissen aus "Wunder wirken Wunder" von Hirschhausen bombardiert werde.

Ist es tatsächlich so dass man bei vielen ( den meisten?) Medikamenten, die jeweils vierte Verabreichung genauso gut durch einen Placebo ersetzen kann?


Sauropode

Demnach müsste jede vierte Verordnung überflüssig sein. Schau doch einfach mal, ob es da entsprechende Daten/Statistiken gibt.

lanzelot

Zitat von: Belbo am 13. August 2017, 12:35:25
Da ich gerade mit Erkenntnissen aus "Wunder wirken Wunder" von Hirschhausen bombardiert werde.

Ist es tatsächlich so dass man bei vielen ( den meisten?) Medikamenten, die jeweils vierte Verabreichung genauso gut durch einen Placebo ersetzen kann?
Ich habe das Buch nicht gelesen. Gibt es konkrete Beispiele, bzgl eine Krankheitsbildes/Diagnose oder eines bestimmten Präparats/Wirkstoff auf das sich das Rechenbeispiel der Verordnungen bezieht.

Grundsätzlich ist Häufigkeit und Qualität von Verordnungen immer ein Thema, welches diskutiert wird.
So ganz allgemein und pauschal behauptet ist es aber haarsträubender Unsinn und unseriös.
Dau fehlt auch noch der zeitliche Rahmen in dem ich solche Aussagen treffen kann. Dies müsste definiert sein.

Belbo

Zitat von: lanzelot am 13. August 2017, 13:05:18
Zitat von: Belbo am 13. August 2017, 12:35:25
Da ich gerade mit Erkenntnissen aus "Wunder wirken Wunder" von Hirschhausen bombardiert werde.

Ist es tatsächlich so dass man bei vielen ( den meisten?) Medikamenten, die jeweils vierte Verabreichung genauso gut durch einen Placebo ersetzen kann?
Ich habe das Buch nicht gelesen. Gibt es konkrete Beispiele, bzgl eine Krankheitsbildes/Diagnose oder eines bestimmten Präparats/Wirkstoff auf das sich das Rechenbeispiel der Verordnungen bezieht.

Grundsätzlich ist Häufigkeit und Qualität von Verordnungen immer ein Thema, welches diskutiert wird.
So ganz allgemein und pauschal behauptet ist es aber haarsträubender Unsinn und unseriös.
Dau fehlt auch noch der zeitliche Rahmen in dem ich solche Aussagen treffen kann. Dies müsste definiert sein.

Im Anhang der Text


lanzelot

Der gute Herr Hirschhausen spricht in den Zusammenhang schon im Konjunktiv:"könnte zukünftig sein, echte Medikamente bei jeder vierten Gabe mit etwas harmloseren mit weniger Nebenwirkungen zu ersetzen..." 
Eine Milchmädchenrechnung. Wie fast alles was  er von sich gibt schwammig, unspezifisch. Immer darauf ausgelegt nichts zu sagen auf das er festgenagelt werden könnte und so viele wie möglich zu erreichen.

Ansonsten massenhaft Allgemeinplätze und Behauptungen im Sonderangebot, die nicht haltbar sind.
"Haben wir dreimal erlebt, dass eine echtes Medikament hilft, kann beim vierten Mal eine Scheinmedikament eingenommen werden, dass genau so aussieht."
Ich befürchte das auch diese schlichte und grobe Formel nicht ganz aufgehen wird. Wer zählt ab, bei wem und wo? ;D
Das sind unvorstellbar läppische und unhaltbare Formulierungen.
Mich würde interessieren woher er diese Werte und Einschätzungen hat und worauf diese Aussagen basieren.
Ich kenne keine Arbeit, aus der sich das schlussfolgern lässt (was aber nicht bedeuten muss, dass es die nicht gibt. Es wird zu allem möglichen geforscht)

Dazu stellt er Zusammenhänge zwischen bekannten Placebowirkungen die es ja in vielfältiger Art und Weise gibt, auch außerhalb der Pharmazeutik und leitet von dort, ebenfalls wenig konkret auf eine Vielzahl andere Bereiche ab.
Erwähnt kontextfrei Nebenwirkungen... geht das so durch das ganze Buch?

Tatsächlich ist es im Bereich der Schmerzempfindung möglich, die Empfindung zu konditionieren und zu beeinflussen, aber in Maßen und nicht bei jedem. Auch sehr ungenau erwähnt.

Ich bin mir sicher, dass er nicht das Ziel und den Anspruch hat mit dem Buch eine wissenschaftliche Arbeit zu liefern, für die es adäquate Quellen braucht.
Aber das wäre noch nicht mal Populär-Wissenschaft.
Was will er den überhaupt für eine Botschaft vermitteln? Was ist denn die Intension dieses Sammelsuriums an Ungenauigkeit?

