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Neues zu Mollath

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Begonnen von Typee, 06. August 2013, 11:26:07

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Belbo

Zitat von: sweeper am 20. August 2013, 11:01:10
Zitat von: Belbo am 20. August 2013, 10:58:15
Zitatgabrielewolff
sagte am 20. August 2013 um 11:54 :
Hier die beiden Gerichtsreportagen aus dem Donaukurier, die deutlich machen:
1. Mit dem Fall Mollath ist der Ingolstädter Fall nicht zu vergleichen.

Der Frosch hat "douze Points"

Immer wieder schön, dass sie das so ohne den Versuch einer Begründung einfach rotzfrech behauptet.

Quasi Ferngutachten  :rofl2


Ich bin Alter Wolff, Hugh ich habe gesprochen...

MathiK

Hallo,

ich bin schon eine ganze Weile mehr oder weniger regelmäßiger Besucher eurer Seite und eures Forums, aber die "Causa Mollath" hat mich nun endlich mal zur Anmeldung bewogen. Es ist heutzutage echt schwer, Diskussionen über den Fall abseits der Fanbase zu finden. Wie ihr wisst, wird man dort gerne direkt niedergebügelt, wenn man leiseste Zweifel daran äußert, dass Mollath unschuldiges Opfer seiner Ex und der Finanzwelt/Justiz/Politik/Medizin ist.

Was mich besonders umtreibt an der Geschichte, ist, als wie sehr die Öffentlichkeit und die Presse "gleichgeschaltet" empfinde, wenn es um Herrn Mollath geht. Das macht mir ehrlich gesagt große Sorgen, zumal ich auch im nicht-vom-Fach-Teil meines privaten Umfelds gegen eine ähnlich feste Mauer renne in der Diskussion. Leute, die üblicherweise absolut nicht zu Verschwörungstheorien neigen, sondern die im Gegenteil eher zum nüchternen Typ Mensch zählen, steigt die Zornesröte ins Gesicht und sie fangen an sich über die bösen Psychiater/Juristen/Politiker und nicht zuletzt Journalisten (der größte Hohn, denn der Mainstream ist ja sowas von pro Gustl) zu echauffieren, dass mir Angst und bange wird. Eine weitere Sorge ist mir der Umgang der Politik mit dem Thema und ich hoffe, es ist "nur" dem Wahlkampf geschuldet, dass nun sogar von ganz oben quasi die Unabhängigkeit der Justiz wenn nicht in Frage gestellt, dann doch mit erhobenem Zeigefinger und gerunzelter Stirn förmlich abgekanzelt wird.

Schön, dass es euch gibt. Das klingt popokriecherisch, ich weiß. ;-) Ich meine es aber von Herzen ehrlich, denn ich habe bisher keine Diskussionsplattform gefunden, in der Contra-Meinungen nicht niedergewalzt werden und in der man nicht sofort persönlich angegangen wird, wenn man äußert, dass man eine etwas andere Sicht der Dinge hat.

sweeper

Hallo und willkommen, MathiK!  :grins2:

Für mich/uns ist es auch ein Faszinosum, was sich an diesem Fall alles auskristallisiert.
Allerdings überwiegt bei mir z.Zt. der Eindruck, dass die betroffenen Politiker und Richter in Bayern meist relativ professionell und v.a. deeskalierend reagieren - was die Unterstellungen und damit die Wut offenbar noch zusätzlich anheizt.

Hier ein Blogbeitrag eines Nürnberger Strafverteidigers, den ich vergleichsweise nüchtern und differenziert finde  - obwohl auch der Autor momentan davon auszugehen scheint, dass die "Glaubwürdigkeit der Zeugin P.M. schwer beschädigt" sei:

http://www.tobiasrudolph.de/aktuelles55.html?site=Der%20Fall%20Gustl%20Mollath%20-%20Justizskandal%20oder%20Gerichtsalltag?
Zitat
... Ich hatte im März 2013 in einem Interview im Bayerischen Rundfunk die These aufgestellt, dass die Fehler in dem Verfahren, die nun bekannt werden, eine unglückliche Anhäufung von alltäglicher Überheblichkeit und Nachlässigkeit darstellen. Es bedarf keiner Verschwörung oder Korruption, um zu einer verheerenden Fehlentscheidung zu kommen.

