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Deutsch => Allgemeine Diskussionen => Politik und Gesellschaft => Thema gestartet von: Navigator2 am 18. März 2017, 10:24:22

Titel: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Navigator2 am 18. März 2017, 10:24:22
Medizin sollte kein Gewerbe sein!

Hallo.

Im Sinne unseres sozialstaatlichen Denkens, wonach ein jeder Mensch einen Anspruch auf gewisse Standards zu einem menschenwürdigen Leben hat, passt es nicht, dass Medizin ein Gewerbe ist.

Es wiederspricht ganz einfach dem medizinischen Ethos, den Patienten als einen "ökonomischen Faktoren" zu sehen, denn wozu führt das letztendlich?

Meiner Ansicht nach führt das dazu, dass dem Patienten nicht mehr die bestmögliche medizinische Versorgung zuteil wird, sondern die Versorgung, die für den Arzt oder für die Klinik die profitabelste ist, und das finde ich unerträglich.

Ich finde es unerträglich, dass man Patienten nach einer größeren OP schon nach wenigen Tagen "raus wirft", obwohl die Operationsnarben noch gar nicht verheilt sind, und noch gewisse Risiken bestehen. Ich erinnere mich noch an Zeiten, an denen die Patienten von sich aus so langsam das Bedürfnis nach Entlassung hegten, und man gesagt bekam: "Nun bleiben sie noch mal drei, vier Tage hier, wo wir den Erfolg der Operation beobachten, und wenn bis dahin keine Komplikationen eingetreten sind, können wir sie guten Gewissens entlassen.

Hier scheint sich mit der Einführung der "Fallpauschalen", ein radikales Umdenken stattgefunden zu haben... und man ist nun bestrebt, die Patienten so schnell wie irgend möglich an die frische Luft zu setzen.

Während früher die Klinik nach Tagen bezahlt wurde, hat man also die Entlassung der Patienten verzögert bis zum geht nicht mehr - was auch nicht im interesse des Patienten war, aber immer noch besser als die Doktrie des schnellen entlassens, ist jetzt die Doktrie des schnellen Entlassens angesagt :-(

Wohin führt es denn, wenn der Patient als Wirtschaftsgut und nicht mehr als Patient gesehen wird, dem eine nach Maßgabe und Berücksichtigung aller Faktoren, eine möglichst optimale Therapie angeboten wird.

Und deshalb, weil es hier um den Patienten geht, und weil eine optimale medizinische Versorgung ein Menschenrecht ist, welche nicht mehr gewährleistet ist, wenn andere Dinge als das Wohl des Patienten im Mittelpunkt steht, hat meines Erachtens Ökonmie keinen Platz in unserem Gesundheitssystem.

Meiner Ansicht nach sollte man (wie in England?) die Medizin verstaatleichen und auf  steuerfinanzierter Basis abrechnen. Damit kann man sich diesen ganzen Wust an Krankenkassen einsparen, in dem man die Krankenhäuser direkt mit den Geldmitteln und den benötigten Materialien versorgen.

Natürlich müssen auch hier "Checks und Balances" eingebaut werden, um Verschwendung und Mißbrauch vorzubeugen, jedoch ergibt das alles ein ganz anderes Bild, wenn das Wohl des Patienten im Mittelpunkt steht, und nicht mehr, ob eine Klinik auch "profitabel" ist.

Und lieber zahle ich über meine Steuern für einen Arzt, der auch mal für eine Stunde keinen Einsatz hat, weil gerade kein Patient da ist, als einen Arztbetrieb, bei denen Patienten mit Schmerzen in der Notaufnahme für 3 oder 5 Stunden warten müssen (ja - als Ex-Taxifahrer weiß ich, dass es so etwas gibt, dass ich Patienten morgens in der Notaufnahme mit Schmerzen eingeliefert hab, und den Patienten nachmittags mit schmerzen wieder abgeholt hab, ohne dass der einen Arzt zu Gesicht bekommen hat). Ich finde das Skandalös, und so etwas kann uns allen passieren... na ja, vielleicht die Leute mit dem ganz dicken Scheckbuch und der goldenen LuxusMedBonuskarte vielleicht weniger....

Wie seht ihr das?
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Peiresc am 18. März 2017, 11:36:23
Hallo Navigator,

das ist IMHO ein hochkomplexes Thema.
Zitat von: Navigator2 am 18. März 2017, 10:24:22
Wohin führt es denn, wenn der Patient als Wirtschaftsgut und nicht mehr als Patient gesehen wird, dem eine nach Maßgabe und Berücksichtigung aller Faktoren, eine möglichst optimale Therapie angeboten wird.
In dem "nicht mehr" steckt ein bisschen was von Romantik, von rückwärtsgewandter Utopie. Ich glaube nicht, dass es früher besser gewesen ist.

ZitatMeiner Ansicht nach sollte man (wie in England?) die Medizin verstaatleichen
Nachbars Kartoffeln sind alleweil die größten. Andererseits glaubt jedes Land von sich, es habe das beste Gesundheitswesen der Welt (von den USA, der Schweiz, Deutschland und England weiß ich das definitiv, von den übrigen Ländern nehme ich es an.)

Die rudimentären Vergleiche zwischen dem NHS und Deutschland, die ich kenne, sehen nicht günstig aus. Und man kann nicht einfach zwei Zahlen nehmen und vergleichen, das wird immer schief gehen. Noch abgesehen von einfachen Fehlern. Hier z. B., mein erster Google-Treffer:
ZitatAuf alle Ärzte bezogen kommen in England 2,8 Ärzte auf 1000 Einwohner. In Deutschland liegt diese Zahl immerhin bei 0,8 Prozent.
https://www.ess-europe.de/krankenversicherung-england/

Das kommt mir schon einmal reichlich unwahrscheinlich vor, und, siehste,
Zitat[...] ist die Anzahl berufstätiger Ärzte [in Deutschland] je 100.000 Einwohner von 442 im Jahr 2013 auf 451 im vergangenen Jahr angestiegen. 1991 lag sie bei 304.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63497/AOK-Institut-Arztdichte-ist-in-Deutschland-angestiegen

Mit einem Wort: es wird keine einfachen Antworten geben.
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Groucho am 18. März 2017, 11:44:43
Zitat von: Navigator2 am 18. März 2017, 10:24:22
Wie seht ihr das?

