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Autor Thema: Zappelphilipp und kein Ende  (Gelesen 1525 mal)

sweeper

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Zappelphilipp und kein Ende
« am: 04. Mai 2014, 10:23:07 »
http://das-blaettchen.de/2014/04/profitables-geschaeft-mit-zappelphilipp-und-trotzkind-28792.html
Zitat
17. Jahrgang | Nummer 9 | 28. April 2014

Profitables Geschäft mit Zappelphilipp und Trotzkind
von Peter Schönhöfer

Seit die Pharmaindustrie in den 1990er Jahren die eigene Forschung aus Kostengründen wegrationalisiert hat, ist sie weitgehend innovationsunfähig geworden. Deshalb sehen wir heute in der Arzneimitteltherapie kaum relevante Fortschritte oder gar Durchbrüche, sondern fast nur noch biochemischen Firlefanz ohne oder mit marginalem Zusatznutzen. Das Pharma-Marketing muss sich zur Umsatzsteigerung deshalb mehr und mehr auf fragwürdige Indikationsausweitungen bei Altsubstanzen oder Markterweiterung durch Krankheitserfindungen verlegen. Letztere erspart dem Hersteller zudem den Aufwand für den Nachweis der Wirksamkeit, denn bei erfundenen Krankheiten ist Wirksamkeit weder notwendig noch nachprüfbar und nur als Behauptung zur Vervollständigung von Werbeprospekten erforderlich.
Für die Erfindung von Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen hat ADHS (das AufmerksamkeitsDefizit/Hyperaktivitäts-Syndrom) die Blaupause geliefert. Zwar ist die kindliche Verhaltensstörung „Zappelphilipp“ schon vor über 150 Jahren erstmals als pädagogisches Problem beschrieben worden, aber ein profitables Geschäft für Pharmaindustrie und Ärzte entstand daraus erst, als 1995 mittels der 4. Revision des offiziellen Diagnose- und Statistik-Manuals (DSM-4) die Verhaltensstörung zu einer für Ärzte abrechenbaren Krankheit ADHS umdefiniert wurde. Die war zudem mit einem Altarzneimittel der Firma Novartis aus dem Jahre 1956, Methylphenidat (RITALIN und andere), behandelbar. Novartis konnte nie zeigen, dass das amphetaminartige Stimulans Lernfähigkeit, Schulleistungen, Sozialverhalten oder Kriminalität bei betroffenen Kindern nachhaltig bessert. Ritalin dämpft nur kurzfristig Bewegungsdrang, Erregungszustände und Wutanfälle bei Zappelphilipp-Kindern. Daraus konstruierte die Werbung des Herstellers dann eine generelle Besserung bei ADHS und propagierte so die während der Schulzeit bei 70 Prozent der Betroffenen beobachtbare spontane Besserung der Symptome als Heilwirkung des Medikaments. Vom Hersteller angeheuerte Experten, Meinungsbildner und Elternvertreter reproduzierten die irreführenden Behauptungen in der Öffentlichkeit. Aber auch unkritische Therapeuten rechtfertigten so ihre Verordnungen. Die Umwidmung der Verhaltensstörung in eine Krankheit wurde für das Pharma-Marketing, aber auch für die abrechnenden Ärzte zum profitablen Geschäft, wie sich an der Zahl der ADHS-Diagnosen und Methylphenidat-Verordnungen zeigen lässt:
1995 gab es in Deutschland 5.000 ADHS-Diagnosen, 2011 waren es 750.000.
1995 wurden 1,3 Millionen Tagesdosen RITALIN verordnet, 2011 waren es 56 Millionen...

Der Autor:
http://de.m.wikipedia.org/wiki/Peter_Sch%C3%B6nh%C3%B6fer

Mittlerweile amüsiert es mich schon fast, immer mal wieder unsanft mit der Nase drauf zu stoßen, dass hinter so manchem hehren Anspruch - sachlich und kritisch zu informieren - eine schlagseitige Agenda steckt.

Zitat
Peter Schönhöfer (* 16. September 1935 in Wuppertal) ist ein Bremer emeritierter Arzt und Pharmakologe, ehemaliger SPD-Lokalpolitiker und aktueller Mitherausgeber des Arznei-Telegramms.

Schönhöfer gilt als pharmakritischer Experte und ist seit 2001 Mitglied bei Transparency International Deutschland. Er arbeitet dort in der Arbeitsgruppe Gesundheit.
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Terry Pratchett

gesine2

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Re: Zappelphilipp und kein Ende
« Antwort #1 am: 04. Mai 2014, 12:16:56 »
Zitat
amüsiert es mich
Bei mir ists der sanfte Übergang im Text: Bei Stephen King ist ja das Besondere das anfangs kaum merkliche Abgleiten vom normalen Alltag in den schieren Horror - bei solchen Texten wie diesem ists die versagende Beherrschung bei der Wahl der sprachlichen Mittel. Auch wenn diesmal schon zu Anfang die unzulässige Pauschalisierung und Personifizierung "die Pharmaindustrie" genutzt wird, ist es doch von dort noch ein weiter Weg zur großen geheimen Weltverschwörung kurz vor Ende:
Zitat
die von der Pharmaindustrie geplanten Psychopharmaka-Attacken industriehöriger Psychiater auf Kinder und Jugendliche
Erstaunlich fehlt der dann doch eigentlich nahheliegende Verweis auf die Pläne der NWO bzgl Bewußtseinskontrolle...
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ne schöne jrooß, gesine2

sweeper

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Re: Zappelphilipp und kein Ende
« Antwort #2 am: 04. Mai 2014, 12:30:47 »
@gesine2:
Nuja, der alte Herr wird demnächst 80.
Da muss man keine Leitlinienempfehlungen der BÄK mehr lesen und erst recht keine Fortbildungspunkte mehr erwerben. Man kann sich vielmehr ungestört der Weltverbesserungdem Aufdecken von Pharmaverschwörungen den lebhaften Vorspiegelungen der Altersdemenz des Altersstarrsinns hingeben.

Sein Kollege, der Pharmakologe/Pharmazeut Glaeske (ebenfalls Bremen und dort an einem Institut für Arzneimittel-Reporte von Krankenkassen zuständig), tutet ja ins gleiche Horn und ist geschätzt 10 Jahre jünger - kann also noch mehr Unheil anrichten.
Ja, das sind "bittere Pillen" ...
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Terry Pratchett

sumo

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Re: Zappelphilipp und kein Ende
« Antwort #3 am: 04. Mai 2014, 16:10:17 »
>>>Seit die Pharmaindustrie in den 1990er Jahren die eigene Forschung aus Kostengründen wegrationalisiert hat, ist sie weitgehend innovationsunfähig geworden.<<<


meint der das tatsächlich irgendwie ernst?
 
Möglicherweise gibt es ja ein nettes Paralleluniversum, in dem der lebt.....