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Autor Thema: Brexit  (Gelesen 34399 mal)

Peiresc

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Re: Brexit
« Antwort #180 am: 16. Juli 2018, 19:00:07 »
Nigel Farage hat dieses Foto in seiner gefälschten Fassung getweetet. Das nennt man Verteidigung der christlich-abendländischen Kultur gegen die anstürmenden Horden aus den shithole-Ländern.

Zitat
Lasia Kretzel:
?.@Nigel_Farage

1) I am the original photographer of this image which was edited, subsequently retweeted by you, and has since removed from your feed. Here are the real facts of this photograph



https://twitter.com/lkretzel1130/status/1018647894792912896


Typee

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Re: Brexit
« Antwort #181 am: 17. Juli 2018, 14:23:11 »
Hier mal eine Impression davon, was die Brexit-Frage schier unlösbar macht: die Wutrede einer Tory-Abgeordneten über die Indolenz der Brexiteers ihrer eigenen Truppe. Sie zieht, wohlgemerkt, über Abgeordnete ihrer eigenen Fraktion her.

https://youtu.be/CN1WrjlWLXQ

Aufgepasst auf die Zuspitzung am Ende: who runs the country?

Who is in Charge? Who's running Britain? Is it the Prime Minister - or is it the honorable member of North-East Somerset?

Der Abgeordnete dort heißt übrigens Jacob Rees-Mogg.

Über wen sollte sie sich auch sonst echauffieren? Labour ist eine Veranstaltung im Zustand der Nichtexistenz. Alles, was über die Zukunft des Landes entscheidet, spiegelt sich in der internen Zerrissenheit der Tories, sonst nirgendwo. Und keine politische Alternative weit und breit.
Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

Peiresc

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Re: Brexit
« Antwort #182 am: 20. August 2018, 15:10:38 »
Deal or no deal, das ist die Frage.

Zitat
No-deal Brexit will be 'catastrophe' for NHS and increase risk from deadly pandemics, BMA warns
Exclusive: Doctors have a duty to set out the harm of crashing out of the EU and this is not scaremongering, union says
https://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/brexit-no-deal-nhs-pandemic-bma-final-say-voters-referendum-a8493221.html

Für Nigel Farage sind "diese Leute" eine "absolute Schande":
Zitat
Nigel Farage:
This is the most extreme form of project fear yet, these people are an absolute disgrace.

Er kriegt Feuer.
Zitat
Rachel Clarke
@doctor_oxford

Dear Mr Farage, as an NHS doctor who cares for terminally ill inpatients, let me tell you what’s disgraceful. 1/n

Disgraceful is an NHS hospice forced to close a *third* of its beds because some its nurses - wonderful, extraordinarily kind individuals - feel so unwelcome now in Britain they have been driven home to Spain, Portugal, Italy etc. 2/n
Disgraceful is the racism, abuse & hate unleashed by your foul & toxic referendum campaign - and, in particular, the racism towards EU staff we have witnessed, post referendum, in my own NHS hospital. 3/n
Disgraceful is dying patients trapped in their homes, in desperate need of an NHS hospice bed, who I cannot treat - because the beds are closed - because EU nurses have been driven away by post-Brexit hate. 4/n
Disgraceful is having to look a World War Two veteran in the eyes, as he weeps and trembles with relief that at last - at last - a hospice bed became available for his dying, desperate wife. 5/n
Disgraceful is an NHS *already* short of 40k nurses and 10k doctors, yet haemorrhaging more daily thanks to the hateful impact of Brexit. 6/n
Disgraceful is the staggering - and sustained - 96% reduction in applications to the NHS from EU nurses since the referendum. 7/n
Disgraceful is people like you whipping up the hate that has caused all this misery - then trolling doctors like me who bear witness to its horrible, inhumane fallout, every day at work. 8/n
Because patients are vulnerable - so incredibly vulnerable. And if you really were a man of the people, as opposed to the racist demagogue you are, you would show some goddamn humility about the human cost of what you’ve done. 10/10 ends

Es ist ganz einfach, Rassist oder white suprematist oder Ausländerfeind zu sein. Solange man gesund ist und sicher ist, nie ein Siechtum zu erleben. Oder wenigstens, solange man reich ist

Typee

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Re: Brexit
« Antwort #183 am: 04. Dezember 2018, 16:10:33 »
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eugh-generalanwalt-grossbritannien-kann-brexit-noch-stoppen-15923762.html

Ob man sich das wünschen kann, darüber bin ich mir nicht sicher. Es würde zur Vernichtung der Tories führen, und wer weiß, wer dann diese Seite des politischen Spektrums besetzen würde. Wahrscheinlich ist die Gelegenheit zu einer auch nur halbwegs tragbaren Lösung, nämlich einem geregelten Ausstieg unter einigermaßen vernünftigen Bedingungen, inzwischen verpasst - zerschossen von den Radikalen um den MP aus North East Somerset mit den lächerlich überdimensionierten Anzügen um den mageren Leib.

