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Autor Thema: Bayer will Monsanto übernehmen  (Gelesen 15280 mal)

grober_unfug

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #45 am: 17. September 2016, 01:27:42 »
Zitat von:  celsus
In allen anderen Bereichen sind Chinesen, Inder, Malaysier oder Osteuropäer schneller, zuverlässiger, billiger und vor allen Dingen freundlicher.
Ich glaube ja mittlerweile das grantige Unfreundlichkeit der Treibstoff für die Innovationen in Deutschland ist.  :-X

Zitat
Gerade Gen- und Biotechnologie ließe sich hier schön ausbauen, weil Forschungsgeld, Wissen, Investoren und Abnehmer vorhanden sind. Aber da hat wohl eine ganze Industrie verpennt, für gute Stimmung zu sorgen. Warum eigentlich? Selbst die Tabakindustrie hat es jahrzehntelang geschafft, ihr positives Image zu halten.
Das hängt in meinen Augen mit dem Bild des röhrenden Hirschen zusammen, das ist die ideale Natur und nur so hat es zu sein, hochnäsige Weißkittel aus dem Elfenbeinturm haben da nix zu suchen. Außerdem weisst du nicht ob die Gentechnik nicht doch wie der Besen des Zauberlehrlings reagiert.

Zitat von:  Peiresc
Und ob VW überlebt, wissen wir auch noch nicht. +1, leider.
Ich habe da tatsächlich mal vollstes Vertrauen in die Politik, hier werden die Samthandschuhe ausgepackt und in den USA ist man angesichts des Betragens seitens VW zwar harsch aber normalerweise möchten die keine Firmen nur aus Prinzip totklagen. Das ist eher etwas was hier passieren würde, einfach nur aus Prinzip und weil man bei Schuldigen und Schuldnern sowieso immer im Recht ist würde man die Daumenschrauben krachend festziehen, lieber ganz ohne Rückzahlungen aber moralisch im Recht bleiben als wenigstens etwas oder gar alles nach längerer Zeit zurückbekommen und dafür bei den Forderungen "einknicken".

Tante Edith meint dazu: Aaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh...
http://www.heise.de/autos/artikel/Loeschte-Ministerium-2008-Indizien-auf-Abgas-Betrug-3325788.html
Vielleicht sollte ich hier meinen Zweckoptimsmus eingrenzen, sollte sich das bewahrheiten und aufklären lassen könnte es richtig heiss hergehen.

Zitat von:  Groucho
Welches weltbedeutende IT-Unternehmen gibt es z.B. in D? SAP, dann fällt mir nix mehr ein.
Was meint schon weltbedeutend, crytek (schlechte Ego shooter, aber gute Grafik), MV-tec (kennt keine Sau stellen die Bildverarbeitungssoftware Halcon her, imo für industrielle Belange mit das Beste was es weltweit gibt, sauschnell, hochflexibel, sehr schnell erstellte Programme, gespenstisch bugfrei und sauguter Support), 3S Software (Codesys), Copa-Data (Zenon Scada/HMI Software).
Deutsche Software hat ein großes Problem in meinen Augen und zwar ist kaum einer von denen im Rampenlicht, das ist alles komisches Zeug im Zuge der Maschinenbauern angesiedelt. Bei Codesys sieht man dieses Problem deutlich, die machen keine netten Dinge sondern Software nach IEC 61131-3, kein normaler Mensch oder gar Schüler möchte damit was zu tun haben, das ist schnarchlangweilig im ersten Moment.
Muss halt alles was "richtiges" sein mit Spielen, Witzchen oder netten Dingen verdient man ja kein Geld für die Rente mehr, im Zuge solcher Entscheidungen sind einige vielversprechende Spielefirmen abgewickelt worden bevor die Spiele fertig waren. ::)


