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Deutsch => Allgemeine Diskussionen => Thema gestartet von: VTI2018 am 11. Februar 2018, 13:40:55

Titel: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: VTI2018 am 11. Februar 2018, 13:40:55
Mein Freund – der Verschwörungstheoretiker :Aluhut:

Ihr wolltet doch wissen, wie man sich so gegenüber Verschwörungstheoretikern verhält, hier meine Geschichte.
Ich „Mario“ hatte einen Freund, einen guten Freund, seit der Grundschule verband uns eine sehr enge Freundschaft. Wir durchlebten die Schule und Pubertät zusammen, sein durchaus brillanter und kritischer Geist schärfte auch meine Sicht auf das Weltgeschehen und half mir oft Ereignisse besser und kritischer einzuordnen. Auch nach Schule und Pubertät verbrachten wir viel Zeit miteinander doch Diskussionen über die aktuelle Lage der Welt wurden zunehmend anstrengender und zeitraubender. Aber alle Argumente von ihm waren meist noch nachvollziehbar und haltbar. So vergingen Jahre.
Ich hatte inzwischen geheiratet und mein guter Freund spielte eine immer noch große Rolle in meinem Leben. Allerdings wurde die Zeit mit ihm langsam zunehmend anstrengender, da sein Leben ein wenig chaotischer verlief als meines. Sowas kann natürlich vorkommen und wäre auch nicht weiter tragisch, wenn man sich nicht jedes Mal, bis ins kleinste Detail anhören müsste, wer Alles an seiner Situation Schuld trägt. Meinen alten Schulfreund auf seine eigenen Fehler, was man in einer Freundschaft ja macht, hinzuweisen wurden von Jahr zu Jahr kräfteraubender und aussichtsloser.

Langsam fing ich an weltpolitische Diskussionen mit ihm zu meiden, weil sie immer öfter in haarsträubenden und lauten Hasstiraden auf das „westliche System“ endeten. Jetzt fing die Zeit an, in der sich mein alter Freund, dank Internet immer mehr mit abstrusen Theorien beschäftigte und für sich erkannte wie schlecht die Welt und vor Allem die lenkende Machtelite dieser ist.
Ich möchte hier gar nicht auf jede einzelne Verschwörungstheorie eingehen, die Leser dieser Seite kennen wohl die meisten.

Inzwischen mied ich jede Diskussion mit Ihm, da er für sich nun endlich die Schuldigen an seiner Situation gefunden hatte, denn er musste ja im Internet die ganzen Verschwörungen aufdecken, jede Kritik an seiner Lebensführung glich einer Gotteslästerung, obwohl dies notwendig war, denn sein Leben ging immer mehr den Bach runter (Arbeit, Freunde usw.).
Da ich inzwischen Vater von drei Kindern war, habe ich nicht mehr die Kraft aufgebracht ihn auf seine Lebensumstände hinzuweisen, denn es endete immer in nächtelangen Auseinandersetzungen.
Als einer seiner letzten Freunde, fing auch ich an meinen Freund den Verschwörungstheoretiker zu meiden, nicht komplett aber wir sahen uns weniger als früher. Die Treffen, die noch standfanden verbrachten wir mit belanglosem Zeitvertreib. Denn um eine end- und zwecklose Diskussion zu vermeiden, umschiffte man jedes Wort, dass im Entferntesten etwas mit Politik und Weltgeschehen zu tun hatte.
Meine Kinder kamen nun langsam in die Pubertät und fingen an, was auch gut ist, Alles zu hinterfragen, mein Verschwörungstheoretiker fing an dieses, ich hoffe unbewusst, ausnutzen und begann, meinem Nachwuchs die Welt aus seiner Sicht zu erklären.
Ich brach darauf den Kontakt komplett ab. Am Anfang hatte ich noch ein schlechtes Gewissen, aber inzwischen weiß ich, dass dieser Schritt für mich und meine Familie der Beste war. Ich schrieb Ihm in einem Brief, sollte er eines Tages merken, dass er sein Leben selbst in der Hand hat und nur er es selbst wieder in den Griff bekommen kann, werde ich meinem alten Freund auch wieder helfen. Bis dahin müssen ihm Ganser, Jebsen und Co helfen.

