Die Demontage unserer Verteidigungsministerin hat begonnen. Interessant finde ich das Interview mit einem "Forscher zu Wissenschaftsbetrug" in der Süddeutschen:
ZitatGerade Doktorarbeiten im Fach Medizin haben seit langem einen schlechten Ruf. Zu Recht?
Ein medizinisches Studium ist meist so aufgebaut, dass extrem viel Wissen in wenig Zeit aufgenommen und reproduziert werden soll. Wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert, das lernen Medizinstudenten zwar auch kurz. Dies geht unter all dem Auswendiglernen aber schnell verloren. Dass die Dissertationen dann in vielen Fällen wenig taugen, ist kein Wunder.
In der Medizin ist die Bearbeitungszeit und Länge von Doktorarbeiten auch meist deutlich geringer als in anderen Disziplinen.
Im Durchschnitt ist das definitiv so. Dissertationen in der Medizin würden in anderen Disziplinen oft gerade einmal den Ansprüchen einer Bachelorarbeit genügen. Die Standards sind relativ gering. Eine durchschnittliche medizinische Doktorarbeit dürfte daher meist nicht als Indikator dafür taugen, dass der Verfasser wissenschaftlich arbeiten kann, was eigentlich ein Ziel einer solchen Arbeit ist. Häufig haben wir es hier nur mit kurzen Literaturüberblicken zu tun und wenig tiefgründigen Auswertungen einiger Krankenhausdaten.
http://www.sueddeutsche.de/bildung/plagiatsvorwurf-gegen-ursula-von-der-leyen-sieht-nicht-gut-fuer-sie-aus-1.2671589-2http://www.sueddeutsche.de/bildung/plagiatsvorwurf-gegen-ursula-von-der-leyen-sieht-nicht-gut-fuer-sie-aus-1.2671589-2
ZitatEinigen Promovenden geht es mit Sicherheit nicht darum, eine gute Arbeit zu schreiben, sondern darum, den Titel "Dr. med." zu bekommen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das sehr traurig. Denn eigentlich soll es einem Forscher ja um den Erkenntnisgewinn gehen und nicht um eine bloße Namensverlängerung aus Status- und Profitinteressen.
Überraschung. Wenn Deine Berufsbezeichnung, Deine Anrede ,,Frau/Herr Dockter" ist, aber Du den Gesprächspartner eigentlich jedesmal korrigieren müsstest, ,,Doktor bin ich aber nicht": welches Ziel werden wohl 95% der Medizin-Absolventen mit der Promotion verfolgen. Alles andere wäre schlicht unökonomisch, abgedreht.
Der ,,Dr. med." eröffnet keine akademische Karriere. Das tut der ,,Dr. sc. med.";
dessen Inhalt/Aufwand kann man wahrscheinlich mit sonstigen Promotionen vergleichen.
Aber über Uschi sagt der Artikel eigentlich gar nichts. Der Anreißer ist eine große journalistische Leistung der Süddeutschen, die offenbar keinerlei Status- und Profitinteressen verfolgt.
Immerhin wurden Ergebnisse ihrer Arbeit in Leitlinien aufgenommen. Dürfte nicht alltäglich sein bei einer Dr. med. Arbeit.
Zitat von: Pelacani am 30. September 2015, 09:58:17
Aber über Uschi sagt der Artikel eigentlich gar nichts. Der Anreißer ist eine große journalistische Leistung der Süddeutschen, die offenbar keinerlei Status- und Profitinteressen verfolgt.
Ja, nur das geprüft werde und das Ergebnis abzuwarten sei. Bei näherer Betrachtung könnte das was mit seriösen Journalismus zu tun haben. ;D
Zitat von: MrSpock am 30. September 2015, 10:37:25
Ja, nur das geprüft werde und das Ergebnis abzuwarten sei. Bei näherer Betrachtung könnte das was mit seriösen Journalismus zu tun haben. ;D
Aber nur bei sehr naher. Heidingsfelder braucht halt mal wieder Aufmerksamkeit:
Zitat"Sie war extrem faul und hat gnadenlos kopiert", sagte der Gründer der Plagiatsplattform, Martin Heidingsfelder, ..."
Was dieser Aufklärer so alles weiß, erstaunlich.
Zitat von: Groucho am 30. September 2015, 10:08:33
Immerhin wurden Ergebnisse ihrer Arbeit in Leitlinien aufgenommen. Dürfte nicht alltäglich sein bei einer Dr. med. Arbeit.
Link?
http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/ursula-von-der-leyen-darum-geht-es-in-ihrer-doktorarbeit-a-1055088.html (http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/ursula-von-der-leyen-darum-geht-es-in-ihrer-doktorarbeit-a-1055088.html)
Zitat"Die Arbeit war damals inhaltlich neu und relevant. Das Ergebnis der Doktorarbeit ist sogar in die Leitlinien aufgenommen worden", sagt Louwen.