ZKLP

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #46 am: 17. September 2016, 14:08:26 »
http://scienceblogs.de/naklar/2016/09/16/der-monsanto-wahnsinn/?all=1
Zitat
Monsanto ist der Feind. Das als Weltkonzern inkarnierte Böse, Satans Eintrag im Firmenbuch, ein Hybrid aus Darth Vader, Hannibal Lecter und Sauron. In ihrer Firmenzentrale steht ein Schrein mit Hitlers Schnurrbart, regelmäßig beträufelt mit dem frischen Blut flauschiger Katzenbabys, und selbst der hält es dort nur aus, weil er Angst vor den genmanipulierten Frankenstein-Superpflanzen hat, die ihn dort Tag und Nacht bewachen.

So ungefähr ist der Eindruck, der sich aufdrängt, wenn man die Internetberichterstattung über den Biotech-Konzern Monsanto und seine Übernahme durch Bayer mitverfolgt. Das „Monsanto-Tribunal“ soll im Oktober 2016 in Den Haag zusammenkommen und ein Urteil fällen – das klingt nach internationalem Gerichtshof, nach schwerer Schuld und strafrechtlicher Relevanz. Dass es sich in Wahrheit bloß um eine NGO mit frecher PR-Strategie handelt, wird gerne übersehen. Unter dem Hashtag #monsantoevil kann man schockierende Fakten über den Konzern nachlesen, basierend auf bunten handgeschriebenen Postern und ähnlich seriösen Quellen.

Es wird Zeit, tief durchzuatmen und zur Rationalität zurückzukehren: Monsanto ist nicht böse, Monsanto will uns nicht töten, und Monsanto ist auch kein edler Heiland, der aus purer Menschenliebe den Hunger auf der Welt beseitigen wird. Monsanto ist ein Biotechnologiekonzern und macht genau das, was ein Biotechnologiekonzern eben tut: Produkte entwickeln, verkaufen, Geld verdienen. Solche Produkte können positive oder auch negative Auswirkungen haben. Darüber kann man sachlich diskutieren, jede Aufregung ist unnötig.

Groucho

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #47 am: 17. September 2016, 14:30:42 »
http://scienceblogs.de/naklar/2016/09/16/der-monsanto-wahnsinn/?all=1
Zitat
Monsanto ist der Feind. Das als Weltkonzern inkarnierte Böse, Satans Eintrag im Firmenbuch, ein Hybrid aus Darth Vader, Hannibal Lecter und Sauron. In ihrer Firmenzentrale steht ein Schrein mit Hitlers Schnurrbart, regelmäßig beträufelt mit dem frischen Blut flauschiger Katzenbabys, und selbst der hält es dort nur aus, weil er Angst vor den genmanipulierten Frankenstein-Superpflanzen hat, die ihn dort Tag und Nacht bewachen.

 :rofl

Erschreckend gleich die Kommentare. "Monsanto" ist zu einem Zauberwort geworden, das manche hirntechnisch sofort in den Zombiemodus versetzt. Faszinierend.
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

Typee

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #48 am: 17. September 2016, 15:26:17 »
"Monsanto" ist zu einem Zauberwort geworden, das manche hirntechnisch sofort in den Zombiemodus versetzt. Faszinierend.

Das kenne ich. Das vergeht auch wieder - bis das nächste Schweinlein durch den Weiler gejagt wird. Früher waren das United Brands, dann IBM, dann ITT, dann eine Weile Exxon und/oder Standard Oil (Shell).  Zur Zeit leidet die öffentliche Wahrnehmung eben mehr unter Genen als unterm Auto, unterm Computer oder unter Bananen.
Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

Sauropode

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #49 am: 17. September 2016, 15:34:33 »
Vielleich braucht der Mensch so etwas als Projektionsfläche für das Böse? Der echte Leibhaftige ist irgendwie aus der Mode gekommen, da braucht es etwas diesseitiges.
Die schlimmste Idee ist die einer besseren Welt.

Groucho, Du fehlst!

