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Autor Thema: Positive Rückkopplung des Sensationalismus in Wissenschaft und Medien  (Gelesen 3375 mal)

pelacani

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Steven Novella
http://www.sciencebasedmedicine.org/communicating-health-science-news/
berichtet über eine gerade erschienene Studie über den „sensationalism in the communication of science news“, sehr lesenswert. Sowohl die Medien als auch die Wissenschaftler bekommen ihr Fett (:crazy – siehe dazu gleich) weg. In den anderen Fäden streifen wir gerade die Verantwortung der Wissenschaft und der Medien, z. B. bei der E-Zigarette, oder bei anderen Gelegenheiten. 

Zitat
The problem is worsened by changes over the last decade in the news infrastructure. The internet and changing business models make it difficult for large news outlets to maintain specialist journalists and editors. Therefore science and health news is more frequently being reported by generalist reporters, and not filtered through a dedicated science editor.

As a result, some outlets simply reprint science press releases without doing any independent investigation, without talking to experts who did not author the study, and without any ability to put the new research into a proper context. This is evident simply by searching on a science news item and finding dozens of websites publishing the exact same copy, word for word, which ultimately leads back to the press release.
Könnte als passender Kommentar gleich hier abgeladen werden:
https://forum.psiram.com/index.php?topic=13651.0

Novella schreibt:
Zitat
The biggest problem, however, is reporting preliminary or exploratory data as if it is confirmatory. I have argued previously that preliminary data should not even be reported to the press, in most cases. Such data simply does not rise to the level of newsworthiness, as it is far more likely to be wrong than to pan out in later research. If preliminary data is communicated, it should come with a bold disclaimer about the preliminary nature of the study.
Passt wie die Faust aufs Auge. Beispiel gefällig?
Im aktuellen AOK-Journal „Bleib gesund“ gibt’s eine Kurzmeldung auf S. 7: 
Zitat
Junkfood macht vergesslich. Laut australischer [sic] Studien schädigt fett- und zuckerhaltige Nahrung bei Ratten schon nach einer Woche das Gedächtnis. Die Forscher vermuten, dass das auch für Menschen gilt.
Kann als seffaständlich durchgehen, haben wir ja schon immer gewusst, Hamburger machen dämlich, kein Aufreger. Sorgfältig (im Ernst: sicher nur gleichgültig, uninteressiert) wurde alles vermieden, was es dem Leser leicht machen würde zu erkennen, worum es genau ging. Infrage kommt das hier:
Zitat
Erstmalig haben Forscher der University of New South Wales in Australien nachgewiesen, dass Ratten, die mit sehr fett- und zuckerhaltigem Futter gefüttert wurden, nach nur einer Woche unter Gedächtnisstörungen litten. Interessanterweise waren die Ergebnisse bei Ratten, die zwar gesundes Futter, aber Zuckerwasser erhielten, ähnlich. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift  Brain, Behavior and Immunity veröffentlicht.

„Wir vermuten, dass die Ergebnisse auch auf Menschen übertragbar sind", sagt Professor Morris. „Die Ernährung wirkt sich in jedem Alter auf das Gehirn aus, aber je älter wir werden, desto entscheidender ist sie und könnte auch dem Abbau kognitiver Fähigkeiten entgegenwirken."
http://www.springermedizin.at/artikel/38521-junkfood-kann-das-gedaechtnis-von-ratten-innerhalb-einer-woche-schaedigen
Auch hier wird noch keine Quelle angegeben, und die Recherche bei Pubmed und bei der Zeitschrift selbst brachte kein eindeutiges Ergebnis. Möglicherweise ist diese Arbeit gemeint (Ein Restrisiko besteht: sie ist erst 3/14 publiziert worden. Vielleicht ist sie vorher auf einem Kongress vorgestellt worden, oder sie war vorher schon als "online first" zugänglich):
Zitat
Jessica E. Beilharz, Jayanthi Maniam, Margaret J. Morris: Short exposure to a diet rich in both fat and sugar or sugar alone impairs place, but not object recognition memory in rats.
Brain, Behavior, and Immunity Volume 37, March 2014, Pages 134–141
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0889159113005758
(Hinter der lächerlichen Evilsevier-Bezahlschranke von 35$ - warum verlangen die eigentlich nicht 350$?)
Die Ratten wurden einer „regular diet“ (59% carbohydrate,26% protein, 15% fat) und einer „cafeteria diet“ ausgesetzt:
Zitat
The rats on the cafeteria diet (CAF S+) received chow, and access to one sucrose bottle (10% solution) and one water bottle in each cage. This was supplemented with a container (7.5 cm   7.5 cm) of lard, and a selection of biscuits and cakes that changed every day (50% carbohydrate, 5% protein, 45% fat).
Wurden die Ratten zu dieser Ernährung gezwungen? Nein!:
Zitat
All food, water and sucrose were available ad libitum and replaced daily.