Kann ja nur für mich sprechen. Ganz ehrlich, Du würdest nicht mit dem Englischen Gesundheitssystem tauschen wollen, das Du da präferierst.

https://www.ess-europe.de/krankenversicherung-england/ (https://www.ess-europe.de/krankenversicherung-england/)

Bei allem Verständnis für Dein Anliegen - aber man wird niemals und unter keinem System um den ökonomischen Faktor herumkommen, sprich, es wird immer eine Budgetierung geben müssen, ob nun staatlich oder im jetzigen deutschen Erstattungssystem.

Fallpauschalen: Ideal mag das auch nicht sein, aber ich erinnere mich an die Zeit davor. Ich möchte da nicht zurück. Meine wenigen KH-Aufenthalte waren immer der Art, dass ich da so schnell wie möglich wieder raus wollte. Ob eine Narbe nun im KH heilt oder Zuhause ist ja nun egal, letzteres deutlich angenehmer, als Nächte mit schnarchenden Zimmergenossen zu verbringen und bei Morgendämmerung aus dem Schlaf gerissen zu werden.

Ein Thema, worüber man endlos schreiben könnte, nur eines ist mir gewiss: Verstaatlichung hat noch nie zu einer Effizienzsteigerung geführt, meist im Gegenteil.
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Sauropode am 18. März 2017, 11:51:24
Zitatdeutlich angenehmer, als Nächte mit schnarchenden Zimmergenossen zu verbringen und bei Morgendämmerung aus dem Schlaf gerissen zu werden.

Ohja! Und es verringert die Gefahr, sich einen MRSA einzufangen.
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Groucho am 18. März 2017, 12:10:52
Zitat von: Sauropode am 18. März 2017, 11:51:24
Zitatdeutlich angenehmer, als Nächte mit schnarchenden Zimmergenossen zu verbringen und bei Morgendämmerung aus dem Schlaf gerissen zu werden.

Ohja! Und es verringert die Gefahr, sich einen MRSA einzufangen.

Noch ergänzend: Kein vernünftiges KH wird jemanden entlassen, wo die Gefahr eines akuten Rückfalles besteht, die stehen da in der Verantwortung, auch mit Fallpauschale. Zum Anderen haben sich die Ansichten bez. Reha deutlich geändert, es ist auch im Sinne des Patienten, schnellstmöglich wieder in die Mobilitätsphase zu kommen (wenigstens bei OPs).
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: lanzelot am 18. März 2017, 12:25:40
Zitat von: Navigator2 am 18. März 2017, 10:24:22

Meiner Ansicht nach sollte man (wie in England?) die Medizin verstaatleichen und auf  steuerfinanzierter Basis abrechnen.
Ich hoffe das ist nur ein freud'scher Versprecher.

Ob wir DAS beste Gesundheitssystem ist schwer zu fassen. Aber eines der teuersten gewiss.
Zitatsozialstaatlichen Denkens
Genau das schiebt ein System über den Abgrund.

Zitatja - als Ex-Taxifahrer weiß ich, dass es so etwas gibt, dass ich Patienten morgens in der Notaufnahme mit Schmerzen eingeliefert hab, und den Patienten nachmittags mit schmerzen wieder abgeholt hab, ohne dass der einen Arzt zu Gesicht bekommen hat...
Es wiederspricht ganz einfach dem medizinischen Ethos, den Patienten als einen "ökonomischen Faktoren" zu sehen, denn wozu führt das letztendlich?
Das sind jetzt schon wieder so Anekdoten. Die besagen und beweisen gar nichts.
Was genau hat dem Deinem Fahrgast gefehlt? Ist er von allein gegangen?
War es einer der Patienten die 3 Wochen mit Schmerzen im Handgelenk herumlaufen und weil ihnen die Termine beim Hausarzt nicht passen, in die Notaufnahme geht?
Wenn in der Notaufnahme viel los ist müssen die Ärzte entscheiden über Prioritäten.
Kann mir nicht vorstellen, dass ein Arzt, ohne ihn anzuschauen und einzuschätzen, nach Hause schickt.

Ansonsten einige pauschale und verallgemeinernde Behauptungen. Etwas weniger Pathos täte gut. Der medizinische Alltag sind anders aus.
Es wird gewiss Einzelfälle und Fehlentscheidungen geben, aber die gab es früher auch.
Aber für den Arzt steht immer der Patient im Mittelpunkt, keiner wird nach Hause geschickt wenn es nicht vertretbar ist, bzw keine adäquate Weiterversorgung stattfindet solange dies angezeigt ist.

Gesundheit kostet Geld und bei allem was geleistet und finanziert werden muss entsteht ein Gewerbe. Auch wenn dies der Staat betreibt.
Und ja, die Kosten explodieren noch mehr und die Effizienz sinkt.
Ich garantiere Dir, die Steuern die Du dann zahlen müsstest, würden die meisten auch nicht mehr zahlen wollen und auch da wieder meckern.

Perfekt ist es im Moment nicht. Und was die Krankenkassen treiben lässt einem ab und an die Haare zu Berge stehen.
Kein Gesundheitssystem kann das Rundum-Sorglos Paket stellen, wie es der ein oder andere Sozialromantiker gern möchte.
Aber ich würde in kaum einem anderen Land der Welt leben und krank werden wollen. Wobei ich genau genommen gar nicht krank werden will. :grins2: Nirgendwo.
Hierzulande  jammern einige auf sehr hohem Niveau.

Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Peiresc am 18. März 2017, 12:31:45
Zitat von: lanzelot am 18. März 2017, 12:25:40
Aber ich würde in kaum einem anderen Land der Welt leben und krank werden wollen. Wobei ich genau genommen gar nicht krank werden will. :grins2: Nirgendwo.
Hierzulande  jammern einige auf sehr hohem Niveau.
+1
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Groucho am 18. März 2017, 12:42:07
Zitat von: Peiresc am 18. März 2017, 12:31:45
Zitat von: lanzelot am 18. März 2017, 12:25:40
Aber ich würde in kaum einem anderen Land der Welt leben und krank werden wollen. Wobei ich genau genommen gar nicht krank werden will. :grins2: Nirgendwo.
Hierzulande  jammern einige auf sehr hohem Niveau.
+1

Naja, ich würde "lieber" noch in der Schweiz in ein KH gehen, da sind auch deutsche Ärzte (tendentiell weniger übermüdet) und das Essen ist meist deutlich besser  8)
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Typee am 18. März 2017, 13:15:44
Zitat von: Groucho am 18. März 2017, 11:44:43
Zitat von: Navigator2 am 18. März 2017, 10:24:22
Wie seht ihr das?

Kann ja nur für mich sprechen. Ganz ehrlich, Du würdest nicht mit dem Englischen Gesundheitssystem tauschen wollen, das Du da präferierst.


Ich auch nicht. Verfolge mal in der dortigen Presse, wie das System ächzt. Und das ist erst der Prä-Brexit-Status. Hardliner unter den Tories haben schon unverhohlen angedeutet, wo sie die Staatsknete einzusparen gedenken, wenn die offenen Rechnungen aus dem britischen Alleingang beglichen werden müssen.
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Rincewind am 19. März 2017, 00:16:19
Das Gewerbe Medizin könnte meiner Meinung nach aber schon die ein oder andere Überarbeitung erfahren, vor allem was die Regelungen und Erlaubnisse bei Heilpraktikern&Co angeht.
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Groucho am 19. März 2017, 00:47:05
Zitat von: Rincewind am 19. März 2017, 00:16:19
Das Gewerbe Medizin könnte meiner Meinung nach aber schon die ein oder andere Überarbeitung erfahren, vor allem was die Regelungen und Erlaubnisse bei Heilpraktikern&Co angeht.

Es ist ein laufender Prozess, der seinem Ideal nie genügen wird, zumal sich immer neue Methoden auftun. Für die Heilspraktiker würde Anfangs erstmal Dokumentationspflicht und Garantenstellung (und keine Stellung als Laie vor Gericht) genügen.
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Peiresc am 19. März 2017, 09:41:10
Zitat von: Rincewind am 19. März 2017, 00:16:19
Das Gewerbe Medizin könnte meiner Meinung nach aber schon die ein oder andere Überarbeitung erfahren
Selbstverständlich.

Zitatvor allem was die Regelungen und Erlaubnisse bei Heilpraktikern&Co angeht.
Das ist vergleichsweise einfach zu überblicken, aber das sind peanuts. Sie sind für die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens völlig nebensächlich. Die relevanten Beträge werden ganz woanders umgesetzt.
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Joseph Kuhn am 19. März 2017, 09:52:18
Bevor hier Mythen geboren werden, ein paar Anmerkungen:

Das Gesundheitswesen ist ein komplexes System, zu dem Ärzte, Krankenhäuser, Diatberaterinnen, Pharmafirmen, Apotheken, Hersteller von orthopädischen Schuhen und vieles mehr gehören. Manches davon ist Gewerbe, manches nicht.

Ärzte üben beispielsweise kein Gewerbe aus und die Ärzte verwehren sich selbst explizit dagegen, § 1 der Musterberufsordnung sagt: "Der ärztliche Beruf ist kein Gewerbe." Siehe dazu allgemeiner auch § 6 (1) der Gewerbeordnung. Bei Krankenhäusern kommt es u.a. auf die Trägerschaft an.

Dass es im Gesundheitswesen unabängig von der Frage, ob ein "Gewerbe" vorliegt, immer auch um Geld geht, ist eine andere Frage und solange Ressourcen über Geld gesteuert werden, nicht zu ändern. Das Gesundheitswesen ist einer der größten Wirtschaftszweige mit einem Ausgabenvolumen von mehr als 300 Mrd. Euro. Wer in diesem System nicht auf ökonomische Vernunft achtet, verschwendet Geld, das der Versorgung fehlt.

Dann hieß es oben, unser Gesundheitswesen sei eines der teuersten der Welt. Wenn man die armen Länder als Vergleich heranzieht, kann ich nur sagen, gottseidank. Wenn man die westlichen Industrieländer als Vergleich heranzieht, stimmt die Aussage nicht. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt liegen sie mit einem Anteil von 10 bis 11 % alle nahe beieinander: http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/File:Current_healthcare_expenditure,_2012_YB15-de.png

Und zur Frage staatlich oder nicht: Der Staat soll Verantwortung für das Gesundheitswesen ernstnehmen, indem er den Rahmen für eine qualitativ gute Versorgung gewährleistet, alles selber machen soll er bitte nicht, dazu ist das Gesundheitswesen viel zu komplex und auch in den "Beveridge-Systemen" ist nicht das gesamte Gesundheitswesen staatlich, sondern meist nur die medizinische Versorgung i.e.S.

Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Groucho am 19. März 2017, 10:31:02
Zitat von: Joseph Kuhn am 19. März 2017, 09:52:18
Dann hieß es oben, unser Gesundheitswesen sei eines der teuersten der Welt. Wenn man die armen Länder als Vergleich heranzieht, kann ich nur sagen, gottseidank.