MrSpock

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #50 am: 19. September 2016, 12:37:28 »
Von allen Seelen, die mir begegnet sind auf meinen Reisen, war seine die menschlichste. (In Memoriam Groucho)

Zitat aus Star Trek II.

ZKLP

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #51 am: 19. September 2016, 15:53:57 »
Da kann ich mithalten:



 :prosit

ZKLP

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #52 am: 20. September 2016, 10:34:58 »
Sowas war ja zu erwarten, spätestens seitdem Glyphosat in Impfstoffen nachgewiesen worden sein soll:

'March Against Monsanto' Is Now an Anti-Vaccine, Conspiracy Movement
Zitat
But now that Bayer is buying out Monsanto, what is MAM [March against Monsanto] to do? These angry activists must channel their rage somewhere. So, March Against Monsanto has decided to become hard-core anti-vaccine.

With over 1.2 million followers, the influential group's Facebook page is dangerously unhinged from reality, featuring posts promoting everything from anti-vaxxer propaganda to historical conspiracy theories.

Bloedmann

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #53 am: 25. September 2016, 15:12:18 »
Es gibt so viele Dinge im Leben, die wichtiger sind als Geld… aber sie kosten so viel! Groucho Marx

lanzelot

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #54 am: 26. September 2016, 21:07:27 »
Noch einer

uran

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #55 am: 04. Oktober 2016, 20:29:20 »
6 Minuten lang Kristina Schröder und ich habe garnichts daran auszusetzen :skeptisch: .
https://www.youtube.com/watch?v=wZOE2Ec55Q0
Bei so einem Thema klar Stellung für die unbeliebte Seite zu beziehen trauen sich nicht viele.

Groucho

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #56 am: 04. Oktober 2016, 20:49:42 »
6 Minuten lang Kristina Schröder und ich habe garnichts daran auszusetzen :skeptisch: .
https://www.youtube.com/watch?v=wZOE2Ec55Q0
Bei so einem Thema klar Stellung für die unbeliebte Seite zu beziehen trauen sich nicht viele.

Hammer. Richtig gut.
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

forenschlaefer

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #57 am: 06. Oktober 2016, 09:42:00 »
passt hier nur halb rein, aber ich habe gerade in einem anderen Forum eine Diskussion über "Lebensmittel im 21. Jh.: Genfood, Monsanto, alte/verbotene Sorten und Co." etc. blabla wo alle  drüber reden, wie genetisch überlegen Biolebensmittel sind und Massentierhaltung des Teufels etc.

ab und an kommt auch was interessantes, ich wurde auf Felix Löwenstein verwiesen, der im Buch Food Crash
https://www.amazon.de/FOOD-CRASH-werden-%C3%B6kologisch-ern%C3%A4hren/dp/3629023002
durchgerechnet hätte, dass man die Welt ökologisch ernähren könnte.

Ich hatte nur noch im Kopf Zahlen von irgendeinem Bundesamt, dass Deutschland überhaupt nicht genug landwirtschaftlich nutzbare Fläche überhaupt hätte, würde man alles hier auf Öko umstellen.

Kennt sich wer mit dem Buch bzw. der Rechnung aus? Einen promovierter Agrarwissenschaftler wie den Autor kann man nicht so nebenbei zur Seite wischen. Bin auch (noch) nicht bei antivegan angemeldet, um die Frage dort zu stellen.

uran

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #58 am: 06. Oktober 2016, 10:11:06 »
ab und an kommt auch was interessantes, ich wurde auf Felix Löwenstein verwiesen, der im Buch Food Crash
https://www.amazon.de/FOOD-CRASH-werden-%C3%B6kologisch-ern%C3%A4hren/dp/3629023002
durchgerechnet hätte, dass man die Welt ökologisch ernähren könnte.
Glaubst du denn wirklich, dass eine Form von Landwirtschaft, die in der Vergangenheit weniger Menschen auf mehr Fläche nicht ausreichend ernähren konnte, das kann?