Die Ratten absolvierten eine „object task“ und eine „place task“ (wohl: Ortserkennungsaufgabe). Da ich nichts von Tierversuchen verstehe, kann ich auch nicht erkennen, wie gut die verwendeten Aufgaben sind. Schon nach 5 Tagen Diät schnitten die ketogen ernährten Ratten schlecht ab :teufel. Übertragen auf den Menschen müsste man vermuten, dass für jeden, der sich 5 Tage mit Keksen, Kuchen und Schmalz ernährt, eine Betreuung eingerichtet werden muss.

Wieviele Ratten haben sie eigentlich für die Teilnahme an den Versuchen gewinnen können?
Zitat
n = 7 rats per group
Damit hatten sie statistisch signifikante Ergebnisse. Mir persönlich sind so dramatische Effekte selbst bei Ratten unter dem Gesichtspunkt der Evolution suspekt. Vielleicht waren die junk-gefoodeten Ratten nur nicht mehr motiviert; ein voller Bauch studiert nicht gern.

Was sagt Steven Novella dazu?
Zitat
Pictured: Test subjects probably not worth a press release.

und
Zitat
Another potential source of hype is extrapolating from one type of data to conclusions that the data does not directly address. In healthcare reporting the most common form of this problem is extrapolating from preclinical data to clinical conclusions. Preclinical data includes in-vitro studies looking at cell cultures, or animal data. Such evidence should only be used as a means of determining whether or not human clinical trials are likely to be safe and useful.

ajki

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Re: Positive Rückkopplung des Sensationalismus in Wissenschaft und Medien
« Antwort #1 am: 20. Dezember 2014, 20:57:04 »
Novella schreibt:
Zitat
The biggest problem, however, is reporting preliminary or exploratory data as if it is confirmatory. ...

*Wenn* ich an Miss-Wahlen hätte teilnehmen dürfen und *wenn* ich dabei die Frage gestellt bekommen hätte, was ich mir für diese Welt wünschen würde (auch unter besonderer Berücksichtigung heidnischer Feste und der mit ihnen verbundenen Fantasy-Storys), dann wäre es das:

"Weltfrieden! Hört endlich auf, über Vaporware, HätteKönnteWürde-Pressekonferenzen und WilliWichtig-möchte-uns-allen-etwas-sagen-Events nichtssagende und wertlose Nachrichtenbeiträge in den Publikumszeitungen zu verbreiten!"

Ansonsten: im Moment kann ich die Webseite von sbm nicht erreichen. Möglicherweise beziehen sich Novellas Kommentare auch / unter anderem auf diese kürzliche Veröffentlichung:

The association between exaggeration in health related science news and academic press releases: retrospective observational study