Meine holprige Ausdrucksweise bitte ich zu entschuldigen, da dies als Handwerker nicht meine Kernkompetenz ist  ;D ;D
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: LaDeesse am 11. Februar 2018, 15:01:26
Vielen Dank!
Schön zu lesen, dass PSIRAM auch im nichtakademischen Umfeld wahrgenommen und genutzt wird.
Das erinnert daran, wie wie wichtig eine gut verständliche Sprache ist.
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: VTI2018 am 11. Februar 2018, 15:26:01
Auch als Nicht-Akademiker  :o lese ich schon länger gwup und Psiram um Sachverhalte, aus vor allem sachlicher Hinsicht, besser zu verstehen

viele Grüße :2thumbs:
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: celsus am 11. Februar 2018, 15:58:35
Mein Freund – der Verschwörungstheoretiker :Aluhut:

Wow, danke für deine Geschichte. Sehr schön geschrieben. Ich denke, es gibt einige Leute, die ähnliche Geschichten erzählen könnten (ich auch).

Das gefällt mir so gut, dass ich es gerne leicht überarbeiten und als Zitat im Blog veröffentlichen würde. Was hältst du davon?
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: VTI2018 am 11. Februar 2018, 16:38:38
@celsus

Das kannst Du gerne machen, würde mich sogar freuen.  ;)


Grüße
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: Schwuppdiwupp am 11. Februar 2018, 20:06:46
Eine traurige Geschichte sehr schön geschrieben!  :2thumbs:

Allerdings wurde die Zeit mit ihm langsam zunehmend anstrengender, da sein Leben ein wenig chaotischer verlief als meines. Sowas kann natürlich vorkommen und wäre auch nicht weiter tragisch, wenn man sich nicht jedes Mal, bis ins kleinste Detail anhören müsste, wer Alles an seiner Situation Schuld trägt. Meinen alten Schulfreund auf seine eigenen Fehler, was man in einer Freundschaft ja macht, hinzuweisen wurden von Jahr zu Jahr kräfteraubender und aussichtsloser.

Ich nehme an, dass das nicht nur ein, sondern der Hauptgrund ist, warum Menschen sich radikalisieren - in welcher weltanschaulichen Hinsicht auch immer.
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: VTI2018 am 11. Februar 2018, 21:08:41
 @Schwuppdiwupp

Zurückblickend ist wie Du schreibst, wahrscheinlich der Hauptgrund für seine "Abtrifften" der Tatsache geschuldet, dass er für Alles in seinem Leben einen Verantwortlichen sucht und erschwerend diesen dann nur schwer verzeihen kann.
Ich bin inzwischen der Meinung, daß viele extreme VTler krank sind. Dies meine ich nicht ironisch sondern eher hilflos, denn leider sehen oder können Sie nicht sehen, dass profesionelle Hilfe nötig wäre. Da steht man als Verwandter oder Freund meist hilflos da und muss aufpassen dabei nicht selbst zu verzweifeln.

LG
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: celsus am 11. Februar 2018, 21:13:46
@celsus

Das kannst Du gerne machen, würde mich sogar freuen.  ;)


Grüße

Super, danke. Mache ich nächste Woche fertig.
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: Schwuppdiwupp am 11. Februar 2018, 22:10:43
Ich bin inzwischen der Meinung, daß viele extreme VTler krank sind. Dies meine ich nicht ironisch sondern eher hilflos, denn leider sehen oder können Sie nicht sehen, dass profesionelle Hilfe nötig wäre.
Diese Vermutung teile ich auch.