Manch einer mag die Vorstellung beruhigend finden, dass bei der Einweisung des Herrn Mollath in die Psychiatrie der Teufel persönlich am Werk war – während sonst bei Gericht nur Engel wirken.

Ich glaube aber, es ist viel schlimmer: Alle Beteiligten sind nur Menschen. Sie machen jeden Tag Fehler.

Die Frage ist nicht, ob es vereinzelt voreingenommene oder sogar korrupte Richter (Staatsanwälte, Verteidiger, Gutachter usw.) geben kann.

Die Frage ist, was getan werden kann, um sicherzustellen, dass Fehlentscheidungen vermieden und erforderlichenfalls auch korrigiert werden können.

Zeugen, die sich irren, oder allerhand Motive zur Falschaussage haben, wird es immer geben. Es ist die Herausforderung des Strafprozesses, dies zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren.

Meine These: Das gegenwärtige Justizsystem ist eher darauf angelegt, Fehlentscheidungen zu vertuschen und zu leugnen, anstatt sie zu erkennen und zu korrigieren...
With magic, you start with a frog and end up with a prince.
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Terry Pratchett

Groucho

Hallo MathiK, willkommen!

Zitat von: MathiK am 20. August 2013, 13:55:06
Was mich besonders umtreibt an der Geschichte, ist, als wie sehr die Öffentlichkeit und die Presse "gleichgeschaltet" empfinde, wenn es um Herrn Mollath geht. Das macht mir ehrlich gesagt große Sorgen, zumal ich auch im nicht-vom-Fach-Teil meines privaten Umfelds gegen eine ähnlich feste Mauer renne in der Diskussion. Leute, die üblicherweise absolut nicht zu Verschwörungstheorien neigen, sondern die im Gegenteil eher zum nüchternen Typ Mensch zählen, steigt die Zornesröte ins Gesicht und sie fangen an sich über die bösen Psychiater/Juristen/Politiker und nicht zuletzt Journalisten (der größte Hohn, denn der Mainstream ist ja sowas von pro Gustl) zu echauffieren, dass mir Angst und bange wird.

Ja. Das spannende an dem Fall ist weniger Mollath selbst, sondern die Mechanismen dieses "Massenwahns" (oder wie auch immer man das benennen mag). Das Konglomerat aus Psychiatrie, Justiz, Politik und Banken ist offenbar dermaßen wirkmächtig und einer unmittelbar einleuchtenden Evidenz, dass auch bei sonst eher rational geprägten Menschen eine direkte Leitung zum Stammhirn geschaltet wird ;)

Ich gebe zu, mir ist das anfangs auch passiert, was mir eigentlich peinlich ist.

Zitat
Eine weitere Sorge ist mir der Umgang der Politik mit dem Thema und ich hoffe, es ist "nur" dem Wahlkampf geschuldet, dass nun sogar von ganz oben quasi die Unabhängigkeit der Justiz wenn nicht in Frage gestellt, dann doch mit erhobenem Zeigefinger und gerunzelter Stirn förmlich abgekanzelt wird.

Wahlkampf. Die CSU ist schon immer opportunistisch bis zum Abwinken, sobald eine Stimmung kippt, wird die Meinung gewechselt.

Zitat
Schön, dass es euch gibt. Das klingt popokriecherisch, ich weiß. ;-) Ich meine es aber von Herzen ehrlich, denn ich habe bisher keine Diskussionsplattform gefunden, in der Contra-Meinungen nicht niedergewalzt werden und in der man nicht sofort persönlich angegangen wird, wenn man äußert, dass man eine etwas andere Sicht der Dinge hat.

Ach, keine Bange, Lob wird immer gerne genommen. Und ansonsten versuchen wir hier, einen kühlen Kopf in der Sache zu bewahren.

