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Autor Thema: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung  (Gelesen 14387 mal)

gesine2

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #30 am: 05. Juni 2014, 06:54:19 »
Zitat
lächerlich sein im Vergleich zu dem, was einem großen Betrieb droht, wenn er öffentlich an den Pranger gestellt wird
Es geht nicht um Pfennigfuchserei beim Ausmaß der Geldstrafe, Groucho, die als maximal empfundenen Risiken sind Gesichtsverlust, Betriebsschließung, Haft - und die erhöhen sich nicht, werden sogar ab einer gewissen Größe geringer. Was passiert denn im Falle eines Auffliegens? Schuld abwälzen, neuer Pächter bzw Subunternehmer, das wars.

Diese Immunisierung ist selbstverständlich kein Alleinstellungsmerkmal der Landwirtschaft, sondern systembedingt. Denn genauso wurde bekanntermaßen KiK geschlossen nach der Aufdeckung von Sklaven- und Kinderarbeit, LIDL nach dem Bekanntwerden des Personal-Ausspionierens [+endlose Liste] - und selbst wenn die eine oder andere Dependance geschlossen wird, die anderen bleiben.
Im Gegensatz zum Tante-Emma-Laden, wo schon ein angekratztes Image zum Totalverlust führen kann.

'Zu kurz gedacht', soso.
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sweeper

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #31 am: 05. Juni 2014, 09:58:43 »
@gesine: Zustimmung!

Große Betriebe können Skandale besser verkraften.
Beispiel aus einer anderen sensiblen Branche:

http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/EHEC-Kein-Schadenersatz-fuer-Sprossen-Firma,sprossen170.html
Zitat
n einem Fall konnten zwar EHEC-Bakterien auf Sprossen aus dem Betrieb nachgewiesen werden, allerdings war die Packung geöffnet und befand sich bereits in der Mülltonne einer Familie. Zwei Mitglieder dieser Familie waren erkrankt. Auf dem Biohof in Bienenbüttel selbst wurde aber auf keiner einzigen Sprosse ein EHEC-Erreger gefunden. Die Hofbetreiber haben die Sprossenanlage nach der Krise
With magic, you start with a frog and end up with a prince.
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Terry Pratchett

Groucho

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #32 am: 05. Juni 2014, 12:56:04 »
'Zu kurz gedacht', soso.

Du sprachst von:
Zitat
[...] Das Risiko (Strafmaß)[...]

"Strafmaß" ist eindeutig ein juristischer Begriff und inkludiert eben nicht das eigentliche ("weiche") Risiko. Insofern ist es zu kurz gedacht. Es tut mir echt leid, wenn ich mich möglichst an die Bedeutung von Begriffen zu halten versuche.

Den Tante-Emma-Vergleich halte ich im Übrigen für zweifelhaft. Ist zwar nur meine persönliche Erfahrung, aber was man so kleinen Krauterläden an Toleranzbereitschaft entgegenbrachte, war um Klassen größer, als man es heute einem Supermarkt bereit ist zu geben (Jamei, die Gundel sieht halt nimmer gut und übersieht mal gern ein Verfallsdatum ...). War nicht kürzlich erst ein "Skandal", weil bei Aldi eine Charge leicht ranziger irischer Butter aufgetaucht ist? Das schaffts gleich in die Presse, foodwatch schlägt Weltuntergangsalarm. Bei Tante Emma zuckt man mit der Schulter - kann halt mal vorkommen, tausch ichs halt um).

Edit: Im Übrigen ging es mir hauptsächlich um den Vergleich großer Mastbetrieb vs. Kleinbestandshaltung. Große Mastbetriebe sind m.W. oft inhabergeführt und eben kein diversifizerter Großkonzern, dem auch mal eine Sparte wegbrechen kann, ohne dass er ruiniert ist. 