Aufklärung, Information, Unterhaltung, er spricht in Interviews auch gerne von sich als Vermittler, zwischen wem und was?
Und wer hat ihn dazu bestellt und was macht ihn dazu kompetent? Dieses Buch gewiss nicht, sorry.
Seichte Unterhaltung mit medizinischer Hintergrundmusik, die dem eine Bedeutung verleihen soll, die es nicht hat.

Sauropode

Achso, nicht jedes vierte Medikament war gemeint, sondern die vierte Einnahme eines Medikamentes. Ähm, bei Schmerzmitteln könnte ich mir das vorstellen, bei Antibiotika zum Beispiel kann so ein "Rat" gefährlich sein.

lanzelot

Zitat von: Sauropode am 13. August 2017, 18:13:17
Achso, nicht jedes vierte Medikament war gemeint, sondern die vierte Einnahme eines Medikamentes. Ähm, bei Schmerzmitteln könnte ich mir das vorstellen, bei Antibiotika zum Beispiel kann so ein "Rat" gefährlich sein.
Ach was, der Herr Hirschhausen erklärt den Bakterien flott den Placeboeffekt und wenn die mitziehen geht alles.
Das gleiche gilt dann auch für Virostatika, Krebsmedikamente, Anti-Inflammatorische, Präparate in der Neurologie und Psychiatrie oder die vierte Einnahme bei kardiovaskulären Ereignissen, in der Hoffnung dass der Herzinfarkt auch mitbekommt das er jetzt ein Placebo-Infarkt ist.
   
Ich weiß, das liest sich jetzt alles ein wenig sarkastisch und ist es auch. Aber ich hoffe du siehst worauf ich hinaus will. Die Liste könnte man endlos fortsetzen.
Das Wechselspiel zwischen Symptom-Management und Medikamenten ist außerordentlich komplex und individuell. Pharmakokinetik- und Dynamik, gepaart mit persönlichen, sich evtl. permanent ändernden Einflussfaktoren des Patienten (und da ist die Psyche durchaus ein Faktor).
All das ist nicht mit den läppischen Allgemeinplätzen erschlagen.


Schwuppdiwupp

Ich bin kein Medziner, aber mir drängt sich der Eindruck auf, dass das, was der Herr Hirschheißich da treibt, potenziell gefährlich ist.
Ach, was weiß denn ich ...

Sauropode

Falls das Buch als Ratgeber geschrieben ist, durchaus. Belbo, ist das eins seiner, ähm, witzigen Bücher oder will er ernst gemeinte Ratschläge verteilen?

Peiresc

Zitat von: lanzelot am 13. August 2017, 18:12:37"Haben wir dreimal erlebt, dass eine echtes Medikament hilft, kann beim vierten Mal eine Scheinmedikament eingenommen werden, dass genau so aussieht."
[...]
Ich kenne keine Arbeit, aus der sich das schlussfolgern lässt (was aber nicht bedeuten muss, dass es die nicht gibt. Es wird zu allem möglichen geforscht)
So rein aus dem Gedächtnis: der Psychoneuroimmunologe (oder so ähnlich) Schedlowski ist mal mit einem solchen Ansatz durch die Medien gezogen worden (wahrscheinlich konnte er sich gar nicht dagegen wehren). Er hat turnusmäßig bei Gesunden ein Zytostatikum jeden 3. oder 4. Tag ausgelassen und durch eine merkwürdig aussehende Trägersubstanz allein ersetzt, und trotzdem waren die Leukozyten etwas abgefallen.

Von irgendeinem klinisch relevanten Studiendesign zu solchen Fragen habe ich aber noch nichts gelesen oder gehört. Und bei Lichte besehen fällt es schwer sich vorzustellen, wie so etwas bei ernsthaft Kranken überprüft werden könnte. Man müsste ein konventionelles Chemotherapie-Schema gegen eines mit verminderter Dosis prüfen. Placebo-Effekte hat man immer; das ist ja der Hauptgrund, warum man überhaupt kontrolliert untersuchen muss.

Sauropode

ZitatEr hat turnusmäßig bei Gesunden ein Zytostatikum jeden 3. oder 4. Tag ausgelassen und durch eine merkwürdig aussehende Trägersubstanz allein ersetzt, und trotzdem waren die Leukozyten etwas abgefallen.

Wer gibt Gesunden ein Zytostatikum? Hier wurde allenfalls eine Nebenwirkung generiert, also eher ein Nozeboeffekt. Wichtig wäre es doch, wie der gewünschte therapeutische Effekt aussieht, wenn man das Medikament mal auslässt.

