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Energiewende - es bleibt schwierig

Begonnen von zwingenberger, 09. Oktober 2012, 09:29:37

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Scipio 2.0

ZitatIn den USA wurde neulich ein Hochspannungsleitung für kanadische Wasserkraft Richtung New York durch NIMBYs, Grüne und Umweltschützer verboten.

Zu viel Wisky oder was haben die für Probleme?

HAL9000

Zitat von: Scipio 2.0 am 25. Juni 2022, 19:53:44... Zu viel Wisky oder was haben die für Probleme?
Du musst nicht über den Großen Teich, um das zu fragen. Solche Gesellen gibt es in D auch zuhauf.
Das Problem: "Ich bin voll für die Energiewende! Total! Nur will ich keinen Spargel sehen, keine
mit Panelen zugepflasterten Flächen, keine Staumauern. Hochspannungsleitungen sind auch bäh, wenn
man dafür meinen Hinterhof aufgraben muss, oder der Grumpfwanzling in seinem Bestand gefährdet ist."
Die "Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass"-Fraktion ist einer der größten Bremsklötze für eine
funktionierende Wende.

Schwuppdiwupp

Leider wahr!

Und das gilt keineswegs nur für die Energiewende. Gefühlt zu jedem Thema kommen die "Bedenkenträger", deren Lebensmotto die der "Du-darfst-Reklame" entspricht: Ich will so bleiben wie ich bin.
Ach, was weiß denn ich ...

sailor

Ich mag das, weil man damit baumkuschelnde und bambistreichende Boomer gegen klimaschützende Jungrevoluzzer auspielen kann :D Vogelschredder ins Naturschutzgebiet und die Hochspannungsleitung verbieten wegen irgendeiner Unkrautart. Demokratie ist wenn sich alle gleich betrogen fühlen :D

Mal ernsthaft, in D machen es sich die jeweils regierenden Ideologen immer leicht: Sie haben die Macht, stellen die Regierung, aber der Verwaltungsapparat darf dann die jeweils vorherrschende Meinung gegen die "andersdenkenden" Bürgerinnen und Bürger durchsetzen... die Politiker machen da die Vorhaut und ziehen sich zurück. In meinen Augen ist es Aufgabe der jeweiligen Partei/INteressengruppe, die betroffenen Bürgerinnen und Bürger zu überzeugen. Die Verwaltung setzt zwar um, aber eben emotional neutral. Der Verwaltung MUSS es egal sein, ob sie nun für eine Autobahn enteignet, eine Stromtrasse oder ein Naturschutzgebiet. Sie kann lediglich beraten, warum eines davon eine schlechte Idee ist... aber nein, Parteien lassen ihre Ideen ja 10 Jahre später vom BGH kassieren, statt vorher mal anständig zu arbeiten.

PeterPan

Da wird über Infrastruktur gesprochen und dann bringt der IEA eine Übersicht für 2022 raus. Nur zum reinschauen lohnt sich der erste Abschnitt. Es wird zwar mehr in Leitungen und Erneuerbare investiert, aber teilweise werden die Investitionen durch höhere Kosten aufgebraucht. Obwohl Öl, Gas und Kohle preislich steigen gibt zurzeit kein großes Interesse an der Ausweitung der Produktion. Und das alles ist nicht genug für die emissionsarme Energieprodutkion oder den zukünftigen oder wünschenswerten Bedarf für die Weltbevölkerung.

World Energy Investment 2022 - Overview and key findings
https://www.iea.org/reports/world-energy-investment-2022/overview-and-key-findings

Ich möchte noch ein wenig über die Endlichkeit von fossilen Brennstoffen schreiben. Da gibt es ja, die erforschten und verfügbaren Reserven, die zurzeit ausgebeuteten Brennstoffe und die geologisch, rechnerisch ermittelten totalen fossilen Ressourcen auf der Erde. Je nach Entwicklung des Energieverbrauchs, Emissionen/Klimawandel oder lokalen Engpässen kann die Endlichkeit bereits jetzt zu Problem führen.