Erinnert mich bisschen an Meldungen in den Medien, der Verbrauch von Medikament XY sei gestiegen. Natürlich stets mit alarmistischem Unterton und der selbstverständlichen Annahme, dass sowas ja nur schlecht sein könne. Kann es. Es könnte aber auch sein, dass besser diagnostiziert wurde und/oder eine schlichte Unterversorgung bestand.
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Peiresc am 19. März 2017, 11:35:30
Zitat von: Joseph Kuhn am 19. März 2017, 09:52:18Dann hieß es oben, unser Gesundheitswesen sei eines der teuersten der Welt. Wenn man die armen Länder als Vergleich heranzieht, kann ich nur sagen, gottseidank.
Das teuerste Gesundheitswesen der Welt gibt es in den USA; es ist gleichzeitig hocheffektiv und schwer dysfunktional. Je nachdem, was man in den Vordergrund stellen will - und das ist dann unausweichlich ideologisch determiniert.
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Rincewind am 19. März 2017, 21:00:28
Zitat von: Groucho am 19. März 2017, 00:47:05
Zitat von: Rincewind am 19. März 2017, 00:16:19
Das Gewerbe Medizin könnte meiner Meinung nach aber schon die ein oder andere Überarbeitung erfahren, vor allem was die Regelungen und Erlaubnisse bei Heilpraktikern&Co angeht.

Es ist ein laufender Prozess, der seinem Ideal nie genügen wird, zumal sich immer neue Methoden auftun. Für die Heilspraktiker würde Anfangs erstmal Dokumentationspflicht und Garantenstellung (und keine Stellung als Laie vor Gericht) genügen.

+1
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Navigator2 am 20. März 2017, 05:22:22
Zitat
Zitat von: lanzelot am 18. März 2017, 12:25:40
Zitat von: Navigator2 am 18. März 2017, 10:24:22

Meiner Ansicht nach sollte man (wie in England?) die Medizin verstaatleichen und auf  steuerfinanzierter Basis abrechnen.
Ich hoffe das ist nur ein freud'scher Versprecher.


Nein, keineswegs!

Was hast Du gegen eine verstaatlichte Medizin?

Ok - ich hab dieses Posting hier bewußt zurück gehalten - auf der einen Seite macht mir der BBCode Probleme, weil ich es aus Usenetzeiten gewohnt bin, direkt unter den Text meines Vorredners zu schreiben, damit die Bezüge erhalben bleiben, um was es eigentlich geht.

Des zweiten bin ich mir bewußt, dass manche Diskussionen "recht emotional" und manchmal unsachlich enden. Ich versuche von mir aus, beides zu vermeiden. Daher ist es wohl gut, dass ich mir einen BBCeditor auf den Rechner geladen hab, und ich so jetzt meine Antwort in Ruhe überlegen kann, und trotzdem das sehen kann, was mein Vorredner geschrieben hat.

Das Stichwort war "verstaatlichte Medizin", was bei Dir eine negative Reaktion hervor rief.

Das gegen von "verstaatlichter Medizin" wäre "privatwirtschaftliche Medizin".

Ich halte aus mehreren Gründen eine "verstaatlichte Medizin besser als eine "privatwirtschaftliche Medizin"

Ich räume gerne ein, dass unter einer "korrupten" Regierung (also eine Regierung, die nicht den Interessen des "Volkes" dient, sondern den Interessen des "Geldadels", den Interessen der eigenen persönlichen Bereicherung, den Interessen des Machterhalts) eine "Staatsmedizin" für die Bevölkerung eine sehr schlechte Medizin sein kann, dann nämlich, wenn die Medizin möglichst billig sein muss oder soll, damit (Stolperstein!) die Profite der Reichen möglichst hoch ausfallen. (Zum Stolperstein: Ich fürchte, dass unser beider Weltsicht zu verschieden ist, als dass Du meine Gedanken nachvollziehen kannst. Ich versuchte daher in kleinen, aber gut verdaulichen Häppchen meine Weltsicht zu erklären: Die Reichen, das ist ein Mem, welches nicht genauer definiert werden kann. Es gibt auch keine harte Grenze, zwischen denen, die Reich, und denen die Nicht-Reich sind, und "die Reichen" sind auch keine feststehende Gruppe, sondern eher eine gedachte Gruppe. Die Verwendung des Begriffs "der Reichen" erfolgt unter meiner Weltsicht, die verkürst so aussieht:
Es gibt:
Die Reichen
Die Politiker
und das Volk und die Armen - wobei das "Volk und die Armen" eigentlich das gleiche Mem sind, und auch das gleiche bedeutet. Ob jemand Flaschen aus den Abfalleimern sammelt, als Taxifahrer sich den Arsch platt sitzt, oder als outgeburnter Akademiker wie ein gutbezahlter Sklave, aber dennoch als Sklave sich den Arsch abarbeitet - es sind keine großen Unterschiede... - der Unterschied zwischen "den Reichen" und den "Armen" besteht darin, dass die Reichen ihr Geld "quasi im Schlaf" verdienen, und quasi "im Schlaf" sogar noch mehr Geld verdienen, als die meisten Leute, die hart für ihr Geld arbeiten müssen. Interessant sind hier auch einige Diagramme, welche die Zunahme der Produktivität mit der Lohnentwicklung vergleichen. Während in den letzten 15 Jahren die Produktivität um schätzungsweise 60% zunahm (ich habe jetzt das Diagram nicht vor Augen, und die 60% sind geraten... vieleicht sind es auch nur 30% oder 40% ...), blieben die Löhne nahezu konstant, zumindest wenn man die Inflation heraus rechnet.

Während also in den Tüten der arbeitenden Bevölkerung immer in etwas das gleiche drinnen ist, steigt das Einkommen (und das Vermögen) der Reichen, als derjenigen, die Eigentümer der Produktionsmittel sind entsprechend der Steigerung der Produktivität rasant an. Das gleiche Bild ergibt sich, wenn man sich die Armuts- und Reichtumsberichte der BR anzieht, wie die Einkommenschere zwischen Armen und Reichen immer weiter auseinander geht.

Gut - aber ich wollte hier mein "Weltbild" darlegen, damit man nicht immer so viel aneinander vorbei redet, und um auch ein Modell zu haben, um Gedanken zu erklären...