Hatten die Heidingsfelder bei vroniplag nicht rausgeschmissen?
...oder zumindest ruhigstellt, hier die Geschichte aus anderer Sicht dazu
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Benutzer_Blog:Marcusb/Der_Gr%C3%BCndermythos_von_Martin_Heidingsfelder
Zitat von: Groucho am 30. September 2015, 11:41:14
http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/ursula-von-der-leyen-darum-geht-es-in-ihrer-doktorarbeit-a-1055088.html (http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/ursula-von-der-leyen-darum-geht-es-in-ihrer-doktorarbeit-a-1055088.html)
Zitat"Die Arbeit war damals inhaltlich neu und relevant. Das Ergebnis der Doktorarbeit ist sogar in die Leitlinien aufgenommen worden", sagt Louwen.
Danke! :grins2:
ZitatAngesichts der Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wirft der Düsseldorfer Bildungsforscher Heiner Barz Plagiatsjägern Willkür und fragwürdige Untersuchungsmethoden vor.
http://www.stern.de/politik/deutschland/duesseldorfer-professor-wirft-plagiatsjaegern-willkuer-vor-6477472.html
Willkür oder pure Absicht?
Zitat von: MrSpock am 30. September 2015, 14:52:02
ZitatAngesichts der Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wirft der Düsseldorfer Bildungsforscher Heiner Barz Plagiatsjägern Willkür und fragwürdige Untersuchungsmethoden vor.
http://www.stern.de/politik/deutschland/duesseldorfer-professor-wirft-plagiatsjaegern-willkuer-vor-6477472.html
Willkür oder pure Absicht?
Was soll das denn überhaupt bedeuten? Wünschen die Abschreiber ein Mitspracherecht, welche Arbeit wann und wie geprüft wird?
Es gibt tausende von Arbeiten, die geprüft werden können. Man greift aber immer nur die der prominenten Personen heraus. Das ist wohl der Vorwurf. Ob da was dran ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
Zitat von: MrSpock am 30. September 2015, 15:43:01
Es gibt tausende von Arbeiten, die geprüft werden können. Man greift aber immer nur die der prominenten Personen heraus. Das ist wohl der Vorwurf. Ob da was dran ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
Also diese Auflistung von Vroniplag (http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/%C3%9Cbersicht) scheint mir nicht nur aus Prominenten zu bestehen.
Zitat von: MrSpock am 30. September 2015, 15:43:01
Das ist wohl der Vorwurf. Ob da was dran ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
Die Plags haben zu diesem "Vorwurf" alle schon geantwortet (u.a. bei der Gutendinx-Show). Ungefähr: ja, es gibt einen "Promi"-Bias. ABER es gibt ihn aus ähnlichen Gründen wie bei allen anderen voluntaristischen Aktivitäten auch (etwa bei den Psirammis). Es ist eine eklige Schweinearbeit, in die man ewig viel Zeit und Aufwand stecken muß - und die paar Leutchen, die sich dann tatsächlich in den Matsch schmeißen, "rewarden" sich selbst ein bißchen, in dem sie die "Leuchttürme" ein wenig im Vordergrund durchchecken (wobei es immer etliche gibt, die das genau ablehnen und im akademischen Bodensatz wühlen).
An sich ist der eigentliche Hintergrund zu den Plags ja ohnehin der, dass dem Graduierungssystem selbst hier *nachgewiesen* wird, dauernd und permanent den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Ziel war und ist es, die Prüf-Institutionen wieder dazu zu bringen, ihrem eigenen Sonntagsgewäsch mehr zu folgen.
Zitat von: ajki am 30. September 2015, 16:25:08
An sich ist der eigentliche Hintergrund zu den Plags ja ohnehin der, dass dem Graduierungssystem selbst hier *nachgewiesen* wird, dauernd und permanent den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Ziel war und ist es, die Prüf-Institutionen wieder dazu zu bringen, ihrem eigenen Sonntagsgewäsch mehr zu folgen.
Selbst bei Annahme des Fehlens jeglicher eitler Absichten der Jäger, wären Prominente zwingend, da sonst nie der bezweckte öffentliche Effekt erreicht werden könnte. Wen interessiert schon, ob Her Dr. Meier vom Grundbuchamt Grevenbroich etwas "ungenau" in seiner Dr.-Arbeit zitiert hat ...
