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Autor Thema: Impflücke auf Deutschlandfunk heute ab 10 Uhr  (Gelesen 1946 mal)

Skrzypczajk

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Impflücke auf Deutschlandfunk heute ab 10 Uhr
« am: 22. Juli 2013, 10:58:59 »
Kontrovers

Politisches Streitgespräch mit Hörern und Studiogästen

Gefahr im Verzug? - Die wachsende Impflücke in Deutschland

Studiogäste:
Karin Maag
Michael Friedl
Dr. Wolfram Hartmann

Hörertel.: 00800 - 4464 4464
kontrovers(a)dradio.de

sweeper

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Re: Impflücke auf Deutschlandfunk heute ab 10 Uhr
« Antwort #1 am: 22. Juli 2013, 13:36:32 »
Ich fand frustrierend, dass der Versuch einer Sachargumentation letztlich ins Leere ging -  was auch in den typischen Hörerkommentaren deutlich wurde.
Die Vorstellung "Kinderkrankheiten als wichtiger Entwicklungsschritt" hat sich bei den Anthropos & Co. offensichtlich als Mantra tief in den präfrontalen Cortex eingebrannt...

Der Friedl ist ja anthroposophischer und homöopathischer Kinderarzt:
http://michaelfriedl.de/
With magic, you start with a frog and end up with a prince.
With science, you start with a frog, get a PhD and are still left with the frog you started with...


Terry Pratchett

Skrzypczajk

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Re: Impflücke auf Deutschlandfunk heute ab 10 Uhr
« Antwort #2 am: 22. Juli 2013, 14:05:59 »
Ich hab heute morgen nur den Hinweis mitbekommen, konnte die Sendung selbst aber nicht hören. Und wenn, hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut. :-\

Conina

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Re: Impflücke auf Deutschlandfunk heute ab 10 Uhr
« Antwort #3 am: 22. Juli 2013, 14:08:38 »
Der Hartmann war schon klasse.

Elfenstaub

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Re: Impflücke auf Deutschlandfunk heute ab 10 Uhr
« Antwort #4 am: 22. Juli 2013, 15:53:29 »
Ich habe leider (oder zum Glück) erst mitten drin eingeschaltet. Hat Herr Friedl deutlich gemacht, dass er aus einer bestimmten Weltanschauung heraus argumentiert (Anthroposophie)?
2-3 Elfen, luftgetrocknet, mit dem Mörser zerstoßen bis die Konsistenz von Puderzucker erreicht ist: Elfenstaub!

Giftig wie Aspartam, süß wie Dihydroxymonoxid und nicht überdosierbar.

sweeper

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Re: Impflücke auf Deutschlandfunk heute ab 10 Uhr
« Antwort #5 am: 22. Juli 2013, 16:11:18 »
Ich habe auch nur ab und zu reingehorcht und die letzten 30 Min.- mir ging der Tonfall von Friedl von Anfang an auf die Nerven.
Seine weltanschauliche Einstellung wurde in der Anmoderation genannt.

Man kann die Sendung nachhören:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kontrovers/2184069/
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Terry Pratchett

Haftlmacher

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Re: Impflücke auf Deutschlandfunk heute ab 10 Uhr
« Antwort #6 am: 22. Juli 2013, 23:14:38 »

Schade, daß offenbar niemand sich da (Gefahr im Verzug? - Die wachsende Impflücke in Deutschland Deutschlandfunk, Kontrovers, Montag, 22. Juli 2013 10:10) kurz mal zu Wort melden konnte. Ich kann um die Zeit - wenn überhaupt - so leider nur nebenbei ein bißchen mithören. Anrufen geht gar nicht. Aber was ich da mitbekommen habe, das hat gereicht. Gottseidank war wenigstens war ein vernünftiger Mensch (der Kinderarzt) im Studio, der doch ziemlich viel gerade gerückt hat.

In der "Diskussionssendung" von heute früh morgens (Vorsicht Masern - wird in Deutschland zu wenig geimpft? Deutschlandradio Kultur, 2254, Montag, 22. Juli 2013 01:05) gab es nur eine hilflose Moderatorin. Sie hat den Anrufern so ziemlich jeden Unsinn durchgehen lassen.

Das Dilemma ist - so scheint mir - schon das Format solcher Sendungen. Es dient ja in aller Regel dem "Meinungsaustausch" nach dem Motto: "Wie sehen Sie das?".