Das ist allerdings im Effekt *Wasser auf die Mühlen* der Verbreitungspresse! Denn: sie (= die arme gescholtene Presse) ist es nicht in Schuld gemäss presseeigener Sichtweise! Siehe dazu:

sz vom 10.12.2012, Werner Bartens
every time you make a typo, the errorists win

Groucho

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Re: Positive Rückkopplung des Sensationalismus in Wissenschaft und Medien
« Antwort #2 am: 20. Dezember 2014, 21:39:49 »
Das ist allerdings im Effekt *Wasser auf die Mühlen* der Verbreitungspresse! Denn: sie (= die arme gescholtene Presse) ist es nicht in Schuld gemäss presseeigener Sichtweise! Siehe dazu:

sz vom 10.12.2012, Werner Bartens

Wassn Quatsch. Wenn das das Selbstverständnis von Journalismus ist, Pressemeldungen unreflektiert zu verbreiten, kann man den Berufsstand wirklich per Software ersetzen. Ok, ich mag naiv sein, aber Journalismus beginnt dort, wo man hinterfragt, welchen Gehalt eine Pressemeldung hat.
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

Groucho

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Re: Positive Rückkopplung des Sensationalismus in Wissenschaft und Medien
« Antwort #3 am: 20. Dezember 2014, 22:20:51 »
Passt gerade dazu:

Zitat
Alle Jahre wieder kann man sich darauf verlassen, dass irgend eine Umweltschutzorganisation zum Weihnachtsfest eine Gefahrenwarnung herausgibt. Diesmal sind es weder Lebkuchen noch Zimtsterne noch Adventskalender, sondern Weihnachtsbäume, in denen “chemische Rückstände” gefunden wurden. Der Urheber der Warnung, der BUND, hat Nadeln von insgesamt 15 Weihnachtsbäumen aus Berlin, Leipzig, München, Nürnberg sowie aus weiteren Regionen in Bayern auf Rückstände von über 150 Pestiziden untersuchen lassen. In jedem zweiten Baum wurden „Rückstände von Unkrautvernichtungsmitteln“ gefunden, darunter in sieben Bäumen entweder Glyphosat oder Prosulfocarb, in einem weiteren Fall beide Herbizide in Kombination.

Mehr Informationen gibt es nicht, vor allem keine Konzentrationsangaben. Spätestens bei dieser Nicht-Information sollten Medien skeptisch werden und nachfragen - tun sie aber nicht. Stattdessen beten Handelsblatt, Merkur, Welt, Deutschlandfunk, Zeit-Online und sogar das „Wissensmagazin Scinexx“ brav und wortwörtlich die Pressemitteilungs-Mär vom „giftverseuchten“ Weihnachtsbaum herunter, inklusive des Zitats des BUND-Pestizid-„Experten“, der das übliche Bullshit-Bingo von Reizworten spielt: Agrargifte, Wasserschadstoffe, Krebs, akut toxisch, Embyronalentwicklung, Langzeitwirkung - wow!

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/vorsicht_weihnachtskrebs1
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

ajki

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Re: Positive Rückkopplung des Sensationalismus in Wissenschaft und Medien
« Antwort #4 am: 21. Dezember 2014, 01:01:10 »
Passt gerade dazu:

Aujatoll! Ein Wettstreit um Maximalhypisierung! ;-)

Vorgeschichte:

Ein Europaparlamentarier kann derzeit pro Jahr ungefähr 20.000€ für Mitarbeiter geltend machen. Bis zu einem Viertel seiner Geltendmachung kann aus Auftragstätigkeiten an Dritte bestehen, die im Zusammenhang mit seiner parlamentarischen Arbeit bestehen (z.B. Zuarbeiten, Datendienste, Vorlagen...). Darüberhinaus gibt es einen Topf der Fraktionen, aus denen heraus frakionsarbeitsunterstützende Dienstleistungen Dritter (z.B. Publikationen, Übersetzungen...) bezahlt/bezuschußt werden. Noch weiter darüberhinaus gibt es weitere Töpfe im Rahmen der EU-Institutionen, die auch von EU-Parlamentariern genutzt werden können im Rahmen ihrer Tätigkeiten. All' das ist völlig normale Alltagspraxis aller europäischen Parlamente und für die politische Arbeit der Parlamentarier ohne Zweifel sinnvoll und notwendig.