Wir haben also, die Reichen, die Politiker und die Armen (oder das Volk), was alles in erster linie Meme sind...

Das Modell in meinem Kopf sieht ungefär so aus:

Die Politiker werden im wesentlichen von dem Volk, also den Armen gewählt, ganz einfach weil es einfach sehr viel mehr Volk auf der Welt gibt, als es Reiche gibt...

Deswegen müssen Politiker so tun - also dem Volk vorspielen, dass sie die Interessen des Volkes vertreten würden.... das ist aber meiner Ansicht nach zu großen Teilen nur Schauspiel, Mimikrie und Verarschung.

In Wirklichkeit - behaupte ich - vertreten die Politiker die Interessen von den Reichen, weil sie von den Reichen nach Strich und Faden geschmiert werden! Natürlich läuft das alles ziemlich verdeckt und versteckt ab, aber vielfach wird der Beschiss für helle Geister offenbar:

Welt Politiker ohne besondere Fachkenntnisse übergangslos von der Politik in hochbezahlte Aufsichtsratsposten kommen, dann sind das meiner Ansicht nach verdeckte Schmiergelder!

Auch wenn Politiker für irgendwelche Beraterverträge oder Vorträge (so wie SPD-Steinbrück mit 20.000 für einen Vortrag bekommen), so sind das m.E. ebenfalls Schmiergelder. Parteispenden der Industrie sind meiner Ansicht nach ebenfalls Schmiergelder.

Von daher habe ich keinen Zweifel, dass die Mehrheit der Politiker von den Reichen bestochen sind, und statt dass die Politiker die Interessen des (Achtung Mem) Volkes oder der Armen vertreten, vertreten sie die Interessen der Leute, die ihnen das Geld in den Allerwertesten blasen, also den Reichen.

Harte Beweise gibt es wenige, aber die fülle der Verdachtsmomente ist so überwältigend, dass ich da keinen Zweifel hab, das mein Weltbild der Realität ziemlich nahe kommt.

Und auch wenn ich hier in Memen schreibe, so bedeutet das nicht, dass ich jetzt wirklich jeden Politiker als Schweinehund sehe ....

Nun ist es so, dass zumindest in der Theorie, sich Vermögen nicht beliebig vermehren lässt, so dass Vermögen entweder bei den Reichen ist, oder bei dem Volk, oder den Armen ist.

Wenn also unsere Politiker den Reichen einen Vermögensvorteil zukommen lassen will (und davon bin ich felsenfest überzeugt, denn nur so, nach dem Prinzip, eine Hand wäscht die andere Hand, stopfen sich Politiker die Taschen voll...), dann funktioniert das nur, wenn sie der Bevölkerung einen Vermögensnachteil zufügen.

D.h. damit sich die einen (die Reichen und die Politiker) die Taschen voll stopfen können, muss bei dem "einfachen" Volk gespart werden. D.h. man kürzt bei den Leistungen des Volkes (Renten, Gesundheitswesen, Arbeitslosengeld etc. etc.).

Und genau DAS ist meiner Ansicht nach die Behauptung der Politik, dass für soziale Belange kein Geld da wäre, genau das ist der Grund dafür, dass im Medizinwesen gespart wird, dass es quietscht, dass Ärzte und Schwestern bis zu ihrer Belastungsgrenzen ackern müssen, um möglichst wenig Kosten zu verursachen, damit möglichst viel Geld vorhanden ist, mit dem Reiche und Politiker sich die Taschen stopfen können.

Diese Zusammenhänge werden natürlich nur selten thematisiert, gleichwohl sind die Zusammenhänge da. Wenn man eine bessere mediziniesche Versorgung realisieren wollte, dann muss man mehr Geld in die Hand nehmen, und das würde dann eventuell auch bedeuten, dass man den Reichen mehr Steuern abverlangen müsste, damit das Geld für eine bessere Gesundheitsversorgung da ist.

Und jetzt kommt das Perfide an der ganzen Sache:

Damit niemand auf diesen Gedanken überhaupt kommt, hat man sich ein kompliziertes Gesundheitswesen aus Krankenkassen ausgedacht, damit bloß niemand auf die Idee kommt, den Reichen für eine bessere Gesundheitsversorgung, mehr Steuern abzuverlangen.

Und um die ganze Sache dann auch noch wasserdicht zu machen, hat man Beitragsbemessungsgrenzen eingeführt, um auch hier die Vermögen der Reichen zu Lasten der Allgemeinheit zu schützen.

Dieser ganze Krankenkassenkladderadatz ist so überflüssig wie ein Fuchschwanz an einem Opel GT!

Und dann überlegen wir doch gleich mal weiter, weshalb die Politik immer so auf "Privatisierung" steht...

Eine "privatisierte Medizin" kostet möglicherweise im Zweifelsfalle weniger (obwohl auch das nicht bewiesen ist!) - doch zu wessen Lasten geht das?

Der Arzt, der genug von der Ausbeutung im Klinikbetrieb und von 18 Stundenschichten hat, und sich mit einer Praxis selbstständig machen will, wird dazu gezwungen, zum Unternehmer zu werden, und volles unternehmerisches Risiko zu tragen. Alles hängt an ihm, er muss sich um Kredite für seine Gerätschaften bemühen (und die Kredite natürlich abbezahlen), er muss sich Personal einstellen, er muss seine unternehmerische Buchführung führen, seine Patientenakten führen, und dann auch noch seinen medizinischem Arztberuf, also der Heilung von Patienten nachkommen. So wird dann der Arzt vom ehemals ausgebeuteten Klinikarzt zum Selbstausbeuter. Medizin hat er studiert und Medizin wollte er ausüben, jetzt muss er auch noch Unternehmer, Buchhalter und Manager seines Betriebes werden.

Besser wäre es für ihn, wenn man ihm die unternehmerische Verantwortung abnähme....