"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

Robert

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #33 am: 05. Juni 2014, 13:08:14 »
Gehört zwar nicht in die MRSA-Diskussion, aber weil das hier bereits erwähnt wurde:

Zitat
41 der 42 in Deutschland aufgetretenen EHEC-Cluster mit E. coli O104:H4 waren mit dem Gärtnereibetrieb im Kreis Uelzen assoziiert. Hier kann von einer eindeutigen epidemiologischen Assoziation zwischen Ausbruchsgeschehen und dem Gärtnerei- betrieb ausgegangen werden.

http://www.krankenhaushygiene.de/pdfdata/2012_02_29_ehec_stellungnahme.pdf

Auch hier war man in der Presse eher zurückhaltend mit Kritik, weil das ja Bio ist und irgendwie gut. Wenn so etwas bei McDonals gewesen wäre, hätte es einen enormen Shitstorm gegeben.

gesine2

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #34 am: 05. Juni 2014, 14:47:41 »
Zitat
Zitat
[...] Das Risiko (Strafmaß)[...]
"Strafmaß" ist eindeutig ein juristischer Begriff
Bevor Du noch mehr Eigeninterpretationen als Diskussionsgrundlage nimmst (gemeinhin als Strohmann bekannt, wenn hier auch in der eher unbewußten Variante), Groucho, laß Dich darüber aufklären, daß ua in nichtjuristischen Texten hinter einem Begriff in Klammern typischerweise die Erklärung von etwas Unbekanntem kommt (fällt in diesem Falle also flach) oder ein Beispiel.

Und zur Inhaberführung: Selbstverständlich ist das in den meisten Fällen formal so, laß Dir von betroffenen Agraökonomen mal etwas über Lieferverträge etc erzählen. Im Zusammenhang mit Einzelpersonen und ihren Jobs ist das Phänomen als Scheinselbstständigkeit bekannt - und hat sehr ähnliche Auswirkungen.
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Hildegard

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #35 am: 05. Juni 2014, 22:45:53 »
Vielen Dank für die rege Beteiligung :-)

Ich glaube jetzt folgendes gelernt zu haben: Aus den Ställen droht sehr wohl Gefahr, Stichwort Kreuzresistenzen. Kleinere Einheiten würden das Problem jedoch nicht verringern, möglicherweise sogar vergrößern.

Fazit: Die Kampagne ist Quatsch, weil sie an der völlig falschen Stelle ansetzt. Das Geld sollte lieber in Bildungsurlaub hinterm Deich investiert werden.

Conina

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #36 am: 06. Juni 2014, 18:55:02 »
Apropos "strengere Vorschriften":
http://www.deutschlandfunk.de/landwirtschaft-krise-bei-den-biobauern.724.de.html?dram:article_id=288377

Zitat
"Da wird uns teilweise völliger Schwachsinn auferlegt, beispielsweise wird der Begriff Legebeginn neu definiert: Früher hieß es, wenn 50 Prozent der Hühner in einer Herde anfangen, Eier zu legen. Jetzt wird Legebeginn so definiert, dass, wenn das erste Ei im Stall ist, haben wir Legebeginn. Das ist aber nur Legebeginn für die erste Henne, die dieses Ei gelegt hat. Die anderen 999 aus der Herde sind aber eventuell noch lange nicht so weit. Wenn dann die Auflage kommt: Ab Legebeginn müssen die Tiere täglich draußen, dann fangen die gar nicht erst an, Eier zu legen. Die finden das draußen nämlich so toll, und fressen lieber irgendwo mal einen Grashalm oder einen Wurm und gehen dann zu den Fütterungszeiten nicht rein. Ihnen fehlen die letzten dann die letzten 100 oder 150 Gramm, die sie brauchen zum Eierlegen und diese Henne würde dann ihr Leben lang keine Eier legen."

Längst verbringt der Bauer mehr Zeit hinter dem Schreibtisch als im Stall.
In Deutschland gilt eine besonders strenge Auslegung der EU-Ökoverordnung. Sicher, vieles ist sinnvoll und dient dem Verbraucherschutz. Doch viele Vorschriften sind nach Ansicht des versierten Legehennenbauern Hans-Dieter Greve vollkommen überzogen. Das sei so, als würde man einem Beamten vorschreiben, wie er den Kuli zu halten habe, meint er ironisch-bitter.