Bei diversen Dienst
herrinnengebern kommt übrigens noch ein Punkt hinzu, der besondere Beachtung verdient und auch bei den Plags stark im Vordergrund steht: in deren Jahresterminkalender finden sich auch wiederkehrende Termine zur Verleihung akademischer Würden aller Art. Es macht sich ja nun wirklich ganz besonders gut, wenn Frau Minister bei ihren beiden Unis oder den diversesten Instituten im Geschäftsbereich anfeuernde Reden und Laudatios hält, in denen die Wichtigkeit der akademischen Profession beschworen wird - und die Laudatierende ist ein Faker. Das kotzt zu Recht diejenigen an, die sich im Publikum den Buckel wund gearbeitet haben. Galt vielleicht im Besonderen im Falle "Schavan" - da war es bestimmt für etliche Leute schlicht unerträglich. Im Fall des Gegelten galt es vielleicht eher nicht - bei dem war sowieso so viel Glitter-Show und so wenig echte Masse, dass eher der Ekel über die Bigotterie überwog. Aber wer weiß das schon im Einzelfall der Plag-Isten? Ist auch irgendwo egal.
Ein Repräsentant der Plags hat dieses Problem in einem taz-Interview (http://www.taz.de/Plagiatsjaeger-ueber-von-der-Leyen/!5237294/) deutlich hervorgehoben:
ZitatDie Arbeiten von Frau Schavan oder Frau von der Leyen liegen Jahrzehnte zurück. Ist es nicht kleinlich, Politikerinnen jetzt dafür zu kritisieren?
Das muss man in der politischen Diskussion berücksichtigen. Daran nimmt VroniPlag Wiki nicht teil. Das Wiki stellt auch keine politischen Forderungen.
Aber Sie müssen sich doch über die Folgen im Klaren sein.
Wir sind uns dieser Folgen bewusst. Dennoch geht es um die wissenschaftliche Arbeit. Und die ändert sich ja nicht über die Zeit. Fehler, die man 1990 gemacht hat, werden heute nicht größer oder kleiner. Als sich bei Frau von der Leyen abzeichnete, dass die Arbeit viele Mängel hat, zögerten manche zunächst, die Dokumentation zu veröffentlichen. Schließlich wollte aber keiner die Arbeit deshalb nicht veröffentlichen, weil es sich um eine bekannte Politikerin handelt. Es sollten dieselben Maßstäbe gelten.
Sind Sie der Auffassung, dass Frau von der Leyen zurücktreten müsste?
Mich interessiert mehr die wissenschaftliche Seite. Der Doktortitel hätte für diese Arbeit nicht verliehen werden dürfen. Ich würde es aber für ungut halten, wenn die oberste Dienstherrin der Bundeswehrhochschulen insistieren würde, dass man so wissenschaftlich arbeiten darf. Das wäre der Wissenschaft nicht dienlich.
Es gibt anscheinend immer Leute, die meinen, so ein "Plagiieren" sei doch irgendwie nicht so wild und man solle doch die armen Leut' nicht mit so kleinlichem Kinkerlitzchenkram nerven. Wenn ich sowas höre, frage ich ungefähr der Berufstätigkeit des Nölenden entsprechend, ob er/sie es denn ok fände, wenn ein Verkehrsrichter ihm/ihr die Fleppe wegurteilt, obwohl der gute Richter selbst zum Gericht chauffiert werden muß, weil es ihm die Fahrberechtigung wg. 2 Promille weggehauen hat. Oder wie es sich wohl anfühlt, wenn man als Messingenieur oder -techniker in einem Eichlabor sich anhören muß, wie wichtig absolute Integrität und Genauigkeit ist - von einem Schwafelnden, der seinerzeit sein fachliches Fundament durch Beschiss erreicht hat.
Zitat von: MrSpock am 30. September 2015, 15:43:01
Es gibt tausende von Arbeiten, die geprüft werden können. Man greift aber immer nur die der prominenten Personen heraus. Das ist wohl der Vorwurf. Ob da was dran ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
Da ist nichts dran. So weit ich weiß, funktioniert Vroniplag so, dass jeder eine Arbeit zur Überprüfung vorschlagen kann, sofern er willens ist, ein paar Vorarbeiten zu machen und ein paar erste Verdachtsfälle in einer Arbeit zu dokumentieren. Wahrscheinlich ist, dass prominente Arbeiten eher vorgeschlagen werden und natürlich auch eher in die Presse kommen, weswegen man Vroniplag mit der Aufdeckung prominenter Plagiatoren in Verbindung bringt. Die Leute haben wegen Guttenberg mit der Überprüfung von Arbeiten angefangen, aber es sind (so weit ich weiß) nicht die gleichen Personen, die Guttenplag ins Leben gerufen haben. Schavan stand nie auf Vroniplag, weil intern beschlossen wurde, dass die Relevanzschwelle nicht überschritten wurde. Es war dann nur ein Einzelner aus dem Vroniplag-Umfeld, der die Sache weiter verfolgt hat und schließlich von der zuständigen Prüfungskommission an der Uni bestätigt wurde. Im Forum scheinen eher nicht-prominente, aber systematische Fälle (z.B. ein Jura-Lehrstuhl in Münster, an dem gleich mehrere Mitarbeiter plagiiert haben) eine Rolle zu spielen.