Im Rahmen seiner politischen Agenda hat ein grüner EU-Parlamentarier aus den ihm zustehenden Mitteln Dritte mit einer Zuarbeit beauftragt und diese Zuarbeit zusammenfassen lassen zu einer Standpunkt-Broschüre (soweit ich ermitteln konnte in mindestens vier Sprachfassungen). Das ist eine vollkommen übliche Angelegenheit für jeden Parlamentarier und absolut nichts besonderes. Wenn so ein Parlamentarier in seinem Wahlkreis am Tisch Rede und Antwort steht, dann muß und soll er auch in der Lage sein, Interessenten seine Arbeitsschwerpunkte anhand von Handouts mitgeben zu können. Auch bei seinen sonstigen vielfältigen Kontakten, Vorträgen, Info-Veranstaltungen soll er etwas vorlegen können, was seine Positionen darlegt. Dass ein grüner Parlamentarier eine Broschüre mit grünen Inhalten erstellen läßt, versteht sich hoffentlich im Zusammenhang von selbst.

Im gegebenen Fall handelt es sich um Herrn Martin Häusling (MdEP). Die Broschüre [pdf von der Seite des Abgeordneten] beschäftigt sich unter dem Titel "DAS PRINZIP INDUSTRIELLE LANDWIRTSCHAFT IN DER SACKGASSE" und dem Subtitel "SUPERWEEDS - RESISTENTE UNKRÄUTER BEDROHEN DIE ERNTE!" mit einem typischen Standpunkt der Grünen - einer angenommenen Umweltbedrohung irgendeiner spezifischen Art, verursacht durch Ausbringung bestimmter Herbizide, die in einem direkten Zusammenhang zu "grüner Gentechnik" stehen. Im Grunde geht es wie immer in diesem Bereich um den politischen Kampf gegen "Monsanto und vergleichbar" und wie immer in solchen Themen behauptet die Partei "Bündnis 90/Die Grünen" und damit auch ihre Parlamentarier, es sei ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Produzent/Produkt und irgendeinem behaupteten Umweltzustand gegeben, der wiederum von der Partei als "schlecht" / nicht erwünscht beschrieben wird. Die Partei-Broschüre verdeutlicht diesen Standpunkt der Partei / des Parlamentariers anhand der zugearbeiteten Argumente und Sachverhaltsdarstellungen.

*Immer* noch nix Auffälliges oder Besonderes oder Neues.

Die Auftragnehmer des Abgeordneten, die für die Zuarbeit bezahlt wurden, sind selbstverständlich nicht irgendwer, sondern Leute aus dem Dunstkreis der Partei und des Parlamentariers, die im Themengebiet irgendwelche (praktischen oder akademischen oder sonstigen) Kompetenzen haben. Einmal der wahrscheinlich recht bekannte Dr. Then, Grüner / Greenpeace / Lobbyist, und eine Frau Boeddinghaus, Agrar-Ing, Angehörige einer Lobby-Organisation (oder ThinkTank oder so). Von den Fähigkeiten und vom Vorwissen her eine geeignete Truppe (zusammen mit den Layout-Leuten usw., ebenfalls aus dem Then-Dunstkreis), um den Auftrag des EU-Parlamentariers zu erfüllen. Wie oben über die Verlinkung zu sehen, ist die Broschüre ansehnlich und entspricht vermutlich den Wünschen des Auftraggebers und seiner Partei.

Wie oben erwähnt, hat die Kosten für diese Broschüre die EU getragen und das ist auch vollkommen korrekt und richtig so. Viel Glück an dieser Stelle auch weiterhin für die Arbeit im Kärrnerbetrieb des europäischen Parlaments an Herrn Häusling und seine wackeren Streiter für das Gute(TM) an und mit der europäischen Scholle!

Noch *immer* keine Katastrophe weit und breit.

Hauptgeschichte:

Auftritt: die taz.

Die kriegt über die news ticker, twitter oder sonstwie die kurze Pressemitteilung mit von Herrn Häusling (MdEP) oder von "Bündnis 90/Die Grünen", an die sie als Redaktion mit eigener bekannter Agenda selbstverständlich angeschlossen sind.

Und dann kommt das Problem.