Peiresc

Zitat von: Sauropode am 13. August 2017, 19:39:07
ZitatEr hat turnusmäßig bei Gesunden ein Zytostatikum jeden 3. oder 4. Tag ausgelassen und durch eine merkwürdig aussehende Trägersubstanz allein ersetzt, und trotzdem waren die Leukozyten etwas abgefallen.

Wer gibt Gesunden ein Zytostatikum? Hier wurde allenfalls eine Nebenwirkung generiert, also eher ein Nozeboeffekt. Wichtig wäre es doch, wie der gewünschte therapeutische Effekt aussieht, wenn man das Medikament mal auslässt.

https://forum.psiram.com/index.php?topic=10646.msg127914#msg127914
Zitatin dem wir das immunsuppressive Medikament Cyclosporin A als unkonditionierten Stimulus und ein Geschmacksreiz als konditionierten Reiz einsetzen...

Sauropode

Ok, das ist aber eher eine Konditionierung zur Umleitung der Übelkeit auf einen anderen Trigger: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9817589

Das ist aber doch ein (nicht unwichtiger) Nebenaspekt. Ich denke, in dem Buch waren die Hauptwirkungen der Medikamente angesprochen, und da hapert es, wie auch Lanzelot schon schrieb. Bösartige Zellen lassen sich nicht von Plazebos vom Teilen abhalten.

Peiresc

Gemeint ist wahrscheinlich eher so etwas:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24699032
Zitat[...] We analyzed the extinction of learned immunosuppression in healthy male volunteers, using an established conditioning paradigm with the immunosuppressive drug cyclosporin A (CsA) as unconditioned stimulus (US) and a gustatory stimulus as conditioned stimulus (CS). We observed a learned suppression of T-cell function after two and four reexposures to the CS, which was extinguished after 14 unreinforced CS reexposures. However, administration of "subtherapeutic" CsA dosages together with the CS counteracted the extinction of the learned immunosuppression. These findings provide the basis for a potentially successful implementation of conditioning paradigms as supportive therapy to immunopharmacological regimens in clinical settings. The aim is to reduce the required amount of medication while maximizing the therapeutic outcome for the patient's benefit.

lanzelot

Zitat von: Sauropode am 13. August 2017, 19:39:07
Wer gibt Gesunden ein Zytostatikum? Hier wurde allenfalls eine Nebenwirkung generiert, also eher ein Nozeboeffekt. Wichtig wäre es doch, wie der gewünschte therapeutische Effekt aussieht, wenn man das Medikament mal auslässt.
Na ja, bei Phase I Studien..., werden gesunden Probanden Arzneimittel verabreicht, mit dem Ziel Informationen über die Verträglichkeit bei ein- oder mehrmaliger Gabe zu erhalten sowie die Aufnahme und Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung der Substanz zu untersuchen.
Dann werden Proben entnommen bzw. gesammelt, um darin die Konzentrationen des Arzneimittels oder seiner Metaboliten zu untersuchen.
Wichtige pharmakologische Parameter, wie Plasmahalbwertszeit und die AUC werden daraus bestimmt.
Auch werden orale und intravenöse Verabreichung verglichen und dann werden Bioverfügbarkeit und die renale oder hepatische Ausscheidung ermittelt.

Aber zurück zum Thema. Ich hätte jetzt das Thema Placeboeffekt gar nicht in den Mittelpunkt gestellt, auch wenn das von Hirschhausen erwähnt wird.
Das ist für mich in dem Punkt Begriffs-Droping.
Die Auftreten von Placebo-Effekten stellt niemand in Abrede, wie auch eine gewisse Relevanz, zu der auch geforscht wird. Auch dass das Thema in vielen Gremien, Kongressen und Publikationen behandelt wird/wurde ist alles alter Käse.

Hätte ich aber gar nicht mit den Aussagen des Herr Hirschhausen in Verbindung gebracht. Darauf zielte meine Antworten auch gar nicht ab
Würde ja bedeuten ich billige ihm zu, dass er sich ernsthaft mit dem Thema befasst und substanzielle Aussagen trifft. Das ist für mich nicht zu erkennen.
Das sind eine Reihe völlig unspezifischer, undifferenzierter, haltloser Aussagen und kontextfrei hergestellter Zusammenhänge, Behauptungen und Ableitungen.

Das hätte ich in dem Zusammenhang mit einer relevanten Auseinandersetzung mit der Placebo-Thematik gar nicht gesehen. Auch wenn er denn Begriff benutzt.
Selbst davon ist dieses Buch und seine Aussagen weit weg (my humble Opinion).
Und schlussendlich ging es um die Frage der Wertigkeit seiner konkreten Aussagen. Und die sehe ich bei Null.
Oder bin ich jetzt zu hart und übersehe etwas?