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Deutsch => Allgemeine Diskussionen => Skeptisches Denken => Thema gestartet von: Juliette am 06. August 2025, 10:18:46

Titel: Informationszeitalter
Beitrag von: Juliette am 06. August 2025, 10:18:46
Wikipedia schreibt zum Thema "Informationszeitalter" unter anderem:

ZitatDas Hauptmerkmal des Informationszeitalters besteht darin, dass Informationen überwiegend in digitaler Form in der ,,digitalen Welt" gespeichert und übermittelt werden.[1] Gekennzeichnet ist diese Phase auch von der zentralen Bedeutung von Information als Rohstoff und Ware. Erst durch die elektronische Datenverarbeitung und die Globalisierung von Informationsflüssen mit Lichtgeschwindigkeit konnte diese zentrale Stellung erlangt werden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Informationszeitalter

Inzwischen scheinen die jüngeren Leute der Informationsflut allerdings völlig unkritisch gegenüberzustehen. Das ist ja auch kein Wunder, kein Mensch und kein Schulsystem ist und war in der Lage, fast in Echtzeit auf diese Änderungen zu reagieren und junge Menschen darauf vorzubereiten und dagegen zu wappnen. Schon die Informationsauswahl durch Google etc wurde ja schon länger kritisiert, inzwischen ist Google fast schon ein Vorbild:

ZitatWas früher die Startseite von Google war, ist heute der For-You-Feed von TikTok. Immer mehr junge Menschen informieren sich nicht mehr über klassische Suchmaschinen, sondern über Social-Media-Plattformen. Eine aktuelle Umfrage von Claneo zeigt ein alarmierendes Bild: Zwar nutzen 72 Prozent der Befragten weiterhin regelmäßig Suchmaschinen, aber bei den 16- bis 27-Jährigen kippt die Tendenz. Diese Generation verlässt sich zunehmend auf andere Kanäle, wenn es um den Erwerb von Wissen geht. YouTube wird von 68 Prozent dieser Altersgruppe häufig genutzt, Instagram von 65 Prozent und TikTok von 58 Prozent. Die Plattformen verdrängen Google nicht komplett, aber sie graben ihm massiv das Wasser ab.

Das hat Folgen. Der entscheidende Unterschied: Bei Google werden Ergebnisse angezeigt, die auf Rankings, Verlinkungen und Relevanzkriterien basieren. TikTok und Instagram hingegen präsentieren Informationen algorithmisch gefiltert, personalisiert, emotionalisiert und oft ohne jede Prüfung. Junge Nutzer konsumieren Inhalte nicht mehr durch aktive Suche, sondern durch passive Rezeption. Der Bildschirm entscheidet, was ihnen gezeigt wird.

Zwei Beispiele: Eine Nutzerin sucht nach Tipps gegen Menstruationsschmerzen. Auf TikTok bekommt sie stattdessen ein Video zu alternativer Medizin mit Falschbehauptungen über hormonelle Verhütung.
Ein anderer User interessiert sich für politische Hintergründe des Gaza-Konflikts. Instagram liefert emotional aufgeladene Reels mit klarer Einseitigkeit, oft ohne Kontext. Diese Entwicklung ist kein Randphänomen mehr, sondern eine massive Verlagerung des Informationsverhaltens. Wer sich heute informieren will, landet nicht mehr automatisch bei Google, sondern bei Creators mit eigener Agenda.

Die stillschweigende Verschiebung: Vertrauen wird umgelenkt

Was früher journalistische Kompetenz und redaktionelle Kontrolle waren, ersetzt heute Influencer-Vertrauen und Algorithmus-Vorschlag. Besonders brisant: Trotz der oft zweifelhaften Inhalte schenken viele junge Nutzer Social-Media-Plattformen ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Laut Umfrage vertrauen 86 Prozent YouTube – ein Wert, der gleichauf mit klassischen Suchmaschinen liegt. Instagram und TikTok liegen nur leicht darunter.