Belbo

Die Süddeutsche tickt jetzt komplatt aus in dem Jugendmagazin Jetzt eine CarolineThongsan:

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/576254/-1/Gustl-Mollath-ein-sonderbarer-Fall-oder-doch-ein-Musterbeispiel

ZitatWem also die geschichtlichen Fakten bis dato vorenthalten wurden oder wer sich mit dieser Thematik noch nicht bzw. nur unzureichend beschäftigt hat, sollte dringend das neuerschienene E-Book (Leseprobe) oder E-Pub Made in Auschwitz. Psychiatrie: Der unsichtbare Krieg 2013 aufmerksam lesen. In diesem Buch wird nicht nur mittels eindeutiger Fakten aufgezeigt, dass die Psychiatrie ein gut organisiertes, verbrecherisches Monstrum ist, es enthält auch eine Vielzahl von Informationen sowie Quellangaben, die alle Mitdenkenden, welche die Psychiatrie bis jetzt als Wissenschaft anerkannten, erschüttern lässt. Hinter der Maske der Heilung werden heute Menschen mit Nerven lähmenden Substanzen auf ein motorisches Niveau herabreduziert und in ,,REHA-Arbeit" für 1,53 €/h als willenlose Arbeitskräfte eingesetzt. Oftmals bis zum Ende ihres Lebens, weil sie aufgrund der hohen Mortalitätsrate von Neuroleptika, die 26-34 Jahre beträgt, meist noch vor Erreichen des Rentenalters sterben.

Die Dame hat zur Psychatrie noch mehr so tolle Gedanken:
http://www.readers-edition.de/autor/caroline-thongsan/

ZitatWegbereiter der Entmenschlichung
Venusfliegenfalle Psychiatrie

sweeper

@Belbo:
Das kann man vielleicht stoppen, indem man die Redaktion der Süddeutschen darauf hinweist.
Ich hab das mal erfolgreich bei Reader's Edition gemacht - bei einem unserer "Kunden", der in seinen Beiträgen ständig Produktwerbung versteckte.

Diese Caroline schreibt ja u.a. auch beim Honigmann und im Maria Lourdes Blog.
Ganz interessant, wie durchsichtig sie manipuliert:

http://www.readers-edition.de/2013/05/26/venusfliegenfalle-psychiatrie/#comments

Es geht schon los mit einer Falschaussage, die sie der DGPPN in den Mund legt:
ZitatZuvorderst und allererst handelt es sich um ein Faktum, dass die Fallzahlen der psychiatrischen Erkrankungen kontinuierlich steigen. Laut Aussage der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) gehören in Deutschland inzwischen 42,6 % der Bürger in psychiatrische Behandlung.
Tatsächlich ist es wohl so (Quelle müsste ich suchen), dass bei ca 40% der Bevölkerung im Laufe des Lebens mal eine behandlungsbedürftige psychische Störung diagnostiziert wird - obwohl die Autorin in den Kommentaren behauptet, dass ihre Aussagen alle mit entsprechenden Links bequellt sind, bleibt sie gerade bei der Referenz auf die DGPPN einen aktiven Quellenlink schuldig.
Aktuell finde ich z.B. diese Stellungnahme der DGPPN zur Notwendigkeit einer wirksamen Prävention psychischer Störungen:
Zitathttp://www.dgppn.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/article/307/praevention.html
...Grundpositionen der DGPPN

1. Psychische Gesundheit muss wichtiges Ziel einer Präventionsstrategie sein

Psychische Störungen sind häufig und folgenschwer. Aktuelle Zahlen zur Verbreitung psychischer Störungen bei erwachsenen Menschen zwischen 18 und 79 Jahren in Deutschland im Rahmen des Gesundheitsmonitorings des Robert Koch-Institutes (RKI) zeigen, dass nahezu jede vierte männliche und jede dritte weibliche erwachsene Person im Erhebungsjahr zumindest zeitweilig unter voll ausgeprägten psychischen Störungen gelitten hat. Am häufigsten sind Angststörungen (16.2%) und Störungen in Zusammenhang mit einem Alkoholmissbrauch (11.2%), gefolgt von depressiven Störungen (8.2%) (Kurth B.M. 2012, Wittchen H.U. & Jakobi F. 2012). ..
Glaubt man der Autorin Caroline Thongsan, lauern die Psychiater geradezu darauf, Menschen in ihre Fänge zu kriegen und mit "Nervengiften unmündig zu machen" oder ähnlichen Horror zu verüben.

Was sie zur Tavor-Webung in den 60er Jahren schreibt, stimmt aber leider. Es wurden ästhetisch ansprechende Schwarz-Weißfotos in großen Zeitschriften geschaltet, und es kam wegen der völlig unkritischen Verschreibung (nicht zuletzt durch inkompetente Hausärzte!) zu massiven und schwer heilbaren Abhängigkeitserkrankungen.