Ich kenne das Buch nicht, aber üblicherweise wird in solchen Büchern erst einmal zwangsveganisiert und keine Lebensmittel bleiben mehr ungenutzt.
Das ist besonders widersprüchlich, weil die Tiere ja auch wegen ihrem Dung benötigt werden. Sowas hat man mal zu Zeiten des erste Weltkriegs versucht - ging nicht gut aus.
Der zweite Punkt ist aber auch nicht besser, ohne moderne PSM verderben mehr Lebensmittel.
Ich schrieb "moderne PSM" weil PSM verwenden die Ökos genauso und die sind zum Teil deutlich umweltschädlicher, wie die berühme Bordauxbrühe.
Hatten wir auch schon mal im Blog:
https://blog.psiram.com/2015/01/die-natur-der-pestizide/

Die wichtigste Frage ist aber eigentlich "warum sollte man das tun wollen?" Wenn mal wieder behauptet wird, dass auf Bioäckern eine höhere Biodiversität herrscht, dann ist das nur ein Euphemismus dafür, dass dort ein paar konkurenzstarke Unkräuter mehr wachsen. Durch den höheren Flächenverbrauch geraten dann allerdings die Brachflächen, auf denen seltene Tiere und Pflanzen leben auch unter die Räder.
Groucho hat es neulich mal so schön formuliert "Ideologie macht aus der klügsten Birne Matsch"

HorstHuber

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Re: Bayer will Monsanto übernehmen
« Antwort #59 am: 06. Oktober 2016, 11:40:53 »
. ab und an kommt auch was interessantes, ich wurde auf Felix Löwenstein verwiesen, der im Buch Food Crash
https://www.amazon.de/FOOD-CRASH-werden-%C3%B6kologisch-ern%C3%A4hren/dp/3629023002
durchgerechnet hätte, dass man die Welt ökologisch ernähren könnte.
Ich habe sein Buch nicht gelesen, kenne aber sehr gut seine Meinung und mit welchen Scheinargumente er seine Meinung versucht zu untermauern.

Zitat
Ich hatte nur noch im Kopf Zahlen von irgendeinem Bundesamt, dass Deutschland überhaupt nicht genug landwirtschaftlich nutzbare Fläche überhaupt hätte, würde man alles hier auf Öko umstellen. Kennt sich wer mit dem Buch bzw. der Rechnung aus?
Man muss nicht irgendwelche Berechnungen anstellen, um zu sehen, dass Deutschland zuwenig Fläche hat, um seine Bewohner zu ernähren. Das ist heute schon so das DE ein Nahrungsmittel-Importland ist. Und das trotz ~ 95% vernünftiger Landwirtschaft.
Oder in anderen Worten: Bananen wachsen nicht im Allgäu.

Reduziert man die Produktion auf die reinen kcal dann ist DE kein Importland. Doch dafür muss ich halt Lebensmittel Weltweit handeln. Das will der Prinz ja auch nicht.
Bsp.: Auf der Fläche in der z.B. in Kenia Rosen, in Indien Baumwolle, in Brasilien Bananen oder in Indonesien Tee ... angebaut werden für den Export nach Deutschland wachsen nunmal keine Lebensmittel für den dortigen Markt.   
Diese Tatsache wird bei des Prinzen Rechnung nicht beachtet.

Sprich man muss auf der Fläche in DE - wenn es funktionieren soll - nicht nur z.B. den Ertrag von Weizen erzielen der für die Versorgung notwendig ist sondern es muss auch noch die Menge zusätzlich erzeugt werden die im "Tausch" zu den Importprodukt-Flächen der dortige Bevölkerung für deren Nahrungsmittelproduktion entzogen werden.
Das beachtet der Prinz nicht und deshalb ist die Basis seiner Milchmädchenrechnung schon falsch.