Von solchen "Meldungen" erreicht eine Redaktion jeden Tag aus zigdutzenden von Quellen (Agenturen, Twitter-accounts, eMail, Post....) mindestens mehrere Hundert, manchmal mehrere Tausend. Vieles davon ist kompletter noise im Sinne von Presseerklärungen, die es gibt, weil es eben auch Presseerklärungen geben sollte, oder Lobby-Werbekram wie eben die Veröffentlichung einer Broschüre eines grünen Abgeordneten. Nix, was man veröffentlichen könnte, sollte oder dürfte, schon gar nicht einfach mal eben so, ohne sich mit dem Ding journalistisch auseinanderzusetzen.

ABER!!!

Hier kommt das Ding von Grünen, von einem Abgeordneten, von der EU, mit einer Greenpeace-Konnektivität bzw. von einem gelegentlichen Autor / Interviewpartner der taz (Then) und es geht gegen GMO, Monsanto und Umweltzerstörung durch "industrielle Landwirtschaft".

Das heißt: es gibt ein klar bekanntes Leserinteresse eines Teils der Leserschaft der taz.

Folge:

Die Presseerklärung des Abgeordneten wird zu einem Artikel im Blatt. Allerbestenfalls geringfügig umgeschrieben von einem Texter / einer TexterIn (warum hier nicht "Journalist" steht und warum der Begriff "Texter" schon seit langem "richtig" und sachgemäß ist, will ich hier nicht weiter ausführen).

Es wird im Artikel der taz nichts "Falsches" geschrieben. Es wird gesagt, dass es eine Auftragsarbeit eines EU-Parlamentariers ist. Und dann einfach dasjenige gesagt, was Herr Häusling in seiner Presseerklärung dazu geschrieben hat. Die Broschüre wird als "Studie" bezeichnet - das ist nicht unüblich und der Begriff ist ja auch nicht "geschützt". Wenn Leser nun unbedacht meinen, dies hieße, dass der Inhalt der Broschüre in gleicher oder ähnlicher Form vielleicht in einem Fachblatt erschienen sei, vielleicht gar "peer reviewed" sei oder ähnliches, dann ist das Sache des Lesers, nicht der taz. Die hat nirgendwo so etwas behauptet.

Ursprünglich erschien der Artikel ohne Link oder Quellenangabe. Mittlerweile, weil der Auftraggeber Häusling die Broschüre auf seine Homepage gestellt hat, konnte der Link zur pdf nachgearbeitet werden im taz-Artikel (edit: das wäre aber schon zum Zeitpunkt der Textfertigung in der taz möglich gewesen, weil auf der EU-Parlamentsseite des Abgeordneten die Presseerklärung mit Link zur pdf angegeben und per google zu finden war). Wie ich damals im Zusammenhang ermittelte, gab es natürlich zusätzlich zu dieser Auftragsbroschüre *keine* echte wissenschaftliche Arbeit irgendeiner Form im Zusammenhang. Das wäre auch nicht möglich gewesen,

weil alles in dieser Broschüre hanebüchener, für europäische Bedingungen unsinniger, auf amerikanische Verhältnisse bezogen unbelegter, verfälschter, gehypeter Unsinn ist!

Aber das ist völlig in Ordnung so, weil es eben parteipolitischer Kram ist.

NICHT in Ordnung ist es, wenn eine Tageszeitung sich zum Büttel von Parteiinteressen macht, nur weil man den Teil der Schwerstgestörten befriedigen meint zu müssen, die das Blättchen (noch) lesen.
every time you make a typo, the errorists win

Groucho

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Re: Positive Rückkopplung des Sensationalismus in Wissenschaft und Medien
« Antwort #5 am: 21. Dezember 2014, 02:00:52 »
Ich seh schon, Du kennst Dich da recht breit aus ... Wird irgendwie langsam zum Blogthema. Jedenfalls ist das alles ziemlich ärgerlich.
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