Dann hebt C.T. auf das neue DSM V ab - obwohl es bei uns offiziell nicht gilt, sondern ICD 10 maßgeblich ist (das wäre ein gesondertes Thema, sprengt hier den Rahmen - Scientology fährt eine DSM V Kampagne...):
ZitatMit dem neuen DSM 5 und der aktuellen Gesetzeslage ist JEDER betroffen.
Mangelnde Glaubensbekennung gegenüber Betroffenen: Was Menschen vor einer Einweisung erlebten, spielt in der biologisch/psychologischen Sichtweise der Psychiatrie keine Rolle. Denn die schriftlichen Vorgaben des "Diagnosemanuals" sind weder offen für andere Ansichten, noch für Erlebnisse außerhalb der fünf Sinne, die wissenschaftlich nicht nachweisbar sind, weil eben auch die Wissenschaft ihre Grenzen hat. Wobei selbst diese der Menschheit mit dem RQM (Raum-Quanten- Medium)[7] immer noch ein Quäntchen mehr Freiheit zugesteht, als es die Psychiatrie tut. Außerdem Propaganda in den Massenmedien und die Anzahl von Menschen die wissentlich oder unwissentlich in den Betrug involviert sind.
Der Hinweis auf "RQM"  ist nun - anders als der zur DGPPN - ausdrücklich bequellt.
Dort findet man dann:
http://ventomobilee.wordpress.com/2013/05/26/raum-quanten-medium/?preview=true&preview_id=207&preview_nonce=88ca8ce618

::)  :o
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Terry Pratchett

sweeper

http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article119111454/Ich-lasse-mich-nicht-vertreiben.html
Zitat..."Werden Sie sich für das neue Verfahren psychiatrisch untersuchen lassen?", will Beckmann wissen. Mollaths Antwort zeigt, wie schwierig er es den Psychiatern, Psychologen und Richtern machte: "Mit Sicherheit, wenn überhaupt, muss ich mir sicher sein können, dass da jemand auch tatsächlich auf wissenschaftlicher Grundlage objektiv und wahrheitsgemäß tätig wird. Dass er sich keinen Beeinflussungen von außen beugt und die Wahrheit feststellt." Mollaths Wahrheit.

Zudem stellt er Bedingungen: Eine Person seines Vertrauens solle mit dabei sein, und die Gespräche mit dem Gutachter sollten in Wort und Bild festgehalten werden, "die mir dann uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Damit ich auch Ihnen zeigen kann, wie ich mich in einer solchen Situation verhalten habe", sagt Mollath. Verteidiger Strate indes glaubt, er müsse sich gar nicht mehr begutachten lassen. "Das ist meine Einschätzung, wie die bayerische Justiz mit dem Fall umgehen wird."

Zum Schluss der Sendung bleibt die Frage im Raum, was es mit einem Menschen macht, der wirklich in den Fallstricken einer Psychose steckt: Ist der Medienrummel dann nicht sogar ein Verstärker? Der Studiogast wirkt, als würde er ihn gelassen zur Kenntnis nehmen, gleichzeitig aber kräftig austeilen und für seine Wahrheit kämpfen. Beckmanns Talk war dabei nur die erste Runde. Interview um Interview wird folgen.

Am Ende werden es wieder Richter sein, die in Regensburg wohl Ende des Jahres prüfen müssen: War all dies nur ein Hirngespinst, was Gustl Mollath damals in langen Pamphleten an Steuerbehörden, Richter und Staatsanwälte schickte?

Guter, nachdenklicher Artikel - aber klar, dass Frau Wolff und Co ihn blöd finden:

Zitathttp://gabrielewolff.wordpress.com/2013/08/18/der-fall-mollath-etappensieg-und-raumgewinn/comment-page-1/#comment-22399
...Wieder mal so kenntnisfreie "Journalisten", die TV geguckt haben, und bei Springer schreiben dürfen...
Diese Schreiberlinge (Hamburg) sollten eine Informations-Sonderration von Strate (Hamburg) zugesandt bekommen.