Das zeigt: Plattformen, die Inhalte nicht kuratieren, sondern algorithmisch pushen, genießen fast das gleiche Vertrauen wie Suchmaschinen. Noch auffälliger wird es bei KI-Tools: 77 Prozent der Befragten vertrauen KI-Chatbots, 79 Prozent KI-Suchmaschinen. Amazon, obwohl eigentlich kein Informationsdienst, kommt sogar auf 87 Prozent.

ZitatDie eigentliche Gefahr liegt nicht in der bloßen Nutzung alternativer Plattformen, sondern in der systematischen Veränderung des Informationskonsums. TikTok, Instagram und YouTube zeigen keine objektiven Suchergebnisse, sondern emotional optimierte Inhalte, die zur Verlängerung der Verweildauer führen sollen. Das bedeutet: Wer ,,Klimawandel" oder ,,Impfung" auf TikTok sucht, bekommt nicht automatisch wissenschaftlich fundierte Beiträge, sondern Clips, die sich gut klicken lassen. Besonders tragisch: Inhalte mit Desinformation performen oft besser als seriöse Beiträge. Studien zeigen, dass Falschinformationen auf TikTok sechs Mal schneller verbreitet werden als korrekte Fakten. Und das hat Folgen. In einer Umfrage sagten 34 Prozent der jungen Erwachsenen, dass sie regelmäßig mit KI-Chatbots Informationen suchen, aber fast nie prüfen, ob diese stimmen.

Oftmals sind konsumierte Inhalte dann Teil einer algorithmischen Realität, in der nicht Wahrheit zählt, sondern Aufmerksamkeit. Plattformen fördern diesen Mechanismus, weil er profitabel ist. Wer polarisiert, wird gesehen. Wer differenziert, bleibt unsichtbar. Das führt zu einem toxischen Informationsklima, in dem Fakten gegen Likes verlieren. Junge Menschen wachsen in einer Welt auf, in der es keinen Konsens über Wahrheit mehr gibt – weil jeder seine eigene Realität per Feed zusammenstellen kann.

usw.

https://www.mimikama.org/gen-z-ersetzt-google-durch-tiktok-und-co/

Muss ich jetzt doch noch zur Pessimistin werden?
Titel: Re: Informationszeitalter
Beitrag von: HAL9000 am 06. August 2025, 10:36:04
Zitat von: Juliette am 06. August 2025, 10:18:46Muss ich jetzt doch noch zur Pessimistin werden?
"Ein Pessimist ist ein Optimist mit Erfahrung"

Meine Tochter (bald 17) ist in der "kippenden Zielgruppe" und fragt bei uns (noch) nach.
Ich versuche auch ständig, ihr beizubringen, dass YouTube und TikTok keine verlässlichen
Informationsquellen sind und Influenza (sic!) in erster Linie Likes und ihr Geld wollen.

Ob das nachhaltig ist und ich aufgrund meines Berufes (dauerhaft) etwas mehr Gewicht habe,
wird sich zeigen. Ganz so pessimistisch bin ich nicht. Die Jugend ist schon seit Jahrtausenden
im Niedergang, auch wenn die Qualität der Veränderung jetzt ein andere ist.
Titel: Re: Informationszeitalter
Beitrag von: Peiresc am 06. August 2025, 10:38:21
Zitat von: Juliette am 06. August 2025, 10:18:46
ZitatDas hat Folgen. Der entscheidende Unterschied: Bei Google werden Ergebnisse angezeigt, die auf Rankings, Verlinkungen und Relevanzkriterien basieren.

Und selbst das ist noch eine nostalgische Nachricht ohne aktuellen Wert, vgl. unsern Faden
Verseuchungsgrad der Googletreffer (https://forum.psiram.com/index.php?topic=18018.0). Das ist kein Einzelfall, sondern ein Trend. Er nennt sich Enshittification, die systematische Verschlechterung z. B. von einst gut funktionierender Software.

Auf meim Handy habe ich inzwischen duckduckgo als Standardsuchmaschine. Bei weitem nicht perfekt, aber funktioniert. Noch.