Ausufernder Bürokratie-Wahnsinn

Seit vielen Jahren ist Greve Sprecher des Bundesfachausschusses Geflügel im Bioland-Verband. In dieser Funktion kämpft er mit harten Bandagen gegen den seiner Meinung nach ausufernden Bürokratie-Wahnsinn. Bei einer internationalen Tagung der Geflügelzüchterverbände vor einigen Monaten hat es einen regelrechten Aufstand gegeben – die Biobauern wehren sich. Viel bedrohlicher als die allgemeine Regelungswut ist jedoch etwas ganz anderes, sagt Hans-Dieter Greve:

"Das Hauptproblem, das wir im Moment haben, sind die Agrargasbetriebe oder Biogasbetriebe, die bedingt durch die Subventionen, die ja durch das EEG festgeschrieben sind, in der Lage sind, Pachten zu zahlen, die weit über dem üblichen liegen."
Das EEG – das Erneuerbare-Energien-Gesetz – sieht Subventionen für Betriebe vor, die Biogasanlagen errichten. Doch dazu braucht es den Rohstoff – vor allem Mais, der dann zu Gas vergoren wird. Für den Schülper Bauern heißt dies: Flächen, die er bisher zur Produktion seines Hühnerfutters dazu gepachtet hat, fallen jetzt weg.

Wegen des Büro- und Vorschriftenkrams streichst Du als kleiner Einzelkämpfer irgendwann die Segel.
Je rigoroser alles wird, desto mehr sind spezialisierte, große Betriebe im Vorteil.

Das muss nichts Schlechtes sein, aber an diese Konsequenzen denken viele nicht vorher.

Eine andere interessante Konsequenz ist ja der Anstieg der Pachten durch das EEG, das scheint auch ein bisschen nach hinten loszugehen.  ::)

Groucho

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #37 am: 06. Juni 2014, 22:01:41 »
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

Robert

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #38 am: 07. Juli 2014, 01:35:51 »
http://www.animal-health-online.de/main/alarmierende-befunde-mrsa-aus-kliniken-uberstehen-klaranlagen-und-gelangen-in-die-umwelt/

Zitat
Australische Wissenschaftler verschiedener Institute berichten in einer Publikation in der Fachzeitschrift „Journal of Applied Microbiology“ über die Tatsache, dass eine Vielzahl von antibiotikaresistente Keimen – darunter auch der Typ MRSA* (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) – in großen Mengen über Krankenhausabwässer in Kläranlagen gelangen, dort nicht vernichtet werden und so mit dem ablaufenden Wasser in die Umwelt gelangen.

Ich bin gespannt, was sich alles so in Biogasanlagen herumtreibt.

mossmann

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #39 am: 11. Juli 2014, 17:38:58 »
Diese romantische Kritik an der Landwirtschaft, wie sie gerade so in ist,  ist auch so ein Wohlstandsphänomen, von Leuten, die sich dem Erwachsenwerden verweigern.

Es gibt auch Kritik an der Landwirtschaft, die weder romatisch (?) noch kindisch ist.
Was sollen diese Pauschalisierungen ?

Je ärmer Leute sind, desto weniger können sie Rücksicht auf die Umwelt nehmen, das ist bei Bauern sicher auch so.

Schöne Feststellung, aber: ja und? Ist das deshalb gut?

Deine Argumentation war auch schon mal besser und riecht ein wenig nach Old men ranting ... ;-)
Offizieller Sprecher des gemäßigten Flügels der Psiram-Jugend

Conina

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #40 am: 11. Juli 2014, 17:47:30 »
Diese romantische Kritik an der Landwirtschaft, wie sie gerade so in ist,  ist auch so ein Wohlstandsphänomen, von Leuten, die sich dem Erwachsenwerden verweigern.

Es gibt auch Kritik an der Landwirtschaft, die weder romatisch (?) noch kindisch ist.
Was sollen diese Pauschalisierungen ?


Mit diese habe ich aber konkretisiert und nicht pauschalisiert.

Je ärmer Leute sind, desto weniger können sie Rücksicht auf die Umwelt nehmen, das ist bei Bauern sicher auch so.

Schöne Feststellung, aber: ja und? Ist das deshalb gut?

Deine Argumentation war auch schon mal besser und riecht ein wenig nach Old men ranting ... ;-)

Was ist deshalb gut?
Ich kann nicht erkennen, worauf Du hinauswillst.

uran

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Re: Ärztekampagne gegen Massentierhaltung
« Antwort #41 am: 05. November 2014, 00:24:38 »
Ich bin neulich auf einen Artikel gestoßen, der in diesem Faden nicht fehlen sollte.
Zitat
Selbst der Dung von Kühen, die nicht antibiotisch behandelt wurden, erhöht den Anteil antibiotikaresistenter Mikroben im Boden von Gemüsebeeten
http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Stallmist_foerdert_Vermehrung_resistenter_Bodenbakterien1771015589661.html

Mal wieder ein schönes Beispiel dafür, dass Wissenschaft ergebnisoffen sein muss.