Und wenn jetzt der Arzt einen Patienten hat, und die Wahl hat, zwischen einer konservativen Therapie, die für diesen Patienten vermutlich besser wäre, die dem Arzt wenig Geldmittel in die Kasse spült, und einer aufwändigen prothetischen Versorgung mit künstlichen Gelenken, die für den Patienten voller Risiken stecken, wofür der Arzt aber dann von unserem Gesundheitssystem reichlich Geld bekommt, für welche Lösung wird sich der Arzt wohl entscheiden?

Ich will jetzt gewiss nicht sagen, dass alle Ärzte geldschneidernde Schweinepriester sind, aber in einer privatwirtschaftlichen Klinik muss man davon aus gehen, dass Profit und Monetik ganz groß geschrieben werden, während der hypokrathische Eid unberücksichtig bleibt....

Und schon alleine aus diesem Grund, gehört privatwirtschafliche Medizin in der Grundversorgung abgeschafft!

Wenn sich da irgendwelche medizinischen Koryphäen in der Schönheitschirurgie selbstständig machen, um irgend welchen Sternchen und angehenden Modellen irgendwelche Körperteile größer, kleiner, straffer oder wie sonst modizizieren wollen, dann ist das eine andere Sache.

Aber in der Standardversorgung von Patienten hat privatwirtschaftliche Medizin schon alleine wegen der Mißbrauchsgefahr nix zu suchen!




Zitat
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Ob wir DAS beste Gesundheitssystem ist schwer zu fassen. Aber eines der teuersten gewiss.
Zitatsozialstaatlichen Denkens
Genau das schiebt ein System über den Abgrund.


Was stört Dich an sozialstaatlichem Denken?

Hättest Du lieber einen asozialen Staat?

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Zitatja - als Ex-Taxifahrer weiß ich, dass es so etwas gibt, dass ich Patienten morgens in der Notaufnahme mit Schmerzen eingeliefert hab, und den Patienten nachmittags mit schmerzen wieder abgeholt hab, ohne dass der einen Arzt zu Gesicht bekommen hat...
Es wiederspricht ganz einfach dem medizinischen Ethos, den Patienten als einen "ökonomischen Faktoren" zu sehen, denn wozu führt das letztendlich?
Das sind jetzt schon wieder so Anekdoten. Die besagen und beweisen gar nichts.


Och doch, schon - es besagt, dass unser Medizinsystem - zumindest das was die Klinikärzte betrifft, am Anschlag ist.
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Was genau hat dem Deinem Fahrgast gefehlt? Ist er von allein gegangen?


Ich bin kein Arzt. Er hatte starke Schmerzen und machte einen erbärmlichen Eindruck.

Zitat
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War es einer der Patienten die 3 Wochen mit Schmerzen im Handgelenk herumlaufen und weil ihnen die Termine beim Hausarzt nicht passen, in die Notaufnahme geht?
Wenn in der Notaufnahme viel los ist müssen die Ärzte entscheiden über Prioritäten.


Richtig - und warum müssen sie nach "Prioritäten" entscheiden? Weil zu wenige Ärzte anwesend sind! Und das in einem Uniklinikum!

Zitat
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Kann mir nicht vorstellen, dass ein Arzt, ohne ihn anzuschauen und einzuschätzen, nach Hause schickt.



Er hat in den 5 Stunden keinen Arzt zu Gesicht bekommen, und für sich entschieden, dass es ihm besser täte, wenn er sich ins Bett legt, anstatt noch mehr Stunden warten zu müssen, angesichts der Aussicht, noch mehrere Stunden auf einen Arzt warten zu müssen eine durch aus nachvollziehbare (wenn auch nicht die logischste) Reaktion. Aber wer Schmerzen hat, der will einfach nur Linderung. Und dass die Ressourchen so knapp bemessen sind, dass Leute so lange warten müssen, finde ich empörend und skandalös. Hies es nicht einmal, dass wir eine Ärzteschwämme hätten.

Scheinbar spart die Klinik Geld, wenn sie Ärzte zu Überstunden und Patienten zu Wartezeiten verdonnert, anstatt noch zwei oder drei Klinikärzte einzustellen....

Zitat
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Ansonsten einige pauschale und verallgemeinernde Behauptungen. Etwas weniger Pathos täte gut. Der medizinische Alltag sind anders aus.
Es wird gewiss Einzelfälle und Fehlentscheidungen geben, aber die gab es früher auch.


Es ist nicht meine erste Beobachtung und ganz sicher auch keine Ausnahmeerscheinung, dass das medizinische Personal an der Grenze seiner Belastbarkeit ist. Die Gründe sind Kosteneinsparungen...ich könnte es auch anders formulieren: Es ist der Versuch, den Profit zu Maximieren.

Und weil die Kliniken von dem Gesundheitsministerium zu Einsparungen gezwungen werden, lässt man das Klinikpersonal lieber an seiner Belastungsgrenze arbeiten, anstantt mehr Personal einzustellen... und das Patienten dann unzumutbare Wartezeiten haben, das nimmt man dann billigend in Kauf...

Zitat
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Aber für den Arzt steht immer der Patient im Mittelpunkt, keiner wird nach Hause geschickt wenn es nicht vertretbar ist, bzw keine adäquate Weiterversorgung stattfindet solange dies angezeigt ist.

Gesundheit kostet Geld und bei allem was geleistet und finanziert werden muss entsteht ein Gewerbe.


Keineswegs - es sei denn, Du würdest Staatsbetriebe als Gewerbe bezeichnen...

Staatsbetriebe haben den Vorteil, dass sie dem Zweck, dem sie dienen sollen, ausgerichtet werden können. Privatwirtschaftliche Betriebe werden hingegen nach dem Profit ausgerichtet - darunter leiden Patienten und das Klinikpersonal.... weil es in privatwirtschaftlichen Kliniken eben nicht um das Wohl des Patienten geht, sondern um das Wohl des Profits oder der Bilanz oder wie man das auch immer nennen mag....