Da steht man als Verwandter oder Freund meist hilflos da und muss aufpassen dabei nicht selbst zu verzweifeln.
Dürfte ähnlich wie bei Alkohol kranken Menschen sein. Letztenendes müssen die sich auch selbst aus der Gosse ziehen.
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: MrSpock am 12. Februar 2018, 11:50:47
Eine traurige Geschichte sehr schön geschrieben!  :2thumbs:

Allerdings wurde die Zeit mit ihm langsam zunehmend anstrengender, da sein Leben ein wenig chaotischer verlief als meines. Sowas kann natürlich vorkommen und wäre auch nicht weiter tragisch, wenn man sich nicht jedes Mal, bis ins kleinste Detail anhören müsste, wer Alles an seiner Situation Schuld trägt. Meinen alten Schulfreund auf seine eigenen Fehler, was man in einer Freundschaft ja macht, hinzuweisen wurden von Jahr zu Jahr kräfteraubender und aussichtsloser.

Ich nehme an, dass das nicht nur ein, sondern der Hauptgrund ist, warum Menschen sich radikalisieren - in welcher weltanschaulichen Hinsicht auch immer.

Auch ich kann mich diesen Eindrucks nicht erwehren. Als Vater versuche ich meinen Kindern verstärkt Eigenverantwortung mitzugeben. Ich fürchte, dass dies auch ein Makel dieser Zeit ist. Viel zu viel wird den Kindern durch Helikoptereltern abgenommen. Selbstvertrauen und Eigenverantwortung spielen so gut wie keine Rolle mehr.
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: RainerO am 14. Februar 2018, 18:11:32
@ VTI2018
Eine gut erzählte Geschichte, die ziemliche Allgemeingültigkeit hat.
In meiner Familie habe ich auch so einen. Nur ist das leider mein Schwiegervater, dem ich schlecht aus dem Weg gehen kann.
Ich "freue" mich schon auf seine Versuche, meine Tochter (9 Jahre) in seine krude Welt zu ziehen. Seit Weltbild ist zwar nicht ganz so
extrem, wie bei deinem Freund und seine Lebensumstände sind in Ordnung, aber seine Ansichten sind mit meinen absolut unvereinbar.

Ich bin übrigens auch kein Akademiker (im Gegensatz zu meinem Schwiegervater), habe noch nicht einmal eine abgeschlossen Berufsausbildung,
Psiram, GWUP et al gehören bei mir aber zum Fixbestandteil meiner Informationsquellen.
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: celsus am 14. Februar 2018, 19:03:47
So sieht das im Blog aus. Ergänzungen, Korrekturen?

https://blog.psiram.com/?p=21183&preview=1&_ppp=8340ef208e
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: Peiresc am 14. Februar 2018, 19:29:39
Zitat
dank Internet, immer mehr mit abstrusen Theorien beschäftigte und für sich erkannte, wie schlecht die Welt und vor allem die lenkende Machtelite dieser ist.

Vielleicht besser:
"… wie schlecht die Welt und vor allem, wie schlecht die weltlenkende Machtelite ist."
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: VTI2018 am 14. Februar 2018, 22:02:59
@celsus

Super und Danke  :2thumbs: :2thumbs: :2thumbs:

liebe Grüße
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: celsus am 14. Februar 2018, 22:07:46
Prima. Forum noch verlinkt und rausgelassen.
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: deus ex machina am 14. Februar 2018, 22:50:48
Auf FB annonciert.
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: celsus am 14. Februar 2018, 23:47:49
Auf FB annonciert.

Dankeschön!

Der Fanclub ist auch schon da und hat herausgefunden, dass das alles Propaganda ist.

Mein Problem mit Facebook ist nach wie vor, dass dort die Doofen am lautesten und am schnellsten schreien. Das tun sie zwar überall, aber da sieht man es am deutlichsten.
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: LaDeesse am 15. Februar 2018, 00:02:30
... Korrekturen?

https://blog.psiram.com/?p=21183&preview=1&_ppp=8340ef208e

"Ich schrieb Ihm in einem Brief ..."   --->
"Ich schrieb ihm in einem Brief"
Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: forenschlaefer am 15. Februar 2018, 20:54:14
Auf FB annonciert.

Dankeschön!