Allein das zeigt m.E., daß Sender/Redakteure nicht verstanden haben, daß Nutzen und Risiko von Impfungen eben keine Frage von Meinungen ist. Da geht es um Wissen - das Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen. Das Erkennen und Verstehen der körperlichen (und sonstigen) Vorgänge beim Impfen. Meinungs-Pluralismus ist da doch eher kontraproduktiv.

Freilich kann - und muß - in der Wissenschaft auch "diskutiert" werden: wo, wenn nicht da. Aber da geht es eben doch etwas anders zu.

Wenn Standpunkte oder Erklärungen einander widersprechen, so bleiben die nicht einfach nebeneinander stehen. Weil dann in aller Regel auf der Hand liegt, daß mindestens eine/r davon falsch sein düfte. Und man möchte doch gern wissen, wie es sich tatsächlich verhält. Also schreitet man so dann zu einem ordentlichen Streit zum Zwecke der Klärung: welcher Standpunkt stimmt denn nun: einer? Gar keiner? Deiner? Meiner?

Wenn man bei solchen (Radio-)Diskussionen wirklich was klarstellen möchte, gerät man unvermeidlich in eine Zwickmühle. Entweder man relativiert die eigene - hoffentlich wohlbegründete - Ansicht und gibt sich damit zufrieden, eine Meinung von den unendlich vielen denkbaren vorzutragen. Oder man besteht auf der Richtigkeit der vorgebrachten Argumente - und zieht sich den Vorwurf zu, intolerant, besserwisserisch und dogmatisch zu sein. Man könnte glatt meinen, so etwas Unschuldiges wie Argumente könnten die Entscheidungsfreiheit dieser Leute einschränken!

Das ist in der Diskussion ja auch prompt passiert. Und das, obwohl der Kinderarzt bewunderungswürdig ruhig und sachlich war. Er hat lediglich seinerseits auf seinem Standpunkt bestanden, den er - im Gegensatz zu seinen Kritikern mit - stichhaltigen! - Argumenten begründet hat. Das reichte schon, um den Vorwurf gleich mehrmals zu provozieren: "... und gleich wird man als uninformiert und verantwortungslos hingestellt. Das lasse ich mir nicht nachsagen."

Deswegen fürchte ich kommt man nicht darum herum, den falschen Ausgangspunkt zum Thema zu machen.

Mich hat das so geärgert: ich habe ganz auf die Schnelle eine notgedrungen nicht sehr ausgefeilte E-Mail zusammengeschustert und an den DLF geschickt. Ich habe dann aber nicht mehr mitgekriegt, ob die überhaupt erwähnt worden ist. Ich glaube aber eher nicht. In einer Meinungssendung das Meinen kritisieren - das kommt sicher nicht gut.

Zitat
Ich bin entsetzt über die Art und Weise, wie die Medien - insbesondere Deutschlandradio/Deutschlandfunk das Thema behandeln. Sie hatten schon letzte Nacht eine ziemlich trostlose Diskussion zum Thema (Nachtgespräche DLR). Von richtiger Information keine Spur - dabei täte die so dringend not.

Das zeigt gerade die aktuelle Debatte. Da werden Argumente ins Feld geführt - da stehen mir die Haare zu Berge! Sie entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage und stehen im Gegensatz zu gesichertem Wissen. Aber die Stichhaltigkeit dieser Argumente wird höchst selten mal sachkundig hinterfragt.

Stattdessen tun sie so, als handele es sich um eine Meinungsfrage. Das zeigt allein schon die Auswahl Ihrer Gäste: jede Meinung - und sei sie noch so schlecht begründet - soll vertreten sein. Sie sind gleichberechtigt. Richtig und falsch - so was gibt es da offenbar nicht.

Dabei gibt es doch gesichertes Wissen zu Impfungen. Für „Für“ wie „Wider“ gibt es wissenschaftliche Argumente. Und die sprechen ganz eindeutig für Impfungen.

Impfgegner berufen sich u.a. gern auf ihre Erfahrungen. Aber persönliche Erfahrungen können nun mal nicht verallgemeinert werden.

Weiter berufen sie sich gern auf Studien. Aber so einfach ist das auch wieder nicht: bei den Studien gibt es gute und schlechte. Gute liefern handfeste Beweise, schlechte tun das nicht. Man muß sich nur die richtigen rauspicken ... Und im übrigen stützen sie sich auf Argumente, die samt und sonders wissenschaftlich widerlegt sind.