Ich versuche das anhand 2 Beispielen zu verdeutlichen. Europa wird arm an Öl und Gas. Großbritannien, Norwegen und Niederlande haben bereits ihre Peaks in der Ausbeutung erreicht. Die russische Versorgung verschärft das Problem ungemein, aber es gab auch schon vorher Mangel. Sogar bei einer Änderung des Energieverbrauchs in der EU wird es einen Mangel geben und Fracking wird dann im Zentrum stehen.

A long-term view of natural gas security in the European Union
https://www.iea.org/commentaries/a-long-term-view-of-natural-gas-security-in-the-european-union

Das 2 Beispiel ist etwas schwieriger zu erklären. Weltweit werden jährlich um die 7,8 mrd.T Kohle, 4 mrd.T Rohöl, 4000 mrd.m3 Erdgas gefördert/verbraucht/benötigt. Auch wenn rapide Ausbeutung im Fall von China und Indien mit Kohle möglich ist, ist es sehr viel schwieriger und auch teilweise mit Verwerfungen verbunden wenn es an gewisse Grenzen stößt. Asien zieht im Verhältnis zu Europa bereits den Kürzeren im Preiskampf um Erdgas mit bereits katastrophalen Folgen. China wird nicht in der Lage sein 3,8 mrd.T Kohle mit Erdgas zu substituieren um die Emissionen zu senken. Bei einem ähnlichen pro Kopf Verbrauch von Deutschland reden wir hier von 35% der weltweiten Gasförderung. Indien mit 1,4 mrd. Menschen und einem Verbrauch von nur 1 mrd.T Kohle durch die geographischen Gegenbenheiten bereits Umweltprobleme. Auch ist Indien nicht in der Lage die teuren Alternativen in den Mengen aus den OPEC-Ländern zu importieren. Sogar die USA ist obwohl dem enormen Frackingboom immer noch ein großer Nutzer von Kohle ~440 mil. Tonnen bei 330 mil. Menschen.

Das ist eine Art "Ich nehme was da ist Problem" um überhaupt ein bisschen den Bedarf zu befriedigen. Endlichkeit muss keine Rolle spielen wenn bereits jetzt eine Art Mangel existiert. Ich finde diesen Artikel von Max Roser passend ergänzend dazu:

The world's energy problem
https://ourworldindata.org/worlds-energy-problem?country=


Und zuletzt noch Worldometer hat nicht nur Daten zu Corona, sondern auch eine Rubrik zu Energie. Die Daten stammen hauptsächlich von BP Energy Statistics. Etwas runterscrollen und dort gibt es unterm + und "more infos" Listen, Verbrauchsdaten, Reserven und sonstiges. Leider nur in grottiger US-Metrik.

https://www.worldometers.info/

sailor

Was man beachten sollte: Die russischen Felder, die an die Pipelines nach Westen angeschlossen sind, haben ihren Peak auch durch. Russland müsste, um die Förderraten zu halten, investieren. Das versucht man beispielsweise bei den Vorkommen in Sibirien, wobei dort China "näher" ist, wenns die Pipelines bis zum Ural noch nicht gäbe. Russland wäre damit auch für die europäische Energieversorgung nur eine Brückenlösung... Gleichzeitig hat Russland es versäumt, die enormen Einnahmen aus den existierenden Vorkommen in die Erschließung zu reinvestieren... man setzte dort auf die Gier der anderen, womit ausländische Firmen die Erschließungen geplant, teilfinanziert und durchgeführt haben... auch ggü. China wollte man, dass China in Vorleistung geht, weshalb die Projekte dort nicht wirklich vorangehen. Drittens sind "westliche" Firmen nun mal Marktführer, was die Erkundung und Erschließung angeht, das können weder Russland noch China substituieren.