Hildegard

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Re: Positive Rückkopplung des Sensationalismus in Wissenschaft und Medien
« Antwort #6 am: 21. Dezember 2014, 17:41:55 »
Ich seh schon, Du kennst Dich da recht breit aus ... Wird irgendwie langsam zum Blogthema. Jedenfalls ist das alles ziemlich ärgerlich.
Belege für schlechte oder fehlende Recherche findet man sicher zuhauf. Aber bei Behauptungen wie "gekaufte Artikel" dürfte es ziemlich dünn werden. Die Standardschutzbehauptung zum Mitsingen: "Klar müssen wir über die großen Marken berichten, die interessieren ja auch die meisten Leser. Es hat überhaupt nichts damit zu tun, dass die Großen auch mehr Anzeigen schalten."
Wenn "seriöse" Zeitungen oder Zeitschriften die Notwendigkeit sehen, noch deutlicher mit PR-Artikeln ihr Butterbrot zu pimpen, dann werden Themenbeilagen produziert, die irgendwo klein den Vermerk "Anzeige" tragen.

Übrigens ist das ein ähnliches Thema wie mein schon halb vergammelter Artikel über die Verlage. Wenn ein Blog über Periodika kommt, könnte man vielleicht eins über Bücher als zweiten Teil anschließen. (Und einen dritten über Online-Medien?) Dann hätte man die systematische Volksverdummung einmal komplett durchgenudelt.

eLender

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Re: Positive Rückkopplung des Sensationalismus in Wissenschaft und Medien
« Antwort #7 am: 21. Dezember 2014, 18:47:12 »
Mann, ist der TAZ-Artikel schlecht (abgesehen von den Tippfehlern). Das Märchen von den Superweeds ist ja schon uralt (ich habe einen Zeit-Artikel von 1996 dazu gefunden) und soll wohl sowas wie das ultimative Argument gegen GVOs sein. Da die Realität aber immer ein wenig komplexer als das Denkvermögen mancher Journalisten ist, nochmal ein halbwegs sachlicher Artikel zum Thema:

Zitat
Landwirte in den USA bekommen zunehmend Probleme mit Unkräutern, die gegen bestimmte Herbizide resistent geworden sind. Eine aktuelle Studie sieht den großflächigen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen als Ursache.

http://www.biosicherheit.de/aktuell/653.usa-superunkraeuter-gentechnik-pflanzen.html

Problem bekannt, Lösung möglich.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Groucho

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Re: Positive Rückkopplung des Sensationalismus in Wissenschaft und Medien
« Antwort #8 am: 21. Dezember 2014, 19:08:22 »
Aber bei Behauptungen wie "gekaufte Artikel" dürfte es ziemlich dünn werden.

Natürlich läuft das subtiler. Beim Lokalreporter unserer Tageszeitunge geht das so: Spielt der Musikverein ein Konzert und er kommt vorbei, stellt man ihm ein kostenloses Bier hin, dann kommt ein Bericht. Stellt man ihm noch eine Wasserschüssel für seinen Pinscher hin, ist ein Foto mit dabei. Mal so grob beschrieben. Für den professionelleren Bereich darf ich einen Freund zitieren, PR-Mensch einer großen Firma: "Die sollen keine Lobeshymnen auf uns schreiben, aber wenn sie uns mehrfach niedermachen, schalte ich dort nicht mehr. Logisch. Was denn sonst."

Zitat
Übrigens ist das ein ähnliches Thema wie mein schon halb vergammelter Artikel über die Verlage. Wenn ein Blog über Periodika kommt, könnte man vielleicht eins über Bücher als zweiten Teil anschließen. (Und einen dritten über Online-Medien?) Dann hätte man die systematische Volksverdummung einmal komplett durchgenudelt.

Eine kleine Serie wäre sicher nicht schlecht. Im weitesten Sinn passen auch ajkis Blogartikel (5 Teile) gut zur Einstimmung:

https://irgendeinemeinung.wordpress.com/2014/12/06/blattertod-1-alles-googles-schuld/
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

ajki

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Re: Positive Rückkopplung des Sensationalismus in Wissenschaft und Medien
« Antwort #9 am: 21. Dezember 2014, 19:21:54 »
(5 Teile)

tzä. Derzeit! Und das auch noch mehr als Leichenschändung.

In der Queue ist "Lügenpresse!" ;-)
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