.... und so hört man immer wieder, dass Ärzte schon vertraglich dazu genötigt werden, eine bestimmte Anzahl von Endoprothesen zu "verbauen", weil daran die Klinik am meisten Profit macht, ( und nein, ich hab hier keine Beweise für, aber die Lebenserfahrung sagt mir, dass diese Szenarien eher der Tatsache als der Fiktion entsprechen...

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Auch wenn dies der Staat betreibt.
Und ja, die Kosten explodieren noch mehr und die Effizienz sinkt.


Ach ja - das Märchen von der Kostenexplosion, das wird ja jetzt schon seit 30 oder 40 Jahren erzählt. Aber da gibt es noch eine Explosion - die geschieht eher heimlich still und leise, nämlich die Explosion der Vermögen der Reichen. Während die Kostenexplosion im Gesundheitswesen geradezu Mantraartig in den Medien celebriert werden, wird die Einkommens- und Vermögensexplosion der Reichen ziemlich selten erwähnt....

Man könnte ja mal die Vermögensexplosion der Reichen mit mit der "Kostenexplosion" im Gesundheitswesen koppeln - ich glaube, dann gäbe es im Gesundheitswesen auch keinen Mangel mehr....

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Ich garantiere Dir, die Steuern die Du dann zahlen müsstest, würden die meisten auch nicht mehr zahlen wollen und auch da wieder meckern.


Das ist kein Argument - denn ob wir das Geld als Steuer, oder als Krankenkassenbeitrag zahlen, ist sch**** egal. Im Gegenteil - bei der Steuer könnte man ganz einfach durch entsprechende Steuertarife für die Reichen ihrn Anteil entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit erhöhen.... Unter Helmut Kohl gingen die Einkommensteuern bis auf 56% hoch.... und das obwohl die Reichen so viel zahlen mussten, hab ich von keinem Reichen gehört, der verhungert wäre....

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Perfekt ist es im Moment nicht. Und was die Krankenkassen treiben lässt einem ab und an die Haare zu Berge stehen.
Kein Gesundheitssystem kann das Rundum-Sorglos Paket stellen, wie es der ein oder andere Sozialromantiker gern möchte.



Wir brauchen kein "Gesundheitssystem" - wir brauchen nur eine Gesetzgebung, die festlegt, dass die Kosten unserer Gesundheitsversorgung vom Staat aus Steuermitteln zu bezahlen sind, und dass die Reichen entsprechend ihres Reichstum mit einem höheren Steuertarif zu beteiligen sind. Da brauchen wir keine Krankenkassen mehr und was es sonst noch für "Fuchschwänze", "Spoiler" und "Alufelgen" gibt... auch diese ganzen überflüssigen Gadgets treiben die Kosten in die Höhe....

Wichtig ist natürlich, dass eine staatliche Gesundheitsversorgung unter der Kontrolle von unabhängigen Gremien, die im demokratischen System eine eigenständige unabhängige Institution sind, die der Bevölkerung verpflichtet sind...

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Aber ich würde in kaum einem anderen Land der Welt leben und krank werden wollen.


Na ja... also in Holland hat man übrigens nicht die Gefahr, dass man sich mit einem antibiotikaresistenten MRSA Keim infiziert. Soviel zu unserem ach so wahnsinnig tollen Gesundheitssystem. Im Übrigen ist mein Vater an so einem Keim gestorben, aber vielleicht sind ja auch diese Krankenhauskeime eine verdeckte Maßnahme der Kostendämpfung: Man bringt damit ganz elegant, leise und anonym die ältere Patientenschaft um, und sorgt damit für ein kostenoptimiertes sozialverträgliches Ableben. Das ist natürlich ein bitterböser Vorwurf, ich weiß, aber ist das nicht ein Witz, dass ganz Deutschland Kopf steht, wenn einmal im Jahr 12 Leute von Terroristen ermordet werden, während aber jeden Tag rund 50 Leute an diesen Krankenhauskeimen versterben(!), ohne dass ein Hahn danach kräht. Im übrigen nur in Deutschland, nicht aber in Holland versterben. Dass es sich hierbei nur um eine Kostendämpfungsmaßnahme mit Doppeleffekt (man spart Desinfektionsmittel und entledig sich gleichzeitig seiner ältesten und kostenträchtigsten Patienten....ist natürlich ganz böse.

Dass aber in Holland die effektive Bekämpfung dieser Keime funktioniert, während hier in Deutschland jeden Tag 50 Leute daran sterben, zeigt, dass unser ach so tolles "Gesundheitssystem" vielleicht doch nicht so toll ist?!



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Hierzulande  jammern einige auf sehr hohem Niveau.

Wenn ich mir deinen letzten Satz, aber auch alle deine anderen Kommentare so durchlese, dann magst Du Kritik an diesem Land nicht leiden...

So lange aber die Einkommens- und Vermögensverhältniss innerhalb Deutschland so stark auseinandertriften, wie sie es derzeit tun, hat man hier jedes Recht der Welt, die Ungleichheit und die einseitige Bevorzugung/Benachteiligung bestimmer Leute und Bevölkerungskreise zu kritisieren.

Denn das Geld, welches dem Staat für eine angemessene Daseins(+gesundheits)vorsorge fehlt, ist im Prinzip das Geld, was sich die Reichen unter den Nagel gerissen haben, in dem sie die Politiker so bestochen haben, dass sie möglichst wenig Steuern zu bezahlen haben. Ich weiß, auch dieses ist ein bitter böser Vorwurf, der sich nur schwer beweisen ist....
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Peiresc am 20. März 2017, 06:56:44
tl;dnr.