Was das UK erlebt, ist mehr als eine Brexit-Krise, es ist eine grundsätzliche Krise ihrer repräsentativen Demokratie. Unter den gewählten Repräsentanten gab es nie eine Mehrheit für einen Verbleib oder auch nur einen tragbaren Deal, die die Stimmung in der Bevölkerung auch nur annähernd hätte abbilden können. Nur eine Regierungsmehrheit, die raus will, ohne zu wissen wie, und eine Opposition, die zu gar keiner plausiblen Position findet, weil sie keinen dialektischen Reim darauf findet.
Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

Typee

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Re: Brexit
« Antwort #184 am: 06. Dezember 2018, 21:20:14 »
Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

Ladislav Pelc

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Re: Brexit
« Antwort #185 am: 15. Dezember 2018, 19:45:03 »
Wäre es nicht mittlerweile doch besser, die Notbremse zu ziehen und ein zweites Referendum durchzuführen? Natürlich würde es knapp ausgehen und ziemlich viele Leute wären ziemlich enttäuscht, aber das wird ja ohnehin der Fall sein, egal, wie es ausgeht. Wenn eine knappe Mehrheit ausreichte, um den Brexit zu legitimieren, sollte das für den Brexit-Exit auch gelten. Wird natürlich zeitlich knapp, aber die EU würde da vermutlich entgegen kommen um den Spuk zu beenden.

Wobei ich mich frage, ob zynisch betrachtet es nicht für die EU durchaus auch Vorteile hätte, wenn GB nach dem Brexit im Chaos versinkt. Vorgeführt zu bekommen, was die Alternative wäre, wäre sicherlich gut für den Zusammenhalt der verbliebenen Staaten.

Typee

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Re: Brexit
« Antwort #186 am: 15. Dezember 2018, 20:04:12 »
Wäre es nicht mittlerweile doch besser, die Notbremse zu ziehen und ein zweites Referendum durchzuführen?

Für die Sache, sicher. Die Antreiber in der politischen Klasse hatten ja vor dem gelaufenen Referendum nie eine Vorstellung davon, was "Brexit" eigentlich bedeuten sollte, geschweige denn so etwas wie eine Folgenabschätzung. Statt dessen: "Mir nach ins Ungewisse". Was die Tories jetzt schier zerreißt, ist eine exakte Spiegelung davon, dass etwas vom Zaun gebrochen wurde, wovon jeder seine eigenen Phantasien, aber niemand ein schlüssiges Konzept hatte. Eigentlich wäre jetzt, wo die Lage überschaubar wird, ein guter Zeitpunkt zu fragen: wolltet Ihr das wirklich?

Die Zeiten sind aber seltsam geworden, eigentlich vernunftsorientierte Nationen entzweien sich über sinnlosen Themen und sind darüber bis zur Hysterie polarisiert. Ein zweites Referendum mit einem entgegengesetzten Ergebnis, das könnte die konservative Partei spalten und die Karten auf der rechten Seite der Landschaft dort ganz neu verteilen. Wobei eine Gruppierung um Typen wie BoJo und Rees-Mogg die Frustrierten aufsammeln würde, und das wären deutlich mehr als die Hälfte der heutigen Tory-Wähler. Zweite Folge wären Neuwahlen und vorhersehbar ein PM namens Corbyn. Das und den Brexit dazu, das will erst einmal überstanden werden.

Beides abgewogen würde ich sagen: die jetzt herausgehandelte Vereinbarung wäre noch die schmerzloseste Lösung, nur hat sie vorhersehbar keine Mehrheit. Wobei wir wieder bei der Hysterie wären.

Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

Typee

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Re: Brexit
« Antwort #187 am: 16. Dezember 2018, 16:41:58 »
Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

MrSpock

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Re: Brexit
« Antwort #188 am: 17. Dezember 2018, 11:17:34 »
Die Briten sollten sich ein Beispiel an Microsoft nehmen. Dort wird auch immer gefragt "Sind Sie sicher?" ;D
Von allen Seelen, die mir begegnet sind auf meinen Reisen, war seine die menschlichste. (In Memoriam Groucho)

Zitat aus Star Trek II.

Ladislav Pelc

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Re: Brexit
« Antwort #189 am: 18. Dezember 2018, 03:35:16 »
Danke für die Erklärung. Ich muss zugeben, dass ich nicht ganz so viel Ahnung habe von britischer Politik und daher vermutlich Dunning-Kruger zum Opfer falle, aber ich denke, ich verstehe was du meinst.

Nur wäre das nicht trotz allem besser, als das Risiko einzugehen, darauf zu hoffen, dass das Parlament am Ende doch noch rechtzeitig zähneknirschend dem Deal zustimmt (oder, was mir deutlich unwahrscheinlicher scheint, die EU doch noch zu Nachverhandlungen bereit ist). Sicher, bis März ist noch Zeit, wahrscheinlich würde zumindest eine Seite vernünftig genug sein, nachzugeben. Aber sicher bin ich mir da nicht mehr.