Alles Geisterfahrer, genau!
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Terry Pratchett

bayle

Im ,,Dossier" von DIE ZEIT (Nr. 35/2013, S. 11-13) ist ein Interview von S. Rückert und H. Wefing mit Gerhard Strate erschienen; es ist scheinbar nicht online. Ich greife mal ein paar Passagen heraus.

ZitatZEIT: Sie haben vorwiegend argumentiert, der Prozess gegen Mollath müsse wieder aufgenommen werden, weil die Richter das Recht gebeugt hatten, eine erhebliche Straftat.
Strate: Nicht allein, aber das war der Hauptteil.
ZEIT: Sie führen zehn Punkte an, der wichtigste ist, dass Herr Mollath während des gesamten Verfahrens unverteidigt gewesen sei ...
Strate: Das ist der wichtigste  Grund, mit Abstand, ja ... Es gab noch ein, zwei weitere Gründe, die ich für zentral halte. Ganz schlimm finde ich, dass sich das Gericht geweigert hat, Mollaths Beschwerden überhaupt zu prüfen.
Die dahinter steckende These ist natürlich: die Rechtsbeugung ist darauf zurückzuführen, dass da ein aufrechter Antikorruptionskämpfer zum Schweigen gebracht werden sollte. Aber das ist eine blanke Spekulation. Ich setze mal eine andere Spekulation zur Erklärung der ,,Rechtsbeugung" entgegen.

Herrn M.'s erste Kontakte mit der Justiz hatten alle Beteiligten restlos davon überzeugt, dass er ein Spinner ist (Verhalten in der ersten Verhandlung, wirre Briefe, auch seine Ignorierung des allerersten Gutachters). Frau M. hat sich mit ihrem Vorgehen gegen ihn so lange zurückgehalten, wie er ihr persönlich nicht an den Karren gefahren ist. Dann allerdings hat sie die Register gezogen, durchaus auch ungezielt (z. B. die Suche nach der Waffe). Was das Reichel-Attest angeht: sie ist nicht gefragt worden, von wem dieses Attest ist, aber sie hätte auch keinen Grund gehabt, es zu verheimlichen.

Richter B. wusste: der Mann ist verrückt. Es kam ihm deshalb nicht auf Sorgfalt in der Verhandlungsführung an; so erklärt sich die Reihe der Schlampigkeiten. Und er wollte den Fall vom Tisch haben, deshalb hat er z.B. die Entlastungsanträge des Pflichtverteidigers ignoriert. Hätte er zugestimmt, hätte zunächst wieder ein neuer Verteidiger gefunden werden müssen, ohne jeden Anhalt dafür, dass es mit diesem dann besser gegangen wäre (wie später auch bei den forensisch-psychiatrischen Gutachten). Nebenbei: in der BR-Sondersendung zur Freilassung Mollaths am 06.08.13 ist in einem Nebensatz davon die Rede, dass der Anruf Brixners bei der Steuerfahndung ein Rückruf gewesen ist.

ZitatZEIT: ... Sind Sie stolz auf Ihre Medien-Strategie?
Strate: Ich weiß nicht, welche Strategie Sie da erkennen.
ZEIT: Es gibt keine?
Strate: Es gibt keine. Bei einer Sondersendung des Bayerischen Rundfunks muss ich natürlich  erscheinen. Wer  sich durchsetzen will, muss mit in der Runde sitzen. Da darf man sich nicht dazuschalten lassen; das wäre eine Katastrophe.
Frau Lakotta war zugeschaltet. Dafür sind drei Erklärungen möglich. 1) sie ist kein Medien-Profi, 2) sie wurde vom Sender rausgehalten, 3) sie wollte sich nicht durchsetzen.

Die ZEIT moniert, dass in der gesamten Sondersendung unwidersprochen suggeriert worden sei, Mollath sei nicht psychiatrisch untersucht worden, was falsch ist (s. Pfäfflin):
ZitatStrate: Ich habe ausdrücklich in der Sendung gesagt, dass diese Information falsch ist ... Offenbar ist das herausgeschnitten worden.
Aha. War wohl nicht so wichtig.