Doch dies ist nicht die einzige Variable in seiner Berechnung die Falsch ist und dadurch das Ergebnis seiner ideologisch motivierte Rechnung (der Prinz ist der oberste Lobbyist der Bioverbände) verfälscht.


Weitere Dinge sind:

- Fehlende Düngung: die meisten Flächen in DE werden erst seit kurzer Zeit (im Schnitt zehn Jahre) nach den demokratisch bestimmten Biorichtlinien (also nicht auf Fakten basierend)  bewirtschaftet. Das ist in DE kein Problem da diese ca. 70 bis 100 Jahre lang aufgedüngt wurden um sie Fruchtbarer zu machen. Diese Vorräte erschöpfen sich und bei Bioäcker die schon länger nach diesen Richtlinien bewirtschaftet werden kann man einen deutlichen Ertragsrückgang heute feststellen. Dies beachtet der Prinz nicht

- Bis vor ca. 30 Jahren wurden auch die Bioäcker "natürlich" gedüngt. Dann traten neue Richtlinien in Kraft. Bsp. Reduzierung des Schwefelgehalts in Abgasen. Dadurch wird es jetzt notwendig das auch Bioäcker mit bergmännisch gewonnen Schwefeldünger gedüngt werden. Das erwähnt der Prinz nicht. Anderes Beispiel ist die Reduzierung von Stickoxiden (vgl. VW-Skandal). Das dieser Düngereintrag nicht unerheblich ist/war wird alleine dadurch deutlich das in den 80ern vorallem in den USA Vorrichtungen an Traktoren angebaut wurden die die "Nährstoffreichen" Abgase in den Boden injektieren. das beachtet der gute Märchenprinz auch nicht in seinen Rechnungen

- die Biofläche in DE ist überschaubar. Derzeit sind es ungefähr 7% der Landw. Nutzfläche. Dies relativiert sich jedoch das z.B. darunter einer nicht unerheblicher Teil von Pferdebetriebe, Hobbystreuobstwiesen, Hobbytierhaltung, eh aus der Produktion genommen Flächen etc. ist. Sprich diese Flächen die z.B. für die Pferdehaltung nach Biorichtlinien (was schon eine große Graunzone darstellt weil die meisten Pferde in ihrem Equidenpass als nicht Lebensmittel geeignet Registiert sind - dadurch werden sie mit Medikamente behandelt die im Biolandbau verboten sind aber um das politische Ziel zu erreichen wird dies toleriert). Der Anteil an Bioflächen ist deshalb sehr gering und wird durch die umliegende Flächen "geschützt" sprich der Krankheitsdruck und Ungras/kraut druck ist stark reduziert. Wird alles nach Biorichtlinien bewirtschaftet dann entfällt diese "herd immunity" und der Ertragsrückgang fällt deutlich höher aus als derzeit bei der Umstellung zu beobachten ist. Dies beachtet das Prinzchen nie ansatzweise in seinen Berechnungen (habe mit ihm das mal am Rande einer Veranstaltung persönlich diskutiert) auch nicht beachtet.

- Seine Berechnung krankt auch daran das er die Erträge 1:1 vergleicht. Also 1 ha vernünftig bestellter Weizen liefert X Tonnen und ein ha Bioweizen liefert X-Y Tonnen.
Das ist falsch. Denn ich muss die gesammten Fruchtfolge beachten. Im extremfall schaut es in konventionellen Betrieben so aus das die Fruchtfolge aus Weizen, (Stoppel)Weizen, Raps besteht während im Bioanbau (ausser auf von Natur aus überdüngten Böden wie die Schwarzerde in der Magdeburger Börde) in der Regel nur alle sechs Jahre auf dem Feld steht. Sprich 4x Weizenertrag auf dem konv. Feld vs. 1x Weizenertrag auf dem Biofeld. Das Prinzchen nimmt aber den konv. Weizenertrag und korrigiert diesen nur um den Faktor Y. Das geht nicht.