Der Fanclub ist auch schon da und hat herausgefunden, dass das alles Propaganda ist.

Mein Problem mit Facebook ist nach wie vor, dass dort die Doofen am lautesten und am schnellsten schreien. Das tun sie zwar überall, aber da sieht man es am deutlichsten.
dazu passend aktuell von einem frischen Exkollegen von mir, angehängt:


Titel: Re: Umgang mit Verschwörungstheoretikern, meine Geschichte
Beitrag von: Gernot66 am 27. Februar 2018, 02:01:14
zweimal gepostet?

Eine traurige Geschichte sehr schön geschrieben!  :2thumbs:

Allerdings wurde die Zeit mit ihm langsam zunehmend anstrengender, da sein Leben ein wenig chaotischer verlief als meines. Sowas kann natürlich vorkommen und wäre auch nicht weiter tragisch, wenn man sich nicht jedes Mal, bis ins kleinste Detail anhören müsste, wer Alles an seiner Situation Schuld trägt. Meinen alten Schulfreund auf seine eigenen Fehler, was man in einer Freundschaft ja macht, hinzuweisen wurden von Jahr zu Jahr kräfteraubender und aussichtsloser.

Ich nehme an, dass das nicht nur ein, sondern der Hauptgrund ist, warum Menschen sich radikalisieren - in welcher weltanschaulichen Hinsicht auch immer.

naja, das kommt davon wenn man ein tattergreis ist, gernot.

nun werde ich es in kurzform posten.
Ich bin nicht ganz zufrieden mit diesem "Hauptgrund" es gibt wahrscheinlich genausoviele welche in sowas abdriften ohne dass sie einen sozialen abstieg hinter sich haben.
vor mehr als 30jahren war ich selbst ein sektenmitglied (ein etwas anderes ding und an anderer stelle vielleicht mehr darüber), es ging mir weder schlecht noch ging es mir dadurch schlechter, oberflächlich betrachtet zumindest.
ich suchte einfach nach einfachen antworten (wie profan).

esotherikworkshopbesucher sind auch keine absteiger
und die kunden der "medicine shows" haben auch alles, mein kind, meine frau (mann), mein haus, mein swimmingpool, mein auto, bloss zufrieden sind sie nicht.
"fühlen sie sich manchmal unausgefüllt und leer? das kommt vom elektrischen feldern in ihrer wohnung. kaufen sie unsere "sardinenbüchse", die stecken sie einfach in ihre steckdose und sie werden in kürze bemerken dass ihr wohlbefinden steigt. nur €400.-". nein sowas kann sich der soziale absteiger nicht leisten, der kauft sich lieber 800 bierdosen davon (recht hat er).

verschwörungstheorieanhänger sind sicherlich auch nicht einfach aus sozial schwachen schichten, oder haben einschneidende erlebnisse hinter sich welche ihnen den boden unter den füssen wegrissen. oder sind schlichtweg schlecht gebildete jugendliche, auch wenn es auf jene eine geradezu magnetische wirkung hat.

so einfach ist das wohl nicht.

es geht um mehr, meiner bescheidenen meinung nach ist es planmässig.

es geht um verwirrung, um teilung der massen in kleine grüppchen welche sich gegenseitig bekämpfen.
welche sich dann um kaisers bart streiten statt dass sie sich zusammenraufen würden.
nicht ist schlimmer als wenn die masse ihr potential entdeckt also darf man es gar nicht soweit kommen lassen.
VT haben sich dabei als probates mittel erwiesen.

"anscheinend gibt es einen teil der bevölkerung welchen wir nicht einschläfern können mit boulevard"
"wie wärs mit 'ner lüge?"
"das könnte klappen"
"zwei fliegen mit einer klappe, grossartig, die idioten sind wir los und die besserwisser kleben auch gleich dran"

ich sehe einen zwist vorallem bei jungen menschen gleicher schichten welchen es zuvor so nicht gab.
man redete miteinander und schmiedete pläne was zu erreichen sei.
heute streiten wir uns um chemtrails.

verlorene energie.