ZitatZEIT: Bei Beckmann trat auch eine Psychiaterin auf, die erklärte, der Erkenntnisgewinn eines Sachverständigen, der nicht mit dem Probanden gesprochen hat, sei mit dem eines Gynäkologen zu vergleichen, der seiner Patientin aus mehreren Metern Entfernung in die Vagina blicke. Was soll das? Sollen gestörte Straftäter ihre Unterbringung künftig dadurch verhindern können, dass sie bei der Begutachtung nichts sagen? Ist das im Sinne der Allgemeinheit?
Strate: Das ist natürlich nicht im Sinne der Allgemeinheit. Es wäre auch nicht richtig. ... Es ist Nonsens, die Abschaffung der Fernbegutachtung zu fordern.
Schön, das alles mal aus berufenem Mund zu hören. Wird Strate nun im Wolff-Blog grandios auseinander genommen werden?

ZitatZEIT: Halten Sie Herrn Mollath für psychisch gesund?
Strate: Also, ich habe wirklich Verrückte kennengelernt, davon gibt es sehr viele in dieser Gesellschaft. Die Idiotendichte ist groß. Mollath würde ich nicht dazu zählen. Ich halte ihn für eine skurrile, knorrige Persönlichkeit mit Angewohnheiten, die nicht jeder hat.

Das ist von einer entlarvenden Offenheit: Verrückte, Idioten, alles eins. Für ihn gibt es keine Differenzierungen, sondern nur zwei Schachteln: ,,gesund" und ,,Idioten". Dann natürlich ist Herr M. auf jeden Fall gesund, denn er bringt ja fehlerfreie Sätze zustande, ist adrett gekleidet und sabbert nicht. Im Weiteren findet Strate für jede ,,Skurrilität", wie er es nennt, eine normalpsychologische (besser: küchenpsychologische) Erklärung, und wo er keine findet, streitet er einfach ab:
ZitatZEIT: »Ich trete aus dem Rechtsstaat aus«,dieser Mollath-Satz steht im Gerichtsprotokoll.
Strate: Auch das hat er nicht gesagt, es steht aber tatsächlich im Protokoll.
Weil: Herr Mollath hat ihm gesagt: ,,Das habe ich nicht gesagt", und es gibt natürlich überhaupt keinen Grund, die nachträglichen Verkündigungen des Herrn Mollath zu bezweifeln. Der hat ein fotografisches Gedächtnis für seine Äußerungen, das hundertmal verlässlicher ist als jedes beschmierte Papier, und sei es auch ein Gerichtsprotokoll.

Im weiteren gibt er noch einige – insbesondere im Licht seiner ,,Verrückten-Aussage", s. o. – anmaßenden Kommentare über die psychiatrischen Gutachter ab. Schließlich:

ZitatZEIT: Wie beurteilen Sie Mollaths Aussichten in der neuen Hauptverhandlung? Wird er freigesprochen werden?
Strate: Das kann ich nicht sicher sagen. Ich erwarte allerdings, dass in einem rechtsstaatlichen Verfahren von dem alten Urteil nichts übrig bleibt. Es wird letztlich Aussage gegen Aussage stehen, und das Gericht wird auch die Motive von Aussagen sorgfältig prüfen.
Hier hätte ich mir gewünscht, dass die ZEIT abschließend noch einmal nach dem Nachweis der ,,Rechtsbeugung" gefragt hätte.

Belbo

http://tv-orange.de/2013/08/gustl-mollath-bei-der-tagung-richter-und-ihre-denker-in-giessen/

So jetzt dann die erste Tagung bei der Herr Mollath auftritt und seinen alten "Gutachter" Weinbergerer wieder trifft, mal gespannt wie lange das gut geht.

ZitatProgramm

15.00 Begrüßung

15.15 Dr. med. Friedrich Weinberger:

Forensische Gutachten im Straf-, Betreuungs- und Familienrecht

Zu Strate:
ZitatEs wird letztlich Aussage gegen Aussage stehen, und das Gericht wird auch die Motive von Aussagen sorgfältig prüfen.

Bedenklich nur wenn man als Verteidiger die Medien dahingehend benutzt um eben genau diese Personen öffentlich zu diskreditieren, etwas anderes ist ja die Klageerzwingung gegen Richter und Gutachter auch nicht.

P.G.