 - Biolandwirtschaft kann ohne konventionelle Landwirtschaft nicht existieren. Denn sonst wäre kein Saatgut mehr vorhanden weil in Jahren wie z.B. dieses Jahr in den meisten Gegenden in DE einfach das Saatgut so krank ist das im Falle einer Aussaat die Pflanzen schon krank wären. Das wird zwar nicht offiziell bestritten aber auch nicht erwähnt. Doch die Ausnahmegenehmigungen die jedes Jahr erteilt werden (und sich die Bioverbände auch gut bezahlen lassen) sind nicht unerheblich.

- Die Märchenprinzrechnung beachtet auch nicht das auch im Bioanbau erhebliche Nahrungsmittelvernichtung betrieben wird. Es geistert ja die ominöse Zahl durch die Medien das in DE 40% aller Nahrungsmittel vernichtet werden. Darin enthalten sind aber zu ca. 50% nicht vermeidbare Verluste wie Schälverluste (z.B. Bananenschalen).

- Er argumentiert auch (ähnlich wie der komische Ostendorf) das man nur die Ernteverluste etc. reduzieren muss. Das geht aber nicht - weil niemand findet sich der auf z.B. auf einem Weizenfeld die Ähren und Körner die vor dem Mähdrescher auf den Boden gefallen sind aufsammelt. Auch das was den Mähdrescher technisch bedingt verlässt (Mähdrusch erfolgt mit ca. 1% Verlust d.h. bei 8 Tonnen Ertrag die in den Mähdrescher wandern können 80 kg nicht geerntet werden) In seiner Rechnung zählt der Märchenprinz dies jedoch zum Ertrag hinzu. 

Last but not least - um nicht die Argumente gegen diese Zahlen nicht noch unübersichtlicher erscheinen zu lassen sind nur noch zwei Argumente genannt.

- Seiner Berechnung liegt zu Grunde das durch Züchtung (genetische Veränderung) die Bioerträge verbessert und vorallem stabilisiert werden

- Setzt eine komplette Änderung der Menschen vorraus. Nicht nur in der Art was jeder isst sondern auch im Einkaufsverhalten. Denn seine Zahlen funktionieren nur dann (trotz der vielen Mängel die ich schon vorher aufgezeigt habe) wenn der Kunde nicht mehr die freie Auswahl hat. Sprich wenn ich etwas zu spät in den Supermarkt komme dann hätte ich nicht mehr die Möglichkeit z.B. Karotten zu kaufen wenn alle Kunden vor mir auch Lust auf Karotten gehabt hätten. Das führt dazu das ich nicht mehr die Wahl habe welches z.B. Gemüse ich kaufen kann. Für eine sichere Versorgung muss immer eine Überproduktion von Lebensmitteln erfolgen wenn ich die gleiche Wahlfreiheit wie heute haben will. Entgegen aller Lippenbekenntnisse sind >99% aller Kunden nicht bereit auf diesen Luxus zu verzichten.   

Zitat
Einen promovierter Agrarwissenschaftler wie den Autor kann man nicht so nebenbei zur Seite wischen. Bin auch (noch) nicht bei antivegan angemeldet, um die Frage dort zu stellen.
Doch kann man. Denn es zählen die belastbaren Argumente und nicht Wunschvorstellungen. Auch die Promotion in Agrarwirtschaft führt nicht dazu das die Meinung eines Märchenprinzen unfehlbar ist.

Bio-Lobbyisten (und andere) machen im übrigen genau das was derzeit zu Recht der AFD vorgeworfen wird. Sie simplifizieren Dinge und propagieren einfache Lösungen die ohne Transformation der Natur (Pflanzen, Tiere, Menschen) nicht möglich sind.
Einen promovierten Bänker kann man ja auch kritisch hinterfragen wenn er einem ein Finanzprodukt mit unglaublich hoher Rendite verspricht.   
The intelligence of the creature known as a crowd, is the square root of the number of people in it. (Terry Pratchett)