Aber beim Überfliegen bin ich hier hängen geblieben,
Zitat von: Navigator2 am 20. März 2017, 05:22:22Ich räume gerne ein, dass unter einer "korrupten" Regierung (also eine Regierung, die nicht den Interessen des "Volkes" dient, sondern den Interessen des "Geldadels", den Interessen der eigenen persönlichen Bereicherung, den Interessen des Machterhalts) [...]
Ohne Dich jetzt mit irgendwelchen Fragen zu Details belästigen zu wollen: welche Regierung, in welchem Zeitalter auch immer, in welcher Weltgegend auch immer, ist jemals nicht korrupt gewesen?
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Peiresc am 20. März 2017, 08:33:09
Jetzt im Ernst. Staatliches vs. privates Gesundheitswesen kann gehuppt wie gesprungen sein. Gerade frisch eingetroffen: die lange, lange Geschichte der in der Veteran's Administration verwendeten Software VistA.

http://www.politico.com/agenda/story/2017/03/vista-computer-history-va-conspiracy-000367

Der Teufel steckt wie gewöhnlich im Detail und lässt sich mit Schlagworten nicht erschlagen.

Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Navigator2 am 20. März 2017, 09:05:09
Zitat von: Peiresc am 20. März 2017, 06:56:44
tl;dnr.


Macht ja erst mal nichts - wir müssen das Thema nicht im Galopp durchpreschen. Es geht ja hier um Gedankenaustausch, und so sollte man es auch behandeln.

Vielleicht hast Du ja irgendwann später Zeit, meinen Text und meine Gedanken zu lesen, und Stellung dazu zu beziehen. Ich erhebe auch ganz bewußt keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit meiner Gedanken ... ansonsten wäre ich ja Gott ;-)

Dennoch kann man sicher tendentiell eine eigene Stellungnahme daraus entwickeln... und wer weiß, was man daraus sonst noch entwickeln kann....

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Aber beim Überfliegen bin ich hier hängen geblieben,
Zitat von: Navigator2 am 20. März 2017, 05:22:22Ich räume gerne ein, dass unter einer "korrupten" Regierung (also eine Regierung, die nicht den Interessen des "Volkes" dient, sondern den Interessen des "Geldadels", den Interessen der eigenen persönlichen Bereicherung, den Interessen des Machterhalts) [...]
Ohne Dich jetzt mit irgendwelchen Fragen zu Details belästigen zu wollen: welche Regierung, in welchem Zeitalter auch immer, in welcher Weltgegend auch immer, ist jemals nicht korrupt gewesen?

Ein guter Einwand!

Die Sache ist die, dass unter einer schlechten Regierung alles schlecht ist, und nichts ist so schlecht, als dass man es nicht noch schlechter machen könnte!

Wenn man aber Dinge besser machen möchte, muss man sich darüber Gedanken machen, an welchen Punkten das Aktuelle schlecht ist.

Und mir ist da einfach eingefallen, dass privatwirtschaftliche Medizin dem Grunde nach nicht das Wohl des Patienten an erster Stelle steht, sondern das Profitinteresse des jeweiligen Medizinbetriebs - ob das jetzt eine "Ein-Mediziner"-Klitsche mit Schreibpersonal ist, oder ob es ein Medizinkonzern ist - immer steht das Wirtschaftsinteresse vor dem Interesse des Patienten, gesund zu werden.

Ich als Patient habe den Anspruch (und das Recht!), dass ich entsprechend meiner Erkrankung und meiner sonstigen Eigenschaften, eine optimale Behandlung erfahre. Dieses ist aber in dem Moment in Gefahr, in dem nicht mehr mein Anspruch und mein Recht nach optimaler Behandlung im Mittelpunkt des Interesses steht, sondern, wieviel Profit ich der Klinik einbringe.

Mir ist klar, dass man entsprechende Regelwerke nicht mal eben so aus dem Handgelenk schüttelt, dass entsprechende Strukturen, die regelnd und kontrollierend das ganze System steuern, erst etwabliert werden müssen.

Von daher strebte mir eine vollstaatlich finanzierte Staatsmedizin vor, die aufgrund von Gremien, denen unabhängige Ärzte, aber auch aus Personen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Organisationen bestehen, und öffentlich das gesamte System darstellen und diskutieren, um sowohl eine bezahlbare, als auch eine dem Patienten gerechte Medizin zu realisieren.

Dass jetzt ein Arzt, der an der Art der Behandlung profitiert, der Entscheidungsträger über die Art der Behandlung entscheidet, kann es nicht sein! Ich will keine Operation, wenn man mir mit einer konservativen Therapie besser helfen könnte, nur weil eine Operation den Konstostand meines Arztes besser aussehen läßt!
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Peiresc am 20. März 2017, 09:15:23
Zitat von: Navigator2 am 20. März 2017, 09:05:09
eine vollstaatlich finanzierte Staatsmedizin
Hat es schon gegeben.
Titel: Re: Medizin sollte kein Gewerbe sein!
Beitrag von: Groucho am 20. März 2017, 12:30:28
@Navigator2: ich glaube, Dein Grundfehler ist anzunehmen, mit einem Systemwechsel könne man aus "bösen" Menschen "gute" machen. Du meinst tatsächlich, mit Planwirtschaft würde alles besser?

Der Staat als Unternehmer, das ging schon immer schief. Er hat Rahmenbedingungen zu setzen und für die Infrastruktur zu sorgen und sonst gar nix, quasi für das Soziale in der Marktwirtschaft zu sorgen. Wie man sowas nach den Erfahrungen mit der Ex-UDSSR und DDR noch immer glauben kann, ist mir ein Rätsel.

Menschen sind erfinderisch. In der Ex-UDSSR wurden die Planvorgaben für LKW in Tonnen gemessen. Was macht man da? Man verbaut schwere Stahlplatten in die LKW. Ist ja egal, Konkurenz gibt es nicht und Plan ist erfüllt. Genau so wird es auch in einem Staatlichen Gesundheitswesen laufen. Oder schau Dir die Zeiten an, als die Telekom staatlicher Monopolist war: Es waren völlige Mondpreise, die man zähneknirschend zu akzeptieren hatte.

Mit diesem Klassenkampf-Zeugs arm gegen reich kommt man nicht weiter, wirklich nicht.