ZitatZEIT: Bei Beckmann trat auch eine Psychiaterin auf, die erklärte, der Erkenntnisgewinn eines Sachverständigen, der nicht mit dem Probanden gesprochen hat, sei mit dem eines Gynäkologen zu vergleichen, der seiner Patientin aus mehreren Metern Entfernung in die Vagina blicke. Was soll das? Sollen gestörte Straftäter ihre Unterbringung künftig dadurch verhindern können, dass sie bei der Begutachtung nichts sagen? Ist das im Sinne der Allgemeinheit?
Strate: Das ist natürlich nicht im Sinne der Allgemeinheit. Es wäre auch nicht richtig. ... Es ist Nonsens, die Abschaffung der Fernbegutachtung zu fordern.

Wie geil ist das denn? Für einige Mollath-Anhänger muss eine Welt zusammenbrechen. VERRÄTER!!!

Hildegard

Keine Sorge, ich will nichts zu Mollath sagen. Nur auf einen hübschen aktuellen Gegenpol in der öffentlichen Wahrnehmung hinweisen.
Am Montag war ja diese Geiselname in Ingolstadt, und nun wird diskutiert, ob man die nicht durch Unterbringung hätte verhindern können.

Zitat
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellte im Bayerischen Rundfunk klar: Die Gerichte dürften keine "falschen Hemmungen" haben. Sie müssten zwar besondere Sorgfalt bei der Begutachtung psychisch gestörter Täter walten lassen. Aber: "Dass im Fall Mollath vielleicht jemand zu Unrecht in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde, darf jetzt nicht zu einem Pendelschlag ins andere Extrem führen."

http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/geiselnahme-ingolstadt-rathaus-100.html

P.G.

Strate hat mittlerweile auf seiner Homepage alles veröffentlicht. Jedes Gutachten. Viel Spaß beim lesen.
Ich versuche meine Zeit zwar anders zu verschwenden, aber das Weinberger Gutachten musste ich doch mal überfliegen. Das ist der Hammer. Das ist so krass. :o

Belbo

Da kann man jetzt nur raten, ich denke mal dass Strate die "Drecksarbeit" jetzt den "cherrypickern" und "shitstormern" überlässt, die genüsslich jeden einzelnen Satz zerpflücken und in einem Meer von Spekulationen und Wortverdrehungen ersticken werden.

sweeper

Leider fehlt mir momentan auch die Zeit, mir die Texte genauer anzusehen.

Allerdings befürchte ich, dass Strates Aktionen einen Kollateralschaden erzeugt haben:
wer ist denn künftig so blöd und wird noch Forensiker?

Mittelfristig kommt dann das dabei heraus, was die Scientologen schon seit Hubbard proklamieren:
wer mit seinem Leben nicht zurecht kommt und seinen Platz in der Gesellschaft nicht findet, der wird (scientologisch) therapiert oder eben eingesperrt.
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Terry Pratchett

Belbo

Spannend fände ich ja noch diese Unterlagen, ob sich Herr Strate  traut die auch zu veröffentlichen (aus dem Pfaefflingutachten), zumal er in seinem Gutachten schreibt:
Zitat
7. Beurteilung
Bei der Begutachtung werden die Kenntnis der Aktenlage (vgl. oben Abschn. 1). der von Herrn Mollath bei der Untersuchung gemachten Angaben (Abschn.2) [.....] etc. vorrausgesetzt.

Ob man es redlich von RA Strate finden soll dass Gutachten ohne Teile dieser Unterlagen zu veröffentlichen sei dahingestellt.

Zitat1.6
Weitere Unterlagen im Vollstreckungsheft Die Vollstreckungshefte enthalten darüber hinausgehend zahlreiche kürzere und meist umfangreichere handschriftliche Eingaben von Herrn M., mehrfach mit Anlagen eigener früherer Schriftsätze aus den Jahren 2002ff an diverse Adressaten und begleitet von Kopien von Schriftstücken, die ihm als Belege dienen für seine Aufforderungen, Missständen im Bankgewerbe abzuhelfen bzw. Anzeigen wegen solcher Missstände zu begründen. Diese Dokumente werden hier nicht referiert, sondern als bekannt vorausgesetzt. Außerdem findet sich ein umfangreicher anwaltlicher Schriftverkehr im Vollstreckungsheft mit wechselnden Anwälten und Hinweisen darauf, dass es wiederholt zu tief greifenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Herrn M. und seinem jeweiligen Anwalt bzw. seiner jeweiligen Anwältin gekommen war.

http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-Gutachten-Pfaefflin-2011-02-12.pdf