Sie berufen sich auf die Wünsche und Ängste ihrer Patienten - wie Ihr alternativ-medizinischer Gast. Die "Patienten da abholen, wo sie sind" - das ist ein bißchen arg einfach. Information und Aufklärung - das ist es, was not tut! Aber das ist auch ein ganzes Ende mühsamer.

Niemand kann einem Menschen verwehren, sich selbst gesundheitlichen Schaden zuzufügen - wenn er das denn unbedingt so will. Vermutlich weiß er nicht, daß es das ist, was er tut. Ich kenne jedenfalls niemanden, der das wissentlich macht.

Aber Impfgegner treffen eine Entscheidung, für deren Folgen nicht sie allein, sondern auch andere einstehen müssen - und zwar nicht nur ihre eigenen Kinder.

Da sollte man - wie bei Ärzten übrigens auch - erwarten, daß sie sich - richtig! - kundig machen, welche Risiken Impfungen mit sich bringen und welchen Nutzen. Und deswegen bin ich für eine Impfpflicht - obwohl ich weiß, daß die nicht wirklich vollzogen werden kann.

Wenn schon im Radio eine dem Thema angemessene Diskussion nicht geht ...

Volvox

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Re: Impflücke auf Deutschlandfunk heute ab 10 Uhr
« Antwort #7 am: 22. Juli 2013, 23:32:49 »
Ich bin nicht sicher, ob ich mich über die Sendung freuen soll oder ob ich darüber weinen soll. Herr Hartmann hat zwar wunderbar einige Impfmythen aufgegriffen, aber die gleichzeitig verbreitete Desinformation von Herrn Friedl und die "unfassbaren" Kommentare der Anrufer ziehen einen irgendwie runter. Vor allem die letzte Anruferin war ja völlig desinformiert: Ich bin gebildet und informiert, und daher weiß ich, dass bei Kleinkindern die Bluthirnschranke und das Nervensystem noch garnicht ausgebildet sind. (Kein echtes Zitat, aber vom Inhalt her ist es genau das, was sie gesagt hat.)

Da hätte ich ja schon ein paar gute Ideen für die nächsten Sendungen:
- ein CDU-Politiker und David Icke unterhalten sich über Angela Merkel
- Klaus Wowereit und Werner Altnickel unterhalten sich über den BER-Flughafen

sweeper

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Re: Impflücke auf Deutschlandfunk heute ab 10 Uhr
« Antwort #8 am: 22. Juli 2013, 23:54:19 »
Zitat
Herr Hartmann hat zwar wunderbar einige Impfmythen aufgegriffen, aber die gleichzeitig verbreitete Desinformation von Herrn Friedl und die "unfassbaren" Kommentare der Anrufer ziehen einen irgendwie runter.
Das beschreibt genau das schale Gefühl, was mir von dieser Sendung geblieben ist.
Beides blieb gleichberechtigt nebeneinander stehen - der letzte völlig uninformierte Kommentar blieb als "Schlusswort" haften.
Friedl bagatellisierte die Masern-Komplikationen, indem er einen undifferenzierten Kurzvortrag über die "Vorteile des Fiebers und die bösen Folgen der Fiebersenkung" hielt (siehe seine Homepage); und mit pastoraler Stimmgebung wies er darauf hin, wie verantwortungsbewusst die "aufgeklärten Eltern" das Wohl ihres in dieser Phase so vulnerablen Kleinkindes anstreben...etc pp.

Man müsste - um dem aufklärerischen Auftrag eines öffentlichen Senders nachzukommen - während der ersten 30 Minuten einfach nur evidenzbasiert informieren, um diesem Schrott nicht übermäßig Raum zu geben.
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Terry Pratchett

Ratiomania

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sweeper

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Re: Impflücke auf Deutschlandfunk heute ab 10 Uhr
« Antwort #10 am: 23. Juli 2013, 11:58:58 »
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Terry Pratchett

Susi

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"Impfentscheidung ist eine Abwägung von Risiken"
« Antwort #11 am: 30. Juli 2013, 16:26:28 »
Passend dazu (wie ich finde) gab es auf DF am 26.07.2013 ein Interview mit der Psychologin Cornelia Betsch über das Thema Impfentscheid.  (Die zukünftige Professorin forscht im Bereich Sozial-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie auch zum Thema Impfverweigerer.)

Zum Nachhören: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/07/26/drk_20130726_0839_132c5a4e.mp3
bzw. Nachlesen: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/2191938/