Lt.Havoc

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Re: Brexit
« Antwort #190 am: 18. Dezember 2018, 11:43:39 »
Nun werden die stimmen für eine Zweites Referendum immer lauter, sogar Corbyn hat sich dafür entschieden und setzt May unter druck. Das die Briten einseitig von dem Brexit zurücktreten können, das haben übrigens die Schotten herausfinden lassen, das hat nicht mal die Regierung gemacht und damit wohl absichtlich den Wählern etwas vorenthalten. Nach zwei Jahren, glaube ich nicht mehr das es eine Mehrheit für den Brexit gibt und das ein Großteil der Briten den überhaupt noch will, denn sollte er kommen, wird es des United Kingdom so bald nicht mehr geben, da die Schotten dann für die Unabhängigkeit stimmen werden und sich dann los lösen, und Irland gerne den Norden wieder haben will und die Nord Iren auch gerne in der EU verbleiben möchten, da kann ich mir vorstellen, das es dort wieder zu Konflikten kommt wie zu den Zeiten der Troubles.

Egal wie die Sache ausgehen wird, die Briten werden sehr geschwächt aus dem ganzen her vorkommen und das auf Jahrzehnte, keiner wird die UK mehr politisch ernst nehmen und alle werden sich an dieses Brexit Chaos erinnern

Typee

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Re: Brexit
« Antwort #191 am: 24. Januar 2019, 11:39:16 »
Erinnert sich noch jemand an "Yes Minister" bzw. "Yes Prime Minister"? Kommentator Jonathan Lynn hat im Guardian eine fiktive Anfrage an den verschlagenen Staatssekretär Sir Humphrey Appleby gestellt, wie er das Brexit-Dilemma lösen würde. Hier die Antwort:

Zitat
“So I would discreetly phone Michel Barnier. He is French, and the Tories resent that we have never got our way with the French since the Battle of Waterloo. The chief of the defence staff once told me that we don’t have an independent nuclear deterrent because of the Russians – we have it because the French have one.

I would ask Barnier to do two things:

1. Make it clear that the UK’s departure from the EU would also involve our being excluded from the Uefa League and Cup;

2. Clarify that we would also be excluded from the Eurovision song contest.

“These exclusions would greatly enhance the prospects of the French winning both in future.

“Then I would telephone President Macron and ask him to make a speech saying that De Gaulle had been right all along: the British are not to be trusted and should not have been admitted to Europe; that the French have been planning for years for us to depart and are delighted that they and the Germans will now be free to run things the way they want.

“With luck, this would so provoke the people that they would rise en masse and demand another referendum to stop the French from once more getting the better of us.”
Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

celsus

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Re: Brexit
« Antwort #192 am: 25. Januar 2019, 14:46:19 »


 :angel:
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

Peiresc

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Re: Brexit
« Antwort #193 am: 29. Januar 2019, 13:22:08 »
Die Liebe zum Chaos scheint fast gleichmäßig über alle Parteien verbreitet zu sein.

Zitat
   A company owned by a senior Labour party official is processing voter data for three Eurosceptic campaign groups pushing for a hard no-deal Brexit, the Financial Times has learnt.

Ben Soffa has been head of digital organising for the UK’s main opposition party since 2015, having previously run Jeremy Corbyn’s victorious leadership campaign. Mr Corbyn attended his wedding to Cat Smith, a leftwing MP, in October 2016.
[...]
   Christine Jardine, a Lib Dem MP and supporter of the pro-EU Best for Britain group, said: “This revelation will do little to ease concerns that Jeremy Corbyn and his closest allies are unwilling to prevent a hard Brexit ... The Corbyn machine has consistently stood in the way of those trying to stop the calamity of Brexit.”
https://www.ft.com/content/abf4c0d8-2312-11e9-8ce6-5db4543da632

Ladislav Pelc

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Re: Brexit
« Antwort #194 am: 03. Februar 2019, 07:20:55 »
Was ich nicht ganz verstehe: Warum kommt die EU GB nicht in Sachen Backstop entgegen? Das ist ja anscheinend der Punkt, an dem es nach wie vor am meisten hakt.

Und das kann ich sogar durchaus nachvollziehen, schließlich heißt es, dass GB nie mehr wirklich unabhängig von der EU sein kann. Auch wenn es offiziell nur eine Übergangslösung bis zum Abschluss einer endgültigen Vereinbarung ist: Warum sollte die EU sich dann mit weniger zufrieden geben, als sie durch den Backstop ohnehin schon hat, und insbesondere einer Vereinbarung zustimmen, die GB dann doch wieder einseitig kündigen könnte? So gesehen wäre es auch aus Sicht der Brexit-Befürworter besser, den Brexit abzublasen, dann könnte man später immer noch doch noch vollständig austreten, während man die Option nach dem Deal nicht mehr hat, wahrscheinlich nie wieder.

Mir ist natürlich klar, warum man eine geschlossene Grenze unbedingt vermeiden will. Aber es sind keine zwei Monate mehr, bis man genau das bekommt, wenn nicht eine Seite noch nachgibt. Da wäre eine feste Regelung für beispielsweise "nur" fünf oder zehn Jahre und die berechtigte Hoffnung, dass GB auch kein Interesse daran hat, die Grenze zuzumachen, und es bis dahin auch auf die Reihe bekommt, ein entsprechendes Abkommen auszuhandeln.